Ausgabe 
7.7.1913
 
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unter Schwarzenberg einen Hauptschlag zu fuhren, bevor Blücher rind dis Nordarmee angenommen wären.

Es erübrigt nun noch, auf die Tätigkeit des hessischen Che- vaurlegers-Regiments während dieser Zeit zurückzugreifen. Das Regiment Ivar der Kavalleriedivision Beaumont vom 6. Korps Marmont zugeteilt worden. Am 16. August erhält das Regi­ment Befehl, in der Nacht das Dorf Klein-Zcsch bei Jüterbog zu besetzen. Nachts 2 Uhr wird es unvermutet übersatten. Mit Anbruch des Tages sammelt es sich wieder bei Baruth. Der Verlust bei dem Üeberfall betrug 83 Pferde: s 1 Unteroffizier und 12 Gemeine wurden verwundet, 6 Gemeine gefailgen. Am 1. Sep­tember steht das Regiment bei Zahna, Kreis Wittenberg. Hier hat es am 5. September int Verband der Arriöregarde der Di- vision Beaumont ein Gefecht zu bestehen, in dem Oberst von; Münchingen durch eine Kanonenkugel tödlich getroffen wird. Ritt­meister Bohneburg übernimmt das Kommando. Am folgenden Tage, am 6. September,, in der Schlacht bei D e n n e w i tz, wird das Regiment von feindlichen Dragonern chargiert und ge­worfen. Rittmeister v. Breidenbach sammelt wieder etwa 120 Reiter und schließt sich einem Jnfanteriebataitlon an, mit dem er den Rückzug fortsetzt. In der darauffolgenden Nacht vereinigt sich Rittmeister von Breidenbach mit einem Trupps württem- bergischer Kavallerie unter Oberst v. Bisiüarck und marschiert nach T o r g a u. Hier finden sich auch wieder andere kleinere Ab­teilungen ein, so daß das Regiment nun wieder 260 Pferde stark ist. !Am 8. September geht es' mit einem westfälischen Chevauxlegers- regimcnt über die Elbe nach Markt-Rhena, wo es bis zum 21. Sep­tember bleibt. Bei deut forcierten Uebergang der Preußen unter Aorck über die Elbe kommt das hessische Chevauxlegersregiment am 3. Oktober bei Warten b u r g ins Gefecht. Es verliert mehrere Tote und Verwundete, 50 Gefangene und Vermißte. Mit dem Rest des Regiments kommt Rittmeister v. Boyneburg am 14. Ok­tober bei Leipzig an. Hier werden die noch übrigen hesstschsn Reiter der westfälischen Division Wolf zugeteilt, mit ber sie an der Schlacht am 18. Oktober teilnehmen.

Wie eilt dramatischer Alm entsteht

diese fesselnde Frage beantwortet im Juliheft pon B el Hag en it. Klasings Monatshefte n ein trefflicher Kenner der Verhältnisse, nämlich Joseph August L ux. Er weist darauf hin, daß die Kinematographie im wesentlichen eine bloß illustrative Sache ist und dast sich, so überraschend es klingen mag, Bühucn- dramen am allerschlechtesteu für die Verfilmung eignen. Tie epische Darstellung besitzt in der Wortschilderung von vornherein, ein illustratives Mittel, das dem künstlerisch weitaus ökonomischeren Drama fehlt. Das Gebiet des Films ist nicht der Raum, die Bühne, sondern die Leinwand, die Fläche, die Schwarz-weiß- Skala. Darum läßt sich der Filmdramaturg von ähnlichen In­stinkten leiten, wie etwa ein geschickter Illustrator. Er reifet aus dem Roman einzelne Momente heraus, die interessant genug sind, auf der Schwarz-Weife-Fläche ein packendes Bild zu geben, und wird dabei Bedacht daraiks nehmen, das; die aufeinander­folgenden Szenen sich so ergänzen, daß. sie wie die Glieder einer Kette ineinander greifen. Wenn es also heißt:Marianne verläßt das Haus ihres Gatten und kehrt zu den Eltern zurück", wird der Filmdramaturg die Sache derart einrenken müssen, daß die Szene im 'Filmmanuskript so aussieht:Marianne wirft ein paar Zeilen aufs Papier, rafft'ihre Effekten zusammen, setzt den Hut auf, nimmt die Reisetasche, sendet einen Scheideblick zurück und wendet sich entschlossen zur Tür." Und das nächste Bild wird dann beginnen:Marianne in den Reisekleidern und mit der Handtasche betritt das Wohnzimmer der überraschten Mama." Die überraschte Mama wohnt zwar zwölf Bahnstunden weit, aber die zwei Momente ergänzen sich so, daß. sie dicht aneinq ander gerückt werden können. Tie Einheit der Personen, und die Einheit der Handlung ist also gewahrt, wogegen die Einheit der Zeit und namentlich die Einheit des Ortes ganz in Wegfall kömmt. Der große Reiz des Films beruht ja geradezu auf diesem Ortswechsel, der von Bild zu Bild - eintreten kann und sehr erwünscht ist. Je verschiedenartiger die Schauplätze sind und fe schneller sie ausein­ander folgen, um so herrlicher. Wo aber in der Handlung eins Riß eintritt, sorgen ein paar erklärende Textzeilen auf der Sein» wand für die notwendige Verbindung. Zum Beispiel:Marianne will sich scheiden lassen." Im nächsten Bild sitzt sie schon beim Advokaten. Wenn auch die Originaldichtung solche Stellen und Uebergänge nicht enthält, so werden sie der Verdeutlichung zu­liebe gemacht werden müssen. Tie Muse des Films schreckt vor keiner Gewalttat zurück.

Hat mm der Filmdramaturg fein Szenarium, eine runde, Summe von Bildern, fertig, dann wandert das Manuskript in die Werkstatt des Filmregisseurs. Dieser Mann ist sozusagen das Herz des Betriebes. Er inszeniert, schult die Darsteller, probt, improvisiert, hat seine Hände int Spiel und ist doch zugleich Publikum, beim auf Publikumswirrung kommt alles an. Szene für Szene kontrolliert er mit dem Auge der Kamera Bildwirkung ist sein oberstes künstlerisches Gesetz. Seme Werkstatt? Sie ist nicht nur der große Oberlichtsaal mit den starken elektrischen

Lampen, die oft das Tageslicht vermehren helfen müssen. Sem« Werkstatt ist auch das Feld, die Straße, die Meeresküste, das Luftschiff, das Schlachtfeld. Man könnte viel einfacher fragen, waS nicht seine Werkstatt wäre.

Sein wichtigstes Werkzeug, ohne das es keinen Kino gäbe, ist der photographische Apparat. Mit Hilfe dieses' Apparates macht er, Momentaufnahmen von gatrz kurzer Expositionsdauer, sagen wir ungefähr einer achtundvierzigstel Sekunde) Eine Momentauf­nahme liefert gleichsam nur einen toten Punkt, wo scheinbar! alle Bewegung aufgehoben ist. Ein Manu, der über die Straße geht, kann in einer Momentaufnahme so aussehen, daß das eine Bein unbewegt in der Luft hängst. Lasse ich nun sehr rasch eine Zweite, dritte, vierte Momentaufnahme und noch mehr Moment­aufnahmen folgen, so wird nach und nach auch ein Bild kommen, wo das Bein wieder fest lauf der Erde steht, während sich das andere hebt usw. Lasse, ich gar in, einem Projektionsapparat die Bilder rasch vorübergieiteu, so wird das Auge, ungeachtet der win­zigen Zwischenräume, von Aufnahme Ku Aufnahme, die verschie­denen Stellungen, die tote;*, Punkten gleichen, addieren, und ieS wird eine Bewegung entstehen, wie etwa aus aneinandergereihten Punkten eine Linie entsteht. Darauf beruht die Kinematographie. Die kinematographische Kamera hat demnach eine besondere Ein­richtung. Ein etwa 21/2 Zentimeter breites Filmband wird mittels Kurbeldrehung über Walzen int Innern des Kastens an der Be- lichtungsösinung des Objektes .vorübergezogen. So werden in rascher 'Folge nacheinander eine große Zahl von Momentauf­nahmen, etwa 1620 in der Sekunde, gemacht. 1600 Meter Film mit diesen .winzigen Aufnahmen von der Größe einer Briefmarke gehen in der Kinovorstellung in etwia dreiviertlel! Stunden an uns vorüber.

Vermachtes.

Eine neueO r i g i n a l i t ä t" der französischen Damen. Sie brauchen keine Strümpfe, sie gingen von den zierlichsten und kostbarsten Halbschuhen mit den allerhöchsten Stöckeln auf die Sandalen über. Eines muß sogleich richtig gestellt werden. Nicht alle sondern einige. Nicht etwa, daß sie diese Sandalen zu Hause in der heißen Sommerszeit trügen, Wb deren Gebrauch einleuchtend erschiene, sondern sie ziehen sie zu beit feinsten Abendkleidern an, diese bandum'wickelten San­dalen, aber ohne Strümpfe, wobei sich die beste Gelegenheit ergibt, die rotgeschminkten Fersen und die rotgefärbten Nägel zur Geltung zu bringen. Hierzu die verführerisch geschlitzten Röcke, die gleich­falls die unbekleideten Beine nicht verhüllen. Was werden beim die armen Tanten beginnen, wenn auch diese neue Mode ab­gegriffen erscheint?

* Empfindlich. Kondukteur (ausrufeud):Zeutralbahu- hof! Ostbahnhof! Haidhausen umsteigen." (Zu einer älteren Dame):Sie müssen sitzen bleiben." Alte Jungfer:Tas geht Sie ja nichts an, Sie unverschämter Mensch!"

UömgZpromenade.

Man darf die einzelnen Wörter und Silben nur in der Weise miteinander verbinden, daß man wie der König auf dem Schach­brett stets von einem steld ans auf ein benachbartes übergeht»

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Auslösung in nächster Nummer.

Auslösung des Zitatenrätsels in voriger Nummer: Ein jeder lernt nur, was er lernen kann.

Redaktion: K. Neuratb. Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruekerei, N. Lange, Gießen,