Ausgabe 
6.12.1913
 
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Als flute, teilnehmende Tauten, bei welchen besonders die Heranwachsenden Nichten für ihre Anliegen allezeit ein freundliches Gehör fanden, habe ich sie im Sommer 1886 zum letztenmal ge­sehen. Nicht sehr lange nachher sind beide kurz nacheinander einer schweren Influenza erlegen, als sie noch in den mittleren Jahren standen, in welchen auch ihre brave Mutter gestorben war.

Ihr Vater, dem sie den Haushalt führten, hat sie noch beide überlebt.

Eine fröhliche Kindheit hat Grittche, dank seines heiteren Tem­peramentes, wenigstens gehabt! Sein lahmes Bein hinderte es da­mals nicht am Gehen nnd Springen, und nebst einem gleichalterigen Kathrinchen ist es meine treueste Gefährtin gewesen. Hinter Gritt- chens Elternhaus senkt sich ein Wiesengrnnd zur Talsohle, durch welche der Bach fließt. An seinem Rande blühten die schönsten Vergißmeinnicht, nnd auf den Wiesen die schönsten Frühlings­blumen: Volle, gelbe Sumpfdotterblumen, die im Volksmund Klotzblumen hießen, und rötliche Wiesenhyaziuthen, genannt Kuckucksblumen. Von beiden sammelten die Konfirmanden große Körbe voll, uni bamit zum Pfingstfest, an welchem ihre Konfir­mation stattfinden sollte, das Kirchlein, zn bekränzen; und wir kleinen Mädchen ließen es uns angelegen sein, dabei zu. helfen. So­bald dies geschehen war, suchten, itftr so oft wie möglich unseren! Lieblingsspielplatz: die dsm Bilstein gegenüber liegende Höhe, an welcher das Dorf emporsteigt, auf. Von dem rechts am einstigen Pfarrhaus jetzt Schulhaus. vorbeiführenden Heckenweg ge­langt man zuerst an das über der Pfarrwiese liegende, schon ge­nannte Brünnchen und dann über einen schmalen, terrassenartigen Streifen fruchtbaren Ackerlandes an den letzten, kurzen, von mage­rem Rasen und Steingeröll bedeckten Aufstieg zu dieser Höhe, die Hasel heißt. Der ganze hier beschriebene Weg ist in zehn Minuten zurückgelegt und ich halte diesen Punkt heute noch für einen der schönsten des Gebirges! Ehe der Berg sich nach der anderen Seite»- ivo der Kirchturm von Schotten von weiten: sichtbar >vird zu senken beginnt, trägt er ein nur wenige Schritte breites Wäld­chen, das zu jener Zeit aus hohen Hecken bestand, die kleine Lauben bildeten. Die Forstverwaltung hatte mit dem Miniaturwäldchen nichts zu schassen, und so blieb es der Natur und uns Kindern überlassen, die wir unsere schönsten Stunden darin verspieltem Doch nicht nur in den Lauben, sondern auch auf der davorliegendeir freien Höhe waren wir oft zu finden. Besonders wenn im Mai im dürftigen Rasen zahllose Immortellen blühten, die wir Katzenpföt­chen nannten. Diese nnverwelklichen, in der Farbenskala vom aller­hellsten bis zn.m dunkelen Rot aussteigenden Blümchen wurden von uns eifrig in Körbchen gesammelt, nnd meine Mutter wand Kränz­chen um die Bilder lieber Angehörigen: Silhouetten und kleine Pastellbildchen, Photographien haben wir damals noch nicht gehabt. Im späteren Leben bin ich diesen Blümlein nur noch selten be­gegnet. Einesteils, weil sie nicht in jedem Gebirge zuhause sind, nnd dann, weil ich den Vogelsberg immer erst nach ihrer Blüte auf­gesucht habe. Nur einmal trug es sich zu, daß ich im Mai in dis Eifel kam, 1 die mich auch in ihren äußeren Zügen mehrfach an den Vogelsberg erinnert hat und dort Katzenpfötchen fand. Einen Monat später als sie in deutschen Gebirgen blühen, habe ich welche auf Rigi-Rotstock gepflückt, und zuletzt wiederum einen Monat später in dem gegen 1900 Meter hohen Fextal in Graubünden. Dort, ans einer felsigen, kleinen Anhöhe, die sich zwischen senk­rechten Felswänden, über welche die Gletscherwasser stürzen, aus blumenreichen, vom rauschenden Fexbach durchzogenen Almen er­hebt, fand ich inmitten der Stille einer erhabenen Natur und im Angesicht des Fexgletschers das Blümchen meiner Heimat, das meiner Seele über Alpen und Länder hinweg, Brücken baute in mein Kinderland.

Immortellen.

Du Blümlein auf dürrer Heide, Des kahlen Berges Zier, Sprichst von dem Kinderlande, Von Heimatfrieden mir!

Dem dürft'geu Grund entsprossen, Von Sonn' und Wind geküßt, Bist du wie Heimatliebe, Die unverweklich ist.

Es läßt sich begreifen, daß uns Geschwistern, nach der Unge­bundenheit des Draußenherumschweifens, an sommerlichen Regen­tagen und -Wochen das Zimmer zu enge wurde, und daß wir besonders wenn noch andere Kinder dazu kamen auch nicht die angenehmsten Zimmergenossen für unsere Mutter abgaben. Wenn es sich an solchen Tagen traf, daß eine Schaukel in irgendeiner Scheuer angebracht worden !var weil der erneuerte Lehmboden derselben durch Kinderfüße fest getreten werden sollte zogen wir gleich den anderen Dorfkiudern selig dorthin ab. Vermutlich jedoch erst während unserer letzten in Busenborn verlebten Jahre, denn für kleine Kinder wäre diese Belustigung zu gefährlich gewesen.

(Fortsetzung folgt.)

NseZEetzSss.

kl Der Ku n st ess e r, wie er sein soll. Jüngst trat i das Zimmer des Leiters eines amerikauiscbeuMammutzirkus" ein junger stattlicher Alaun und fragte, ob der Leiter ihn brauche könne, er seiEnoch, der Eierkönig", der drei Dutzend Hühnereier zwei Dutzend Enieneier und ein Dutzend Gäuseeier mti einmal zu verzehren pflege. Diese Leistung machte einigen Eindruck nut den Leiter des Unternehmens, er glaubte aber doch deu jungen Alaun daraus aufmerksam zil ntachen, daß sein Zirktis vier Vorstellungen am Tage gäbe. Das machte dein jungen Almute gar nichts aus, int Gegenteil, er erklärte, es sei ihm eine Kleinigkeit, viermal am Tage drei Dutzend Hühnereier, zwei Dutzend Enteneier und ein Dutzend Gäuseeier hmtereiuander zu verschlingen. Samstags, er­klärte der Leiter des Unternehmend nun weiter, würden gemöhn- lich sechs Vorstellungen gegeben. Der junge Mann erklärte sich lächelnd auch damit euwerstanden, und nun rückte der Zirkusbesitzer damit heraus, daß am Sonntag alle zwei Stunden eine Vorstellung staltsände. Da schüttelteEnoch, der Eierkönig", den Koch und sagte, meint deut so sei, körnte er einen Vertrag nur unter einer Bedingung abschließen. Ter Direktor mürbe unruhig, weil er fürchtete, dieseglänzende Attraktion" könne ihm entgehen, aber Enoch, der Eierkönig", sagte:Tie Vorstelluiigen können von mir aus so schnell auseinander folgen, wie sie ivollen; Sie müssen mir aber Zeit lassen, daß ich inzwischen meine Mahlzeiten im Hotel innehalten kamt."

Büchertisch.

r- A dolf Köster, Die bange Nacht, Roman. (Ver­lag von Albert Langen in München.) Adolf Köster hat vor einigen Jahren die Aufmerksamkeit des deutschen Leserpublikums! durch den von der ganzen maß,gebenden Presse glänzend besproche­nen, seinen unb höchst persönlichen NovellenbandiDie zehn Schorn- steine" erregt. Heute erhalten wir von ihm seinen ersten Roman, ein dichterisch reifes iund schönes Werk, das wohl geeignet ist, seinem Namen neben literarischer Anerkennung auch Popularität! bei der Menge des deutschen Volkes zu erwerben.Die bange Nacht", damit meint der Dichter die schwüle Zeit der Jugend- uud Entwicklungsjahve, in denen vielleicht aml schwersten zu kämp­fen hat, lver mit Horaz zu sprechen aus kleinem Neste die Flügel zu hohem Flug entfalten will. Aber der junge Steen, der Held des Romans, findet sein Erwachen und seinen Weg, man könnte vielleicht sagen: seine erbliche Entlastung. Wir sehen ihn zum Schluß, geleitet von treuer Liebe, hinauswandern in den klaren Tag, auf das Schlachtfeld der Kämpfe von heute. Hamburg und Schleswig-Holstein, die Stadt uns) die Landschaft, sind wohl selten mit solcher Liebe und solcher dichterischen Kraft gesehen und gepriesen worden.

Das literarische Echo. Halbmonatsschrift für Litera­turfreunde (Begründet von Dr. Josef Ettlinger. Herausgegebelk von Dr. Ernst Heilborn. Verlag: Egon Fleische! n. Co., Berlin W.9). Das 1. Dezemberheft ist soeben mit folgendem Inhalt erschienen: Walter von Molo: Frederik van (geben. Rudolf Jahn: Alte unb neue Prinzipien ber Literaturgeschichtsschreibung. Marcel Goll«: Löon Deickel. Paul Zech: Zwei Gedichte. Albert Geiger: Herder unb das Drama. Ferdinand Gregors: Vorn' Wesen und Bau des Dramas. Echo der Bühnen. Echo der Zeitungen unb Zeitschriften. Echo des Auslands. Kurze Anzeichen. Nachrichten. Büchermarkt,

Gitter-Rätsel.

Auflösung in nächster Nummer.

In die Felder nebenstehender Figur sind die Buchstaben aaaaaa, b b, d d d d d d, eeee, g g, hh, iiiiiiii, k, 1 1, n n u n n n, r r r r, u u derart einzutragen, daß die senk­rechten und wagerechten Reihen gleichlautend folgendes ergeben:

1. Einen Teil Europas.

2. Stadt in Schotiland.

3. Fluß in Sibirien.

Auflösung der Skat-Aufgabe in voriger Nuiumer:

(Mit a, b, c, d werden die vier Farben bezeichnet; A, ü Unter, Bube, Wenzel; D Dame, Ober.)

Im Skat lagen aD und b8. Vorhand hatte: aK, a9, a8, a7, bZ, b9, cA, c9, c8, c7, Hinterhand die übrigen. Spiclgang:

1. V. cA M. cD H. aA = 25.

2. V. c9 M. cK H. bK = - 8.

3. H. dZ V. bZ M. dA = - 31.

S.: 64 Äugen.

Redaktion: fi. Neurath. Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Langem Gi«ße»