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Ion Frühling ;u Frühling.
Roman von Erich Ebenstein,
(Nachdruck verboten.)
(Fortsetzung.)
XIV.
m 3nimer wieder beschäftigte Meta der Gedanke, wozu Monteur so viel Geld brauche? Hatte er alte Schulden? Äonntr er überhaupt nicht wirtschaften? Freilich, er warf das Geld mit vollen Händen hinaus. Fede Laune mußte befriedigt, jeder Wunsch erfüllt werden. Die Zigeuner lehrten nirgends so gerne ein als auf Dopolanyi, seit Monteur dort wohnte. Die Dienstboten vergötterten ihn ob ferner Freigebigkeit und die Gutsbesitzer der Umgegend, welche selbst alles eher als sparsam waren, priesen seine Noblesse.
Wie sollte dies nun werden, wenn er die Stelle in Dopolanyi aufgab? Sein Vermögen war ja zu Ende. Immer heißer wurde Metas Augst, daß: er sie nicht würde frei geben wollen, bloß nm feine einzige Einnahmequelle rricht zu verliererr. (
Sie hatte seine Briefe bisher unbeantwortet gelassen. Nun schrieb sie ihm und versuchte, ihre beiderseitige Lage klar zu stellen.
Ein weiteres Zusammenleben habe keinen Sinn mehr. Beim besten Willen würde es ihr nicht möglich sein, gewisse Dinge zu vergessen. Dagegen biete sie ihm, falls er in die Scheidung willige, viertausend Gulden ihrer Rente an.
„Du hättest ihm meinetwegeit das Ganze bieten können," sagte Frau Bettina, „wozu brauchst du das Geld, wenn du bei mir lebst? An dem Moment, wo ich sterbe ttnö du von diesem Mann frei bist, fällt dir das meinime Ohnehin zu." ,
„Es würde mir peinlich sein, dir so ganz zur Last zu fallen, Mama."
'„Unsinn! Mer wie bit willst! ' Jin Grunde ist es ja teht glänzendes Angebot für ihn, kein Manu von Ehre würde es annehmen..." i
- „Und wenn er es nicht tut, was dann?"
„Bah, er ist eben kein Mann von Ehre!" sagte Frau Bettina wegwerfend. „Sollte er sich weigern, daun geschieht es nicht aus Ehrgefühl, sondern mir, weil er denkt, als Sein Mann noch der Erbe meines Geldes zu werden. Indessen werde ich ihn darüber aufklären . . ."
Es vergingen die Tage und von Montelli kant keine Antwort. Aus den Zeitttngen ersah Meta, daß das Derby in Pest zu Ende war. Weder bei den verschiedenen Preis-- reiten in den vorhergehenden Wochen, noch am Derbytag selbst hatten „Aram", „Kitty" oder „Holda" einen Sieg errungen.
Und dann kam plötzlich an einem heißen, schönen Mmi- tage ein langer Brief aus Dopolanyi.
Meta saß mit Fran Bettina, Lena und dem Kinde tut Garten. In der Linde Wer ihnen sangen Amseln und Funken, ein paar Schritte entfernt plätscherte der Strahl eines Springbrunnens funkelnd in der Söitne. Stille und Frieden umfing das kleine Fleckchen Erde.
.... Meta erblaßte, als sie die Schriftzüge erkannte. Daun öffnete sie langsam und begann zu lesen. Schon die ersten Zeilen nahmen ihr alle Hoffnung. Montelli war empört über ihren Vorschlag. Er hatte anfangs überhaupt iricht antworten wollen darauf und ihr Zeit gelassen, selbst zur Vernunft zu kommen.
Nttn aber, da sie schwieg stnd immerfort schwieg, müsse er doch auch feinen Standpunkt klar stellen.
Von eiltet: Scheidung könne ein für allemal keine Rede sein. Er liebe sie und nichts in der Welt würde ihn bewegen können, sie frei zu geben.
Es folgte eine lange Abhandlung über seine Liebe und unentwegte Treue, über seine Werbung damals auf Brioni, die sie doch freiwillig und von niemand beeinflußt aufge- nommen habe. Es .ginge nicht an, heute ein Eheband zu knüpfen und es morgen einfach aus Laune zu zerreißen. Er staune, daß sie, die sittlich immer so hoch Denkende, ihm dies Vorschläge.
Noch dazu ohne Grund. Denn, daß er in einer momentanen Verlegenheit einfach in ihrem Namen — wozu er als Ehemann sich völlig berechtigt fühle — einen Teil des ihr rechtmäßig zustehenden Geldes verlangt habe, könne sie ihm wahrlich nicht als Verbrechen anrechnen. Wo> bliebe da die Solidarität der Gatten? Wo die Liebe, welche viel schwerere Dinge mit Freuden verzeihe?
lind daraus wolle sie einen Scheidungsgrund konstrn- ieren? Eben jetzt, wo er ihren Wunsch erfüllt habe und ausschließlich ihretwegen seine Stellung in Dopolanyi anf- gebe? Denn er habe bereits gekündigt und sei mitten int Auflösen ihres dortigen Haushaltes begriffen.
Wenn sie wirklich auf der Scheidung bestehe, dann sei dies nur Vorwand. Vielleicht denke sie, daß der Prinz mit seinen Millionen und seiner Liebe ein würdiger Gatte für sie werden könnte? Sie sei ja schon als Mädchen sehr klug in der Wahl ihres Mannes gewesen . . .
Sollte sie aber derartige Pläne haben, dann möge sie nicht aus dem Auge lassen, daß er sie, solange er am Leben sei, niemals einem anderen überlassen werde. Eher sollten sie alle zugrunde gehen. Meta ließ den Brief sinken und starrte vernichtet vor sich hin.
„Nun?" sagte Fran Bettina erwartungsvoll. Meta reichte ihr schweigend die eng beschriebenen' Blätter.
Fräulein Lena, welche merkte, daß etwas Ungewöhnliches vorging und sich im stillen schon lange ihre Gedanken darüber machte, stand diskret auf und entfernte sich mit Konradchen tiefer in den Garten hinein. <
Es dauerte eine Weile, ehe die alte Frau mit dein Schriftstück zu Ende kam. Nachdenklich faltete sie es zusammen.


