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In einer ganz bewegten Stimmung schaute Httdegwrd in die Wetten, die um das Schiff kanzten — em so werter, weiter Himmel lag Wer ihnen, so licht und. sonnenklar schrm- nrerte die Ferne. Die Schönheit um sie her drang so tief in ihre junge Herzen, sie waren wie umweht von Poesie
Des Abends sahen sie zusammen die Sonne sinken, ihre letzten Strahlen irr glühendem Rot verzittern, danrr streg im Ostet: über der spiegelnden Fläche der Mond empor, ern breiter Goldstreifen wogte über dem See. Immer zauberhafter wurde die Landschaft. — — —•
Als Reichmann ein paar Wochen mit ihnen zusammen ivar, sagte tiurt der Decken eines Abends, während der junge Mann eiligst an das Ufer hinübersprang, um Httde- gcirb, die allein auf den See hinausgerudert war, berm Aussteigen behilflich zu sein. ,
„Hören Sie, lieber Holst, ich nrerrre, Sre sollten Ihren hübschen, jungen Kollegen freundlichst ersuchen, anderwärts feine Studien fortzusetzen. Er hat sich, seit er hier ist, ohnedies mehr mit Ihrer Tochter als mit ferner Malerei beschäftigt. Viel länger wäre das nicht wünschenswert, weder für das Fräulein, noch für ihn. Die beiden gefallen sich einander schon allzu gut." ,
„Hören Sie doch nicht auf diesen Griesgram!" rief Steinberger. „Soll denn gar kein Vergnügen mehr auf der Welt sein? Muß inan gleich dazwischen fahren, wenn zwei junge Leute einmal von Herzen lustig und übermütig sind? Zum Kuckuck, es ist doch kein Verbrechen, wenn die beiden einander gefallen!"
„Nein, Verbrechen ist's keins, aber eine Torheit! Ich glaube nicht, daß Holst seiner Tochter Reichtümer mit- zugeben hat, und Reichmann — nun ja, er ist ein talent- voller Mensch! Was heißt das bei einem Maler heutzutage? Daß er nicht direkt verhungern muß, ivenn er ein bißchen Glück obendrein hat und nur für sich allein sorgen luuß, daß er aber den dümmsten Streich seines Lebens begeht, wenn er sich verliebt und nicht rasch Reißaus nimmt!"
„Wenn Sie allen Idealismus aus der Welt fortwünschen, dann dürfen Sie sich nicht mehr darüber wandern, daß es Ihnen unter den Menschen nicht mehr gefällt!" meinte Steinberger.
„Ich den Idealismus fortwünschen! Wer ich bitte Sie! Die Kritiker haben mich ja alle einen Süßholzraspler von unverdaulichem Idealismus genannt."
„Nun, dann müssen Sie auch der Fügend ihren Lebensmut und ihr Vertrauen auf die Zukunft lassen. Wo kämen wir denn sonst hin? Da stürbe ja die Wett aus l"
„Wäre das etwa schade?" höhnte van der Tecken.
„Ihr Standpunkt! Deswegen schaffen Sie die Liebe doch nicht ab," lachte Steinberger.
„Als ob Liebe unter den herrschenden Verhältnissen überhaupt die geringste Existenzberechtigung hätte!" rief fein Gegner bitter. „Geld, Geld, Geld ist die Parole! Beim Verloben und Heiraten erst recht! „Meine Tochter heiratet eine Million!" „Mein Sohn hat sich mit ein paar Zinshäusern verlobt!" So sollten sich die Väter und Mütter, deren Kinder Mich haben, ausdrücken. Was tut denn der Mensch, der Name bei der Sache?"
Holst hatte vor sich hingelächelt, mit seinen ivarmen, seelenvollen Angen, die manchmal etwas Kindliches hatten, trotz des düsteren Bartes und der stark vom Leben ausgearbeiteten Züge.
„Sie irren sich doch in den Menschen, Herr von der Decken! Hat meine Tochter nicht die Millionen ihrer Adoptiveltern im Stich gelassen, um zü ihrem armen Vater zu kommen?"
„Wenn sie es nur nicht noch einmal bereut!" murmelte der pessimistische Schriftsteller.
„Ist sie nicht glücklich in der Einfachheit, die ich ihr bieten kann? Wenn sie mit Reichmann lacht und scherzt in ihrem Uebermut, das macht mich noch lange nicht be- sorgr für ihre Herzensruhe. Es steckt mehr Vernunft und Ueberleguttg in so einen; jungen Mädchenkopf, als man meint. Ich bin so fest überzeugt, der junge Mann ist ihr nur wie eure Staffage in der hübschen Landschaft!"
Es klang aber doch eine leise Beunruhigung durch seine Stimme, ittib als sich Hildegard an diesem Abend, an seinen Ärm hing und mit so glühender Begeisterung sagte:
„Vater, ich iw.n’fe es dir tausendmal, jeden Dag, vaß du mich hierher brachtest! Ich bin so furchtbar glücklichst!"
— Da sah er sie doch recht forschend an und strich ihr mit einem Seufzer über die heißen Wangen.
Galt dieser Jubel wirklich nur der Frühlingsschönheit? Waren ihre Gedanken noch ganz bei dem Vater, dem sie so "türmisch dankte?
Ein Gefühl der Verantwortung beklemmte ihnr die Brust, eine erste Batersorge, in all dem neuen Vaterglück, eine dumpfe Angst vor einen: strengen Wort, einem herben Eingreifen, das am Ende als schwere, grausame Pflicht an :hn herantreten könnte.
14.
Grimberg hatte das Porträt von Marianne von Flassan üst vollendet; sie sollte zur letzten Sitzung erscheinen.
Im Grunde fürchtete er sich davor, mit einem weiteren- Herumändern das Bild zu verderben, nur Nebensächliches durfte noch übermalt werden.
Und vor allem, er wollte sie noch einmal sehen.
Er hatte bisher nicht an das unerbittliche Ende denken mögen, er hatte sich mit dem Gedanken hingefristet: fie wird kommen, morgen, oder in zwei oder in drei Tagen! Noch hatte ihn ja, ebenso mächtig wie die Sehnsucht nach' ihr, die Begeisterung für seine Arbeit durchglüht. Ter ehrgeizige, aufregende Wunsch, dieses holde Gesicht, über dem ein so rührender Schimmer von Wehmut lag, mog- lichst reizvoll und lebendig wiederzugeben, diese Schönheit, die ihn so tief bewegte, auch voll und Lanz zum Ausdruck zu bringen.' Aber als er nun an diesegn letzten Vormittag mit dem fast fertigen Bilde auf sie wartete, da war der Schöpferjubel verflogen, ernüchternde Zweifel an fernem Werke quälten ihn, der Schmerz über das Ewlg-Unerretch- bare, über den Abstand zwischen dem Bild, wie es vor seinen Augen schwebte, und wie es hier auf der Leinwand! stand, jener bittere „Katzenjammer", der den echten ernsten Künstler wohl am schwersten packt.
llitb zu den Ehrgeizwunden kam das Leid über dre nahe Trennung. ...
Eine rasende, wilde Leidenschaft hatte rhn erfaßt jur diese schöne, traurige Frau, die in selbstvergessenen Momenten mit so trostlosem, verzweifeltem Blick ins Leere starrte. , ... ~, ,,
Er wußte so wenig vorr ihr. Erne gewrsse scheu hatte ihn davon abgehalten, Erkundigungen über sie ernzuzrehen, nur ihren Namen vor Fremden zu nennen. Er hätte es, nicht ertragen können, eine frivole Bemerkung, ein banales Wort über sie mit anhören zu müssen. Und er, der sonst so keck und frei mit Frauen zu plaudern wußte, hatte rhr gegenüber keine Frage gewagt, bei diesem .stundenlangen Zusammensein mit keinem Wort, verraten, iuie ihre Rahe ihn bewegte, wieviel seine Gedanken sich mit ihr beschäftigten. ,,
Welches Schicksal hatte sie so unnahbar, so verschlossen genracht, daß sie nie über sich selbst sprach, ja, daß sie auch ihn zu dieser Zurückhaltung zwang, die sonst gar nicht in feinem Wesen lag? t .
Gerade dieses Rätselhafte, Verqchlererte:n ihrem Wesen reizte ihn, den Erfahrenen, der schon so manche recht „zugeknöpfte" Damen kennen gelernt, ganz unsagbar. , (Fortsetzung folgt.)
Die internationale Baufach-Ausfteüung in Leipzig.
Von Paul Westheim.
Sonnabend ist der festgesetzte Tag, von dein au das Publikum in die internationale B a u fa ch - A us st c l l u n g in Leipzig eingelassen werden wird. Der König von Sachsen wird zur Eröffnung erscheinen. Man wird ihn durch ein Riescn- gelänbe führen, ihm eine Menge Hallen und Pavillons zeigen, in betten das weite Gebiete des B a u e n s und Wohnens n a ch alten R i ch t u n g e n zur Schau g e st e l l r sein wird. Er wird zwar nicht so waghalsige Klettertouren zu unternehmen haben wie ein neugieriger Besucher, der kurz vor der Eröffnung gern gescheit hätte, was es denn eigentllch hier zu sehen gibt; aber von den vielen Dingen, die demnächst diese großen Hallen füllet: werden, wird auch er sich einstweilen noch erzählet: lassen müssen. Alle erdenkbaren Baustoffe sollen vorgeführt, ihre Verarbeitung und Verwendung gezeigt werden. Baumaschinen. und -Methoden, die wissenschaftlichen Hilfsmittel Zur die Baustoffprüfuna, Unfallverhütung, Wohnungshygiene, Woh- nungsiünst, Städtebau, Bcrkehrsaulageu, Jugenicurkonstruktivncn, Probleme der Bodenpolitik und hunderterlei andere Fragen wcr- ben zur Schau und zur Diskussion gestellt werden. Man wird eilte Kunstausstellung haben, in der cs Hodler und Renoir utw


