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von Tag zu Tag. Greift man ent einzelnes Verspiel heraus, die Wunder Radioaktivität oder die erstaunlichen Erfolge bet der künstlichen Eiweißherstellung oder die genialen Forschungen unserer Biologen; man könnte in jedem einzelnen Falle rn Begeisterung geraten, daß man Zeitgenosse solcher Großtaten des menschlichen Geiste sein darf. Aber der Ueberfluß stumpft ab. Wir sind mit der Zeit daran gewöhnt worden, heute Dinge als selbstverständlich hinzunehmen, die gestern noch für unmöglich galten Wer wird sich da noch wundern, wenn es letzt sogar gelungen ist, das Leben gefrieren zu lassen, es aufzubewahren und spater nach Bedarf wieder zur Tätigkeit zu erwecken? Es mußte ja Michl uh soweit kommen. , ,
Dieser neueste Triumph der medizinischen Wissenschaft ist tn Amerika errungen worden. Die Amerikaner haben nch eine neue Art zu arbeiten angewöhnt. Nicht niehr mit Reklame und lautem Geschrei, so daß man versucht ist, von amerikanischem Schwindel zu sprechen. Sie arbeiten im stillen, bis sie wirklich etwas geleistet haben. Dann stellen sie die Welt vor die fertige Tasiache^ lind sagen mit amerikanischer Einfachheit: Das ist eilte neue Sache.
Gehen wir uns die neue Sache einmal näher an. Wir müssen uns zu diesem Zwecke nach Baltimore hegeben und dort in die Johns Hopkins Medical School gehen. In dieser Anstalt wird schon seit langen Jahren aus das eine Ziel hiugearbettet, bewußt und mit amerikanischer Zähigkeit. Der Leiter der ganzen Untersuchungen ist der Professor der klinischen Medizin jener Hochschule, Dr. William I. Thayer, und in allen Kliniken und Arbeitsiäumen sitzen seine Assistenten und Studenten an der Arbeit.
Als Versuchstiere dienen in der Hauptsache Eidechsen, Frösche, Mäuse und Ratten. Bet den Untersuchungen wird das Tierchen mit großer Vorsicht in ein Glasgefäß voll flüssiger Luft gebracht, in dem es sehr schnell gefriert und starr wird. Damit es beim Einfrieren aber keinen Schaden nimmt, erhält es durch em! Röhrchen, das durch den Deckel des Glasgefäßes geführt wird, kleine Mengen Sauerstoff zugeleitet, bis es vollständig gefroren ist Bor Beginn des Versuches muß auch erst das Herz des Tierchens genau auf seine Lebenskraft untersucht werden, denn je nach der Stärke dieser Herztätigkeit richtet es sich, wie lange das Leben in dem Körper in gefrorenem Zustande erhalten werden kann. Das Gefrieren selbst nimmt die wenigste Zeit tn Anspruch Dann wird nach Entfernung des Sauerstoffröhrchens der Deckel geschlossen, ein Schildchen mit den nötigen Angaben auf das Gefäß geklebt, und der kleine „Leichnam" in den Schrank gestellt Kein Laie zweifelt beim Anblick dieser Gläser daran, daß er es hier mit Tierleichen zu tun hat; denn die Körper sind vollständig starr, nehmen wochenlang keine Nahrung und kein Wasser zu sich, atmen keine Kohlensäure aus, geben überhaupt fein Lebenszeichen von sich. Es sind allem Anschein nach Tter-
mumien.
Um uns vom Gegenteil zu überzeugen, nimmt jetzt der Forscher ein Glasgefäß aus einem Schrank, in dem em Frosch in flüssiger Luft schwimmt. Aus den Angaben des Schildchens ersehen wir, daß das Tierchen sich schon seit 6 Wochen tn diesem Zustande befindet. Der Frosch wird jetzt, vorsichtig aus der flüssigen Luft genommen. Er ist völlig steif und leblos. Wird der Versuch gelingen oder nicht? Wir warten einige Minuten in atemloser Spannung, und schon schielt mancher halb enttäuscht den Gelehrten an. Aber was ist das? Ein Quaken. Unzweifelhaft, der Frosch hat einen Laut ausgestoßen, und nun schüttelt er sich, blinzelt mit den Augen, und jetzt hüpft er davon, in behäbigen Sprüngen quer über den Tisch. Vom Tode erstanden!
Der Naturfreund weiß, daß es nichts Seltenes ist, daß Frösche im Eis einfrieren, und beim Auftauen doch wieder leben. Aber die Kälte der flüssigen Luft ist doch viel größer, als sie die Frösche im Winter in unseren Teichen aushalten müssen. Kaltblüter eignen sich natürlich besonders gut zu solchen Untersuchungen. Sie werden am ehesten greifbare Ergebnisse liefern. Wer es sind doch auch schon an anderen Tieren erfolgreich« Versuche vorgenommen worden. So wurden eine Anzahl Hühnereier gerade in dem Augenblick in flüssige Luft gelegt, in dem die kleinen Kücken ausschlüpfen wollten. Erst nach Wochen nahm man dann hie Eier wieder aus der Kälte, zerbrach sie und erweckte die Kücken durch elektrische und chemische Reizungen wieder zum Leben. Sie lebten zwar nur wenig« Stunden lang, aber sie lebten, und das ist für den Anfang doch die Hauptsache.
Wir wollen keinen Zweifel darüber lassen, daß uns trotz der glaubhaften Quelle, aus der das Material stammt, manche Bedenken kommen. Wie uns Versuche gezeigt haben, findet an Früchten bei der plötzlichen Abkühlung auf die tiefe Kälte der flüssigen Luft eine schalenförmige Erstarrung und Absonderung statt. Sie muß auch beim Tierkörper eintreten und innere Zerreißungen zur Folge haben, die ein Weiterleben nach dem Auf- tauen und Erwärmen ausgeschlossen erscheinen lassen. Vorläufig lüften die Amerikaner den Schleier noch nicht, der diese Geheimnisse verbirgt, und die Arbeiten werden in der Johns Hopkins School rastlos fortgesetzt. Die praktische Wissenschaft hat ja aus der lebenerhaltenden Eigenschaft der Kälte auch schon eine Nutzanwendung gezogen und erfolgreiche Versuche angestellt, lebendes
Gewebe, tage» und wochenlang aufzubewahren und für chirurgischW Zwecke bereitzuhalten. Irgendwelche Prophezeiungen für die Zukunft auf Grund der Versuche an der amerikanischen Hochschule machen zu wollen, ist, wie überall, so auch hier gefährlich. Vor allem ist es Unfug, wenn der Gedanke au das Gefrieren- lassen von Menschen in den Bereich ernsthafter Erörterungen gezogen wird. Vom Frosch und vom Kücken bis zum Menschen gähnt doch noch eine zu gewaltige Kluft. Wir wollen zufrieden sein, wenn die Aufbewahrung lebenden Gewebes in der medizinischen Praxis allgemein durchgeführt werden kann; denn dass bedeutet für die Menschen schon einen ungeheuren Fortschritt, ,
Viichertisch.
— Die Kunst unserer Heimat. Zeitschrift der Bereinigung zur Förderung der Künste in Hessen und im Rheni-Mam- Gebiet, herausgegeben von Professor Dr. Ehr. Rauch-Gießen. Inhalt des Heftes 7/8: Textbeiträge: Max Str eese: Die Darmstädter Künsllerkolouie. Richard Haupt: Einiges von der Ronneburg. Dr. Erich Grill: Spätgotische Holzplastik im Paiflusmuseum zu Worms. Dr. Paul F. S ch m i d t: Wanderungen rechts und Unks des Mains. Alfred Bock: Ave pia anima. Kleine Kunstberichte. Neue Bücher. Bflderbeilagen: Hanns Pellar: Bildnis des Künstlers. In der Loge. Wandgemälde. Indische Tänzerin. Die spanische Tänzerin Tortola Valenzia. Sinnliche Nacht. Studie zum spielenden Faun. Gemälde Spielender Fann. Bildnis der Prinzessin Viktor zu Erbach-Schönberg. Bildnis Frau R. Bildnis Edith Kleinschmidt. Bildnis Frau Kleinschmidt. Bildnis Wils Kleinschmidt Bildnis Otto Stockhausen. Zum Aufsatz: Spätgotische Holzplastik im Paulusmuseurn zu Worms: Spätgotischer Schuitzaltar. Zwei Altarslügel. Relief eines thronenden Bischofs. Zum Aufsatz Wanderungen rechts und links des Mains: 1. Rumpenheim, 2. Schloß Rumpenheim, 3. Maintor — Gr-Steinheim, 4. Stadtkirche Gr.- Steinheim, 5. Blick durchs Steinheimtor — Seligenstadt, 6. Seligenstadt. Wilhelm Höfler-Hauau, Zeichnung: Die Ronneburg. Von der Ronneburg. Ernst Schmidt-Gießen, Zeichnung: Entwurf zu . einer Landhaus-Siedelung. „Die Kunst unserer Heimat. erscheint im Auftrag der Vereinigung zur Förderung der Künste in Hessen und im Rhein-Maingebiet in der Regel monatlich und wird den Mitgliedern der Vereinigung gegen einen jährlichen Mindestbeitrag von 10 Mi. frei zugestellt. Bestellung und Anmeldung an den Verlag in Gießen. Druck, Erpedition und Vertrieb für den Buchhandei: Hof- und Universitäts-Druckerei Otto Kindt (ehemals v. Münchow), Gießen.
M o r i tz v o n S ch w i n d. 14 Kunstblätter nach den schönsten Merken des Meisters mit einem Geleitwort von Franz Etzin. In künstlerisch ausgestattetem Karton geheftet 1 Mk. Verlag von Jos. Scholz in Mainz. — Verzeichnis der Bilder: 1 Rückkehr des Grafen von Gleichen. 2. Die drei Einsiedler. 3. Abschied irn Morgengrauen. 4. Kaiser Max an der Martinswand. 5. Die Hochzeitsreise. 6. Kaiser Rudolfs Ritt zum Grabe. 7. Hagen und di« Douannixe. 8. Wieland der Schmied. 9. Des Falkenstemers Ritt. 10 Auf der Doncmbrücke. 11. Ritter Kurts Brautfahrt. 12. Morgenstunde 13. Der Sängerkrieg auf der Wartburg. 14. Ein Einsiedler tränkt die Rosse eines Ritters. — Wir verehren m Müntz von Schwind einen unserer liebenswürdigsten und „deutschesten Künstler, in befielt Persönlichkeit und Kunst teilt Tropfen welschen oder slavischen Blutes ist. Wir lieben ihn als den Maler unserer Märchen und unseres deutschen Waldes, als den poetischen Verkünder des Mittelalters mit seinen Rittern und Riesen, mit feinen Burgen und Dornen. Wir erfreuen uns noch heute des köstlichen Humors, der aus seinen Werken in immerwährender Frische zu uns spricht. Wir achten ihn hoch wegen der Reinheit und Keuschheit, die ein jedes seiner Bilder adelt. Das neue Schwindheft wird darum überall freudige Beachtung finden.
Uapsel-Rätsel.
Eisbeinessen — Gulden — Hängematte — Damwild Linienschiff — Modetorheit — Eierkiste — Blattgold — Vogelfutter — Wasser — Rügen — Walnuß.
Aus dein ersten der vorstehenden Wörter sind drei, ans jede« der übrigen Wörter zwei zusammenhängende Buchstaben zu entnehmen, so daß sich daraus ein Sprichwort ergibt
Auflösung in nächster Nummer..
Auflösung der Skat-Aufgabe in voriger Nummer:
(Mit a, l>, c, d werden die vier Farben bezeichnet; A — Aß, U — Unter, Bube, Wenzel; D = Dame, Ober.)
Vorhand hatte eU, a9, a7, b8, b7, dZ, dK, dD, d8, d7, int Skat lagen aD und a8, Hinterhand besaß die übrigen. Spielgmigr 1. V. dZ M. dA H. dll — — 23
2. H. cZ V. cü M. cA = — 23
3. V. dK M. d9 H. aZ — — 14
Sa. — — 60 Augen.
Redaktion: K. Neurath. - Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen UniversttätS-Buch. und Steindruckerei, R. Lange, Gießt»


