Ausgabe 
6.3.1913
 
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Mn Skeptiker zuckte die Achseln.

Die ersten tausend Franken hat er drüben an dem Tische verloren!"

Man lachte den Mann aus.

Wissen Sie nicht, daß eingroßer Spielers erst immer eine größere Summe opfert? Das bringt Glück!"

Ein Sachse rief dazwischen:

^Nadierlich so is es! Mer sagen bei uns: Wer zuerscht gewinnt, wird zuletzt geschindt!"

In der Garderobe ließ sich Moreth Hut und Stock geben, warf dem niedlichen Mädchen ein Zweifrankenstück auf den Tisch und kniff sie dafür in die Backe. Die lachte ihn ver­gnügt an und zeigte dabei ihre kleinen spitzen Zähncheul Sie kannte die Herren. Wenn sie gewannen, ließen sie Geld springen, aber noch fast bei jedem war der Tag gekommen, an dem sie vertröstet wurde. Man Hattozu­fällig" kein kleines Geld bei sich. Das hieß: das letzte! Fünffrankenstück war flöten gegangen.

Hans-Wilhelm bummelte an seinem Hotel vorbei in den Kurpark. Die'Bäume verfärbten sich bereits. Ein unan­genehmer Wind blies ihm ins Gesicht. Sein Gewinn war .ihm zu Kopf gestiegen. Mit wenigen Sätzen hatte er ab­züglich der verlorenen tausend Franken sechstausend einge- heunst.

Er fing an, an sein Glück zu glauben. Aber nur nicht, wie es die meisten halten, blödsinnig setzen bei jeder Ge­legenheit! Nur wenn manNase hatte", mußte man es tun, und er zweifelte nicht, das würde nun munter so weiter gehen. Wenn er sich täglich zwanzigtausend Frauken holte, das machte in acht Tagen einhundertsechzigtausend nach deutscher Währung etwa einhundertdreißigtausend! Mark! Da stutzte er. Nein mehr mußte er haben, oder! länger hierbleiben! Denn der Mutter Erbteil, das er in zehn Dienstjahren allein durchgebracht, betrug allein ein­hundertfünfundsiebzigtausend Mark, bei Onkel Relendorff hing er auch noch mit zwanzigtausend, und ganze hundert­tausend waren als Hypothek auf sein Gut ausgenommen worden. Da erschrak er. Donnerwetter, die schöne Leut­nantszeit hatte ihm bis heute annähernd hunderttausend Taler gekostet; außerdem hingen noch einige Schulden, und seinen "Monatswechsel von dreihundert Mark und sein Ge­halt mußte er doch auch rechnen! Er setzte sich auf eine Bank. Das hatte er allerdings nicht gedacht. Wo war nur das viele Geld geblieben? Gewiße er lebte gut, zog sich tadellos an, aber das kostete doch nicht hunderttausend Taler. Beim Spiel allein war ihm das Geld unter den Händen zerronnen. Wiederhaben wollte er es, und für den Anfang ließ sich ja die Sache auch ganz gut an. Das ver­grämte Gesicht seiner Mutter tauchte vor seinem geistigen Auge auf. Er mußte die Zähne aufeinanderbeißen, so konnte es nicht weitergehen! Wenn ihm hier der große Schlag gelang, dann wollte er ein anderes, besseres Leben beginnen.

Und dann würde er überhaupt Schluß machen mit diesem wüsten Treiben. Er war zum Heiraten alt ge­worden, und Eva Relendorff kam auch in die Jahre. Nie­mals hatte er sich einen Vorwurf gemacht, daß er sie warten lieh; er hatte sie ja gern, sogar sehr gern, aber so verliebt wie sie in ihn, war er doch lange nicht in sie. Und wenn sie einen änderen genommen, hätte er gezuckt: Na, denn nicht!" 1

Aber der alte Graf besaß eine schwere Menge Geld und Glossow war eine Besitzung, die sehr verwöhnten Ansprüchen genügte, denn die große Ziegelei, die Molkerei, die Sage­mühle, die Spiritusbrennerei brachten guten Gewinn und Eva war lieb und schön, sehr schön sogar.

Er griff sich an den Kopf. Eigentliche war er doch ein rechter Esel, die Spielerei hatte er satt, also Schluß mit dem leichtsinnigen Lebenswandel, und ein guter Ehe­mann werden! Aber erst Umßte er die Verluste wieder hereinholen. Als Bettler wollte er nicht vor den Grafen treten, der überhaupt so eine komische Art hatte, halb mitleidig, halb stolz und dazu noch 'ne Portion Sarkasmus und Rücksichtslosigkeit, wenn er ihm oie Leviten verlas. Das ist oft genug vorgekommen. Gerade das hatte shn Paar. Er suchte, wie alle Charaktere, die Fehler nicht bei verprellt, sonst wäre Eva und er vielleicht schon längst ein sich, sondern bei andern.

Er stand auf und.ging tvieder in den Spielsaal, mit dem festen Vorsatz, aufzuhören, sobald er heute sünfzig-

tausend Franken aewonnen habe. Sechstausend hatte er! sich ja im Handumdrehen schon geholt. ,

; Wieder setzte er tausend Kranken und gewann. Er ließ sie stehen samt dem Gewinn.

Diesmal verlor er.

Das kam natürlich von den vielen Leuten, die sich sofort hinter ihn stellten und ihm alles nachmachten.

Unwillig trat er an einen andern Tisch. Noch schwebte der Mmbus desgroßen Spielers", der in Monaco un­heimlich gewonnen hatte, um ihn. Und die Sache machte sich. Er gewann, er 'verlor, aber der Gewinn behielt doch oie Oberhand. Freilich, fünfzigtausend Franken schleppte er an diesem Abend nicht nach Hause; immerhin waren es sünfunddreißigtausend; er konnte also recht zufrieden sein.

Die anderen Spieler stritten sich erregt hin und her. .Einige behaupteten, er habe hunderttausend, die meisten aber meinten, sein Gewinn sei noch viel größer, und den Aufsichtsbeamte, der ihn beobachtet hatte und genau wußte, wie die Verhältnisse lagen, sagte:Er hat nicht ganz hundertzwanzigtausend Franken gewonnen." . ,

Das gab der Bank ein gutes Ansehen, denn die int Ver­lust waren den meisten, fast allen, ging es so schöpften neue Hoffnung.

Unterdessen saß Hans-Wilhelm im Speisezimmer des Hotels und zu Abend. Die Spielerei, der Spektakeh dazu die Luft, nahmen die Nerven mit. Er trank nach dem Essen noch eine Flasche alten Burgunder und legte sich dann zu Bett. Aber der Schlaf wollte nicht kommen. Immer ivieder hörte er das Rufen des Croupiers, und die Kugel surrte ,und die Leute riefen nervös alles mög­liche durcheinander.

Spät war es, als endlich seins Nerven zur Ruhe kamen, spät wachte er ivieder auf. Wie zerschlagen fühlte er sich. Er griff nach der Uhr, fast zwölf. Er sprang aus dem Bett und bestellte sich ein Bad, denn sein Schädel brummte ihm ganz gewaltig.

Sofort nach dem Frühstück ging er wieder hinüber nach dem Klub, wo man schon eifrig bei der Arbeit war.

(Fortsetzung folgt.)

(Ein 200« jähriger altes Mineralwafserbad.

Die Reize und Altertümer der Stadt Bath'.

Bath, die Königin des Westens genannt, liegt in einem Tal­kessel in der wunderschönen Grafschaft Somerset, und ist eine der schönsten Städte Englands.

Der Fluß Avon schlängelt sich in vielen Bogen an der Südseite der eigentlichen Stadt entlang. Rings um die Stadt erheben sich hohe oder minder hohe Hügel, wohin auch der Blick sich wendet, er begegnet grünen Anhöhen mit Parkanlagen. Garten und Wiesen wechseln mit Gruppen von Häusern und Billen, die zu den Vorstädten von Bath gehören. Der Ueberblick von einer Anhöhe auf die darunter liegende Stadt und auf die gegenüber­liegenden Hügel macht besonders des Abends bei Beleuchtung einen fast märchenhaften Eindruck.

Was die Aufmerksamkeit des Fremden zunächst in der Stadt selbst erregt, sind die alten breiten Straßen, die offenen Plätze mit den schön gepflegten Rasenplätzen in der Mitte, die im Halb­mond erbauten prachtvollen Häuser oben auf der Höhe von Lands- down, die klassische Sud- und Nord-Parade, wo der Schrift­steller von Marmion und andere berühmte Männer gewohnt und gelebt haben.

Es ist ganz unmöglich, sich gelangweilt zu fühlen in dieser herrlichen berühmten Badestadt, weil rede Jahreszeit neue Ab­wechslung undAmüsement" bietet. Die Umgebung hon Bath ist ebenso anziehend und schön wie die Stadt selbst, im! Frühjahr, Sommer und Herbst findet man täglich Gelegenheit, durch dis Automobil-Gesellschaft alle interessante und historische Punkte kennen zu lernen. Auch für Sport ist in jeder Art Abwechslung geboten. Der Golf-Spieler findet drei verschiedeneLinks" auf den benachbarten Höhen, der Jagdliebhaber kann teilnehmm bei den Zusammenkünften derBath und Country Harries". Es gibt zahlreiche Klubs für Herrn und Damm, wo auf den dafür bestimUiten Plätzen Tmnis, Kricket und Hockey gespielt wird, ebenso wird der altmodische Sport, das Bogenschießen, geübt.

Unter ben jährlich wiederkehrenden Anziehungen sind Baths Pferdeausstellung, die verschiedenen Rosen- und Blumen--Aus- stellungen, das Pferderennen im Herbst, zahlreiche Feste für Ath­leten usw. Musikliebhaber können dreimal am Tage Konzerte! der städtischen Kap.lle hören, die im! Sommer in den verschied neu Parkanlagen ab gehalten werden, bei Regenwetter in der Hall« der alten römischen Bäder. Im Winter werden klassische Konzerts nachmittags und abends, im großen Konzertsaal des Pumproom> Gebäudes gegeben.