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Heinrich Selber von Nuheym5’) vnd der selbe juncker itzgenant bwmevster60) gewest von vnßers g. h. wegen von Komgsteyn. Vnd äudh der Ernuest.61) J. Heinrich bawmeister hat den dickgenannten Rüpeln von aller vnßerer g. h. wegen hendken laißenn. Vnd hat auch eyn zentgroff68) von Minzenbergk Hans Sneyder vnd64) ein Schultheiß65) von Hergernn vnd Eberstadt by inem gesesßenn von vnßerer g. hernn wegen. So nun söliches gescheen ist, so hat der bawmeister juncker Heynnch die kochenn wol bestalt,66) dem gericht vnd allenn kostenn genugk vnd wol gütlich gethann. Anno funffzehinhundert dry- zehenn iar feria quarta67) post Oallj ao. etc.
Vergleiche zu diesem Aufsatz: (Sn bemann, Das Keyser- recht nach der .Handschrift von 1372. Cassel 1846. Bender- Glaser, Weisthum der Stadt Minzenberg vorn Jahre 1427, in: Archiv für hessische Gesch. und ^llterthuiuskuude, Bd. 9 (Darmst. 1861) S. 436—444 (Abdruck aus dem Original). I. Grimm, Weisthümer, Bd. 5 (Gött. 1866) S. 257 ff: Münzenberger WeisthUM bon 1427 (Abdruck nach einer Abschrift). A. Schmidt, Beiträge zur Rcchtsgesch. der Prov. Oberhessen, in: Mitteilungen des Oberhess. Geschichtsver., Bd. 2 (Gießen 1890) S. 133—166 (Die Münzenherger Rechtshajudschrist).
59) Nauheim.
60) Der Baumeister in dein hier gebrauchten Smne war der oberste ganerbschaftliche Beamte, lieber ihn. ist oben bei Besprechung des Emtrags „Burgkmaus freyheidt betreffend" das Nähere bereits gesagt.
61) Ehrenfest, ein auszeichueudes Beiwort.
63) Zentgraf, d. i. Zentrichter, Stadtschultheiß. Er hatte als herrschaftlicher Beamter sonst den Vorsitz im Schöffengericht, das nur für geringere und unerhebliche Zivil- und Strafsachen zuständig und dem g au erb schait liehen Bauamt unterworfen war. In obigem Falle tedoch war er unter dem Vorsitze des Baumeisters nur urteilfindender Beisitzer gleich den Schultheißen von Oberhörgern und Eberstadt. Der Name Zentgraf (eeuturis, cente- narius) kommt von centum 100. Die Zent (centa) bedeutete ursprünglich in der alten Gaueinteilung einen Gerichlsbezirk von 100 Gehöften und Dörfern: althochdeutsch „huntari" --- Hundertschaft. Das Zentgericht war das Niedergericht gegenüber dem Land- oder Grasengericht. ,
6‘) Zu ergänzen ist „je": und je ein Schultheiß. Das Gericht prmrbprtp brri 93ciiiivpr
65) Schultheiß (scultetus), althochdeutsch scültheizo, mittelhochdeutsch schultheize, aus althochdeutsch seult = zu leistende Verpflichtung oder Verbindlichkeit und heizan --- heißen, heischen, fordern, befehlen, also = S chuldheische r. Ursprünglich der Beainte, der die Mitglieder der Gemeinde, zur Leistung und Entrichtung ihrer Schuldigkeit gegen den König oder den Grafen anzuhalten hatte, der also mit der Eintreibung der öffentlichen Gefälle beauftragt war. Er war Vorsteher der Gemeinde, wie der Graf Vorsteher des Gaues. Aus Schultheiß entstand Schultest, Schultz, Schulze, d. i. Vorsteher einer Dorfgemeinde.
66) Die Küche' wohl bestellt. Richter und Beisitzer pflegten nach Schluß der Gerichtssitzung beköstigt zu werden, was hier nach Vollstreckung des Todesurteils geschah. Die bauamtführende Herrschaft trug die Kosten. „Die kochenn wol bestalt" heißt also: es wurden dem Richter und seinen drei Beisitzern Speise und Trank gereicht, „kochenn" ist noch die alte, schon vor dein 5. Jahrhundert entlehnte Form, entstanden ans coquina: Küche (von coqttere: kochen). Die Belege für die Bewirtung der Gerichtsleute siehe bei Grimm, Dtsche. Rechtsalterthümer, 4. Ausg., 1899, II S. 507 bis 511. Vgl. auch Tae. Germ. 22 (in conviviis Consultant).
67) feria quarta bedeutet Mittwoch. Feria war die lateinische Bezeichnung der Wochentage, nur daß der Sonntag nicht feria prima, sondern dies doniinica genannt wurde. Daun Montag: feria secunda; Dienstag: s. tertia: Mittwoch: f. quarta.....
Samstag: f. septina, meist jedoch sabbatum, dies sabbati.
V-rmisGles.
— Entartet die Menschheit? Die Langlebigkeit kann als Prüfstein des Nutzens der modernen Zustande gelten, denn unter ungünstigen Lebeusbedingttngen kann man nicht alt werden. Es scheint nun, daß das Gerede von der Degeneration der Menschen, daß wir gegen früher schwächer, hinfälliger und minderwertiger geworden seien, nicht stichhaltig ist. Wenigstens werden die modernen Menschen, wie aus Statistiken hervorgeht, so all und noch älter wie die der vergangenen Zeiten. Zum Beispiel steht nach der „Hyg" der pvpular-med. Monatsschrift, fest, daß das Durchschnittsalter berühmter Menschen der letzten zweihundert Jahre (sie sind in dieser Statistik benutzt) außerordentlich hoch ist. Die Dichter Landor und Manzoni wurden 89, Tennyson 83, Wortsworth 80, Verenger und Browning 87 Jahre. Auch die Maler haben ein hohes Durchschnittsalter, Cornelius wurde 89, Watts 80. Die Musiker erfreuen sich auch eines langen Lebens, Ander wurde 89 Jahre alt. Das Durchschnittsalter jeder der 46 Dichter, die in der Statistik verwendet wurden, beträgt 66 Jahre, der 39 Maler
und Bildhauer 66, der 30 Musiker 62, der 26 Belletristiker 89# der 40 Schriftsteller 67, der 22 Geistlichen 66, der 35 berühmten Frauen 69, der 18 Philosophen 65, der 38 Historiker 73, der 58 Forscher und Erfinder 72, der 14 Agitatoren 69, der 48 Generale und Admirale 71, der 112 Staatsmänner 71 Jahre. Man sieht, an diesen bedeutenden Menschen gemessen, deren Biographien uns zugänglich sind, das; von einer Kurzlebigkeit keine Rede sein kann, und daß das Geschwätz VON der guten alten Zeit, wo alles besser war, keinen Grund hat. Die verminderte Sterblichkeitsziffer in den Großstädten, das Verschwinden der schleichenden Seuchen und bergt. Schädlinge der Menschheit, alle diese Dinge vereinigen sich, das Leben der Modernen zu verlängern.
* Eine Gebetwoche für das Frauensti m m recht in England. Ein neues Mittel im Kampfe für das Frauen«! stimm recht in England — und sicherlich ein viel sympathischeres, als die nichtswürdigen Gewalttaten der Frauenstimmrechtshyänen — ist die Abhaltung einer Gebetwoche für das Frauenstimmrecht. Diese Geb et Woche findet, wie wir der „Frauenbewegung" entnehmen, in der laufenden Woche vom 1. bis 8. November statt. Den Ausruf zu ihrer Veranstaltung hat eine Reihe frauenstinnurechts- freundlicher religiöser und konfessioneller Vereine, die Kirchenliga, die Freikirchenliga, die katholische Gesellschaft, die jüdische Liga, die schottische Kirchenliga und die Liga der Freunde erlassen. Der Aufruf vertritt den Gedanken, daß „die Befreiung der Fran in NebereinstiMMuNg stehe mit dem Willen Gottes", und alle Stimmrechtsvereine werden dazu angeregt, im Laufe der Gebetwoche eine Versammlung zn veranstalten, in welcher die ethischen Seiten des Frauenstimmrechts beleuchtet werden sollen. In ähnlichem Sinne wird auch ein Geistlicher, Rev. Macgown, an den vier Rovemberfonntagen in der St. Annen-Kirche in Soho-London die Frauenfrage vom religiösen Standpunkte behandeln, um feine Gemeinde davon zu überzeugen, daß ein christlicher Staat den Frauen Gerechtigkeit widerfahren lassen müsse. Diese Ueberzeuguug bei seinen Hörern heroorzurufen, wird dein wackeren Reverend freilich nicht schwer werden — nur darüber werden die Ansichten, und zwar sehr weit, auseinandergeheu, waS man unter dieser „Gerechtigkeit" zu verstehen habe.
Viicherttsch.
— Reuter, Fritz, Briefe. Gesamtausgabe in einem Bande. HeranSgegeben von Otto Weltzieu. In Lnbd. 3 Mark. Zuni erstenmal erscheint hier eine vollständige Sammlung aller erhaltenen Briese des Dichters, die allen seinen zahlreichen Verehrern hochwillkommen sein wird, und die als eine überaus wichtige Ergänzung zu Reuters Werken nicht dringend genug empfohlen werden kann. Die Briefe zeigen uns den Jüngling auf dem Gymnasium und den jungen Mttnn im all seiner Not schon in der Eigenart, in tzrr er aus seiiNen Werken hervor tritt, in der Ehrlichkeit und Natürlichkeit seines Wesens, seiner Wahrheitsund Wirklichkeitsliebe, seiner Hoffimngssreudigkeit und seinem Humor. Eine Prächtige Ergänzung zu seinen Werken.
— W i r st erbe n nicht! Lieder und Balladen von R u - dolf Herzog 1.—5. Auslage. Verlag der I. G. Cotta'sen Bttch- lMdluug Nachfolger, Stuttgart und Berlin. Alles, was jung und echt ist im deutschen Gemüte, klingt mit, wenn Rudolf Herzog die Saiten rührt. Ein ewiger Frühling lebt in seinem Herzen, und was aus ihm hervorquillt, reißt uns mit zn Freude am Leben dieser Erde, bereit tägliches Auferstehn wir staunend und beglückt mit ihm genießen. — Im selben Verlag erscheint von Rudolf Herzog auch der feilte Novellenband „D i e Welt in Go l d". Ein farbenprächtiges Bild akademischen Lebens ist es, das Rudolf Herzog hierin vor uns entrollt.
Silatenriitsel.
Aus jedem der folgenden Zitate ist ein Wort zu nehmen, so daß sich ein nettes Zitat ergibt:
1. Schwer liegt der Himmel zn Madrid ans nur.
2. Ich fürchte nur, der Wirt beschweret sich;
Sonst gäb' ich bieien werten Gästen.....
3. Es kamt ja nicht immer so bleiben Hier unter dem wechselnden Mond.
4. Das höchste Glück hot feine Lieder.
5. Nie widerfuhr ihm eine gröst're Ehr' . . .
6. Ihr laßt den Armen schuldig werden, Dann überlaßt ihr ihn der Pent.
7. Wär' nicht das Auge fonnenhaft, Die Sonne könnt' es nie erblicken.
8. Hebernd bin ich zu Hause.
&. ES ist tut Leden häßlich eingerichtet . . .
10. Lorn geträumten Paradies ist jede Spur verflogen.
11. Rur eine Mutter weist allein,
Was lieben heisst mtd glücklich sein.
Auslösung in nächster Nummer.
Auslösung der Schach-Aufgabe in voriger Nummer r Weist. Schwarz.
1. T h 6 — b 6 K d 5 — c 4.
2. L g 2 — c 4: L c 5 zieht.
3. L e 4 — d 3 f und Matt.
Redaktion: R. 91 e u r a t ö. - Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen UniversitätS-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gieße»


