Ausgabe 
8.5.1913
 
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Buchstaben nennen würde:9i. I. U. ©" Dre Gräfin iveigerte sich anfangs. Sie beschwor ihn, sich feinem Vater, dein Kaiser KN offenbaren. Seine Antioort >oar:Damit würde ich mir mein eigenes Todesurteil unterzeichnen." Erst nach! langenr Zögern erklärte sie sich bereit, ihm! beiznstehen. Am folgenden Tage holte sie dann Marie Vetsera ab unter dem Vorwande, mit ihr Einkäufe M Machen. Sie brachte sie zur Hofburg. , Zu ihrem Schrecken weigerte sich Konprinz Rudolph, sich? von Alane wieder zu trennen und auch sie ließ er nicht eher wieder frei, cU bt» sie ihm! geschworen hatte, ihn nicht zu. verraten. Zur Erklärung seiner Handlungsweise erzählte er ihr,daß in zwei Tagen ihm etwas Großes zustoßen könne".Und ich wüiische dann Marie bei mir zu haben", schloß er emphatisch. Die Gräfin iv'ar also gezwungen, die Hofburg ohne Marie Vetsera zu ver­lassen. . . . Zwei Tage darauf erfuhr sie das Drama von

Unmittelbar danach besuchte sie der Hosarzt Dr. Wiederholer auf Befehl des Kaisers. Aus seinem Munde erfuhr sie die näheren Einzelheiten des Dramas-

Der Kronprinz schrieb seiner Frau," so erzählte ihr der Arzt,daß er für drei Tage zur Jagd nach Meyerlrng gehen wurde,- er Würde jedoch M einem Familiendie!ier°am 30. Januar zurück sein . . . Er verließ Wien zwei Stunden nach Marie Marie Vetsera, die zum Jagdhause von Meherling un Wagen fuhr. Die beiden verweilten dort einen Tag und die Nacht. Äni 29. kamen einige Freunde des Kronprinzen... !Er ging nicht auf die Jagd; er schlitzte eine Erkältung vor. Am Abend saß' er am Tisch, -ein seidenes Taschentuch um den Hals ge­wunden . . . Kronprinz Rudolph und Marie aßen ziisanimen Abendbrot und Lvschek (der Diener des Kronprinzen) erhielt Befehl, seinen Herrn uM 7 Uhr am folgenden Morgen zu wecken. In den unteren Räumen Hub dann eine Orgie der Trunken­heit an . . . Loschek erschien uM 7 Uhr, um seinen Herrn, zu wecken. Der Kronprinz schickte ihn zurück und befahl ihm, in einer halben Stunde wieder zu klopfen. Er tat, wie ihm geheißen wurde. Aber -er erhielt keine Antwort. Voller Unruhe eilte er zum Grafen Hoyos. Sie brachen die Tür auf . . . Ueberall wär Blut, RUdolp'h lag auf der Seite, in der einen Hand den Revolver. Sein Kopf war nahezu zerschmettert. Auch Marie -Vetsera lag tot mit einem Schuß in dem Kopf." Dr. Wieder- hösc-r erzählte dann Weiter, daß leere Champagnerflaschen herum- l-agen und eine Karaffe voll Branntwein neben dem Bette ge­funden wurde . . . .Weiterhin berichtete er dann eine gruselige Geschichte von der Fortschasfung des Leichnams der Baronin. Die Leiche ward völlig angezogen, und in der Nacht v-on Verwandten der Baronin, deni Grafen Stockau und Alexander Baltazzi nach Wien gebracht. Auf der Fahrt saß die tote Baronin zwischen ihnen. Es geschah dies auf Befehl der Polizei, die bei der Bevölkerung den Eindruck erwecken wollte, daß die Baronin noch tont Leben sei. Auf dem Friedhöfe des Zisterzienserkosters von Heiligenkreuz ward die Leiche ohne jegliche Zeremonie beigcsetzt. Drei Wochen später erhielt die -Gräfin folgenden Brief der Baronin, der in Weherling später gefunden worden War.Liebe Marie- Vergib mir all die Unannehmlichkeiten, die ich Dir verursacht habe. Ich danke Dir von Herzen für alles, Idas Du für mich getan. Wenn Dir das Leben zu schwer wird und ich! fürchte, es witd Dir nach dem. Was wir getan haben, schwer werden folge uns. Es ist das Beste, was Du tun kannst. Deine Marie."

Am Tage nach der Beisetzung des Kronprinzen erhielt die Gräfin eine Botschaft, in der ein Unbekannter sie unter Mitteilung der BuchstabenR. I. U. O." -ersuchte, sich in der Nacht an fehler einsamen Stelle einzufinden. Der Unbekannte erwies sich !als der Erzherzog Johann (der spätere Johann Orth), den die Gräfin als einen intimen Freund Rudolphs kannte. Er nahm die Kassette in Empfang, und sagte, daß ihm dadurch, daß sie sie so getreulich verwahrt habe, das Leben gerettet scki.Bedaure Rudolph nicht," fuhr er dann fort,wenn der Kaiser diese Mapiere gefunden hätte, würde es viel schlimmer um ihn ge­standen Haben. Der Kronprinz hat sich selbst erschossen. Aber wenn der Kaiser alles gewußt hätte, dann wäre es seine Pflicht gewesen, ihn vor ein Kriegsgericht zu stellen und ihn als Ver­räter erschießen zu lassen . . .Mein Gott", rief ich! aus,was war's? Dachte er an die Krone Ungarns?" Der Erzherzog nickte. Und plötzlich fielen mir die Worte meiner Tante ein, die Wir erzählt hatte, daß Rudolph in den Händen der Freimaurer' sei. . . .Glauben Sie, daß Rudolphs Pläne fehlschlugen?" fragte ich weiter.Und daß er die erste Nachricht hiervon in Meyerling erhielt und daß er dann aus Furcht . . ." Der Erzherzog nickte schweigendMag sein," antwortete er ausweichend, über begreifen Sie, was die -Gefahr der Entdeckung für Rudolph bedeutet haben Maß, für ihn, mit seinen durch Drogen und Brannt- wem untergrabenen Nerven? Die Furcht allein mag ihn zum Selbstmord getrieben haben. Schade, daß er so schwach war. ßr hat mir gegenüber sein Mort gebrochen." Als Erzherzog Johann dann der Gräfin Lebewohl sagte, vertraute er ihr an, daß er Oesterreich verlaßen werde,um zu sterben, ohne zu ft erbat." Ans diesen Worten schließt sie, daß Johann Orth noch lebt und nur aus den geeigneten Zeitpunkt wartet, um wieder anfzutauchen.

VevmLschtes.

K.-K. Die Einwirkung des Lichtes aus Milch, Wer einmal Gelegenheit gehabt hat, eine moderne Molkerei oder eine Milchfonservenfabrik zu besichtigen, dem' wird wohl sicher in dem Raume, in dem die Milch verarbeitet wurde, ausgefallen sein, daß die Fenster dieses Raumes nicht aus gewöhnlichem, sondern aus gelbbraun gefärbtem Glase hergestellt sind. Der Grund, warum! man in solchen'Milche verarbeitenden Betrieben gefärbtes Fensterglas verwendet, ist in der Mn Wirkung des Lichtes auf den Geschmack der Milch! zu suchen. Läßt man Milch bei Luftzutritt eine Viertelstunde lang von der Sonne bescheinen, so nimmt sie sofort eilten unangenehmen, bitterlichen Geschmack än, weil sich unter der Einwirkung des direkten Sonnenlichtes der Sauerstoff der Luft mitt dem Milchfett verbindet. An der den Geschmack beeinträchtigenden Wirkung sind vornehmlich die bläuen Strahlen des Sonnenlichtes beteiligt. Aber nicht nur der Geschmack, sondern auch die Haltbarkeit der Milch wird von einer Bestrahlung -durch direktes Sonnenlicht ungünstig beein­flußt. Man hat nun gesunden, daß Milch in Flaschen aus rotem! Glase viel länger frisch bleibt und daß man die gleiche günstig« Erscheinung beobachten kann, wenn mlatt die Flasche mit rotem Seidenpäpier umwickelt. Farbiges Glas ist jedoch, namentlich für Milch, von unteren Hausfrauen nicht gerne gesehen, sie mit Recht auch das Produkt, das sie einmufen, sehen wollen, Dagegen wird Man für Kindennilch, die in den Großstädten zumeist in Flaschen verkauft wird, die Abgabe in mit farbigem Seidenpapier umwickelten Flaschen als einen hygienischen Fort­schritt begrüßen können. Dr. Ha ste r li k-München.

"Schutz den V og e l u e st ernl Sobald die Zeit heran ist, daß Eier in den Vogelnestern liegen, erwacht in vielen Knabe» der böse Trieb, die Eier auszunehmen. In einigen Fällen kommen die Eier in irgend eine Sammlung; in den meisten Fällen werden sie sortgeworseu und zertreten. Aus jete i Fall wird durch diese Nesträuberei in weitem Maße eine Zimahme der Vogelwelt ver­hindert. Nicht umsonst mahnt aber der alte Vers: »Nimmst du dem Vogel Nest und Ei, iftS mit Gesang und Obst vorbei." Während nun bei den Eierdiebstählen keine Tierquälereien vor­kommen, ist dies aber meistens der Fall, meint die Plünderungen der Buben sich aus die ausgebrüteten jungen Slestvögel erstrecken. Rücksichtslos werden die kleinen, unschuldigen Tiere aus dcr^elter- licheu Behausung herausgeworseu oder es ivird ein andererFrevel mit ihnen verübt. Dringend notwendig ist es, daß in den Schulen die Kinder über das Verwerfliche der Eier- und Nestlingsränberei belehrt und die angezeiglen jugendlichen Täter mit empfindlichen Schulstrafen belegt werden. Auch die Ellern sollten solche Tinge ihrem Nachivnchs nicht ungestraft durchgehen lassen. Ein Menschen- kind, das mitleidslos den Vögelchen ihre Kinder fortnimmt und mordet, ist in Gefohv, ein hartherziger, rücksichtsloser Mensch zu werden, der in späterer Zeit gewiß auch nicht zögern wird, gegen die eigenen Eltern undankbar zu handeln. Jung geivohnt, alt getan!

*KeineBesorgnis. Maurer:Obaaaacht! Ziegel kommt!" Passant:Machen's doch nicht so a furchtbares Geschrei da oben; eh Sie den Ziegel loslasseu, bin i längst um die Eck'!"

* Rückzug. Eifersüchtiger Ehemann (unverhofft in das Zimmer seiner Frau tretend):Ja, was versteckst du da? (Ent­reißt ihr das Papier.) Die Rechnung deiner Schneiderin? Da nimm! Ich will dieses Mal nichts gesehen haben!"

*Warum schließt Fräulein Schreihals die Augen beim Singen?"Vielleicht hat sie ein mitfühlendes Jom;." . Ich verstehe Sie nicht ganz."Vielleicht kann sie es nichts mitansehen, wie wir leiden."

* Die Gattin:Was soll das heißen, daß du Frau Browns Mann erzählst, du fragtest mich nie wegen etwas um Rat?" Der Gatte:Nun, Schatz, das tu ich doch auch nicht. Tn wartest gar nicht ab, bis du gefragt wirst."

Auflösung in nächster Nummer.

W

K

M

II

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vnchstaben-Nöffelsprung.

Auflösung des Versteckrätsels in voriger Nummer: Au Gottes Segen ist alles gelegen.

Itebaftion: K. Neurath, Rotationsdruck und Verlag der Brühl'scheu Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lauge, Dietz«»