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allen Einzelheiten vorzüglich nachgebildet; der Bildhauer ist mcht bekannt. Der Ritter trägt Schwert und Streithammer; zu fernen Füßen liegt ein Drache. 'Es ist der Ritter Georg der Drachentöter, >der, wie die Sage verkündet, einen das Nreder-Beerbacher Tal verheerenden Lindwurm tötete. Dem Untrer mußten als Opfer junge Mädchen dargebracht werden, und als selbst die Braut des Ritters Georg von Frankenstein, das Förstertochterchen Mariechen, geopfert werden sollte, bekämpfte er das Untrer, schlug es zu Tooe, aber verendend noch stach ihn der Wurm unter die Kniescheibe, daß auch der Sieger sein Leben lassen mußte. Als die Swlle, wo der Lindwurm gehaust hat, wird noch der sog. Katzenborn gezeigt, der an dem zum Frankenstein hiuauftührenden Weg liegt; es rst ein aus dem Mittelalter stammendes Brmrnenhauschen, das bis vor zehn Jahren noch den Frankenstein mit Wasser versorgte. Der Zusammenhang dieser Lokalsage mit dem Heiligen Georg, dem Drachentöter, ist unverkennbar. .. , . ~
Ebenso findet sich ein Zusammenhang zwischen der bei Tannen- berg lokalisierten Sage mit der int gemein gut des deutschen Lölkes stehenden Märe vom „Graf im Pflug . Die Gründer der Burg Tannenberg war Konrad von Tannenberg, ein Verwandter der '.Herren von Bickenbach. ED geriet bei einer Fahrt ms heilige Land in die Gewalt eines Sarazenenfürsten. Um ihn zu befreien, zog feine Gemahlin Anna-Else als Ptlgrtm verkleidet an den Hof lenes Ungläubigen und wußte durch ihren süßen sang und ihr Saiten- spiel den Moslem so zu rühren, daß er ihr einen Wunsch frei gab und ihr den Christensklaveit überließ. Unerkannt geleitete pe den Gatten nach Hause, wo jedoch Neid und Mißgunst der Verwandten die unerschrockene Frau so sehr verdächtigte, daß der Gemahl ihr fast ihre 'Treue schlecht gelohnt hätte. Schon wollte er die des Ehebruchs verdächtigte Fran mit dem SckMert inederstoßeu, als sie ihm im Gewand des Pilgrims, der ihn ans dem Land der Ungläubigen gerettet, erschien und er voll Reue seinen Irrtum erkannte. .
Roch mancherlei Sagen fönnten wir auffuhren von verborgenen Schützen mit allerlei Teufelswerk (Auerbacher Schloß und Frankenstein) vom Teufel selber, wie er beim Kirchbau um seinen Lohn geprellt ward (Teufelsklaue auf dem Kerrgottslbergi bei Darmstadt) von der Knodener Kunst des „Festmachens , worüber uns aus den Kriegszeiten des 18. Jahrhunderts noch berichtet wird, allein das würde uns gar zu weit fuhren. Hiev sollte nur der wichtigsten Erscheinungeil aus der Mythen- und Sagenwelt gedacht werden, um dem Besucher des Odenwalds einen Hinweis darauf zu geben, welch eine Fülle von romantischen und poetischen Eindrücken seiner dort wartet.
Vermischter.
1 ■ * Das Ueberwinterii von Geranien und Fuchsien. Wenn mau vor Eintritt strengerer Nachtfröste die meistens noch in Blüte stehenden Geranien und Fuchsien von allen abgeblühten Blumen und gelben Blättern befreit, sie noch einmal durchdringend gießt und in eilten hellen, luftigen Keller oder ungeheizte Zimmer stellt, so hat man zunächst das Nötigste getan. Die weitere Pflege besteht im Reinhalten von allen gelben und modernden Blättern, bwut nichts ist gefährlicher als Fäulnis. Gegossen wird nur mäßig und besser eher zu wenig als zu viel. Fuchsien können im Winter eher Feuchtigkeit vertragen als Geranien, die man im Dezember bis Anfang März ganz trocken werden lassen kann. Etwa noch nachkommende Blüten werden entfernt, denn sie schwächen die Pflanzen nur unnötigerweise. Das Gesagte bezieht sich auf Pflanzen, die über Sommer in Töpfen gestanden hätten. Auch ganze Feirsterkästen, mit Geranien oder Fuchsien bepflanzt, kann man auf diese Weise, ohne die Pflanzen zu stören, durch den Winter bringen. Im Frühjahr, von Mitte März an, müssen die Stöcke jedoch aus ihren Gesäßen her- ausgenommeu, an den Wurzeln etwas eingekürzt, die Triebe kräftig zurückgeschnitten und in nahrhafte, frische Erde verpflanzt werden. Mit dem durch den Winter Bringen ist es also nicht, getan und wer diese Frühjahrsarbeit versäumt oder nur oberflächlich besorgt, das Zurückschneiden ungenügend handhabt, wird trotz aller sonstiger Pflege nur lang aufgeschossene, mäßig blühende Pflanzen haben. Bei Geranien, die über Sommer im Freien gestanden hatten, muß, bevor sie in Töpfe gesetzt werden, ein großer Teil der mastigen Triebe weggeschnitten werden. Man entfernt hierbei immer die längsten Triebe und schont die untersten, so daß man niedrige und nicht zu umsaugreiche Büsche erzielt. Wem es an geeigneten Räumen zum Durchwintern fehlt, plage man sich nicht mit vergeblicher Arbeit, sondern kaufe im nächsten Frühjahr neue Pflanzen.
* Ein kleines Mißverständnis. Eine lustige kleine Komödie der Irrungen, in die die britische Flotte verstrickt worden ist, erhält durch eine Nachricht aus Sydney ihre Aufklärung. Vor einiger Zeit Tief in Sydney von einem vor Noumea in Neu- Kaledonien liegenden kleinen englischen Kreuzer folgende lakonische Alarmnachricht telegraphisch ein: „Matrosen und Soldaten von Kaledoniern^geschlageii." Da Neu-Kaledonien bekanntlich eine französische Sträflingskolonie ist, und dort au Desperados fein Mangel herrscht, war man in Sydney sehr be- I
beunruhigt und sandte schleünigst ein zweites britisches Kriegs» schiff ab, zum Schutze der englischen Untertanen. Man glaubtet an einen Aufstand der Kanakas, aber als tatenbereit das Kriegs-, schiff eintraf, erklärte sich die Alarnachricht auf überraschende! Weise: das Telegramm aus Noumea wollte nur besagen: daß bet einem großen Fußballkampf die französischen Matrosen Und Soldaten der Kolonialinfaitterie von dem Klub der Neu-Kaledonier besiegt worden waren ...
* Gobelins als — Hosenböden. Wird man die Erfahrung, die Vor einiger Zeit ein Pariser Kunsthändler mit einem heiteren und einem nassen Auge machen mußte, als ein Zeichen des wachsenden Kunstverständnisses unserer Zeiten deuten können? Die Zeitschrift Psle-Msle erzählt die Geschichte: auf seiner Entdeckungsfahrt durch die Provinzen fand der Kunsthändler in der Küche eines Bauernhauses an der Wand ent Stück Stoff hängen: und als er es näher untersuchte, blieb kein Zweifel/ daß es sich um das Stück eines prachtvollen alten Gobelins aus den Zeiten der Hochblüte dieser Kunst handelte. Wohin aber waren die fehlenden Stücke gekommen? Der Kunsthändler, der ein gutes Geschäft wittern mochte, begann den Bauern zu fragen/ und schließlich erklärte ihm die Bäuerin, die Stücke wären nicht mehr da, sie habe sie dazu benutzt, um an den Beinkleidern ihrer recht zahlreichen Nachkommenschaft die schadhaft gewordenen Hoseil- böden zu flicken. Gobelins als Hosenböden: der Fall hat noch ein Gegenstück. Und das war ein Selbstporträt Rembrandts, das heute die Zierde einer bekannten Galerie bildet und das seinerzeit ein Kunsthändler in einem kleinen Gasthof entdeckte, in dem das Meisterwerk als — Wachstuch auf einem Waschtische lag. _________ _
Bücherlisch.
— Unter dem Titel Knnstwart —; Dürerbuu8 — Buchhandel, Denkschrift und Protest gegen die Mittelstelle für Volksschriften hat die berufene Vertretung des deutschen Buchhandels, der Börsenverein der Deutschen Buchhändler zu Leipzig, eine Broschüre herausgegeben, die Stellung zu dem Versuche von Dr. Avenarius nimmt, die gesamte Bolksschriftenliteratur, soweit ihr Preis nicht 1 Mk. übersteigt, einer Zensur bezw. Abstempelung zu unterwerfen und ihren Vertrieb in einer in Dresden zu errichtenden Mittelstelle für Volksschriften zu konzentrieren. In eingehender Weife und unter Berücksichttgung aller bisher er- fchienenen Aeußernngeu im Knnstwart sowohl wie in der buch- häudlerischen Fachpresse legt die Broschüre die Gründe dar, die zur Ablehnung dieses Projekts im Buchhandel geführt haben, und sucht zugleich die Oesfentlichkeit über die Behandlung der Streitfrage durch den Kunstwart und die Art feiner Polemik aufzukläreu. Die Broschüre wird auf Wunsch allen Interessenten auf Verlangen von der Geschäftsstelle des Börsenvereins, Leipzig (Buch- händlerhaus), kostenlos übersandt.
— Calderons Meisterdramen. 8 Teile in 2 Wilden, mit Einleitungen und Anmerkungen herausgegeben von W. v. Wurzbach. In 2 Leinenbänden. Leipzig, Hesse u. Becker Verlag. Calderons glänzeiide Phantasie und glaubensstarke Mystik, seine Bühnenbegabung und prachtvolle Sprache werden immer neue Bewunderer finden. Gr ist heute beliebter als je, und für die weitere Ausdehnung seines alten Ruhmes als Klassiker der spanischen Bühne werden die 15 Meisterwerke sorgen, die hier in den besten Uebersetzungen von sachkundiger Hand in preiswürdiger Ausgabe zufammengestellt, zum Ritt ins alte romantische Land einladen: „Das Leben ein Traum, Der wundertätige Magus, Die Andacht zum Kreuze, Der Arzt seiner Ehre, Der standhafte Prinz, Der Richter von Zalamea" und wie sie alle heißen, fesseln heute wie vor Jahrhunderten den Hörer und den Leser.
— Molisres M e i ste r d r a m e n. Nebersetzt von Wolf Grafen Baudissin. Mit Einleitungen und Anmerkungen von Philipp August Becker. In einem Scinenbaub. Leipzig, Hesse u. Becker Verlag. Molitzres Herrschaft ist unbestritten: er ist einer der wenigen Klassiker, .die, erhaben über Raum und Zeit, in jedem, auch dem engsten, Verzeichnisse der Meisterwerke aller Rationen Aufnahme gesunden haben und finden werden. Der Zeitgenosse Calderons, der Vater der Komödie, wie ihn seine Landsleute nennen, ist jung geblieben. Er hat nicht nur den besten seiner Zeit genug getan: der Schöpfer des modernen Sitten- und Charakterlustspiels wirkt heute genau so stark und lebendig wie vor Jahrhunderten auf der Bühne und beim Lesen. Der Herausgeber hat 8 Prachtstücke ausgewählt, in denen die unfehlbare Meisterschaft des großen Menschenkenners besonder- klar zu Tage tritt. _________ --
Mtsrl.
Ke,mst du den mächtigen Herrscher, der noch von niemand bezwungeii? —
Seh' statt des ftnßes p f, nun wird ein Wirtschastsgerät. Auflösung in nächster Nunirncr.
Auflösung des Kapselräifels in voriger Nummer: Bei gutem Winde ist gut segeln.
Redaktion: K. Neurath. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'ichen Universitäts-Buch- und Steiudruckerei, R, Lange, G.eß<n»


