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Vergebens. Die Rennermädchen blieben dabei, haß Papa sie erwarte und daß es höchste Zeit sei, Abschied zu nehmen.
Kaunr waren Petermann und Meta, nachdem sie die Damen zum Wagen begleitet hatten, in ihr Zimmer zuruckgekehrt, als Niti seine Frau in die Arme schloß und rhr weinselig zuflüsterte: , ,, .
„Herrgott, ist das reizend, Schatz, daß wir mal allein sind . . . ich hatte schon eine Heidenangst, sie blreben uns am Halse sitzen!"
Meta machte sich kühl los.
„Eben sagtest du ihnen unten noch das Gegenteil!
„Gott, marr rnuß doch! Was redet man alles zusammen —"
„Du wenigstens!"
In Petermanns -graugrünen Augen blitzte es ärgerlich auf. Er trat an den Tisch, trank noch em Glas Champagner und lächelte plötzlich wieder. Leise trat er hinter Meta, legte seine langen, spindeldürren kalten Finger in die rötlich flimmernde Flut ihres Haares und beugte ihren Kopf nach rückwärts.
Mit einem Schauder fühlte sie den Weindunst, der von ihni ausging, seine funkelnden Augen mit dem schwimmenden Blick über sich und die schmalen, bläulichen Lippen, welche die ihren suchten. Fast wild, riß sie sich los.
„Laß das, wozu solche Kindereien?"
„Kindereien? Na, hör mal. Meta--ich weiß wirk
lich nicht, wie komisch du manchmal bist! Hundertmal hast du mir den Borwurf gemacht, daß ich dich abends allein lasse, und nun ich einmal bei dir bleibe, bist du so! Was sollen wir denn anfangen, beide allein, wenn wir nicht ein bißchen verliebten Unsinn treiben? Ich wüßte wirklich nicht, wozn wir verheiratet wären!"
„O — dazu also? Dazu hast du geheiratet?"
„Hm — nicht allein, natürlich. Ich möchte auch einen Sohnhaben . . . später. Aber vorderhand finde ich es ganz nett zu zweien. Komm her, Kleine, sei vernünftig . . was siehst du mich denn so tragisch an? Was hast du eigentlich, Meta?"
Sie trat ganz dicht an ihn heran. Ihr Gesicht war völlig weiß, nur die Augen sprühten ihn zornig an.
„Was ich habe? Wissen möchte ich, weshalb dn mich anlügst?"
„An—lügst?" Petermann blickte etwas verwirrt auf. „Wieso?"
„Warum hast du mir gesagt, daß die Torlini von G. weg ist?"
Petermaim fuhr ärgerlich auf.
„Ich verbitte mir jedwedes Spionieren! Wenn du die Ehe als einen Käfig ansiehst und mich als den Gimpel, den du darin gefangen hältst, dann irrst du! Für moderne Menschen ist Eifersucht lächerlich, verstanden? Ueberlasse das ruhig diesen Kleinstädtern hier und nimm dir an den Damen der großen Welt ein Beispiel, die viel zu vornehm sind, solche Kleinigkeiten auch nur zu bemerken. Kleinlichkeit ist mir überhaupt verhaßt..
Er stampfte zornig im Zimmer auf und ab.
„Ich meinerseits bin ja auch kein Othello... so lange du dich in den Grenzen des Anstandes hältst, werde ich dir nie unbequem werden. Du bist eine schöne Frau, man wird dir den Hof machen — und ich- gönne dir dieses Vergnügen. Natürlich beruht alles auf Gegenseitigkeit — was übrigens die Torloni betrifft: ich habe sie nicht gebeten-, zu bleiben — aber ausweisen kann ich sie doch nicht lassen!"
Metas Augen waren jetzt immer größer geworden, Empörung, Haß und Abscheu spiegelten sich, in raschem Wechsel darin. Zuletzt blieb nichts als kalte Verachtung in ihrem Blick liegen.
„Ich danke dir," sagte sie ruhig, „mehr Wollte ich nicht wissen. Du hast dich sehr deutlich ausgesprochen... wrr haben einander nun nichts mehr zu sagen."
Damit wandte sie sich ab und schickte sich! an, das Zimmer zu verlassen.
An der Tür zu ihrem Schlafzimmer holte Petermann sie ein.
„Meta — was sollen deine Worte heißen?... Ich..."
„Daß ich mit einem Menschen deiner Gesinnung nicht das mindeste mehr gemein habe. Wenn es dir beliebt, kannst du schon morgen die Scheidung dieser Komödie — welche du Ehe nanntest — einleiten. Jedenfalls wirst du von nun an, solange ich noch unter deinem Dache weile, deine ohne
hin nie ausgelassene Junggesellenwohnung unten wieder beziehen. Gute Nacht!"
Mit einer Kraft, wie er sie ihr nie zugetraut, hatte, drängte Meta Petermann zurück und trat rasch in das Schlafzimmer, dessen Tür sie hinter sich verschloß.
Blaß vor Wnt starrte er auf die geschlossene Tür. Dann glitt ein böses Lächeln über seine Züge.
„Scheiden lassen?" murmelte er zwischen den Zähnen. „O nein, meine Liebe — dazu gefällst dn mir viel zu gut. Aber vergessen soll dir diese Stunde nicht sein! Nun erst recht sollst du mich lieben..."
Er trat an den Tisch zurück, entkorkte die letzte Flasche Sekt und stürzte hastig ein paar Gläser hinab.
Dann klingelte er.
„Macherr Sie hier Ordnung," befahl er dem eintretenden Diener, „und rufen Sie die Jungfer herauf. Meine Frau ist nicht ganz wohl, vorher aber sagen,Sie Johastn, daß er einspannen soll. Ich fahre noch in die Stadt."
Er fuhr sich mit der Hand über die glühende Stirn, aus der kalte Schweißtropfen standen. In wilden Schlägen pochte ihm das Herz bis an den Hals hinauf.
„Verdammter Sekt," dachte er, „ich fürchte fast, daß Burger recht hat. . Das hämmert ja wie närrisch..."
Langsam, in tiefen, mühsamen Atemzügen die Luft einatmend, stieg Petermann dann hinab in seine ehemalige Junggesellenwohnung.
Oben aber saß Meta mit starrem Gesicht in ihrem Schlafzimmer und fragte fick) immer wieder „Was nun? Wird er nrich freigeb-en?"
Sie öffnete auch nicht, als die Zofe anklopfte. So viele Jahre hatte sie sich allein ausgekleidet, nun wollte sie es wieder tim. Sie brauchte keinen Luxus von Petermanns Gnaden. Nichts — nichts — nichts wollte sie mehr von ihm. Sie wußte: Es war die laxe Moral der Welt, in der er sich mit Vorliebe bisher bewegt hatte, die ihn solche Ansichten hatte aussprechen lassen. Sie wußte aber auch, daß diese Moral nie die ihre sein würde, daß sie Niki nie verzeihen konnte.
(Fortsetzung folgt.)
Kleine Geschichtsbilder aus Gberhessen.
(Nachdruck verboten.)
(Fortsetzung.)
Unter den Landbewohnern ist die Ansicht vielfach verbreitet, der Name „Echzell" stamme von „Achtzeil"; hierunter seien tue acht Gassen zu verstehen, welche in die Hauptstraße einmünden. Andere glauben, der Name stamme von „Eichzell" und erklären dies folgendermaßen: Fromme Mönche hätten sich hier erchene Zellen gebaut, hätten die Heiden bekehrt und an die eichenen Zellen habe sich Echzell nach und nach herangebaut.
Beide Erklärungen sind unrichtig. Echzell hieß vor tausend und mehr Jahren „Achazz", aus „Acha" gebildet, was aus dem! Althochdeutschen stammt und so viel bedeutet wie „fließendes! Wasser". Bei Salzburg gibt es einen kleinen Fluß, der heißt bis! auf den heutigen Tag „Ache". Aus „Achazz" wurde nach und nach „Echaz". In Württemberg gibt es einen kleinen Fluß, welcher bis auf den heutigen Tag „Echaz" heißt- Um das Jahr 891 heißt Echzell Achizuvila. Das Wörtchen vila bedeutet Dors. Aus Achizuvila wurde Echezuvil, Echezil und Echtzil, d. h. ein Dorf am fließenden Wasser.
Gettenau (Gettenowe) gehörte ursprünglich zu Echzell; fein Name wird vielfach von „Garteuaue" abgeleitet, was unrichtig ist. Man darf mit ziemlicher Sicherheit annehmen, daß der Name von einem Edlen Namens „Gerto", der in dieser Aue, „Gertenaue", „Gettenaue" seinen Sitz hatte, herrührt. Rechts' von der Hochstraße die nach Friedberg zieht, liegt ein erhabener Raum, der zu Gettenau gehört und erst vor einigen Jahrzehnten urbar gemacht wurde. Hier, auf der sog. Ladenau fanden sich Mauerreste, die auf einen ehemaligen Edelhof schließen lassen.
Aehnlich ist der Name Geiß-Nidda zu erklären. Nicht „Siegens nidda" hat das Dörflein früher geheißen, weil es ehemals viele Ziegen dort gab, sondern ein Edler Namens „Geiso" hauste infl grauen Altertum dort, von welchem das Dörflein Nidda d. h. niederes Wasser zum Unterschiede von dem größeren Nidda den Namen Nidda des Geiso, Geisentnidda, Geisnidda erhielt.
Biugenheinr erhielt seinen Namen offenbar von einem Edlen I Bingo, der sich hier ein „Heim" oder „Haus" von stattlichen!! Ansehen gebaut hatte. An dieses Haus', das als Burg bezeichnet! werden kann, baute sich nach und nach der Ort an. Kaiser Karl IV. gab im Jahre 1357 dem Abte Heinrich von Kraluk zü Fulda die Erlaubnis: „eine Stadt vor die Burg zu Bingeuheimb" bauen zu dürfen. (Unsere Haupt- und Residenzstadt erhielt kurzj vorher, im Jahre 1330, Stadtrechte.) Das Schloß zu Bingen-


