Ausgabe 
8.2.1913
 
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Er ist ein geschickter Stilist/' sagte sie endlich,und versteht seine Sache zu führen. Was wirst du tun?"

Meta blickte hilflos auf.

Ich weiß es nicht. Nichts ..." .

Hast du gelesen, daß er deine Anivefenhert ui Dopo- kanyi wegen der Auflösung Eures Haushaltes wünscht?"

Ja, aber ich werde nicht hingehen."

Hast du nicht Wertsachen dort? Schnmck? Selber?

Ja. Mag er alles nehmen. ..."

Das scheint mir doch unklug. Vielleicht wurdest du mündlich dein Ziel rascher erreichen?"

Ein Schauer lief über Metas Rücken.

Rein nein ich mag ihn nicht Wiedersehen. Ich fürchte mich vor ihm . . . Du kennst seine Art nicht, Mama. Er ist so leidenschaftlich . . . im Bitte«: und Befehlen. Er hat einen eisernen Willen, den: ich heute nicht mehr ge­wachsenbin. Ich bin so müde . . . laß mich bei dir blecken."

Und wenn er eines Tages hierher kommt und darauf besteht, daß du ihm folgst? Vor den: Gesetz hat er em Recht dazu?" _ ,

Meta schwieg. Sie hatte sich das alles schon ost und oft selbst gesagt. Sie zitterte seit Tagen, so oft die Garten-- tür knarrte. Dann redete sie sich wieder ein, daß er dies Kenn doch nicht wagen würde.

Die ewige Angst machte sie schließlich ganz nervös.

Ich sehe nur ein«: Weg," sagte Fran Bettina nach einer lang«: Pause.Deu, daß ich. mit ihn: rede. Es wird mich sehr erregen"

O, dann darfst du es nicht tim, Mama! Um keinen Preis!"

Es muß sein. Wenn ich ihm sage, daß er absolut und unter keiner Bedingung jemals die Aussicht hat, mehr aus dir herauszupressen, als du ihm schon geboten hast, wird er sich wohl zufrieden geben. Morgen noch will ich mein Testament in diesem Sinne machen. An seine Liebe für dich glaube ich nicht."

Meta blieb stumm.

Ganz sicher Ivar sie über diesen Punkt nicht. Und wenn es . ihm neben aller Habsucht doch auch um sie selbst zu tun wäre, dann hatte Frau Bettinas Erklärung nicht viel Aussicht auf Erfolg . . .

Jedenfalls beschloß sie, Moutellis Brief nicht zu be- uittworten. Wieder vergingen ein paar ruhige Tage.

Konradchen hatte einen Musiklehrer bekommen und spielte auf seiner Violine, daß es eine Freude war. Meta Und Fräulein Lena bemühten sich redlich, auch seine:: Sinn für andere Gegenstände zu wecken, mußten es aber bald wieder aufgeben.

Es war unmöglich, sein Begriffsvermögen auf etwas anderes als auf die Musik zu übertragen.

Frau Bettina bestand endlich darauf, diese Versuche aufzugeben.

Laß ihn doch in Frieden!" sagte sie.Daß er so entzückend plaudert und nun gar fiir Musik außergewöhn­lich begabt ist, ist ja mehr, als wir jemals hoff«: durften. Gottlob hat er dereinst Geld genug, um nicht an irgendeinen Beruf denken zu müssen. Er ist wie eiu Singvogel die können auch nicht lesen und schreiben."

Abends kam täglich Professor Burger und nahm den Tee mit den Damen in der VillaPax". Er staunte, wie Frau Bettina sich herausgemacht hatte, seit Metas

Ankunft.

Sie hätten sie nur früher sehen sollen!" sagte er immer wieder zu Meta.Richt zwei Heller hätte man für ihr Leben gegeben. Fort Atemnot und Anfälle von Schwäche. Jetzt ist alles wie weggeblasen. Ja, die Freude! Könnte man sie den Menschen nur so als Rezept verschreiben- neun Zehntel würden gesund."

Einmal fragte Meta ihn:Nicht währ, jetzt ist alle Gefahr für Mama vorüber?"

Da zuckte er die Achseln: j

Wenn man siebzig ist und ein altes Leiden mit sich herumtrügt, ist man nie aus der Gefahr. Aber wir wollen das Beste hoffen vor allem, daß. auf diese merkwürdige Mische nicht ein plötzlicher Rückschlag folgt."

Die Abende waren sehr gemütlich: Man plauderte Und musizierte und lebte nur der Gegenwart. Die Ver­gangenheit war tot, die Zukunft lag da wie ein Buch mit sieb«: Siegeln, da» zu berühren sich jeder scheute. .

Dann kam eines Tages ebenfalls ein Lebenszeichen von Montelti. Er sandte Meta die inzwischen ausgelösten

Perlen zurück. Sie lagen in demselben bläßblänen Säntt-t ctui, aus.welchem er sie genommen hatte, mitten in einein! Körbchen frischer Rosen.

Daneben ein kurzes Billett. Er danke ihr noch einmal! für alle Güte und hoffe, daß es ihr wohlgehe. Wenn sie ihm durch Fräulein Lena einmal Bericht über Konradchen senden wollte, nach dem er sich so sehr sehne, würde er ihr dankbar sein. Er selbst sei leidend und werde Dopvlanyi wohl erst in einigen Wochen verlassen können.

Kein Worst ^berührte ihre Wiederkehr.

Meta atmete auf. Gottlob, er schien sich! wenigstens! mit dem Gedanken einer stillschweigenden Trennung cck-- gefuuden zu haben.

Denno chbeherrschle sie eine gewisse Unruhe von diesem! Tage an.

Hatte sie ihm vielleicht doch Unrecht getan? War er besser, edler, als sie gedacht? Wenn er nicht schlecht, son­dern bloß leichtsinnig war, dann wäre ihr Verhalten hart und grausan: gewesen.

Schließlich war es doch ihr Man«. Und wenn er sich! ernstlich bessern wollte?

Er sehnte sich nach Konradchen. Er war leidend: Und! er fügte sich nun widerspruchslos in die Trennung, jo bitter sie für ihn sein mochte.

Meta hätte kein weich veranlagtes Weib sein müssen, wenn diese Erwägungen ohne Eindruck auf sie geblieben wären.

Zu Frau Bettina wagte sie nicht darüber zu sprechen. Wer etwas in ihrem Innern wollte nicht zur Ruhe kommen. Ganz allmählich begann sie sich in: Stillen Egoismus vor- zuwerf«:.

Man lebt nicht, um selber glücklich und zufrieden zu sein, man hat vor allem Pflichten gegen andere. Um so dringendere Pflichten, wenn mau sie freiwillig übernommen hat!" sagte sie sich beständig vor:

Und je zufriedener sie sich in der Stille ihres jetzigen Aufenthaltes fühlte, desto eindringlicher mahnte sie ihr Gewissen auf diese beiseite geschobenen Pflichten.

So vergingen die letzten zwei Wochen des.Juni. Mit glühender Hitze und wolkenlosen Tagen hatte der Sommer 'eingesetzt.

Am 2. Juli wollte man einen Ausflug zu Wag«: nach dem nahegelegenenMariatrost" mach«:.

Frau Bettina hatte plötzlich Sehnsucht bekommen, die Einförmigkeit ihres Lebens durch ein Intermezzo zu unter­brechen.

Sie sehnte sich nach Berg«: und Wäldluft. Vielleicht, fürchtete sie dabei auch! im Stillen, Metas Jugend könnte auf die Dauer Langeweile empfinden, wenn sie immer, nur auf die BillaPax" angewiesen wäre.

Professor Burger, der seine Lehrtätigkeit längst auf-- gegeben hatte und nur mehr zu seinem Vergnügen einige, alte Patienten seiner früheren Praxis behandelte, sollte! mit von der Partie sein.

Da Frau Bettina keine eigene Equipage mehr hielt, wurde ein bequemer Landauer bestellt. Loriuser sollte wieder einmal seine Livree hervorsuchen und als Bedienter, auf dem Bock fungieren.

Es war ein herrlich schöner Tag, und Meta freute) sich beinahe ebenso wie Frau Bettina auf die Fahrt.

Schon stand der Wagen vor dem Tor und Burger drängte die Damen einzusteigen, als plötzlich int letzten Moment ein Telegraphenbote kam und für Meta eine Depesche aus Dopolanyi brachte.

(Fortsetzung folgt.)

Spitznamen deutscher volkrstämme.

Von Franz Pflugk (Leipzig),

Von jeher Haben zwischen den einzelnen Volksstämmen Deutsch­lands auffallende Unterschiede bestanden in bezug auf Sprache,- Sitte und Gewohnheiten, mehr, u:ch weder die Vereinigung unter einem gemeinsamen Oberhaupte, noch die ohne Rücksicht auf Zu- sammengehörendes vorgenommenen politischen Länderteilungen haben darin eine wesentliche Aenderung herbcigeführt. llnd von jeher ist auch im deutschen.Volke die Lust vorhanden gewesen^ Iüber irgendwelche Eigentümlichkeiten, oder Eigenheiten benach harter Landesteile und ihrer Bewohner zu spotten nnd dieselben durch ein mehr »der weniger ttesfendes Wort zu kennzeichnen,- So ist dtte große Zahl von Spottverschen entstanden, die natür­lich^ meist die bemerkte Eigenschaft in scherzhaft übertriebener Meise darstelllen, abex selten böse gemeint waren..