Ausgabe 
8.3.1913
 
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Jfrautnliebe.

Roman von Horst Bodeme r

(Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)

'.,' der seinem Eintritt lenkten sich wieder aller Blicke ans !W*- n,a^nt emen Stnhl und setzte sich an einen Spiel- ^?^../?eute mußte die Sache noch besser gehen. Er hatte oas Gefühl, wenn er hintereinander wegspielt, würde er rascher zum Zrel kommen.

Er schob zur Abwechselung! tarisend Franken auf Schwarz, 'Rot kam heraus.

Wie dunim!" brummte er. '.Rot ist doch meine Farbe!"

Wieder setzte er tausend Franken ans Rot. Er ge- wanil, ließ das Geld und den Gewinn stehen und ", Kchlvarz kam heraus.

., . Hans Wilhelm wurde ärgerlich, stieß den Stuhl zu­rück und ging an einen andern Tisch. Der wär besser für chn, erst gewann er, dann wechselte Verlust und Gewinn' er kam nicht von der Stelle. Das' machte ihn nervös Er stand auf, steckte sich eine Zigarre an und hörte vorläufig Mit dein Spielen anf. Ob er ein wenig spazieren ging? Ganz klar war sein Kopf noch iiicht. Aber das Rufen der Croupiers, das Helle Rasseln der Kugeln in den Rouletten hielten ihn mit unsichtbaren Fäden fest.

Probiere ichs am dritten Tische," sprach er vor sich hin.

Tausend Franken flogen über die Köpfe der am Roulette Sitzenden auf Rot.

Wenige Augenblicke später kam wirklich Rot.

!Ra, endlich," sagte Hans-Wilhelm laut.

Er ließ Einsatz und Gewinn stehen und wieder wär ihm das Gluck hold. Auf der Stelle, auf die er vorhin tausend Franken geworfen, lagen jetzt viertausend. Ob er sie noch einmal stehen lassen sollte? Nein, doch lieber nicht' Ein Stuhl wurde genommen, er setzte sich, strich sein Geld eilt Und wartete. ,Wic dumm, da kam richtig noch einmal Not heraus!

Eine ganze Weile sah er zu, dann setzte er sich wieder Und verlor Schlag auf Schlag. Er hatte sich auf Rot ver­bissen und Schwärz kam, und als er wechselte, riß die Serie ab, und Rot folgte auf Rot. Von dem gestrigen Gewinn waren bereits fünftausend Franken weg. "

Da trat der Aufsichtsbeamte an Hans-Wilhelm von Moreth heran.

Herr von Moreth?" fragte er.

.Jawohl!"

Er bekam einen Brief ausgehändigt. Es war Beeren- vurgs Handschrift.

,Komme sofort herunter, ich werde nicht eingelassen, deine Mutter liegt im Sterben."

Die Sinne drohten ihm zu schwinden, alles Mut drängte zum Herzen; wie betäubt saß er da, und die Kugeln surrten und Me Croupiers riefen gleichgültig das Resultat.

Die Spieler blickten verwundert auf den Riesen, der totenbleich, mit starren Augen und vorgebeugtem Kopfe am Tische saß. Da ging ein Zittern durch seinen Körper, seine Energie erwachte, er sprang auf und raste die Treppe hinunter. Ohne sich Hut und Stock geben zu lassen, lief er auf die Straße. .

Beerenburg stand vor dem Portale.

Mein lieber Junge, pack schleunigst deine sieben Sachen! In einer Stunde geht der Zug!"

Ganz verstört nickte Hans-Wilhelm mit dem Kopfe, ließ sich Hut und Stock geben und ging mit Beerenburä hinüber ins Hotel.

Ist es denn wirklich wahr?"

Leider!" ' 1

Woher hast du denn meine Adresse?"

Aus deinen! Papierkorb!"

Du Beerenburg, du willst mich nur von hier fort-t haben. Sags, meine Mutter ist nicht krank?"

Da sah der andere ihn mit einem sonderbaren Blich an.

,,Däs würde doch nutzlos sein. Bei der ersten besten Gelegenheit süßest du doch wieder mitten zwischen den Hochstaplern da oben-"

.. Hans-Wilhelm biß sich auf die Unterlippe und packte cisrug, um nicht merken zu lassen, wie. ibn der Hieb ge­troffen.

Er suchte nach einer Entschuldigung.

-Ich habe mir vorgenommen, mit dem Hundeleben Schluß zu machen; nur meine kolossalen Verluste wollte ich erst wieder reiuhäben". 1 ! l '

i,,Von hier?"

Gestern habe ich fünf'unddreißigtansend Franken ae- Wonnen."

Und heute natürlich wieder verloren?"

Nein, nur fünftausend."

Da bin ich ja gerade zur rechten Zeit gekommen?''

Wieder erwachte das Mißtrauen Hans-Wilhelms.

Nun sag mir bloß in aller Welt, was fehlt denn meiner Mutter?"

Auf deinTelegramm hin hat sie einen Schlaganfall bekommen."

Da knickte Hans-Wilhelm eftff dem nächsten Stuhl zu­sammen.

Sechstes Kapitel.

Wie weltgeivändt auch Graf Norderoog war, so mußt« er doch bald -erkennen, daß die Rolle, die er in Gl-ossow spielte, von Stunde zu Stunde peinlicher wurde. Eva von Relendorff blieb gleichmäßig liebenswürdig und zurück­haltend. Man sah -es ihr an, sie fühlte sich abgespannt, ihre Bewegungen bekamen etwas Gezwungenes, Schatten lagen unter ihren Augen.