Ausgabe 
7.6.1913
 
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Demi durch die Anpflanzung norbamerikaiiischex Akazien totb Gleditschie», Eichen, Tulpen- und Lebensbänrne, der Weyniuths- kiefern und anderer Nadelhölzer wurde jene reizende Mannig- faltigelit in der Abstufung des Grüns, in der Gliederung des WanmschlageS, in den Konturen der Ausladungen gegeben, für welche unsere einheimische Flora nicht ausreicht.

Wie nun in der neuesten Zeit unter dem Einflüsse gebildeter Aeghetiker und genialer Künstler die geschmacklosen Bauwerke aus den Parken der Zopfzeit verbannt wurden, so wurde in den neuen, ästhetisch säpineu Landschaftsgärten, iuie sie in gleichartigem Charakter sich fast in allen Städten Europas finden, durch farben­reiche Blumenpartien und heitere Rasenplätze der alten, melancho­lischen Einförmigkeit ein Gegengewicht geschaffen. Wie in unseren Straßen neben einem gothischen ein Kans in italienischer und deutscher oder französischer Renaissance, in klassischem oder orienta­lischem Stil errichtet wird, so nimmt auch die moderne Garten­kunst ihre Motive aus allen Stilarten der Vergangenheit und verwertet sie am passenden Platz. In diesem Sim- hat Leans, der originelle Schöpfer der Rhciuanlage bei Koblenz, in und um Berlin Reizendes geschaffen. Ebenso zeigt die Gartenkunst ihre Meisterschaft in den Gartenanlagen von Pans, die sich durch peinliche Sauberkeit in der Unterhaltung der Wege, des Rasens, der Blumenbeete, sowie durch tadellosen Geschmack in der Zusammenstellung der Farben und in der Anordnung der Gruppen auszeichnen. Neben deut Landschaftsgarten ist noch der sogenannten Wintergärten und der Gewächshäuser zu gedenken, für welche die moderne Architektur neue geschmackvolle Formell erfunden hat. In der Einrichtung der Palmenhäuser hat bislang England den ersten Rang eingenommen, doch weist man nicht, ob irgendwo in der Welt ein Gewächshaus steht, das in land­schaftlichen Reizen dem Palmenhaus der Flora in Charlotten- burg oder dem Palmengarten in Frankfurt gleichkomnit.

In den letzten Jahrzehnten haben fast alle Städte ihre Mittelalterlichen Festungswälle in Boulevards und Promenaden uiirgewaudelt, viele haben außerdem Stadtparks angelegt, die jeden-. Bürger allezeit offen stehen und auch dein Aermsten die Erholung in anmutiger Naturumgebung, den Anblick der Wuilder der einheimischen und Ausländischen Flora gewähren. Solche öffentlichen Gartenanlagen und Squares sind die Lungen der Stadt, in denen die durch das enge Zusammenivohnen so vieler Tausende verdorbene Luft gereinigt wird. Mit Recht werden daher nicht bloß in den Großstädten, sondern auch in den meisten Meutere» Städten bedeutende Geldmittel darauf verwendet, nette Anlagen zu schaffen und die alten Promenaden und Parke zu erhalten und zu verschönern und damit dem Bürger einen ge­sunden Aufenthalt und eine Quelle der Erfrischung und des reinsten Genusses zu gewähren. Dazu kommen jetzt allenthalben in deutschen Landen die großen Spiel- und Sportplätze, Golf­plätze usw., die alle dazu dienen, die Gesundheit dec Menschen zu heben uttb zu fördern, die Kraft ttitb Gewandtheit der Heran­wachsenden Jugend zu stärken und zu festigen. So schafft die Gartenkunst heute nicht nur für ben Lupus, sondern auch für das dringende Bedürfnis der Gesundheit durch Spielplätze Und Sportwiesen Werte von hoher und allgemeiner Bedeutung. Nie­mals aber sollten derartige Anlagen gemacht werden ohne Hin- zuzictzung eines Gartenarchitekten, dessen Vorschläge uttb Ent­würfe man vorher einholen. sollte. Gr.

Vesmißchtss.

kf. Die u n t e r g r n nd f a r m. Vor einiger Zeit kauile Herr Robert Smith aus St. Lottis, als er des Stadtlebens ntüde tvar, eine Farttt bei Springfield in Missouri. Als er auf seiner Fnrnt ankattt, sah er, daß er au?s abschettlichstc hineingelegt tvordett tvar, denn dervortreffliche Acketbodeit" tvar ein sehr steiles Felfenfeld voster Geröll, mit dein landwirtschaftlich durchaus nichts anztisangen tvar. Stöbert Stttith hat auf seinem Grundstücke aber denitoch eine Farm angelegt, eine Farm dazu, deren Erträgnisse die seiner Nach­barn überliessen, kurz: eine llutergrutidsarm. Zu dem Farnt- grundstück gehört nämlich eine Tropfsteinhöhle. Da Robert Smith aus dieser Tropfsteinhöhle mir keine andere Weise die Zinsen für seitt schlecht angelegtes Kapital herattsschlagen konnte, ließ er ohne weiteres die Stalagmiten und Stalaktiten ivegbrechen, besorgte sich etwas Gartenerde und sehr viel Pserdemist und begann alsbald, dieNntergrundfarm" ztt bewirtschaften. Er hatte nämlich von der französischen Champignonzucht gehört und begann mit dieser. Der Versuch glückte vollkommen, und bei weiteren Versuchen stellte sich heraus, daß auch andere Pflanzen als Vilz, ttämlich zwei hoch ge- schätzte Gemüsearten, in der dunklen Höhle gut gedeihen, Rhabarber und der bleiche englische Celert). Dieklirnatischett Bedingungen" der zttr Untergrttndfarmr gewordenen Tropfsteinhöhle sollen nämlich ganz vorzüglich sein: es herrscht eine gleichmäßige Temperatur, die tttt he t ß e st en «ot nm e r tvie int kältesten Winter zwischen 14 und Io Grad Eelstns liegt; die gleichmäßig warme Luft ist völlig un- beivegt und enthalt gerade so viel Fettchtigkeit, tvie zttnt Gedeihe» der Pflanzen notig ist. Wer die Utttergrundfarnt besichtigt, lernt eure romantische Landschast kennen, die wohl kaum ihresgleichen hat: bet der Besichtigttng fährt man nämlich ht einem geräumigen

Geistlicher:

verbietet mir, al so gern her."

SBoote auf einem breiten Höhlenbache, Scheinwerfer beleuchten dir Felder" und treffen ab und zu auch auf Reste schöner Tropfstein- btldtmgeit. (?)

_. ?m lustige» Onkel Sam. Der Diplomä'L

Ste:Jach, wenn wir verheiratet sind, bqlttt muß ich drei Mensh. boten haben. Er:Aber gewiß, miet» Liebling. Du sollst Josar 20 Weit-nut nicht zu glÄcher Zeit" - Ihr Grunds M Mch, daß Sie so regelmäßig meine Abende andachte» besuchm, Mrs. BroM?Ja, sehen Sie, mein Mari» verbietet mir, abends anszugehen, und deshalb komme ich immer so gern l-er/^ - Geschäft ist Geschäft. Vater:Nun,- was, wollen Sre mit meinem Jungen anfangeN, uM ihn von de» Masern zu heilen? Arzt:Gar nichts, »lein lieber Herr, denn es rst ein vereinzelter Fall. Ich verspreche Ihnen aber 10 Prozent ^^mMlergebuhr^für redes Kind, das sich an Ihrem Jungest anfte®t, Beste r Bewei s. Mary:Glaubst du, daß sie sich , ^ozte:Unbedingt; sie hört zu, wenn er eine Fuß- oollpavtw beschreibt, und er hört zu, wenn sie von einer Toilette erzählt." Gehorsam. Mutter:Wer Mabel, wie kaimst du dir zwei Stück Kuchen nehmen?" Mabel:Bitte, Mama, du hqst Mir gesagt, ich sollte nicht zweimal um etwas bitten."

Viichertisch.

De ut sch e M änner. Fünfzig Charakterbilder von Robert Hessen. Verlag von Julius Hoffmann in Stuttgart. .Dieses Buch erzählt von dem Leben und Strebe», de» Idee» und Taten, dem Ringen und Erreiche» großer deutscher Männer und gibt so eilt reiches Bild des beutschncitivnalen Lebens fast der ganze» geschichtlichen Zeit unseres Volkes. Wir erleben es mit,, wie dieses in seinen besten Vertretern sich seiner besonderen! Bestlmnlung und eigenartigen Kräfte bewußt wird, Ziele steckt und anstrebt, in trüben und frohen Erfahrungen sich durchringt in der Politik, auf dem Markt, in den Wissenschaften und Künsten. Wir lernen die blühende Wirklichkeit dessen kenne»/ was, so oft in Wolken von Phrasen gehüllt wird, nämlich die deutsche Art, deutsche Aufgaben und Ideale: wir sind überall dabei, wo etwas unternommen und durchgekämpft, wo gewagt Und gewirkt wird; wir sehen Kühnheit und Bedächtigkeit, frohes Hoffen und zähes Standhalteu, den Glauben an die gute Sache unb die Treue zu ihr am Werk, und aus den vielen Charakter.'» und Bestrebungen formt sich ein einheitliches, großes, frisches Bild, des deutschen Wesens rund und treu zusammen. Man klagt häufig, daß es dein Deutschen an staatsbürgerlicher Erziehung fehle: dieses Buch ist geeignet, Deutsche zu bilden, die nicht mehr oberflächliche Tagesphrasen uachbeten; es vermittelt ein tiefes historisches Verständnis der Lebensfragen unseres Volkes unb regt zugleich zu wärmster Teilnahme an seinen Geschicken an, es kann aus Kannegießer» Bürger, aus Festrednern Patrioten machen. Der Verfasser übt die Porträtkunst meisterhaft, mit wenigen Zügen arbeitet er die Eigenart der Personen zugleich scharf und ansprechend heraus; er'weiß uns die deutschen Männer »ienschlich nahezubringen in ein lebendiges, herzliches Verhältnis. Man kann sagen, er macht uns alles, die Personen und Ver­hältnisse, zur Familiensache, so daß wir alles Sorge» und Sehne», Hoffen und Streben lebhaft mitmachen und uns als lebendiges' Glied einer großen, herrlichen Gemeinschaft fühlen. In jeder Be­ziehung auf der Höhe wissenschaftlicher Forschung stehend, aber int frischen Ton der Erzählung und des geistreichen Essays ge­schrieben, ist das Werk bei» Gebildeten, besonders dem im öffent- liche» Lebe» stehenden Politiker, Schriftsteller und denkenden Bürger ein stets anregendes Handbuch, der reifen Jugend aber ein Erzieher zu deutschem Fühlen und Wirken.

Zitatenrätsel-

Aus jedem dec folgenden Zitate ist ein Wort zu nehmen, jo daß sich ein neues Zitat ergibt:

1. Menn die Könige bau'», haben die Kärrner zu tun.

2. Was willst du dich das Stroh zu dreschen plagen?

3. Unterdessen erzähl' ich der Residenz eine Geschichte, wie man Präsident wird.

4; Wenn die Rose selbst sich schmückt, Schmückt sie auch den Garten.

5, Du schaust mich an, als wolltest du mir zürnen.

6. Sag' ihnen, mein Handwerk ist Wiedervergeltung ..,.»

7. Sonst spielt' ich mit Szepter, mit Krone und Stern.

8. Laß nicht zu viel uns an die Menschen glauben.

9. Und die Treue, sie ist doch fein leerer Wahn.

10. Ihr Mann ist tot und läßt Sie grüßen. Auflösung in nächster Nummer.

Auflösung des Rösselsprungs in voriger Nummer: Nicht bloß im grünen Wellenreiche, Aus der wogenden Meeresflut, Siuch auf der Erde, so fest sie ruht, Stuf ben ewigen alten Säulen

Wanket das Glück und will nicht weilen. Schiller.

Redaktion: K. Neurath. Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießen.