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Droben an Berges Halbe aber lagen bret, ^olantherv, zwei Tote mtb ein Sterbender, imd als die Siegesfausaren über das Totenfeld dröhnten, da lagen drei tote JolanAers am Berge ' Der Vierte mußte marschieren und marfchiereu, imd als bei Leipzig die Völker rangen, ganze Völker nm eine» Mannes Millen, da ereilte auch den Vierten das JBiei.
Weit in den Bergen int Walde, da stand Tag für -‘tag eurer mit eisigem Barte und wartete, daß wenigstens einer von den Vieren wrederkehre. , . 0, „
' Noch hielt ihn die Hoffnung aufrecht, noch, war sein Auge blank und klar, aber als eines Tages statt seiner Sohne ein Bote ernsten Antlitzes front Kirchdorf« auf tue Berge ,ti-g und in feine Halle trat und sagte: „Seid stark, Herr Erbforster! , da lächelte der Alte. Es war ein starres, steinernes Lächeln, und er sagte mühsam: „Ich bin doch ein Jäger und bin em deutscher Jäger!" „ , . t .
„Ja, ja, das seid ihr. — Und einem anderen tote einem starken Manne diese Botschaft zu bringen, hätte ich mich anch nicht unterfangen, llnb eure. . ." .
Er kmmte nicht weiter sprechen, so ging ihm de» Alten-^ammer ans Herz, und er reichte ihm nur ein großes, versiegeltes Schreiben und murmelte: „Vom Marschall Blücher!" und ging.
Wer heute in den schlesischen Bergen Rast halt tn dem ein- sameir Forsthaus, der findet unter Glgs und Rahmen ein vergilbtes Blatt, da steht mit großen und ungelenken Zügen, mit schwcrtgewohnter Faust geschrieben: „Dem alten Jäger Gruß und Dank für die vier Jvlanthers. Blücher."
. Es ist das Heiligtum des Hauses.
VsröEchtes.
* AuK dem Wäscheschrank des „Jmperator_§". Von den eiwrnteit Vorräten allein an Wäsche, die für unsere tnpbcrnen Riesendampfer benötigt werden, gibt ein Bericht des >,Konfektionär" über den Wäscheschrank des „Imperators" eine Vorstellung. Die Kabinen enthalten insgesamt 2476 Betten, für die Ueberzüge und Bettzeug mitgeführt werden müssen. Für «sine vollbesetzte Ausreise von Hamburg nach New Bork und die anschließende Rückreise unter halber Besetzung nimmt der Dampfer folgenden Wäschevorrat für die Passagiere aller Klassen mit': 2500 Badelaken, 150 Bademäntel, 4900 Badetücher, 600 Badeteppiche, 9700 Bettlaken und Deckenbezüge, 2530 Fahrtücher, 800 Gläsertücher, 30 000 Handtücher und 950 Rollhcmdtücher, 12 5PQ große und kleine Kissen-, Plumeaux- und Kopfrollenbezüge, 4125 Piqubdecken, 45 300 Servietten, 13 800 Serviertücher, 1000 speiste Taschen-) 4400 Tellertücher, 6870 Tischtücher der verschiedensten Größe, 800 Toilettentücher, 700 Wischtücher, 1550 Kellner- und Küchcnschürzen, 100 Küchendecken, 2000 kleine Decken und 1375 Wäschesäcke und Wäschebeutel. Der Gesamtwert der Wäscheansrüstung beträgt 200 000 Mark.
* Die Vervreitung der Bibel. Die britische und aus' ländische Bibelgesellschaft in London, die größte ihrer Art, hat int Jahre 19J1 7 400 000 Bibeln oder Bibelteile verkauft, 420 000 mehr als im Vorjahre. Ihre Ausgaben betrugen 51/, Millionen Mark, ihre Einnahmen haben sich um 300 000 Mark gesteigert; ein Fehlbetrag et>va in derselben Höhe bleibt noch zu decken. Unter den 1911 mit Schriften versorgten Ländern steht an der Spitze China mit 1 650 000 Exemplaren; es folgen Großbritannien mit anderthalb Millionen,Judien900 000, die deutschen und slavischen Völker Mittcl- europas 700 000 (wobei zu beachten ist, daß das evangelische Deutschland sich durch seine eigenen Bibelgesellschaften versorgt), das russische Reich 558 000, die romanischen Völker in Europa 450 000, Süd- und Zentralairika 270 000, zuletzt kommt Afrika mit 200 000.
kf. Eine M in i st e rto ch t e r a l s Tischlermeister. Die Tochter des dänischen Ministerpräsidenten Herrn Berntsen, Fräulein Anny Berntsen, hat, wie au§ Kopenhagen berichtet wird, kürzlich ihr Gesellenstück als Tischlermeister tadelsrei vollendet und ist somit ein vollgiltiges Mitglied der ehrsamen Tischlerei geworden. Es ist eine polierte Mahagonikommode, die sie gearbeitet hat. Fräulein Berntsen ist wyhl die erste Minister- tochter, die eine Laufbahn dieser Art eingeschlagen hat. Sie hat durchaus ordnungsmäßig die Handwerkerlaufbahn durchgemacht und ist zuerst Lehrling im Hause einer Kopenhagener Möbelfabrik gewesen. Ihre erste Lehrlingsarbeit, eine Truhe, mürbe von der Kaiserin-Witwe von Rußland erworben. Uebrigeus war Fräulein Berntsen nicht der einzige weibliche Tischlerlehrling int Hause Horsböl, sondern mit ihr jitfammen arbeiteten als Lehrling auch Fräulein Agnes Torp und Gräfin Agnes Schack-Schackenborg, die jetzt mit einer Ludwig XVI,-Kommode und einem Noleuschrauke gleichfalls ihr Gesellenstück geliefert haben. Ein Schreibiiscb, den FräuleinBerntsen vergangenes Jahr auf der „Hausfleiß-Aus- stelluna' in Kopenhagen hatte, hat bereits großen Beifall gefunden. Die Ministerstochter wird von ihrer Kunstfertigkeit bald den schönsten Gebrauch in ihrem eigenen Interesse machen können: sie hat sich verlobt und sie wird es sich wohl nicht nehmen lassen, ihren Hausrat ganz oder tveuigstens leiliveise selbst herzustellen.
* Englands letzte Leuchtturmwärterin. Vor wenigen Tagen, am 23. April, ist Frau Johnson, die letzte Leuchtturmwärterin Englands, aus dem Dienste geschieden. Volle
zwanzig Jahre hindurch hat sie, wir dir englische Presse Bei dieser Gelegenheit erzählt, getreulich Dienst getan. Die letzten vier Jahre dieser Zett — so lange ist sie verwitwet — hat sie übrigens den Dienst allein getan, und sie gibt den Beruf nur auf, weil sie ihrer Kinder wegen in einen größeren Orr ziehen will. Als ihr Gatte gestorben !var, übertrug man ihr den Leuchtturmdienst zunächst auf ein Vierteljahr auf Probe, und dann, als sie ihn einwandfrei versehen hatte, endgültig. Wie schwer ihr Dienst zuweilen War, geht aus der Angabe hervor^ daß sie bei Nebclivetter oft stundenlang — bis zu. sieben Stunden zuloeileu! — die Nebelglocke läuten mußte. Die schwerste Arbeit im Dienste hat sie während einer vierzehntägigen Nebelepoch« geleistet.
— Der neue Ton in d e r Gesellschaft Washingtons. Die zwei Monate, seit denen Präsident Woodrvw Wilson in Washington seinen Einzug hielt, haben den Frauen der ueuernanuten Staatssekretäre und Würdenträger genügt, um den gesellschaftlichen Ton und das gesellschaftliche Leben der amerikanischen Bundeshauptstadt von Grund ans umzuwandeln. Selbst die amerikanischen Berichterstatter müssen einräumen, daß das Washington von heute ein ganz anderes ist als das Washington während der Amtszeit Tafts. Gesellschaftlicher dlufwand und gesellschaftlicher Prunk sind so gut wie völlig geschwunden, das Leben zeigt überall ein demokratisches Gepräge, vor allem aber, überrascht es die unparteiischen Beobachter, daß die früher so vergnügungssüchtige Geselligkeit Washingtons in so kurzer Zeit ernst geworden ist und sich in den Dienst ernst gewordener Adealtz stellt. Die „Daüchn des Kabinetts", die PväMenLn und die Frauen der Minister haben sich verständigt und einen Art geselligen Trusts gebildet, desseti Ziel es ist, die gesellschaftlichen Gepflogenheiten zu vereinfachen und beit übertriebenen Luxus und Aufwand der 'letzten Jahre zu beseitigen. Man hat die großen Empfangsabende und Gesellschaften bei den Ministerfrauen, die in den Tagen des repiiblikanischen SiegtnM eine so große Rolle spielten, kurz entschlossen gestrichen: die Damen haben sich zusammengetan und geben fortan alle Gesellschaften und Empfänge gemeinsam. Die erste Probe wurde am Donnerstag gemacht, wy alle „Damen des Kabinetts" im Gesellschaftssaal des Shoreham- Hotels einen gemeinsamen Empfangsabend veranstalteten. Und die Gesellschaft von Washington äußert sich über diese Neuerung und Vereinfachung einstimmig voll höchsten Lobes^ Anstelle der zahllosen Senatoren-Enipfänge, die in den letzten Jahren fast allen höheren Beamten gesellschaftliche Pflichten auferlegten, sollen fortan auch wöchentliche Senatoren-Empsänge treten, so daß Präsident und Minister nicht genötigt sind, Albend für Abend in ihrem Heime Privatgesellschaften zu veranstalten. Nach dem Vorbilde Wilsons und des Staatssekretärs Bryan wird auf allen diesen Gesellschaften .Alkohol nicht mehr serviert werden. Die republikanische Presse begleitet zwar diese sog, „trockenen" Gesellschaften Washingtons mit allerlei boshaften Glossen, aber alle Teilnehmer an den bisherigen Veranstaltungen sind mit dem Wechsel sehr zufrieden und rühmen sogar die raffinierten „Cocktails", die die tonangebenden Damen ans Früchten und Sodawasser kunstvoll herzustellen wissen.
* Goldfisch-Quälerei. Hunderttausende der armen Goldfische fallen alljährlich dem Unverstände der Menschen zum Opfer, indem man ihnen als Aufenthalt nur die runden sogenannte» Goldsischhäien gibt, in denen sie wegen mangelnder Luft hinsiecheu. Wer sich einmal in Atemnot befunden hat, wird die'Qual dieser Geschöpfe uachempstndeu können, wenn sie ängstlich an der Oberfläche des Wassers nach Luft schnappen. Frisches Wasser einzufüllen, hilft dem Uebel nicht etwa ab; denn sofern die Wasjcr- erneuerung nicht den gleichen Wärmegrad hat wie das alte Wasser, erkälten sich die Fische und sterben erst recht. Tie Goldfisch-Quälerei kann nur aushören, wenn man die Tiere in passenden Aquarien hält, in denen außer dem Wasser auch Sand und geeignete Wasserpflanzen enthalten sind. Als solche neunen wir die kleinblättrige Wasserpest. Also fort mit dem Marterkasten der Goldfischgläser l Wie ein Aquarium anznlegen ist, besagen Lehrbücher, die in verschiedenster Preislage bis zu 10 Pfennig herunter (Miniatur- Bibliothek) zu haben sind.---
* D i e auch. Sie (schwärmerisch): „Ach, nun kommt bald der herrliche Frühling . . . Die Tage werden immer prächtiger und länger ..." — Er: „Deine Modistiniieu-Rechnungen auch. ■“
* I u ng g c selten--E n d e. Hausfrau (ihren Zimmerherr« am Hochzeitsmorgen zum letztenmal aufweckend): „Herr Müller — aufstehen! Der Morgen graut." — „Mir auch."
versteSrätse!.
Johannes — Rheingold — Eisengitter — Vogelnest •— Rosen — Regernvelter — Nizza — Hirtenstab — Stalltür — Polen — Watzgenwald — Schnelldampfer — Bücherregal — Pfennig.
AUS jedem der vorstehenden Wörter sind der Reihe nach zwei zusammenhängende Buchstaben zu entnehmen, so daß sich daraus ein Sprichwort ergibt.
Auflösung in nächster Nummer.
Auflösung der Charade in voriger Nummer: Polarstern (Pol, 31 r, Stern) — polftern.
Redaktion: K. Neurath. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießeid


