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jDaZ MMUMs Gesicht in würdige Falten gelegt, konnte nttt'n ihn ost, den Knotenstock unter dem Arm, in der Uniform eines Polizeidiencrs — er hatte sie trotz aller Vorstellungen und Drohungen des Bürgermeisters bei seiner Degradierung nicht hercnisgegeben — durch die Felder wandeln sehen. Da fühlte er B heimisch, da schwand der Buckel, den er den Städtern zeigte, cks konnte er gehen, wenn er wollte, der Herr Vize, und den rfcher zeigen, der in ihm steckte...
Müde und Rock, die vorher blangrün waren, sahen schwarz stnd grün und gelb aus von Wind und Wetter, und völlig zerschlissen. Diesen Rock '6at er getragen feit seiner ersten Awts- tzeit und trägt ihn noch. Keiner Hat den Vize anders gesehen, jund selbst in die Kirche zog er nie einen anderen Rock an. Seme Uniform war sein alles, war er selbst.
Da kam eines Tages an rhn, der doch selten sonst ein Schreiben erhielt, ein großer Brief. „Frei laut Avers" stand darauf. Das war von „oben", das wußte er noch aus seiner Polizeidienerzeit her. Ehrfurchtsvoll öffnet er den Umschlag.
Will man ihn etwa belohnen, ihm einen Orbcn schenken? Hier Mußte er Hin, auf die Brust, gerade zwischen diese beiden Knöpfe — und das Ordensband hier — hier ms Knopfloch . .,.
Alle Möglichen und unmöglichen Glücksgedanken kreuzen fern Gehirn in diesem Augenblick, und er liest:
„In Anerkennung Ihrer treuen Dienste . . .", erhaben schürzt vr die Lippen; diese Phrasen kennt er — „treuen Dienste . . liest er laut. Doch plötzlich wird sein Blick irr, er taumelt, er fällt längs hin in seine Stube.
Mit deut Morgigen Tage war er äbgesetzt, seines hohen Alters wegen. So besagt der Brief. —
Neugierige Nachbarn, die den Briefboten ins Haus hatten kommen sehen, kamen herein rind fanden ihn. Nach einer Stunde xrholte er sich von seiner Ohnmacht.
Sobald er wieder auf den Beinen stand, wär das erste: schnurstracks zum Bürgermeister —! Halt, erst noch einmal den kleinen Wandspiegel abgenommen, die Kokarde über die Nase, die Knöpfe blank gerieben mit dem roten Taschentuch, — er war eitel, der Herr Vize---•
Wer an demselben Wend noch spazieren ging, wird ihn gesehen haben. Er machte seine letzte Runde. Da auf den Kirsch- Stoirnten saßen die Lausbuben wieder. Wie oft hatte er sie verjagt und angezeigt, — aber heute, heute wollte er gnädig sein. Er konnte es nicht übers Herz bringen —> nein — nein. Und imlnerfort murmelte er:
„Sie sollen sich schonen können, der Dienst ist zu aufregend für Sie, mein lieber Herr Kessel . . ."
Und dann dachte er, wie er sich auf die Knie geworfen hätte vor deut Bürgermeister und gefleht hatte um sein Amt, — und wie es umsonst war — umsonst--
Und er setzte sich auf einen Grenzstein, der ani Wege stand, Und blickte über das Städtchen hin, das er behütet hatte — er glaubte es wenigstens —, und er sah die Sonne sinken, blutrot, Und die Wolken färben, und er dachte an sein. Herzblut, Und xr sah die Sonne versinken Md dachte:
„Jetzt bist du tot."
lind am späten Abend, als er in seinem Stübchen saß, ohne Feuer, eine alte Oellampe vor sich, — er war konservativ aus Pietät — da tzog er behutsam seinen Rock aus und legte/ihn neben die Mühe auf den Tisch. Dann seufzte er tief auf und meinte —
Und er holte aus seiner Rocktasche das Notizbuch und seine Dienstvorschriften hervor und betrachtete Blatt für Blatt.
„Ter Feldschütz soll . . ."
Was? War er Feld schütz gewesen ? Nein. — Polizeidiener Mr er gewesen und dann Vizepolizeidiener —- :— auch gewesen.
Irr blickte et UM sich.
„Was gehen mich die Papiere eines Feldhüters an? Fort, fort Mit ihnen!"
Und er zerknüllte sie und ivarf sie auf den Boden. Nur ein Matt behielt -er in der zitternden Hand. Das hielt er über die Lampe und setzte damit den Haufen Papier auf den Dielen in Brand.
Schwelender Rauch durchwogte das kleine ZiMwer. Und line ein Narr tanzte er um! das Feuer seiner „Formulare", wie ;cr sie anderen Leuten gegenüber nannte. Herum.
Rot stierten seine Augen. Und er zog sein Taschenmesser und ütachte sich damit an seinem Uniformsrock zu schaffen. Knopf für Knopf schnitt er ab. Und bei jedem Knopf ein Seufzer r— eine Träne.
Und nun kam' das schwerste, das Zeichen, daß er im Dienst War, seine Kokarde —
Mit jedem Schnitt nur «neu Faden durchsägend, schnitt et auch sie ab. Dann blies er das Lämpchen aus, barg den Kopf in die Hände und iveinte--<
AM anderen Tage, es war Totensonntag, sah ich ihn durch die Stadt trödeln. Blödsinnig lächelte er vor sich hin. iDie Mütze ohne Kokarde, ohne Band, den Rock ohne Knöpfe. I$r sah jämmerlich aus. Die Falten auf dem Rücken, die die Knöpfe «geschlossen hatten, standen offen wie zwei große Taschen, und der Wind fing sich darin.
Und hinter Wut her dis Kinder. Er teilte Mein! MnAMes Knöpfe aus und bruMmte dabei vor sich hin:
,-Jch bin zu alt, ich muß mich schonen, ja —< U es =='1 i Jetzt hat ihn lerne Irrenanstalt ausgenommen^ " * ' \
Vevmrschtes»
* Ein internationaler Kongreß für Lebens- rettung. Es steht nun fest, daß während der bevorstehenden Weltausstellung in Gent in jener Stadt auch ein internationaler Kongreß für Lebensrettung tagen wird und zwar vom 13. bis zum 17. August. Am letzten Tage wird ein großer internationaler Wettbewerb aller Litten von Lebensrettungsmitteln und auch von Ambulanzhunden abgehalten. Eine Abteilung des Kongresses wird sich mit dem moberiteit Rettungswesen und Rettungsvorrichtungen bei Massenansammlnngen befchäitigen, eine zweite Abteilung ist den Rettungsvorrichtungen in Theaterränmen und Warenhäusern gewidmet. Des weiteren wird sich der Kongreß mit dem Rettungs- wesen int Eisenbahnbetriebe beschäftigen und mit der Ausbitdung der Eisenbahnbeamten int Rettungsdienste. Mit den Diskussionen und Vorträgen wird zugleich die Vorführung einer Reihe neuerer Rettungsapparate und technischer Hilfsmittel verbunden. Mit besonderem Interesse wird man die Ärbeiteit der Abteilung verfolgen, die sich mit dem Rettungswesen int Kriege und auf deut Kriegs- schatiplatze beschäftigt, mit der Behandlung der Kranken und V'er- tvundeten, mit der Desinfizierung der Wahlstätten, der Beskattmtg der Gesallenen, dem Transport der Verivundeten und der Hygiene in belagerten Städten. Atich das Rettungstvesen bei Seeschiffahrt, im Bergwerkban und int Feuerlöschwesen sind in das Arbcits- prograntnt anfgeitomtneit.
* Eine mode r n e F o l t e r k a nt in e r. Aus London wird berichtet: Professor Keith arbeitet bereits entsig an der Organi- satioit eines einzigartigeit Museums, das bei deut nächsten Jnter- nationaten Kongreß für Medizin, zu dem London einen Zustrom von 8000 Fachgelehrten erwartet, eröffnet tvird, Es handelt fich tim eilte Ausstellung von über 50 000 Flaschen und Glasgefäßen, die Bakterien, Krankheitskeime und modernes Anschauungsmaterial bet Heilkunde enthalten werden. Diese internationale Folterkammer, an bereit Zustandekommen fast alle ivissenschaftltcheit Korporationen und inedizinischen Autoritäten der Welt mitarbeiten, wird in London zlinächst in South Kensington in den Räumen des Imperial College der Wissenschaften und Technik sein Heim finden und zugleich einen Ueberblick über die gesamten jüngsten Errungenschaften bet Mebizin bringen.
* Ab getrumpft. A.: „Ich kann Ihnen nicht verhehlen, übet das Fräulein Müller macht auf mich witllich einen mehr als bescheidenen Eindruck, — als wenn sie nicht wüßte, wreviel zwei mal zwei ist!"' — B.: „Darüber können Sie sich beruhigen; erst gestern sagte sie mir nämlich, Ivenn Sie sich dahinter setzten, würde es 40 machen!"
* Empfindlich. „Was macht 'Ihr Schnupfen, Frau Wendt? Schon wieder besser?" — „Ja, ganz fort; aber jetzt hat mein Mann den SchnMfen!" . „Ah! Sehen Sie, von der Ansteckung!" — „Nee, das nicht — aber mein Mann ist doch so sehr empfindlich — «er meint, er hat ihn von dem Zug, wenn ich geniest habe!"
* Gemütlich. Barbier (der einem Bauer statt des krankest Zahnes den danebensteheuden gesunden gezogen hat): .„So, jetzt haben mer Platz, daß tuet bequem herankommen können .- ,■ 4 jetzt werden wir ihn gleich heraushaben, den Racket!"
Aömgspromenade.
Man darf die einzelnen Wörter und Silben nur in der Weise miteinander verbinden, daß man — wie der König auf dem Schachbrett — stets von einem Feld aus aus ein benachbartes übergeht.
Auflösung in nächster Numnrer.
zu
ein
mann
im
Herz
heit
sich
then
rücke
wem
lich
busen
glücke
kind
nicht
blu
und
ter
schlägt
ein
der
mut
seine
wünscht
srüchte
bäum
rech
seufzt
weh
nach
trägt
bet
gute
der
mit
nicht
.Auflösung des Logogriphs in voriger Nummer: Flocken, Glocken, Locken, Socken.
Redaktion: K. Neurath. — Rotationsdruck und Verlag der Briihl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckereh R, Lange, Siebes


