Wagen unterwegs hatte er sie von seiner aufrichtigen Reue überzeugt, und sie waren wieder ein glücklich liebend Ehepaar. Damit sie das blieben, war's am besten, daß ich ging. Warum hätte ich ihren häuslichen Frieden stören sollen? Selbst ohne, es zu »vollen, würde ich durch meine bloße Anwesenheit und meine Erscheinung der Frmi das Herz schwergemacht haben. Nein, nein, ich mußte mich losreißen — selbst ihre Ueberredungskunst konnte meinen Vorsatz nicht abändern. Nach Jahren habe ich erfahren, daß die Dacres eins der glücklichsten Familienleben, rundum geführt haben, und daß keine Wolke wieder ihren Frieden gestört. Und doch möchte ich behaupten, wenn er seiner Frau hätte ins Herz sehen können — doch, ich will lieber schweigen! Ein Weib hat seine Geheimnisse, und ich fürchte, daß sie mit ihnen schon lange Jahre auf irgend einem Tevonshirer Krrchhof ruht. Vielleicht ist schon der ganze fröhliche Kreis dahingegan- gen, und die Lady Jane lebt nur noch in der Erinnerung eines .alten französischen Brigadiers. Aber der wenigstens wird sie nie vergessen. (Fortsetzung folgt.)
Vorgehen gegen Verletzung der 4. Gebots.
Von Pfarrer Nebel in Laubach.
SN Jahre 1779 war es vorgekommen, daß in Laubach sich arm an feinem Vater vergriffen und denselben blutig geschlagen hatte. Um die Jugend vor ähnlichem zu warnen und ihre Ehrerbietung gegen die Eltern zu befestigen, wurde der Delinquent der versammelten Schuljugend vorgestellt und auf Befehl des Grafen eine Warnungsrede gehalten. Diese Rede machte solchen Eindruck und schien so geeignet, die Ehrerbietungen gegen die Eltern in den Herzen zu stärken, daß, wie die Vorbemerkung zu ihr sagt, sie von einigen Kindern- und Elternfreunden durch die Presse gemein gemacht wurde. Tas „in Büdingen" wird sich wohl nicht auf „Kinder- und Elternfreunde" beziehen, sondern auf das „durch die Presse gemein, gemacht". Aber das ganze traurige Vorkommnis und die Warnnngsrede des Oberpfarrers Heusinger, machten solchen tiefen Eindruck, daß dessen Rede auch abschriftlich verbreitet wurde. Es ist mir nichts davon bekannt geworden, daß ein gedrucktes Exemplar derselben sich bis auf unsere Zeit erhalten hat, aber in einem int Besitz der Familie Helmich dahier sich befindenden Einträgen aller Art, auch chronikarckigen, dienenden alten Buch befindet sich eine Abschrift dieser interessanten Rede, aus der ich die interessantesten und packendsten Stellen hierher setze:
Warnnngsrede
an die zu diesem Zweck auf die Regierung versammelte Schuljugend bey öffentlicher Bestrafung eines traurigen Uebertretungs- falles des vierten Gebots da ein Mann seinen Vatter blutig geschlagen auf Befehl
des Herrn Grafen gehalten am 20tcn August 1779 von
Herrn Konsistorialrath und Oberpsarrer Heusinger in Laubach
!und durch die Presse gemein gemacht von einigen
Kinder- und Aelternfreunden in Büdingen.
... ist es Möglich, das ein Sohu seine Hand gegen einen letblichen-Batter aufhoben und auf eine gewaltsame Weise das Blut desjenigen ausgießen kann, aus dessen Blut er entsprungen? Ja, es ist nicht nur möglich, sondern es geschiehet auch wirklich Undein solches trauriges Beispiel, ivie blutet mir mein Hertz, daß ich es sagen muß,, ein solch widernatürliches Beispiel stehet hier vor unseren Augen, ein Sohn, der das Haupt verwundet, das über ihn, gewachet, ein Sohn, der die Menschheit entehrt und denjenigen mörderisch angefallen, dem er sein Leben zu danken hat. Was soll ich hiezu sagen, ist es Mangel vätterlicher Zucht, ist es Mangel frühzeitiger Beugung des Nackens des Sohnes, ist es voshaffte Wirkung eines wütenden Zorns, es fei), was es sey, schwartze That ist >es, die die Natur erschüttert, die den Verfall der Menschen laut predigt. . . Schade vor dich, o Laubach, daß solche Elr in der erfunden werden, welche die von ihren Kindern erlittene Schläge verbergen, verleugnen, und ihre Söhne in der Bosheit stärken. In deinen Mauern mußte diese Schandthat ersticken, deinen Nachbarn müßte sie nie zu Ohren kommen. Genug, daß sie uns erschrecket, genug, daß sich unser Geist, unser Blut, daß stch die, Gerechtigkeit gegen diese Uebelthat empört. Zu dem Ende bist du insonderheit, zarte Jugend, zu dieser Stätte des Gerichts geführt worden, um ein Denkmahl in deinem Jnvendigen Ewu^ichten. . . Kinder mit Schmertzen gebohren, mit Mühe gesaugt, mit „ Sorgfalt gereinigt, mit Liebe gegängelt, mit Kummer ernähret, mit Eifer bewahrt, mit Last erzogen, vergesset der Wohltaten eurer Eltern nicht.....Euch
06er, die ihr den Namen der Eltern führet, bitte ich, übersehet Niemals eurer Kindern beleidigende Mienen, die so euch im zarten Alter zuwersen, damit es nicht von feindseligen Gesichtsziigen W Worten, von Worten zu Thaten, von Thaten zu Fluch und Rache koMme, frühe beuget, beuget ihren Nacken, frühe bringet ihnen Ehrfurcht gegen eure Personen bey, frühe führet sie zur
Tugend an und lasset dir Ruthe der Zucht nicht nngebrauchß liegen, wenn die Bosheit aus den Hertzen eurer Söhne und Töchter hervorzubrechen beginnt... Zu euch wende ich mich hauptsächlich mehr mitleidens — als hassenswürdiger Sünder, boshafter Sohn, dessen Hand den Vatter verwundet, wie schrecklich ist eure Versündigung, die ihr euch zu Schulden habt kommen las!en. Ist es Msalom wohlgegangen, da er sich gegen feinen -Vatter empört, hat >e§ Ham geglückt, da er seinen Vatter verspottet? - . . Euer eigen Gewissen muß euch aber bezeugen, daß ihr euch des schnödesten Undankes gegen euren besten Freund habt schuldig gemacht, beschämt vor eurem eignen Hertzen, beschämt vor dieser Versammlung, die eure Tat hasset und beweinet, müßet ihr eingestehen, daß -eure Unternehmung unter die schrecklichsten Laster gehöre, die den Menschen entehren. Darum rate ich euch, daß ihr euch vor Gott beuget, in Christo eurem! Heiland die Tilgung derselben suchet. . . Bittet -ernstlich den verwundeten Vatter UM Verzeihung, bejammert -eure Bosheit vor feinen Augen, lasset nicht ab,, ihn zu begütigen und beeifert -euch mit doppelten Kräften! hinfüro denjenigen zu dienen, der zu eurem Besten so manche saure Arbeit übernommen hat. . . Ihr aber, verwundeter und hart beleidigter Vatter, sehet hier ist euer Sohn, euer Fleisch und Blut. ®r bleibet -euer Sohn, ob er gleich seine Kindespflicht außer Augen gesetzet. er bleibet euer Fleisch und Blut, ob er sich gleich an -euch vergriffen hat; laßet euer Hertz gegen ihn brechen, und habt Mitleiden mit ihm, da -er unglücklich genug, da er seines Verbrechens willen der Rache Gottes und den Schwerd der Obrigkeit anheim gefallen ist. Verzeihet ihm seine Sünde, suchet vor ihn die Gnade bey Gott und bedenket, daß der Vater im Himmel auch der ungerathenen, der boshafften Söhne sich wieder erbarmet, wenn sie umkehren und bey ihm in Christo Vergebung suchen.
Vermachtes.
* Vom „weißen Sklavenhandel" in New Hork. Einen furcfitbaren Einblick in den Umfang und in die Einzelheiten des New Porter Mädchenhandels gibt ein Bericht, der jetzt von S. H. London veröffentlicht ivorden ist und in Ainerika das größte Aussehen erregt. _ S. &. London hat tut Austrage der Neuerung eingehende Nachforschungen nach dem We'en dieses schivunghast betriebenen Handels mit „weißen Sklavinnen" angestellt; er steht auch in Beziehungen zu dem kürzlich von Rockefeller begründeten Institut zur Bekämpfung des Mädchenhandels. Aus den Einzelheiten des Berichtes gebt hervor, daß die „Sklavenhalter", fast ausschließlich Männer, durch die Ausnutzung ihrer Spier und durch Verkäme im Fahre nicht weniger als rund 240 Millionen Mark verdienen. Tie Zahl der in Neiv Port weilenden „Sklavinnen" wird auf 265 000 geschätzt. „Diese Mädchen werden regelrecht versteigert; als Käufer treten die Besitzer zweifelhafter Häuser auf, die die Ware besichtigen und sich dann gegenteilig überbieten. Wenn das. Publikum alle die grauenhaften Tatsachen dieses Handels wüßte, würde eine allgemeine Empörung diesen Schandfleck der Zivilisation mit einem Schlage tilgen. 95 Prozent der Mädchen, die in New Dort verschivinden und von der Polizei als verschollen angesehen werden, sind die Opfer dieser Sklavenhalter. Qiero Bork allein beherbergt ihrer mehr als die ganzen übrigen Bereinigten Staaten. Tie Perdienstmöglichkeit, die sich durch den Besitz oder die Ausnutzung einer weißen Sklavin eröffnet, beträgt in New Port int Jahre ungefähr,10 000 Mk., und in anderen Teilen bet Union, wo Mädchen seltener sind, 20 000 Mark. Aus dein AuSiande werden Frauen zu Hunderten eingeführt, und die Verdienstmöglichkeiten, die sie den Unternehmern bieten, sind so groß, daß inan diese Sklavinnen erster oder ^weiter Kajüte reisen läßt, um Schwierigkeiten mit den Einwanderungsbehörden zu verineiden. Und ähnliche Verhältnisse herrschen auch in Europa, die Polizei allem ist überall dagegen machtlos, nur ein Feldzug des ganzen Publikums kann Hilfe bringen."
* Der Arzt als Austernfreund. „Sehen Sie, meine Gnädige, ich suche mir bei Diners immer einen.Platz an der Seite einer Person ans, der ich das Ach sie messen verboten habe. . . Tann kriege ich das Dutzend des Betreffenden."
. * ®.er V eine Schlauberger. Student (in den Festens : „Na, Kärtchen, nun sage mir einmal, wo habe ich denn studiert?" — Kärtchen: „Ich weiß nicht!" — Student: „Nun, in Würz , , . . in Würz . . . .?" - Kärtchen: „Im Wirts-, haus!
Q r. „„ . . Logsgriph.
Lustig formen wir tanzen, uns hindern keine Verbote, Wählst du ein anderes Haupt, werden wir Stücke von Erz. Ohne den Sopf gereichen zum Schmuck wir oft anderen Köpfen, Aenderst ein Zeichen du noch, trägt uns das „starke" Geschlecht.
Auflösung in nächster Nummer:
Auflösung der Schach-Aufgabe in voriger Nummer: Weiß. Schwarz.
1. Ld4-e3f K d 5 - e 5.
2. D d 2 - d 7 K e 5 - 16.
3. h 7 —- h 8 Läufer f und Matt.
Redaktion: «.Neurath. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und SteindrnckerehR. Lange, Gieß«^


