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III

Lsurrnblut.

ßtoman von .Gerhart v. A m y n t o r (Dagobert v. Gerhardt).

(Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)

lieber Justs glattes, rasiertes, sonnengebräuntes Gesicht flog em Schimmer höchster Befriedigung, ein Auflächeln innerster Wonne und Seligkeit; er wollte des Assessors Hand an seine zuckenden Lippen ziehen; doch dieser litt es nicht, indem er weit die Arme öffnete und den kleineren Mann, der jetzt ebenfalls aufgestanden war, kräftig an seine Brust drückte.

Lassen Sie uns Freunds bleiben," sagte er tiefbewegt, und als erstes Zeichen Ihrer Freundschaft erfüllen Sie mir einen Wunsch imb stecken Sie die vierhundert Mark, die Ihrer Rechnung nach den Brüdern Dechner zukommen, wieder ein unb stellen sie ihnen zu. Dann aber noch eine Bitte," fügte Teil hinzu, nachdem der andere ein paar Bank­noten von der auf dem Tische liegenden Summe fortgenom-- men und in sein Ledertäschchen zurückgelegt hatte,erwäh- nen Sie gegen niemand, daß die beiden,Dechner meine Stiefbrüder sind. Der -eine derselben, Adolf, ist Instru­mentenmacher und, soviel ich weiß, ein ganz ordentlicher und braver Mann; aber Sie iverden begreifen, daß mir die nahe Verwandtschaft mit einem Handwerker nicht gerade zur Empfehlung in meiner Laufbahn als Staatsbeamter dienen würde--"

Warum denn nicht?" ivagte Just sehr bescheiden, aber doch einigermaßen verblüfft zu fragen.

Tell lächelte:Das verstehen Sie freilich nicht. Sie haben fünfundzwanzig Jahre im freien Amerika gelebt und alle Vorurteile wie Staub von den Schuhen geschüttelt. Glauben Sie nur ja uicht, daß ich meinerseits nicht die höchste Achtung vor dem ehrlichen Handwerk habe; ich be­neide sogar in vielen Dingen meinen Stiefbruder Adolf, denn er ist ein zufriedener, stiller und glücklicher Mensch, dem es nach allen Seiten hin gelingt und der sicher einmal etwas Erkleckliches vor sich bringen wird; aber wie nun einmal die Dinge bei uns liegen, ist für -einen Assessor und Hilfsarbeiter int Ministerium, der bald noch höher befördert zu werden hofft, der nähere Verkehr mit einem Handwerker nicht gerade empfehlenswert; er würde mir schaden, mich in den Augen der Gesellschaft herabsetzen und verdächtigen; ich kann mich wirklich darauf nicht einlassen und muß, so leid es mir tut, dem Vorurteile der Welt Rechnung tragen."

Durch mich solleit Sie nie einen Nachteil erfahren, lieber Herr Assessor, das verspreche ich Ihnen beim Ange­denken au Ihre Fran Mutter, die wir beide doch wohl lieb gehabt haben."

Ich danke Ihnen, lieber Herr Just, und freue mich, daß Sie mich nicht mißverstehen. Noch zwingender für mich liegt die Sache mit dem anderen Dechner namens (Beter.

Der Mensch wollte durchaus nichts lernen, wenigstens nicht das, was er lernen sollte. Er fabelte immer davon, daß eu ein großer Baumeister werden und die Welt mit seinen epoche­machenden Schöpfungen überraschen würde; den Weg aber, der ganz allein zu diesem Ziele hinführen konnte, wollte er nicht gehen. Besonders das Studium der alten Sprachen widerte ihn so au, daß ihn Herr Lampert aus der Tertia des Ghmnasiums herausnehmen und zu einem Maurermei­ster in die Lehre geben mußte. Im Anfänge ließ er sich ganz gut au; die praktische Tätigkeit schien ihm zu behagen; er besuchte in den Wiutermonateu eine Fachschule, wurde dann Geselle und arbeitet seit einem Jahr als erfahrener und brauchbarer Polier. Es hätte ihm, allem Anschein nach, ganz gut glücken können, ivenigstens ein tüchtiger und vielleicht auch ivohlhabender Meister zu werden, wenn er sich uicht mit Leib und Seele der politischen Bewegung angeschlossen hätte. Er ist politisch ganz radikal, und ich ivill und darf niemals daran erinnert werden, daß das Blut meines Vaters auch in seinen Adern fließt. Begreifen Sie, daß mich das Be­kanntwerden von irgend welchen Beziehungen zu diesem an­rüchigen Menschen unvermeidlich ruinieren würde?" .

Friedrich Just nickte:Ich begreife ja, ja! wenn ich auch uicht einsehen kann, warum das so sein muß, denn wie kann man für das Verhalten eines Bruders veraut- wortlich gem-acht werden? Soll man denn seines Bruders Hüter fein?"

In gewisser Hinsicht bin ich allerdings mit verant­wortlich für die Aufführung meines Stiefbruders; denn man könnte aus feinem Verhalten doch einen Rückschluß auf die Kinderstube machen, die auch mir zuteil wurde."

Sie haben ja leider keine rechte Kinderstube keuneik gelernt; im Hause fremder Leute sind Sie aufgewachsen."

Das würde mich nicht entschuldigen, sondern vielleicht nur die mit belasten, die mir die rechte Kinderstube vorent­halten haben."

Friedrich Just zuckte schmerzlich zusammeu:So ma- djen Sie Ihrer armen Mutter einen Vorwurf daraus, daß sie den Heroismus besaß, sich von ihrem einzigen Kinde zu trennen, um es den Gefahren der Verwilderung auf ihren endlosen und abenteuerlichen Reisen zn entziehen?"

O nein, Herr Inst; ich segne das Andenken meiner Mutter, die mehr an mir getan hat, als tausend andere Mütter in gleicher Lage getan haben würden. Aber wenn man von meinen näheren Familienverhältnisseu erführe, würde man ihre Dunkelheit jedenfalls bemängeln imb sich mehr unb mehr von mir zurückziehen. Es ist schon besser, glauben Sie mir, wenn meine beiden Stiefbrüder gar nicht für mich vorhanden sind und meine Herkunft und Verwandl- schaft in keiner Weise erörtert werden; ich werde den beiden Dechners gewiß nichts in den Weg legen, hoffe aber, daß sie auch mir immer drei Schritt vom Leibe bleiben werden." Er machte eine Pause, in der er die noch auf dem Tische liegenden Banknoten zusainmenschob, um sie in feinem Schreibtisch zu verschließen, dann fragte er, einen mehr mun-