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ön deut Widerwillen oder dem Trotz der Kleinen, es wird unmöglich, die ärztlichen Vorschriften genau zu erfüllen, wett das Kind sich gegen die Behandlung aiiflehnt. Das sind die Fälle, in denen die Phantasie und die Kenntnis der Kinderseele einzusetzen hat, das liebevolle Versenken in den Fdeenkreis der Kleinen, das Eingehen aus ihre Gedanken und ihr Fühlen. ... .. ......
Welche Erfolge ans diesem Wege mühelos, ja, tut wörtlichen Sinne spielend errungen werden, zeigen die Erfahrungen einer amerikaniscl en Kindervsleaerin, die hn „American" veröffentlicht werden. Tie Pflegerin wird ihren Beruf nur schlecht .erfüllen, die eines nicht vermag: die Kinder zu unterhalten. . Nur im Bündnis mit der kindlichen Phantasie können hier wtrfltche Erwlqe erzielt tverden; die mechanischen Verrichtungen iverden erst möglich und fruchtbar, weint sie Hand in Hand mit dem gehen, Ivas man eine plychologische Kinderpflege nennen könnte. Tie anierikantsche Pflegerin, Alice Jane Trew, erzählt, ivie sie eines -rages die Pflege eines kleinen Jungen übernehmen sollte, der vor ihiem erscheinen schon nut wildem Trotze rief, er ivolle keine Ptlegerm haben. Llnstatt nun ihre Tätigkeit zu beginnen, vermied eu Die Schivester überhaupt, beit Raum zu betreten. Und die Kalkulatton ivar vollkommen richtig: nach einer Weile wurde das Kmd neugierig, die angekündigte Pflegerin kam und kam nicht, vogleich der kleine Patient wußte, daß sie im Hause war. Als sie nach einer Stunde ins Zimmer kam, hatte die Spannung und Neugier lanalt über den kindlichen Trotz triumphiert: der Junge selbst hat e gebeten, dje Pflegerin möge doch nun endlich kommen. rille drei Stunden sollte das Kind mit dem Thermometer gemeffen werben Es sträubte sich; aber es gab soiort mit Vergnügen nach, als ute Pflegerin ihm zu erzählen begann, nun dür>e es rauchen, wie Papa rauche. Von dem Augenblick an hielt es das Thermomeier stolz im Munde. Tas Kind weigert sich, Milch zu trinken. Es weilt das Glas zurück, schüttelt sich vor Schaudern. Die Pflegerin beliebt nickst auf der Leerung des Gefäßes; sie erzählt ihm nur, bau am Boden des Glases ein hübsches, buntes kleines Bild sei, das man erst zu sehen bekäme, wenn das Glas ausgetrunken sei. Und in der Tat, die erstnderische Pflegerin hatte sich eine ganze einzahl Gläser mit Boden der Außenseite mit verschiedenartigen bunten Abziehbildern versehen. Seitdem trinkt der Jnnge seine Milch nut Begeisterung und ist jedesmal atü das neue Bildchen gespannt.
Ein ntasernkrankes Kind soll heiße Bäder nehmen und sträubte sich. Ter Widerstand wirb überwunden, indem man bem Kinde erzählt, nun solle es schivinniien lernen. Die Phcmtci' 6 erwacht und dem kleinen Patienten wirb das verhaßte Bab zum nblihcben Schwimmunterricht. Als später Oelbäder genommen werden sollen, beginnt die Not von neuem. Keine Bitten und Ueberredimgskünsle fruchten: aber sofort siegt ein Avpell an bie kindliche Phantasie. Dem kleinen Patienten wirb geschildert, wie alle großen und kleinen Maschinen immer geölt werden müssen, damit sie ganz sanst und doppelt Io leicht lausen, während sie sonst knirschen und guicken. Und das Ergebnis ist, daß der Junge mit Vergnügen ins Oelbad steigt und sich ausinalt, er sei eine Maschine, die nie qutefeu werde. Kleine Mädchen unterhält Fräulein Trew bannt, daß sie über bie Betten kleine Schnüre ipamrt, bie ben Kindern als Waschlemen gelten. Daran werden Puppensiguren unD Pupvenkleidungsstücke aus Seidenpapier ausgehängt, die sich nun bei bem geringsten Hauch wie im Winde bewegen: und stundenlang folgen nun bie kleinen Kranken biesem Schauspiel, lächeln und sind fröhlich, weil ihre Phantasie angeregt ist und sie über bie Not ihrer Krankheit hinwegtäuscht.
Vermachter.
Ick. Gefälschte Apselsinen. Die Nahrungsmittelfälscher sind unbestrittener Maßen ans der Döhe. Aus London kommt bie Nachricht, daß man dort Apfelsinenfälschungen auf bie es mir gekommen ist. Tie Apfelsinen waren schon in ihrer „Heimat" auf» gemacht worden. Unter den Apfelsinenpflanzern hebt nämlich all» jährlich ein großer Wettbewerb an, um zuerst die Erzeugnisse auf den Markt zu bringen und damit einen Riesengewinn einzuheimsen. Das fährt dazu, die Jrückste vorzeitig zu pflücken, wenn sie noch grün sind. Ein findiger Kopf hat nun den originellen Plan ersonnen, diesen grünen Früchten den Anschein der Reife zu geben. In besonderen Räumen werden sie Schwefeldämpfen ausgesetzt, die ihnen in kurzer Zeit einen gelben Ueberzug verleihen, so daß sie bem Laien als reife Früchte erscheinen. Noch genialer ist bie Methode zur Fälschung von Blutapfelsinen. Gewöhnliche Avelsincn werden so behandelt, baß eine Kanüle mit einer Anilinfarbe unter die Haut der Apfelsine eingeführt wird. Tie Farbe verteilt sich auf das ganze Fleisch der Frucht; ist sie an sich harmlos, so wird wohl nur in den seltensten Fällen der Betrug aufgeeedt werden, da überdies bie Für bim g sehr geschickt gemacht ist. Ter Erfinder dieser Fälschungsmethode, em Italiener, soll damit ein Vermögen verdient haben.
"Ein Philosoph am R i ch t e r t i s ch. Vor den Geschworenen des kleinen französischen Städtchens Cosnet erschien in bieieit Tagen ein Bauersmann unter der schweren Anklage, einen Mordversuch auf seine Fran verübt zu haben. Ter Sünder stammt aus dem Dorfe La Charite und als er nach seiner glücklicherweise gescheiterten Tat in seinem Torfe verhaltet würbe,
schleppte man ibn zunächst zu bem Friedensrichter der Gemeinde, der das erste Vei hör vornahm und im Vollgefühl seiner plötzlichen Wichtigkeit den imwiderstehlichen Drang in sich verspürte, seine Eindrücke und seine Meinung über den Charakter des Angeklagten in einem großen B e r i ch t e niederzulegen, den er dann dem Oberstaatsanwalt übermittelte. Ties merkwürdige Dokument war so interessant, daß der Staatsanwalt es nicht versäumte, es den Geschworenen vorzulegen, denn der greife Friedensrichter von La CharitS ist nicht nur ein humaner Beamter, sondern auch ein sebr philosophisch angehauchtes Gemüt. In seinem Bericht erklärt er u. a.: „Ich kannte den Angeklagten seit langer Zeit und ahnte längst, daß etwas Derartiges'sich ereignen würde. Er stammt aus der Auvergne, was gegen ihn spricht." Nach einer Reihe tiefsinniger Betrachtungen über den Charakter der Menschen aus der Auvergne fährt der philosophische Friedensrichter dann fort: „Seit langem bildet er sich ein — ob mit Recht ober mit Unrecht — daß seine Frau ihm untreu fei. Tas wurde eine Art fixe Idee. Er ist ein lärmender Geselle, wenn er betrunken ist, und er ist selten nüchtern. Wenn er sich damit begnügt hätte, mit seinem Maul zu lärmen, wäre das einerlei gewesen. Uuglüctlicherweife aber machte er Lärm mit seinem Revolver. Nach meiner 'Meinung ist er fein schlechter Kerl. Er ist nicht imstande, seine Frau zu töten. Er ärgert sich nur, bag sie untren ist." Dann aber schließt der Philosoph : „Diese Tatsache (der Untreue seiner Frans gewarnt für ihn übertriebene Bedeutung Ich sagte ihm, daß so etwas oft vonänie, und daß, wenn man nichts davon wüßte, das nichts auf sich habe. Und wenn man es wüßte, habe es wenig auf sich. In der Tat suchte ich ihm alle Tröstungen der Philosophie zu reichen, aber er schien sie nicht zu würdigen. Er war außer Stande, sich zu den Höhen der Gelassenheit aufzuschivingen, und wurde sehr grob zu seiner Frau wegen ihrer vermutlichen Beziehungen zu einem Schiveinehimbe" . . . Leider weiß man nicht, ob dieser philosophische Friedensrichter, der in der Tat alle HL en einer gelassenen Weltbetrachtung erklommen hat, verheiratet ist und was seine Fran zu seiner Lebensphilofophie sagt.
* Der streitbare Go11esmann „Ich muß ebenso gut Detektiv und Preisboxer wie Prediger sein," so äußerte sich der Reverend John Hosking, der im dunkelsten Teil von M e 1 b o u r 11 e eine segensreiche Tätigkeit entwickelt. Ter Geistliche hat dieier Tage durch eine Tat Aufsehen erregt, die uns etwas tmgewühiilich au- mutet. Er predigte an einem Sonntag abend m feiner Kirche, als eine Schar von Roivdies in bas Gotteshaus einbrong und mit Johlen, Pfeifen und Lärmen bie Predigt störte. Vorher Hatten sie schon bie Fenster eingeworfen und der Geistliche konnte sich trotz seiner kräftigen Stimme kaum verständlich machen. Ta verließ Mr. Hosking die Kanzel, warf seinen Talar ad, krempelte die üemds- ärmel in die Höhe und stürzte sich mit einem < ew dtigeu Satz auf den Rädelsführer, einen herkulisch gebauten jungen Burschen, der als Meisterboxer bekannt war. Ein kurzer Kampf, bann schleuderte ein wohl gezielter Schlag des Geistlichen, gegen die Kinnlade seines (Segnete geführt, ben Unruhestifter zu Boden. Seine Geuofseir waren so fassungslos über diese Tat, daß sie dem Reverend keinen Widerstand zu leisten wagten, ihren wimmernden Anführer fort» trugen und stillschweigend die Kirche verließen. Ter Gottesdienst konnte bann in Ruhe und Feierlichkeit fortgesetzt werben. „Niem Mittel, bie Ordnung beim Gottesdienst aufrecht zu erhalten, mag seltsam, vielleicht sogar unwürdig erscheinen," erklärte der streitbare Gottesmann achselzuckend einem Interviewer. „Ader was soll ich tun ? Soll ich meine Predigten einstellen, weil d-e Roivdies mich riicht mehr zu Worte kommen lassen? Es in bie einzige Art, auf die ich nur Respekt verschaffen kann und freie Bahn für die Arbeit, bie mein Lebensberuf ist."
* Der Segen der Musik. „Hat sich die musikalische Ausbildung ihrer Tochter gelohnt?" „Aber gewiß, glänzend. Ich habe die beiden Nebenhäuser um die Hälfte des Preises gekauft." _____________
viamanträlsel.
—. In Die Felder nebenstehender Figur
• I sind die Buchstaben a a a a, b b c. d
d, e, i i i i, 1 1, m m, o o, r, s s, v v derart einzutragen, daß die wagerechten Reihen folgendes bedeuten:
1. Einen Buchstaben,
2. Stadt in Italien.
3. Weiblichen Vornamen.
4. Südamerikanische Republik.
5. Biblischen Namen.
6. Musikalische Bezeichnung.
7. Einen Buchstaben.
Die senkrechte und wagcrecljte Mittelreihe ergeben bas Gleiche.
Auflösung in nächster Nummer.
Auflösung der Schach-Ausgabe in voriger Nummer: Weiß. Schwarz.
1. Lh2 — d6. Kd5 — c6.
2. Dgl - g8. Beliebig.
3. L. gibt ‘Platt.
Redaktion: K. Neurath. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'jchen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießen,


