Samstag, den 8. November
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Sabine und Haßlach in Gesellschaft Adolfs fand. Sabme gegenüber hatte er ein ziemlich schlechtes Gewissen, und gegen Haßlach, der ihm trotz seiner dringenden Bewerbung die Ausführung des Neubaues im Hofe durchaus nicht hatte übertragen wollen, hegte er einen rachsüchtigen Groll. Mit verbissener Miene trat er näher, drückte feinem Bruder flüchtig die Hand und machte den beiden anderen nur eilte steife Verbeugung. _ ,
„Hätte ich geahnt, Adolf, dass ich Dich bei der Mahlzeit störe und in so angenehmer Gesellschaft (auf das Wort „angenehmer" legte er einen herausfordernd spöttischen Nachdruck-, ich wär' ein andermal gekommen."
„Du störst mich nie, mein lieber Bruder", versetzte Adolf mit Wärme. Der feindliche Ton Peters tat ihm weh, wenn er auch wußte, daß er ihm selbst nicht galt, so liebte er doch den Bruder viel zu innig, als daß ihn dessen galliges Wesen nicht hätte schmerzen und beunruhigen sollen. „Komm setz' Dich ein wenig zu uns -- zu essen kann ich Dir leider nichts mehr anbieten, aber eine Zigarre wirst Du wohl nicht verschmähen."
Er reichte dem Bruder seine Zigarrentasche, dann machte er Kehrt, um aus dem Nebenzimmer einen Stuhl zu holen, aber Peter hielt ihn fest: „Laß nur, Adolf, ich setze mich nicht erst, ich habe nicht viel Zeit."
„Ein Maurermeister, der nicht viel Zeit hat, ist h.eute zu beglückwünschen", bemerkte Herr Haßlach, „das Baugewerbe trägt jetzt goldene Früchte."
Peter lachte höhnisch auf: „So, meinen Sie das, Herr Haßlach? In dieser faulen, verrotteten Zeit trägt nur der Schwindel und Betrug Früchte; für ehrliche, mühevolle Arbeit sind unsere gegenwärtigen Zustände ein gänzlich unfruchtbarer Boden."
„Nu, nu, nu!" mahnte Adolf, „gehe nür nicht gleich wieder durch! Ich gebe Dir gern zu, daß noch lange nicht alles so ist, wie es sein könnte; aber wir leben doch in einem Zeitalter der Reformen, und wir müssen anerkennen, daß es zwar langsam, aber doch mit jedem Tage besser wird."
„Unsinn!" platzte Peter gereizt heraus, „nichts wird besser! Schlimmer wird es mit jedem Tag, und diese Welt wird nicht eher begreifen, was ihre Aufgabe ist, als bis ihr die Bude über dem Kopfe brennt."
„Ei, Herr Maurermeister", warf Haßlach dazwischen, „Sie wollen doch nicht etwa helfen, ihr die Bude in Brand zu setzen?"
Peter maß den also Fragenden mit einem grimmigen Blicke; alle Unzufriedenheit, die in seinem Herzen gärte, mußte sich diesem Manne gegenüber einmal Luft machen.
„Das werden andere besorgen, Herr Haßlach, die Esel, die sich in dieser Bude behaglich fühlen! O, wenn Sie auch ungläubig lächeln, ich sage Ihnen, der Tag der Abrechnung wird eher anbrechen, als Sie vermuten!"
Haßlach war einen Moment betroffen und sagte dann kühl: „Ich ziehe es vor, dieses Zimmer zu räumen, ehe ich mir von einem Manne Anzüglichkeiten sagen lasse, auf die ich
Ssurrnbiut.
ßtontan von Gerhart v. A m y n t o r (Dagobert v. Gerhardt).
(Nachdruck verboten.)
(Fortsetzung.)
Sie waren noch mit Messer und Gabel beschäftigt, als die Tür aufging nnd Herr Haßlach, wie immer sorgfältig, aber altmodisch gekleidet, über die Schwelle trat. Sein ehrliches, pockennarbiges Gesicht, das ans zwei hohen, steifen, dolchähnlich zugespitzten Vatermördern heraussah, nahm einen Ausdruck vorwurfsvollen Staunens an: „Hier speisen die Herrschaften? Mein Gott, das ist ja noch ungemütlicher als in einen Biwak. Warum sind Sie denn nicht zu mir heraufgekommen, verehrter Herr Sozius? Das Fräulein hätte doch oben wenigstens ein Tischtuch und eine Serviette gefunden."
Adolf lächelte gutmütig : „Nehmen Sie es uns nicht übel, Herr Haßlach, aber wir trauten Ihrer Junggesellenwirtschaft keine besondere Leistungsfähigkeit zu. Sie sehen, es geht hier ganz vortrefflich; ich habe einen wahren Wolfshunger."
„Das glaube ich, Sie haben auch Wunder gewirkt; die Werkstätten für die Holzblasinstrumente sind ja schon fix und fertig — bin eben dort gewesen."
„Hier sitzt mein Helfer", sagte Adolf, auf Sabine deutend „ohne Fräulein Meerholts llnterstützung wären wir noch lange nicht so weit.
Haßlach schaute mit Wohlgefallen auf das Mädchen, so hübsch wie heute war sie ihm noch nicht erschienen; wenn er auch ein hartnäckiger Junggeselle war und sich heimlich gefreut hatte, als damals seinem Sozius von Sabinen der Laufpaß geschrieben worden war, so dachte er doch unwillkürlich, daß die Anwesenheit eines so reizenden Frauenzimmers in feuient öden, fast nur von Männern bewohnten und besuchten Hause gar nicht so übel gewesen wäre. .
„Da muß ich mich also bei Ihnen, Fräulein Meerholt, noch besonders bedanken", versetzte er mit einer altfränkischen Verbeugung: „ich habe bisher nicht gewußt, daß Frauenhände auch bei der Einrichtung einer Werkstatt von Nutzen sein köni en."
„Was man gern tut, Herr Haßlach, das lernt man auch bald verstehn", erwiderte Sabine, die ihr reizend geschnittenes Näschen aus dem großen Bierglase hob, aus dem sie ebeu getrunken hatte; „es ist nicht das erste Mal, daß ich Herrn Dechners Werkstatt in Ordnung gebracht habe —, wenn er nur mit diesem Freundschaftsdienste zufrieden ist!
O, wie entzückt lauschte Adolf diesem unbefangenen Geständnisse! Vielleicht durfte er doch noch hoffen, daß ihm Sabine ihr Herz wieder erschließen würde; Freundschaft zwischen den Geschlechtern ist ja mit Liebe so nahe verwandt!
Eine vierte Person trat unvermutet ins Zimmer. Es war Peter, der im Vorbeigehen nachsehen wollte, wie sein Zwillingsbruder hier untergekommen war. Er stutzte, als er


