Donnerstag, örn 6. März
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Frsuenliebe.
Roman von Horst Bodemer,
(Nachdruck tierboten.) (Fortsetzung.)
Einer der Aufsichtsbeamten hatte ihn scharf angeblickt. Er nickte befriedigt mit dem Kopfe vor sich hin. Solche Wöget konnte man in der stillen Zeit gebrauchen, die liehen Federn. Die meisten, die im Herbst hier spielten, hatten kaum dreitausend Franken zu verlieren.
Moreth, die eingewechselten Scheine in der Hand, sah sich um.
Der Aufsichtsbeamte trat sofort auf Hans-Wilhelm zu, um ihm behilflich zu sein, sein Geld recht schnell los zu werden, denn daß er einen Grünen vor sich hatte und einen sehr leichtsinnigen Menschen, war dem Manne sofort klar; der das Treiben in den Spielsälen kennt, trägt nicht Kwölftausendfünshundert Franken zwischen Daumen und Zeigefinger.
Hans-Wilhelm ließ sich von dem Beamten einen Stuhl zurechtschieben, sprang aber sofort wieder auf, als sich ein altes Weib an seine Seite setzte. Alte Weiber bringen Unglück, glauben die Jäger; er war nicht besser in seinem Aberglauben wie der dicke Kerl mit den Brillantringen oder die Frau mit dem zerrissenen Unterrock.
Am Nachbartische surrte die Kugel, er warf einen Tausendfrankenfchein auf Rot und — Schwarz gewann! —
Also, an dem Tische war nichts los; er ging weiter Und setzte die Fünfhundertfrankennote wieder auf Rot. Diesmal stimmte es. Er ließ das Geld stehen samt dem Gewinn; die Spieler sahen ihn erstaunt an, einer rief ihm im reinsten Kölner-Deutsch zu:
„Aber Rot ist ja schon siebenmal herausjekommen!" Moreth mußte lachen. Als blutjunger Leutnant hatte er einmal einen Burschen gehabt, den Joseph, der war ans Köln und konnte so schön singen; es war ihm ordentlich schwer geworden, sich von dem „Kölner Jungen" zu trennen.
„Rot kommt noch fünfmal," rief er zurück.
Die Leute blickten ihn mit großen Augen an, wer kein Deutsch verstand, fragte den Nachbarn nach der Bedeutung seiner Worte.
Ah — noch fünfmal sollte Rot kommen. Die Zaghaftesten fetzten ein Fünffrankenstück wenigstens aus diese Farbe.
Einer meinte, er habe diesen Herrn schon in Monte Carlo spielen sehen, der habe der Bank an einem Tage einmal hundertundfünfzigtausend Franken äbgenommen, dann sei er plötzlich verschwunden gewesen. Nach Monaten tote- oergekommen, habe er noch jedesmal gewonnen. Jetzt beziehe er eine Pension von der Bank am Mittelmeer, dafür dürfe er dort nicht mehr spielen, denn er hab« ein System, mit dem man gewinnen müsse.
Als der Croupier die Kugel in Bewegung setzte, stand auf Rot eine große Summe, auf Schwarz ein einziges Zwanzigfrankenstück, und — Rot gewann wieder!
Wie befreit atmeten die vielen auf, die ihre kleineren oder größeren Summen auf diese Seite gesetzt hatten.
Zweitausend Franken entfielen davon auf Hans-Wtl- helm. Er ließ sie wieder stehen. Selbst diejenigen, di« Zahlen spielten, wurden stichig, denn im Nu hatte eS sich herumgesprochen.
„Der berühmte Spieler von Monaco ist gekommen, um die Bank zu sprengen!"
An den anderen Tischen standen die Leute auf, kamen herbei, alle Welt setzte Rot.
Und Rot gewann noch einmal!
Da verspürte Moreth zur rechten Zeit ein Knurren in seinem Magen, er strich seine viertausend Franken ein — und ging frühstücken.
Mit langen Gesichtern sah man ihm nach. Das war ein Spieler! Ja, so mußte man spielen, wenn man gewinnen wollte! Einige hörten auch auf zu setzen; st« wollten doch lieber warten, bis der „Banksprenger" wieder kam. Sie setzten sich im Restaurant an den Tisch neben Moreth, um ja den Anschluß nicht zu verpassen, und zogen auch ein ordentliches Beefsteak zweifelhaften Gewinnchancen vor.
Hans-Wilhelm machten die Leutchen einen heillosen Spaß. Wie sie immer herübersahen zu ihm! Er bezahlt«. Da er fein kleines Geld hatte, muhte er eine Fünfhundertfrankennote wechseln lassen. Er erhielt neben Gold drei Hundertfraukenscheine zurück. Einen behielt er in der Hand, den wollte er auf eine Zahl „brezeln".
„Dreizehn ist 'ne Unglückszahl. Setz' ich also auf Dreizehn", sagte er sich.
Wie ein Schatten folgten ihm die Herren vom Neben- tische. Er ging wieder an das Roulette, das ihnr Glück gebracht, legte den zusammengefalteten Schein im letzten Augenblick auf die „Unglückszahl" und wandte dem Tische den Rücken.
Hatte der Teufel seine Hand im Spiele, oder äffte ihn fein Gehör?
„Treize", rief der Croupier.
Rasch drehte er sich um. Wahrhaftig! Mit der Null §ab es siebenunddreißig Zahlen, und die Dreizehn war erausgekornrnen!
Wieder wurde ein Ruf des Erstaunens laut. Neben seiner Hundertfrankennote wurde fünfunddreißigfachesl Geld, also dreitanseudfünfhundert Franken, aufgezählt.
lieber Hans-Wilhelm, der sonst so hitzig spielte, war eine große Ruhe gekommen — er wunderte sich selbst darüber. Gleichgültig strich er das Geld ein — und ging zum Saale hinaus.
Alle Spieler sprachen von ihm. Das war ja wirklich sehenswert.
Endlich wieder einmal jemand, der gewann l


