ftxtjg aus. Aber her Herbst hat -doch auch wieder seine schönen StMmungen: die Zeit der Reife in der Natur erweckt auch in uns das Gefühl der Vollendung-, das Ziel ist erreicht, ore Ernte ist gewonnen. Und mag auch der Winter drohen nach ihm muß es ja doch wieder Frühling werden, die Keime unb Knospen für das kommende Leben im nächsten her*3e't^bildet und schlummern nur und harren

Wenn wir vom Standpunkt des Naturfreundes den Herbst betrachten, so darf die Zeit, da die Natur ihren Höhe­punkt überschritten hat, die schönste Zeit des Jahres ge­nannt werden. Vorüber ist Hitze und Glut oder Regen und Kälte, je nachdem! des Sommers, eine beständige-, ruhige, gemäßigte Temperatur herrscht, des Morgens und Abends wohl schon empfindlich kühl, den Tag über aber wohltätig warm. Ein tiefblauer Himmel überspannt wolken­los und strahlend die -Erde. Die Sonne bat ihren Lauf be­reits merklich verringert, die Nächte sind länger geworden und geben nach den kurzen, schwülen unruhigen Sommer­nächten uns jetzt wieder erwünschte Ruhe. Wunderbar sind die Farben- und Feuerzauber, die jetzt der Untergang der Sonne im Gefolge hat.

Die Natur, für die es gilt, sich zum Winterschlaf vor­zubereiten, entfaltet noch einmal alle ihre Reize und schmückt sich wie ein Krieger, der zum Tode geht, zum letztenmal vor dem großen Sterben, als wolle sie uns über den Abschied von der schönen Jahreszeit hinwegtäuscheu. Und es gelingt ihr auch, denn solch bunte frohe Bilder wie im Herbst ent­faltet die Natur selbst nicht zur Zeit des Blühens im Früh­ling. Der Lenz kennt fast nur die Farben grün und weiß, der Herbst schwelgt in allen Farben der Palette des Malers; während im Frühling uns das Laub mit seinem jungen Grün, freilich in den feinsten und reichsten Schattierungen, erfreut, leuchtet uns jetzt eine wunderbare Farbenfreude aus dem Walde entgegen. Weiß und rosa waren die Farben der Blüten des Frühlings, rot und blau des Sommers, der Herbst liebt violett und gelb bei seinen Blumen. Der Herbst berauscht nicht, wie die Frühltngsstimmung, sondern er beruhigt.

Wer es gewohnt ist, das Jahr über regelmäßig ins Freie zu gehen, dem bieten sich jetzt ganz besondere Genüsse. Man fühlt den Wechsel der Jahreszeit ganz anders als der­jenige, der lieber das Straßenpflaster tritt und nur durch die neueste Mode an den Fortschritt des Jahres erinnert wird. Wer als Naturfreund eng mit der ihn umgebenden freien Welt verwoben ist, hat eben von dem erhebenden- Schauspiele, das irrt Kreislauf des Jahres die Natur bietei, eine viel reichere Vorstellung und weit schönern Genuß.

In erster Linie fällt uns natürlich das Pflanzenleben ins Auge. Unsere grünen Wälder, die den Sommer über uns kühlen Schatten boten, verfärben sich jetzt. Die Laub­verfärbung ist im allgemeinen keinen großen Schwankungen unterworfen; sie beginnt meistens nach der ersten Dekade des Oktober. Den Anfang machen damit stets die Bäume ait den Waldrändern, die im Frühjahr zuerst den belebenden Kuß der Sonnenstrahlen empfingen und dafür auch zuerst den Lebenskreislairs beschließen müssen. Besonders schöne Bilder kann man jetzt an den grünen Wiesen sehen, die vom Wald umschlossen sind: am Rande rote, gelbe und braune Bäume und dahinter die noch grüne Masse des Ihnen- Waldes. Auf dem Waldboden finden wir die frohbunten Pilze in ungezählter Menge und bleichgelbes oder bronze- karbenes äbsterbendes Farnkraut. Prächtig leuchten jetzt die Ahorne im satten Gelb, die jungen Eichen in Purpur, die Roßkastauien in Goldbraun und die Steinvbstbäume im Hellen Rot. Schott lange hat sich das kleine Gesträuch lebhaft gefärbt und das bunte Bild wird noch bereichert durch die: roten Hagebutten an den wilden Rosen, die dunkelvioletten Früchte des Hollunders und die schwarzen Brombeeren. Es dauert nicht lange, bis die allgemeine Verfärbung des Laub­waldes eingetreten ist. Ein Farbenspiel ohnegleichen ist dann unser Hochwald. In allen Tönen des Gelb und Braun, Rot und Violett leuchten und flimmern da die Eichen, Vrtchen, Birken und Linden und kräftige Gegensätze dazu bieten die dunkelgrünen Fichten und die schwärzlichen Kie­fern in den Mischbeständen; ihr Grün behalten dagegen di« Blätter der Erlett, Päppeln, Akazien und des Hollunders. Aber Sonnenlicht darf dem Herbstwald nicht fehlen; fällt der helle Strahl des Lichts durch das Blätterdach, dann gewinnt der Herbstwald überhaupt erst Leben. Dann glüht und flammt das sterbende Laub tute in Fenersgluten ge­

taucht und hebt sich wunderbar vom tiefblauen Himmel ab. Ist dann der Sonnenuntergang mit seinem erhebenden Far- benspiel tut Westen verglommen und senken sich die Schatten der Dämmerung auf den Wald nieder, so beginnt ein eigen« artiges schwaches Leuchten in dem welkenden Laub, das eine inEe Helligkeit auf dem Weg verbreitet. Nur wenige Tage zetgt stch der Wald in seiner höchsten und schönsten Pracht, dann beginnt der trüb stimmende Blätterfall. Die bunte! Herrlichkeit wird zu Moder.

^AW°diologischen Prozesse der Laubfärbung und des Blattfalls zu erörtern, würde den Rahmen und Zweck des Aufsatzes überschreiten, der lediglich die Stimmungen und Eindrücke wiedergeben will, die der Herbst in uns erregt.

Auch das Tierleben in unserem Hochwald ist etwas Schones.

Die Tfeinett frohen Sänger sind freilich längst verstummt oder tu einen wärmeren Himmelsstrich verzogen. Jetzt aber fesselt uns das Liebesleben des prächtigen Hochwilds. Wer darein einen tiefen Einblick gewinnen will, der unternehm« eine Wanderung in einen Wildpark oder ins Gebirge, wo das Hochwild in freier Wildbahn lebt. Jetzt kann man das überaus fesselnde, eigenartige Hirschkonzert genießen. Dieses natürliche Konzert gehört sicherlich zum Schönsten und Erhabensten, was die Natur bt-etet. Auf größeren Gängen kann man zahlreiche Tiere im Waldesdicktcht oder auf den Wiesen beobachten; mitunter scheucht auch unser Tritt einen lagernden Hirsch auf, der fast unmittelbar vor uns Mt.fr springt und davoneilt. Etwa um 5 Uhr nachmittags kann matt den ersten Schrei eines Hirsches hören. Aber es muß dunkel werden, dann beginnt das großartige Konzert. Djck grollt und donnert der tiefe orgelnde Don der Brunfthirsche fast unaufhörlich. Stößt hier ein mächtiger Hirsch seinen Schrei aus, so antworten ihm alsbald von verschiedenen anderen Plätzen die Nebenbuhler, die ihm feine Rechte streitig machen wollen. Durch den stillen Abend klingen diese gewaltigen Töne so wunderbar, daß man aus dem Staunen nicht herauskommt. Besonders schön ist aber der Anblick eines solchen Tieres: da steht der stattliche Hirsch auf der Wiese, den massigen Kopf mit dem mächtigen Geweih zu- rückgeworfen, stößt er seinen Kampfruf hinaus und jein Dämpfstrom quillt aus dem offenen Maul. Näher kommt eilt anderer Hirsch, wie wir an dem Schrei desselben er­kennen. Und nun tritt der Nebenbuhler auf den Plan, di« Gegner stürzen wutentbrannt und liebestoll aufeinander los, die mächtigen Geweihe stoßen klirrend aneinander und es geht oft genug nun auf Tod und Leben. Dem Sieger winkt der Minne süßer Lohn, er treibt das Rudel weiblicher Tiere, das stumm dem Kampfe zugesehen, als Herr davon. Aber es kommt auch vor, daß der stolze Sieger leer aus- geht, wenn er in seinem wilden Kämpfeszorn nicht bemerkt hat, daß ein schlauerTertius gaudens" während des Duells ihm die Herde weggetrieben hat. Mitunter fanden auch schon beide Kämpfer den Tod; es sind! Fälle bekannt, in denen sich die wilden Kämpen so sehr mit ihren Geweihen verstrickten, daß sie nimmer voneinander loskommen konn- ten und so eines elenden Todes sterben mußten.

Diesen gewaltigen großartigen Bildern aus dem Liebest leben in der Natur steht ein gar stilles bescheidenes gegen­über: int Dunkel des Waldes sehen wir int feuchten Gras kleine grünlich leuchtende Punkte, die Glühwürmchen. Es ist dies die kleinere und ungeftügelte Art int Gegensatz zu den um Johanni fliegenden Leuchtkäferchen, und die leuchten« bis spät in den Herbst hinein, mitunter sogar im Bor- frühling.

Haben wir den FarbenzäUber eines sonnigen Herbst­tages genossen und kehren wir spät int Dunkel heim, so ent­hüllt uns die Natur noch ein herrliches Wunder: auf deU feuchten Waldtviese weben und wallen die milchigen Nebel und das Mondlicht gießt seine silbernen Strahlen auf das brausende Meer der Nebelschwäden. Märchenbilder werden in unserer Phantasie lebendig und wir verstehen es, wie die geschäftige Vorstellungskraft unseres Volkes die Welt mit den Lichtgestalten von Elfen und Feen bevölkern konnte.

Gefrorenes Leben.

Von Dr. A. Lanick.

Die Wissenschaft ist auf dem besten Wege, uns das Staunm überhaupt abzugewöhnen. Ihre Entdeckungen, Fortschritte und Untersuchungen führen zu nie geahnten Ergebnissen. Und was das Beängstigende dabei ist, sie jagen sich, mau möchte sagen.