Ausgabe 
8.1.1913
 
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Mittwoch, den 8. Januar

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Von Frühling ?u Frühling.

Roman von Erich Eben st ein.

(Nachdruck verboten.)

(Fortsetzung.)

Ei, wie hübsch, meine Damen," sagte er galant,daß ich Sie noch alle beisammen finde! 'n Abend, Fräulein Herta! Fräulein Isa, meine herzlichste Gratulation ich habe schon gehört, daß Sie es uns nächstens nachtun wollen! Riesig fesch! Ja, ja, das Alleinsein taugt nichts und das Verheiratetsein ist gar nicht so übel was, Mausi?"

Er trat zu Meta und kneifte sie in die Wange. Aerger- lich bog sie den Kopf zurück.

Aber Niki....!"

Ach was vor deinen besten Freundinnen! Sie ent­schuldigen doch, meine Damen? Wir sind eben noch in den Flitterwochen . . . übrigens. Kleine, willst du mir nicht ein Paar Leckereien,a>nbieten? Ich bin schauderhaft bei ^Appetit!"

Meta schob ihm die halb geleerten Schüsseln zu.

Bitte, bediene dich! Wünschest du auch eine Tasse Tee?" Sie griff nach der Klingelschnur, welche von dem Lüster herabhing.

Tee? Nein. Hast du keinen Kognak?"

Du weißt, daß dir der Arzt Kognak verboten hat . ."

Lächerlich! Sie müssen wissen, meine Damen, daß Professor Burger mir durchaus ein Herzleiden hinauf­disputieren wiil. Mer ich lasse mir nicht bange machen. Das könnte mir fehlen! Jetzt erst recht Kognak her!"

Ich habe keinen hier."

Dann laß, bitte, welchen bringen!"

Meta klingelte.

Als der Diener kam, sagte Niki statt ihrer:Bringen Sie Kognak, Jean, und drei Flaschen Sekt"

Niki!"

Er lachte.

Selbstverständlich! Wir müssen doch diesen ersten Be­such deiner Freundinnen gebührend feiern! Ich hoffe, Sie sind keine Kostverächterinnen, meine Damen?"

Das nicht, Herr Petermann," lachte Herta,aber ich fürchte, daß wir nicht mehr viel Bescheid werden tun können. Es ist spät und wir müssen heim!"

Keine Spur, daß ich Sic fortlasse! Es ist ja riesig nett, daß Sie just heute hier sind. Ich bitte Sie sonst müßten wir den Wend ganz allein verbringen!"

Nun, das Unglück wäre wohl kaum so groß!" ant­wortete Herta mit einem schelmischen Seitenblick auf Meta, die unbeweglich vor sich hinsah.

Niki zog die Augenbrauen hoch und zuckte mit den Achseln.

Hm je nach dem die allerhöchste Laune ist . . . was, Meta?"

Ich bitte dich, Niki!"

Der Diener brachte den Sekt und Petermann machte sich eifrig an das Oeffnen der Flaschen. Dabei stürzte er ein Gläschen Kognak hinunter.

Ah famos nach dem naßkalten Wetter draußen! So, meine Damen Ihre Gläser, bitte! Meta, ich be­schwöre dich, mache keine solche Leichenbittermiene! Auf dein Wohl!"

Mit einem Zuge leerte er das Glas.

Fabelhaft gemütlich! So 'n Glas Sekt in Damen­gesellschaft! Ueberhaupt gemütlich hier. . . nicht wahr, Meta hat einen großartigen Geschmack im Arrangieren? Du, Meta, was ich dir erzählen wollte rate mal, wessen Be­kanntschaft ich heute gemacht habe?"

Wie soll ich das wissen?"

Prinz Joachim. Riesig netter Mensch! Habe ihn gleich in deinem Namen für Mittwoch zu unserer ersten Gesellschaft geladen. Es ist dir doch recht?"

Gewiß."

Haben Sie auch des Prinzen Adjutanten, Herrn von Münster, kennen gelernt?" fragte Herta interessiert.

Versteht sich! Ist aber weniger nett. Ein arroganter Mensch spricht kaum ein Wort."

Greifen Sie meiner Schwester nicht ins Herz," lächelte Isa; sie schwärmt für Herrn von Münster!"

Wirklich? Schade. . . übrigens alle Damen schwär­men für den steifen Ladestock! Na Geschmackssache. Mnrm dich in acht, Meta!"

Meta lachte zuin ersten Male, seit ihr Mann ins Zim­mer getreten war.

Jetzt bin ich wirklich neugierig auf diesen Herrn von Münster das ist die zweite Warnung in einer Stunde! Auch Herta warnte mich . . . als ob ich aus so brennbarem Material wäre!"

Nein, weiß Gott das bist du nicht!" Petermann betrachtete seine Frau etwas spöttisch. Dann stürzte er abermals ein Glas Sekt hinab und bog sich näher zu ihr.

Aber an mir hast du doch gleich Feuer gefangen, nicht wahr?" lachte er triumphierend. Meta richtete sich steif auf.

Ich muß dich bitten, Niki, nicht zu vergessen, daß . ."

Wir nicht allein sind . . . natürlich! Wurde mir schon einmal nahegelegt! Aber die Damen sind ja selbst Dräute sie finden nichts dabei, wenn ein Mann seine Frau lieb hat. Und ich hab dich riesig lieb, Mausi. Du bist entzückeird heute in diesem lichtblauen Kleid. Him­mel, meine Damen, Sie trinken ja gar nicht! Bitte . . ."

Herta stand auf.

Sie müssen uns wirklich für heute entschuldigen, Herr Petermann. Es ist die höchste Zeit, daß wir gehen."

Er versuchte noch eine Weile, sie zurückzuhalten, aber