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Zwei Weitend
Roman von Emma Wer?.
(Nachdruck verboten.)
(Fortsetzung.)
Der weite See lag, vor ihr, schimmernd und glitzernd im Morgenlicht, dahinter stiegen arzurblan, von - Dust Stiln'floffen die Berge empor, wie eine weite, weite Kette Xtitb mitten in der leuchtenden, spiegelnden Fläche schwamm eine Insel mit grünen Baumwipseln, so friedlich, so von Schönheit umhaucht, wie ein Traum der Seligen.
Sie machte sich in ungeduldiger Hast fertig, wie in Angst, das zauberhafte Mld da draußen könnte wieder entschwinden, und das Herz klopfte ihr in einem! ganz feierlichen, ganz überschwänglichen Glück, als sie in das kleine Gärtchen heraustrat, die köstliche Lust atmete, der heiligen Stille lauschte und all die süßen Maieuherrlich- keiten sah, die ihr wie tausend Wunder waren: die gelb- grünen Blättchen und Blutenknospen an den Stachelbeer- itnb Johannisbeerstauden, die weiße Pracht der Obstbäume, die Wütenfülle auf den Wiesen, das Sonnengeflimmer, all das Licht, all beit GlanA, dies jubelnde, farbige Leben eines Frühlingsmorgens.
In der Laube in der schon der Kaffee stand und schönes Schwarzbrot und frische Butter, fiel sie ihrem Bater in wirrer Fassungslosigkeit atm den Hals. ■
„Ich bin ja so selig! Es ist ja so schön! Ich habe nicht gewußt, daß es so schon in der-Welt ist!"
Während er malte, saß sie neben ihm in der Wiese und konnte sich nicht satt" sehen an den blauen Glocken Und gelben Schmalzblumen und an den roten Federnelken und an den feinen Zittergräsern Und den reizenden Ver- igißmeinnichten, die ,so üppig und frisch zwischen dem Gras wucherten, und wenn sie den Kopf emporhob aus der intimen Bewunderung der kleinen Schönheit, dann grüßte sie wieder die große Landschaft, daß sie nur mit staunenden Augen vor sich hinschaute ganz stumm, ganz ergriffen, alles vergessend, das gewesen, nur auflebend in dieser ersten hinreißenden Einsamkeit in der Ratnr.
Tagelang blieb sie in diesem Zustand der Verzückung.
Grönberg hatte gar nicht ermessen können, wie vortrefflich sein rascher Vorschlag: „Gehen Sie mit Ihrer Tochter auf das Land," gewesen war, wie leicht sich für Hildegard hier die Veränderung ihres Lebens, der jähe Umschwung in ihren Gewohnheiten entließen.
Die Einfachheit der Wohnung schien ihr originell. Die Anspruchslosigkeit dieses ländlichen Aufenthaltes hatte den Reiz des Neuen, Urwüchsigen.
Sie hatte einen prächtigen Appetit und fand auch das höchst primitive Essen in dem Bauernhaus ganz genießbar.
Sie bemerkte in der Fülle neuer Eindrücke gar nicht, haß sie überhaupt etwas entbehrte. Wie ein Kind war sie, dem sich täglich ■neue, nubMirnte Freuden erschlossen.
Sie lernte rudern, sie suchte im Wald nach Schwämmen, sie fischte, sie lief mit den Bauern hinaus auf das Feld, utt5> schaute ihnen bei der Arbeit tzu, es machte ihr einest Riesenspaß, wenn sie mit einem Arm voll Grün futter in den Stall laufen und es der Kuh in den Trog werfen durfte. . ।
Sie aßen in der Laube im Obstgärten des Gasthauses allein, nur Hühner und Katzen waren ihre Gesellschaft.
Als es einmal regnete, mußten sie in die Stube flüchten, und hier in dem engen Raum wurde man mit den paar anwesenden Gästen rasch bekannt.
Artur van der Tecken wohnte seit Wochen in dein stillen Dorf, ein Mann in den vierziger Jahren, mit einem finsteren, vergrämten Gesicht.
Er hatte einmal ein Schauspiel geschrieben, 'das mächtig eingeschlageu hatte, das auf allen deutschen Bühnen gegeben worden !tvar. Aber nachdem ihn eine Glückswellst hoch emporgetragen, sank er plötzlich wieder herab und es wollte ihm nicht mehr.gelingen, sich aurzuschwingen. Der wiederholte jahrelange Mißerfolg seiner Arbeiten, die boshaften Ausfälle der Kritik, die ihn nun mitleidslos behandelte und auch fein erstes stürmisches Erobern des Publikums mit Geringschätzung und Spott überschüttete, hatten ihn vollständig verbittert, und er fühlte sich am wohlsten unter literaturfremden Bauern, unter Menschen, die vom Theater und dessen Treiben nichts ivustten.
Der zweite Gast wär just das Gegenteil von ihm': ein rundlicher, bequemer Genußmensch, der unfern Herrgott einen guten Mann sein ließ, mit viel Vergnügen und Behagen in vollem Müßiggang dahiulebre und sich nur mit Segeln, Fischen und Jagen die Zeit vertrieb. Sein Vater hatte fiir Ferdinand Steinberger fü ausgiebig gesorgt, daß dieser wegen seiner Zukunft sich keine traurigen Gedanken zu machen brauchte und bei seinem lebhaften Sinn für Na- turschönheiten wirklich das seltene Exemplar eines ganz zufriedenen und glücklichen Menschen darstellte.
.Wenn nun auch feine optimistische Weltanschauung in vollständigem Widerspruch zu der düsteren und skeptischen des Schriftstellers stand, so fanden doch diese beiden grundverschiedenen Menschen einen Punkt, ans dem ihre Ansichten in schönstem Einklüng zusammentrafen: sie brauchten nur auf die jüngst-deutsche Literatur, auf die „Moderne" zu sprechen zu kommen, dann verstanden sie sich.
Van der Tecken haßte den jungen Nachwuchs, weil er ihn ans seiner glänzend begonnenen Karriere verdrängt hatte, weil er alle die jetzt viel genannten Dichter für seine Gegner, für seine gegen ihn verschworenen Feinde hielt.
Steinberger mochte von den Modernen nichts wissen, weil sie ihm zuviel Elend und trostlose Wirklichkeit schilderten, ihm mit ihren grauen Stimmungen sein frohes Weltbild verdarben.
Unwillkürlich drehte sich dis Unterhaltung der beiden asst häufigsten nm dieses Thema, auf dem sie sich friedlich


