Ausgabe 
7.5.1913
 
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itnb unser hundertjähriger Eichenbestand war ihm nichts. .Er ging im Groll von mir fort und ist mm verschollen."

Und war cs vor zwanzig Jahren?"

Genau vor zwanzig Jahren. Nun aber sagt, was soll das alles? Brmg't ihr mir Botschaft von dem Jungen oder wißt .ihr fernen Aufenthalt?"

, H11^. /r Packte über den Zaun des Fremden beide Hände Urrd drückte mit, dem Knie das Gartentor auf und zog den Widerstrebenden in beit Garten.Nun redet, ich will's euch lohnen mit dem, was mir die Brandschatzung der Franzosen Überließ. Lebt er, der Valentin?" Dem Fremden wurden die Augen feucht und er sagte:Er lebt!"

Ihr kennt ihn?" Der andere nickte.

Ihr wißt seinen Aufenthalt?" Er nickte wieder.

So sagt mir, wo er ist! Sagt mir's und quält einen alten Mater nicht länger!"

Hier ist er, in eurem Garten, Vater!" und er breitete die Arme aus und drückte den erstaunten Alten an sich. Der schob ihn von sich und sah tfjm in die Augen und schalt sich einen .alten Toren, daß er ihn nicht gleich erkannt.

Junge. Gott diese Freude, dieses Glück! Wo hatte ich meine scharfen alten Weidniannsaugen, daß ich es nicht gleich gemerkt. Nur der Bart, der schwarze, hat es angerichtet!" Und nun umschlang er ihn und schritten selbander in seligem Glück ins Haus.Und die Brüder, die drei?" fragte der Wieder- gekehrte.Die wollen einen Dachs ausheben! Sind prächtige Kerls geworden, der John, der Franz und der Wilhelm! Mensch, ich werde noch rein verrückt vor Glück. Und nun erzähle, wo warst du die zwei Jahrzehnte, und warum hast du dein Vaterhaus vergessen?"

Ach Vater, spar mir das Verzählen! Gut ist mir's ge­gangen und schlecht ist mir's gegangen, Mehr schlecht wie gut, wie es just allen Menschen geht, die des Vaters gute Lehr' und der Bcntter Lieb' in den Wind schlagen und der Heimat schlichte Schönheit und des Vaterhauses sichern Bord als Nichts erachten. ; Laß das sein, es möge mir nicht die Wiedersehe.nsfreude trüben. Gekämpft habe ich mit, eine Kugel sitzt mir noch im Wadenbein und macht mich leicht hinkend und erinnert mich an den, für den ich kämpfen mußte, an den Fluch Europas."

Junge! Valentin! Du wirst doch nicht damit sagen wollen, daß du mit in Napoleons Reihen gestanden?" Der Vater hat den Sohu von sich weggeschoben und bebte jetzt am ganzen Leib. Und der sagte traurig:Ja, Vater, es ist so."

Gott, o Gott! Mein Aeltester, mein Stolz vor zwanzig Jahren, hat für den Verhaßten Blut und Leben gewagt und mitgeholfen am Niedergange Deutschlands! Geh, geh mir aus den Augen, ich mag dich nicht mehr sehen!"

Vater!"

Geh!. Hast du erst alle Bande gelöst zwischen mir Und dir, jetzt löse i ch sie. Diese Schwach! Diese Schande! Eilt Jolanther mit Napoleon! Ein Jolanther, der Deutschen Deut­schester! Geh mir aus den Augen!" Und er wandte sich und ließ den Armen stehen. Aber der ergriff ihn und flehte: ;,So höre mich doch erst an, Vater. Ich stand in hessischen Diensten, als Förster meines Herrn, des Herzogs. Und er war eilt Rheinbündler und befahl allen seinen Dienstleuten, Heers­pflichtig zu werden. So mußte auch ich mich stellen. Bei Muerstädt traf mich die Kugel und machte mich hinkend."

Der Vater stöhnte auf.Der verruchte Korse! Nicht mir, daß er uns Preßt und aussaugt, die Herzen reißt er auseinander."

Nun mach ich's wieder gut, Vater! Nun ziehe ich gegen den Bonaparte!"

Das hat gute Wege! Unser König will nicht, er wagt's picht."

O, er will und wagt es! Und weil er es wagt, bin ich dort fort aus dem Hessischen und bin hier. Ihr, in eurem Waldwinkel, vier Stunden von jedem Orte entfernt, wißt nicht, was vorgeht im Lande."

Die Glocken hört' ich gestern läuten, drunten von Kirch­berg trug der Wind den Klang herauf. Dachte, der alte Herr von Lohenstein sei zn seinen Ahnen cingegangen."

Der Loheitsteiner? Er ward gesund von dieser Botschaft!" Und er zog ein weißes Papier hervor und entfaltete es und der Vater las: Aufruf an mein Volk! und darunter Friedrich W i l h e l m und Breslau, den 10. März 1813.

Der Vater las und las und seine Züge »erklärten sich und als er die letzten Worte las: . . den Sieg verleihen, mit ihm einen sicheren, glorreichen Frieden und die Wiederkehr einer glücklicheren Zeit! da geriet er fast außer sich vor Freude und er drückte jetzt dem Sohne die Hand.Um dieser Botschaft willen soll dir verziehen sein!"

Ich will gut machen, was ich ohne meine Schuld gefehlt. Mancher Deutsche, glaub mir's, Vater, ist zähneknirschend für Heu Korsen ins Feld gezogen."

Und was nun?"

Nun? Was nun? Nun hole ich meine drei Brüder und wir vier, wir vier Jolanthers, wir wollen unser Jägerauge und unsere sichere Hand dem Könige schenken, er wird sie brauchen können."

Alle vier?" sagte der Vater bebend und ward dann still vnd verhüllte sein Haupt.

s

n. Siu et Tage später, als die Sonne über den Grat der Berge stieg und ihre leuchtenden Strahlen das Tal in Morgengluten tauchten, da stiegen vier Männer, einer, der Aelteste, hinkend voran, den Berg hinunter. Und droben am Forsthause stand emer, eisgrau im Antlitz, aber aufrecht wie ein Junger, fest und knorrig, und schaute den Vieren nach.

, "Sie gehen in den Kampf!" murmelte er. Da packte ihn wildes Vaterweh, und er wollte aufschreien, wollte rufen, wollte wem ihm doch wenigstens den Jüngsten zu lassen in seiner Bergeseinsamkeit. Aber er kämpfte den wilden Schmerz nieder. Em deutscher Jägersmann klagt nicht, er weiß sein Herz zu bändigen Ex sah ihnen nach, bis das Unterholz sie aufnahM,

£r mS c Zwch lauge, lange, und als von unten eist Plui^.er .^odler fein scharfes Ohr erreichte, da erkannte er

-Jüngsten, seines Wilhelm Stimme, und er preßte die Hände aufs Herz und ging in das Hans.

Etliche Wochen später.

Die vier Jolanthers waren der schlesischen Armee zugeteilt worden. Mit vielen anderen waren sie nach Breslau mar- Ichiert,' hatten ivohl hundertmal das damalige Schmähliedchen.:

Schlagt ihn tot mit Krücke ins Genicke/ den Kujon , . Napoleon!

mitgesungen. Nun waren sie einexerziert und kampfbereit. Jetzt ging es an ein Marschieren nach Nord und Süd.

n .. .9ing an ein Kämpfen an der geschwollenen Katzbach steilen Nohen. Vater Blücher ritt die Reihen seiner Truppen entlang. Ta standen vier Kerle, wie die Eichen gewachsen, mit Hellem, offenem Antlitz, einer mit schwarzem Barte und Nicht mehr jung, und mit leuchtenden Augen und stolz wie ein Vater.

Dem alten Haudegen Blücher lachte das Herz, als er die stämmigen Kerle sah. Er ritt näher und zeigte mit dem TvN- Pfeischeii auf den Schwarzen.Wie heißt er?"

Jolanther."

Was ist er als Bürgersmann?"

Förster."

Ja, ja, der deutsche Wald gibt in dies«t Tagen sein Bestes."

Er zeigte ans den nächsten:Wie heißt er?" Jolanther."

Was ist er?"

Förster."

Ter.alte Marschall stutzte. /.Brüder?"

Jawohl."

Wie heißt er?" fragte er den nächsten.

Jolanther."

Zum Donner! Auch Jägersmann?"

Jawohl, Herr Marschall!"

Gehört er auch zn den beiden?"

Jawohl."

Sakra! Solch eilt Vater! Gibt dem König drei solche Burschen. Ter müßte geadelt werden. Was ist der Vater?"

Fürstlich Pleßscher Erbförster."

Bravo, alter Weidmann! Bestellt eurem Vater einen Gmß vont Vater Blücher, wenn ihr an ihn schreibt." Und er ritt zum Nächsten, ein blondes, schlankes und doch kräftiges Kerlchen.Wie heißt er?"

Jolanther, Herr Marschall!"

Mas znm Teufel, will mich der Kerl frotzeln?! . Ist er der Jüngste?"

^Jawohl, Herr Marschall!"

Da wandte sich Blücher ab und eine Träne glänzte in seinen Augen. Und er sagte zu dem ihn begleitenden Oberst­leutnant:Ein solches Volk muß siegen!"

Und es siegte! Himmel, war das ein Balgen und Würgen an der Katzbach. Die vier Jolanthers schlugen wie mit Eisen- fäusten, und die drei Aelteren waren um ihren Jüngsten besorgt und wichen ihm nicht von der Seite. Und das war nicht leicht/ denn er war ein Feuerkopf, und wo das Gewühl und Würgen! und Morden am dichtesten tobte, da leuchtete sein blondes Lockew- hanpt, und da siel sein Kolben auf die französischen Frechschädel wie ein Schmiedehammer. Und jetzt fiel ihn ein Rudel Fran­zosen an, und er wehrte sich mühsam seines Lebens. Ta bahnte sich Valentin mit seinem Kolben eine Gasse zu dem Jüngsten und schlug dem baumlangen Banduren, der Wilhelm gerade das Bajonett in die Kehle stoßen wollte, den Schädel ein, daß er krachend barst, aber ein anderer setzte dem Aeltesten! der Jolanthers eine große Reiterpistole auf die Brust und schoß ihn nieder. Und John und Franz, die beiden Brüder, sprangen hinzu und fingen den Bruder auf, und sie sahen, tote Wilhelm in die Knie sank, beim ein Bajonett war ihm in den Leib ge­drungen. Er stürzte vornüber. Franz deckte ihn mit seinem Leib und fing so den furchtbaren Säbelhieb auf, der den Jüngsten treffen sollte, und zahlte für diese Tat sein Leben. John schrie auf in wilder, wahnsinniger Wut, und er schlug um sich und schaffte den Gefallenen Luft und drängte mit den Kameraden den Berg hinab, und vor ihnen her flohen die Franzosen; in wilder Hast stürzten sie in die rauschende Katzbach, und Hunderte und Tausende wurden verschlungen von den Fluten,