m Die heißen Heilquellen Haven schon zur Zeit der alten Römer Wath berühmt gemacht. Der Ursprung dieser heißen Quellen ist schon oft von Sachverständigen untersucht worden, ohne daß, jedoch' die richtige ISrfinrung dafür gefunden werden konnte. Es sind die einzigen Quellen bis heutigen Tagest die während der Kälte des, Winters, der Hitze des Sommers, durch anhaltende Regengüsse oder Trockenheit stets in derselben Stärke und Temperatur Mrs der Erde hervorsprudeln. Für die Heilbäder werden drei Quellen benutzt und über 1100 000 Liter Wasser werden täglich' verbraucht für diese Bäder. Da das Wasser aus der Erde auf- steigend, zu heiß ist zum Baden, wird es durch Röhren in die Näder geleitet.
Durch das Phänomen der beständig hohen Temperatur des Wassers steht die Mineralwasser-Heilanstalt Bath als die einzige in ihrer Art in England da und dazu koMmt noch', daß im letzten Jahre bewiesen wurde, daß Radium in den Quellen vorhanden ist. _ Tie Heilkraft dieses Wassers erfreut sich eines 2000jährigen Rufes. Die Einrichtuugeir der Bäder find durchaus schön und bequem. Da sind zuerst die Königs-Bäder, welche neben dem großen „Pumproom" liegen. Sie bestehe!: aus 50 Bäder mit bequemen Ankleidezimmern, große üppige Räume zum Abkühlen, bequeme Rauchzimmer und andere prachtvolle Räume. Die W- kühlzimmer führen vermittelst Durchgang nach dem „Pumproom", nach dem Konzertsaal und dem römischen Säulengang. Man findet tiiele handgreifliche Beweise der Dankbarkeit solcher, die durch die Bäder geheilt wurden, wie z. B. die großen Kupferringe, dw am Königs-Bad des Mittelalters angebracht sind. Die Namen derienigen, die dnrch die Bäder geheilt wurden, sind neben den Rmgen eingraviert; zuweilen findet man auch eine weitere Inschrift, wie z. B. folgende: „Gott sei Dank! Ich, John Revet, des Königs Kupferschnridt, wurde in meinem öOsten Jahre, im July 1674, geheilt von einer Lähmung, vom Kopf bis zum Fuß ÄN eurer Seite". Dort sieht man auch das berühmte Bild des oMadud", der die heißen Quellen entdeckt haben soll, im Jahre 863, B. C. Ebenso findet man dort die Ueberreste einer schönen Steiir-Balustrade, gestiftet von Sir Francis Stoner, aus Dankbarkeit, daß er geheilt wurde, „von Gicht und Schmerzen in den Gliedern".
Die neuen Königsbader sind sehr geräumig, besonders tief nach dem Muster der alten römischen Bäder. Für Kranke, die wegen ihres Rheumatismus nicht die Stufen zu den Badern hmnntergehen können, gebraucht Man einen.Stuhl, der vermittelst Rollen zuerst an das Ankleidezimmer gebracht und dann durch hydraulische Kraft langsant in das Bad gelassen wird. Tie 'Tauchbäder sind hoch und wunderschön getäfelt. Einige der oft benutzten Bäder sind Nadel-, Dampf-, Moor- und elektrische heiße Luftbäder; die letzteren werden besonders zum Stärken und Bewegen der Muskeln mit Hilfe besonderer Apparate gebraucht. In dein großen Pumproom, ein eleganter, üppiger Saal in Renaissance-Stil, gehalten, trinken die Kranken oder auch Nicht- Kranken das heiße Mineralwasser, welches dort an den vielen laufenden Röhrchen ausgeteilt wird. Hier hielt die Königin Char- lotte ihren Hof und hier versammeln sich heutigen Tages Herrn find Damen, die ihr Wasser schlürfen, während sie die Zeitungen lesen, sich unterhalten oder der Musik zuhören.
In der halbrunden Nische unter dem Standbild« des „Nash" ist die berühmte „Jompion-Uhr", die Tickens erwähnt in seinen „Pickwick Papers". Diese Uhr ist Zeuge gewesen der vielen erergnisvollen Szenen, die sich' in diesem Zimmer abgespielt haben, fest dem' Zeitalter der Königin Anne. Welche Geschichten würde diese Uhr erzählen können, uns, die wir int 20. Jahrhundert so ernst Und geschäftsmäßig sind.
Ans dem südlichen Fenster kann man das Basin des alten Königbads sehen. In, den ruhmreichen Tagen von Bath' hatte das schöne Geschlecht in moderner Toilette und schön frisiert, oft mit ihren Kavalieren ein Reudez-vous auf dem Wege dahin. Heutigen Tages ist, nur die Erinnerung der vergangenen Zeit geblreben sind der Mick auf das Basin, in welches die warme Quelle ohne Aufhören fließt. 20 Fuß unter den jetzigen Straßen sind die alten römischen Bäder, der Pfad den Bädern entlang ist aus- Netreten von dm Tausenden von Fußtritten und doch kann man Noch di« wohlerhalteneu Stufen sehen, von welchen die Römer in das Bad stiegen, in der großen Halle hinter den Bädern sind zerbrochene Säulen, Köpfe von Göttern Usw. aufbewahrt, Zeugen der vergangenen Tage der ruhmreichen Römer. Eine Treppe höher und gleichlaufeiü) Mit beit Straßen, ist der römische Säulengang, viel besucht nachmittags und abends von Fremden, die unter den Bildsäulen der alten römischm Kaiser wandeln oder auf bequemen Stühlm der Musik zuhören. Sofie Brill.
Abenteuer des Brigadier Gerard.
Von C. Doyle.
W. iesichderBrigadierbeiWaterlooauszeichnete.
(Fortsetzung.)
Es war mir aufgefallen, daß ich auf der ganzen langen Jagd keine Flüchtlinge von unserer Armee bemerkt hatte. Ich schloß daraus, daß ich zu weit westwärts voit ihrer Fluchtlinie vpgekommen war und mich mehr nach Osten halten mußte, um
zu ihnLn zu stoßen. Wenn mir das nicht gelang, würden mich Meine Verfolger wahrscheinlich in Sicht behalten und, wmn sie - selbst mich nicht einholen konnten, doch so weit treibm, bis mir von Norden her ihre Kameraden von vorne den Weg versperrten. Im Osten sah ich in weiter Ferne eine lange Staubwolke, die sich meilenweit durch die Gegend zog. Das war sicher die Hauptstraße,, die unsere unglückliche Armee zu ihrer Flucht benutzte. Mer ich bekam bald einen Beweis, daß einzelne Nachzügler auch in bie_ Seitenwege eingebogen waren, denn plötzlich stieß. ich auf ein Pferd, das im Gras weidete, und nicht weit davon lag sein Herr, ein französischer Kürassier; er war furchtbar verwundet und augenscheinlich dem! Tode nah. Ich sprang ab, ergriff feinen langen, schweren Säbel und ritt damit los. Das Gesicht des armen Teufels, als er mich mit den sterbenden Augen anblickte, werde ich nie vergessen. Es war ein alter Soldat mit grauem Schnurrbart, einer von den alten, echten Fanatikern, dem diese letzte Erscheinung seines Kaisers wie eine höhere Offenbarung vorkam. Staunen, Liebe, Stolz — malten sich auf seinem totenbleichen Gesicht ab. Er sagte etwas — ich fürchte, daß es seine letzten Worte waren — doch ich hatte keine Zeit, ihnen zu lauschen; ich mußte weiter rennen.
Während dieser ganzen Zeit war ich auf Wiesgründen, die von breiten Gräben durchzogen warm. Manche tonnten nicht viel weniger als vierzehn bis fünfzehn Fuß breit sein, und nur zitterte jedesmal das Herz, wenn ich drüber setzte, dmn ein Fehltritt würde meinen Ruin bedeutet haben. Wer wers auch gewesen sein mag, der für den Kaiser die Pferde ausgesucht hat, er hatte seine Sache gut gemacht. Mit Ausnahme von jenem Mal an der Sambre, -wo es versagt hatte, folgte mir das herrliche Tier ausgezeichnet. Wir nahmen jedes Hindernis mit einem Satz. Und trotzdem konnten wir diese verteufelten Preußen nicht los werden. Als ich über all die Wassergräben weg war, schaute ich mich mit frischer Hoffnung um; aber auf seinem weißfüßigen Braunen flog Stein mit derselben Leichtigkeit hinter mir drüber weg, wie ich selbst. Er war mein Feind, aber ich mußte ihn hochachten wegen seiner Haltung an diesem Tag«.
Wieder und wieder schätzte ich die Entfernung zwischen ihm! und den« Nächstfolgenden. Ich dachte dran, kehrt zu machen und ihn, ehe ihm sein Kamerad zu Hilfe kommen tonnte, niederzuhauen, wie ichs mit dem Husaren gemacht hatte. Wer die anderen hatten sich auch dazugehalten und waren nicht sehr weit dahinter. Ich überlegte mir auch, daß dieser Stein ein ebenso guter Fechter sein würde, wie er ein Reiter war', und daß es mich etwas Zeit tosten würde, ihn zu. überwältigen. In diesem! Fall würden ihm aber die übrigen zu Hilfe eilen können, und dann würde ich verloren sein. Alles in allem genommen wars also schlauer, meine Flucht fortzusetzen.
Bon Osten nach Westen lief eine Straße durch die Ebene, sie war an beiden Seiten von hohen Pappeln umsäumt. Sie mußte mich nach der Staubwolke führen, die den Rückzug der Franzosen bezeichnete. ■ Ich drehte also Mein Pferd um und galoppierte hinunter. Ws ich dahinritt, erblickte ich vor mir auf der rechten Seite ein einzelnes Haus' mit einem, großen Kranz über dem Eingang als Zeichen, daß es ein Wirtshaus war. Draußen standen Mehrere Bauern, Um die ich mich nicht weiter zu kümmern brauchte. Was mich dagegen erschreckte, war ein roter Rock, woraus ich ersah, daß Engländer dort sein mußten. Doch, ich konnte weder umkehren noch halten, es half also alteS nichts, ich mußte weiter und einfach mein Glück versuchen. Ich konnte sonst keine Soldaten bemerken, es konnte sich also nur um irgendwelche Nachzügler 'oder Marodeure handeln, die ich wenig zu fürchten brauchte. Ms ich näher kam, sah ich, daß zwei auf einer Bank vor der Türe saßen und zechten. Ich sah, wie sie aufstanden und taumelten, fie waren offenbar beide betrunken. Einer stand mitten im Weg Und schwankte, „'s ist Boney (Wkürzung für Bonaparte). Helft mir, 's i|t Boney!" schrie er. Er lief mir mit ausgestreckten Armen entgegen, um mich zu fangen, aber zu seinem Glück stolperte er in seiner Betrunkenheit und fiel der Länge nach mit dem Gesicht auf die Straße. Der andere war gefährlicher. Er war ins Wirtshaus gelaufen, und gerade, als ich vorbeikam, stürzte er mit dem Gewehr in der Hand zur Tür 'raus. Er bückte sich und ich drückte mich an den Hals meines Pferdes. Ein einzelner Schuß von einem Preußen oder einem Oesterreicher wollte wenig heißen, aber die Briten waren zu jener Zeit die besten Schlitzen Europas, uud Mein Betrunkener schien noch ziemlich fest und sicher zu sein, als er das Gewehr im Anschlag hatte. Ich hörte einen Krach, und mein Pferd tat einen furchtbaren Satz, so daß wohl mancher Reiter 'runtergeflogen wäre. Im ersten Moment dachte ich, es' wäre totgeschossen, aber als ich mich auf meinem Sattel umdrehte, sah ich, wie ihm am rechten Hinterviertel das Blut hinunterlief. Ich guckte zurück nach dem Engländer; der Kerl biß eben das End« der zweiten Patrone ab und pfropfte sie in seine Muskete, aber bevor er schußfertig war, waren wir außerhalb seines Bereichs'. Es waren Infanteristen, die sich der Verfolgung nicht anschließen konnten, aber ich hörte sie hinter mir her rufen und Hallo schreien, als ob sie auf der Fuchsjagd wären. Auch die Bauern stimmten mit ein, rannten querfeldein und schwangen ihre Stöcke. Von allen Seiten drang Geschrei an mein Ohr, und überall stürzten die drohenden Gestalten meiner Verfolger hinter mir her. Der Gedanke, daß der große Kaiser in der Weise übers Feld gehetzt würde! Ich hätte am liebsten diese Elenden meine Klinge spiiren lassen.


