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int 30jährigen Krieg das Leiblted der Pappenheimer gewesen. Nachweislich witrde es zuerst 1815 von bayerischen Regimentern, später auch sonstwo (Wir lust'gcn Braunschweiger; Wir lust'gett Artilleristen; Wir lust'gcn 83er) gesungen und ist so schließlich auch in unser Regiment geraten. Ein anderes Soldatenlied scheint dagegen einheimisches, hessisches Gewächs zu sein. Es hat den Anfang:
Freund, wie hat es dir gefallen
Bei der hessischenInfanterie? :|:
Doch die schneidigste von allen Ist die achte Kompagnie.
Natürlich braucht es nicht immer „die achte", zu sein; die schneidigste ist vielmehr immer diejenige, der die betreffenden Sänger gerade attgehörcn.
Damit werden schon einige „echte" Soldatenlieder genannt. Auch die übrigen gehören einer jüngeren Zeit an; alle entstammen dem 19., frühestens dem 18. Jahrhundert. Eine nicht üble Gesamtcharakteristik des Soldaten steckt in dem Liedanfang:
Musketier sein's lnst'ge Brüder,
Haben frohen Mut,
Singen immer lnst'ge Lieder, Sein den Mädchen gut.
Auch hier brauchen's nicht immer „Musketiere" zu sein. In andern Regimentern sind's entweder Füsiliere oder Pioniere oder Grenadiere — je nach Bedarf. Solche Veränderungen gehen aber zuweilen noch weiter. Welcher 116er stintmt 'nicht gern ein in das
Setzt zusammen die Gewehre, Fort mit des Tornisters Schwere, t Helm ab, hier ist Rendevous;
Laßt uns eins gemütlich singen, Bald wird das Signal erklingen/ Und vorbei ist's mit der Ruh.
Die Kavalleristen machen die Sache natürlicherweise etwas
iebeMreue.
(Schluß folgt.)
anders. Sie singen:
Abgesessen von den Pferden, Leget ab Gepäck und Schwerter, Tenn es ist jetzt Rendezvous; Laßt uns eins gemütlich singen» Bald wird die Trompete klingen/ Und vorbei ist's mit der Ruh.
Auffallend, wie wenig im Soldatcmied vom „bösen Feind" die Rede ist. Zwar heißt es einmal:
Siegreich woll'n wir Frankreich schlagen, Sterben als ein Held.
Und ein ander Mal:
Pulver und Blei, die muß man haben. Wenn man Franzosen schießen will.
Aber dann folgt sogleich die Hauptsache:
Schöne junge Mädercher, die muß man lieben. Wenn man sie einstens heiraten will.
Das ist es: Tapfer ist der Soldat; aber sein Mädchen liebt et vorläufig mehr als den Krieg. Das, ist auch der tiefere Grund, weshalb man von beit Kriegsliedern 1870 nichts mehr zu hören bekommt; sie waren eben doch nur Gelegenheitslieder und verschwanden deshalb bald nach dem Ereignis. Eine schwache Erinnerung an die Schleswig-Holsteinischen Kriege 1849—64 lebt noch nach in 7,Schatz, mein Schatz, reis' nicht so weit von mir"; das Mädchen sagt von seinem Liebhaber:
Er ist in Schleswig, er ist in Holstein, Er ist Soldat und bleibt Soldat.
Aber auch hier ist die Stimmung des ganzen Liedes nicht kriegerisch/ sein Thema ist — und das verschafft ihm seine Beliebtheit — allgemein menschlich, es redet von Trennungsschmerz und
Vermischtes.
— Heber Platt- und Knickfüße. Nach einem Bericht hon Dr, P eltesvhn-Berlin in der neuesten Nummer der /Medizinischen Klinik" kommen Abweichungen der Fußstellung und der Fußform selbst bei sonst gesunden, jugendlichen Menschen auffallend häufig vor. Dr. L 0 0 s e r konnte bei 250 schweizerischen Rekruten, die zum Train und zur Fußartillerie gehörten, in 'M PrvMt der Fälle einen platten Sohlenabdruck Nachweisen. Tie Frage, wann eigentlich diese Anomalien der Fußstellung beginnen, ist nach stafistischen Erhebungen dahin zu beantwortett, daß sich dieselben in einem erheblichen Prozentsatz bereits int Kindesalter nachweisen lassen. Bei einer Untersuchung von über 600 zwölfjährigen Kindern sand !Dr. Ewald, daß 3/s aller 'Kinder mit ein- «oder beiderseitigen Knickfüßen und über Vs mit einem regelrechten Plattfuß behaftet waren. Die Ansicht, daß der Plattfuß erst im Jünglingsalter entsteht, und daß die jüdische Rasse mehr dckvvn befallen ist, wie die germanische, ist unrichtig. Bemerkenswert ist, daß bei Kindern bis zum 14. Jahre trotz hochgradiger Plattfitßstellung niemals Schmerzen auftreten. Der Umstand/ daß Plattfüße erst bei jungen Leuten gewöhnlich festgestellt
werden, beruht eben darauf, daß erst zu dieser Zeit der PlattsW schmerzhaft wird. Die Ansicht, daß der Plattfuß schon int Kindesalter entsteht und erst später durch Schmerzhaftigkeit und- Funktionsuntüchtigkeit in die Erscheinung tritt, wird auch durch stati- sfische Untersuchungen der Doktoren Henneberg und Kirsch an Volksschülern bewiesen. Diese ergaben nämlich, daß ein hoher Prozentsatz der Kinder ein abgeflachtes Fußgewölbe hatte und daß die Prozenizahl von den Unter- zu den Oberklassen anstieg. Von den aus der Schule abgehenden Knaben hatte ein volles Viertel Plattfüße. Was die wirksame Bekämpfung des Plattfußes' anlangt, der bei jährlich 10 000 Deutschen die Wehrfähigkeit und bei einer noch größeren Zahl die Erwerbsfähigkeit beeinträchtigt, so sind alle Autoren darüber einig, daß schon bei den kleinen Kindern das Fußgewölbe durch zweckmäßiges Schuhwerk oder durch nach Abdruck hergestellte Einlegesohlen gestützt werden muß.
* Bulgarische K l a p p e r t> r e t t e r. Ein primitives altes Instrument, das Klapperbrett — im Braunschweigischen gab inan ihm den volkstümlichen Namen Hillebille — spielt in einigen Klöstern Bulgariens noch eine Rolle. So sanö der deutsche Forscher Kaßner z. B. in dem hochherühmten, uralten Rilakloster mehrere derartige Verständigungsmittel vor. Es handelt sich um 4—5 Zentimeter dicke, an bestimmten Stellen durchlöcherte Bretter, denen man mit Hilfe eines Klöppels recht weithin vernehmbare Stimmen entlocken kann. Das umfangreichste war 40 Zentimeter hoch und 3 Meter breit und hing an drei Stricken in einem Säulenvorbau des inäch- tigen Klosterturms. Es heißt, daß einst in den Zeiten der Türken- herrschall den Christen der Gebrauch der Glocken verwehrt gewesen sei, und daß man aus diesem Grunde die Bretter hätte benutzen müssen. Jedenfalls sollte ihr Gebrauch die Einführung der Glocken überdauern, so daß noch in unseren Tagen das Klapperbrett den frommen Bruder zum Gebet oder den Klosterarbeiter zur Heimkehr zu rufen vermag. Genannt werden die Schallbretter von den Bulgaren Klepälo. Man will diese Bezeichnung in Zusammenhang bringen mit dem deutschen Worte „Klöppel" und dem Namen „Klops", den ein in Steiermark und llngarn gebräuchliches Gerät führt. Was diese Vermutung stützen könnte, wäre vielleicht die für uns recht interessante Tatsache, daß im Mittelalter deutsche Berg- . leute aus der mittleren Balkanhatbinsel gearbeitet haben, und daß aus dieser Zeit her noch mancher gute deutsche Ausdruck dort fortlebt, zumal in der Bergmannssprache.
Sprachecke des Allgemeinen Deutschen Sprachverein;.
' Zisfer und Zahl. In weiten Kreisen herrscht heute gar kein Verständnis mehr für den scharfen Unterschied, bet zwischen den beiden Wörtern „Ziffer" und „Zahl" besteht. So liest man: „Der Voranschlag zeigt in den Hauptzifsern gegenüber dem Vorjahre folgende Erhöhungen; die Verlustzistern waren außerordentlich; der Gewinn erreichte fast die Zister 100 000; t ie Geburtenziffer nimmt dauernd ab." Ziffern sind aber nicht Zahlen, sondern Zahlzeichen. Mit Hille der Ziffern schreibt man die Zahlen; diese können sehr groß sein, auch wenn sie mit ganz kleinen Ziffern geschrieben sind. Wenn nun der „ Statistiker" von der „Bevölkerungsziffer" redet, so hat er dabei allerdings die Ziffer, das Zahlzeichen im Äuge, das er hinschreibt; sind doch Ziffern fein Hnupthand- iverkszeug. 'Uber er redete trotzdem besser von der Bevötkerungs- zahl, denn, wenn schon das Wort „Ziffer" den Begriff Zahlen- verhältnis zmveileit annimntt, sollte man doch besser „Ziffer" und „Zahl" scharf unterscheiden: wie der Buchstabe den Laut nur bezeichnet, selbst aber doch keiir Laut ist, so „bezeichnet" eben auch die Ziffer nur die Zahl, stellt sie dar, gibt sie ivieder, ist aber selbst keine Zahl. Wustutann hat vollkomnten recht, wenn er gegen diese Nachlässigkeit eifert. Jit einzelnen Fällen kamt ntan beide Wörter gebrauchen; „überblickt man die Ziffern" ist ebenso zulässig wie „überblickt man die Zahlet:". Vielleicht stammt daher die falsche Anwendung; vielleicht aber auch aus deut Französischen, wo chiffre (Ziffer) int Sinne von nomhre (Zahl) nicht selten vor- kommt, so z. B. in parier chiffres: von Zahlen sprechen. - Weniger häufig wird „Zahl" anstatt „Ziffer" gebraucht: z. B. wenn es heißt „die Plätze wareit durch große Zahlet: kenntlich gemacht" ; „die Nummern waren mit deutlichen Zahlen nngeschrieben .
Bilderrätsel.
Auflösung der Charade in. voriger Nummer: 21 game in n 0 n.
Aßßuan
Auflösung in nächster Nummer.
istedaktion : I. B.: E. Heß. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch» und Steindruckerei, R. Lange, Gießen.


