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Abenteuer der Brigadier Gerard.

Bon C. Doyle.

Wie der Brigadier in England Triumphe feierte. (Fortsetzung.)

Lord Rufton versuchte vergeblich, die Sache auf sich! zu Nehmen. Zwei Dinge waren mir vollkommen klar erstens, daß Lady Jane eine ungeheuere Angst vor einem Duell zwischen ihrem Mann und ihrem Bruder gehabt hatte, und zweitens, daß, wenn ich nur diesen kolossalen Milord ordentlich träfe, die ganze Geschichte auf die einfachste Weise und für ewige Zeiten erledigt sei. Lady Jane mochte ihn. nicht-und Lord -Rufion mochte ibn nicht. Also würde ich, Etienne Gerard, ihr Freund, nur die beiden schuldige Dankespf licht erfüllen, wenn ich sie von dieser Bürde befreite. Aber abgesehen davon, hatte ich gar keine andere Wahl, weil Lord Dacre ebenso stark dm Wunsch hegte, mir eine Kugel in die Brust zu jagen, wie ich ihm diesen Dienst erweisen wollte. Alles Reden und Schimpfen des Lord Rufton war umsonst. Die Sache mußte ihren Fortgang nehmen.

Nun, wenn du dich mit aller Gewalt mit meinem Gast anstatt mit mir duellieren müllst, so tu's morgen, früh mit »Wei Zeugen," rief er endlich;dies Schießen über den Tisch Weg ist ja der reine Mord."

Mer mir gefällt's nun gerade, Red," entgegnete Lord

Und mir gleichfalls," warf ich ein.

Dann will ich aber nichts damit zu schaffen haben," rief Lord Rufton.Ich sage dir, George, wmn du dm Oberst Gerard unter diesen Umständen erschieß't, wirst du dich un­weigerlich ins Zuchthaus bringen. Ich gebe mich nicht zum Sekundanten her, und damit gut."

Sir," sagte ich,ich bin durchaus bereit, auch ohne Se­kundanten anzutreten."

Das geht nicht, das ist ungesetzlich," rief Lord Dacre. r,Komm', Red, fei kein Narr. Du siehst, wir sind beide ein- verstandm. Zum Teufel auch, Mmsch, ich verlange ja weiter nichts von dir, als daß du ein Taschentuch fallen läßt."

Ich will aber nichts damit zu tun haben."

Dann muß ich mich nach einem andern umsehen," sagte Lord Dacre. Er warf ein Tuch über die Pistolen, die auf dem Tisch lagen, und klingelte. Ein Diener erschien.Bitten Sie dm Oberst Berkeley, 'mal hierher zu kommen.' Er ift im Billard­zimmer." \

Kurz darauf trat ein langer, hagerer Engländer herein. Er trug einen starken Schnurrbart, was bei diesem glattrasierten Bolk eine große Seltenheit ist. Ich habe mir sagen lassen, daß das nur bei den Husaren und der Garde Mode ist. Dieser Oberst Berkeley war. Gardeoffizier. Er machte einen eigentümlichen, müden, langweiligen, blasiertm Eindruck mit der langen, schwarzen Zigarre, die unter dem. mächtigm Schnurrbart wie eine Stange einer Hecke hervorragte. Er betrachtete uns nacheinander mit dem bekannten englischen Phlegma und zeigte auch nicht die geringste Ueberraschung, als er unsere Absicht erfuhr^

All right," sagte er,ganz recht."

Ich lehne jede Beteiligung ab-, Oberst Berkeley," rief Lord Rufton erregt.Bedenken Sie, daß dieses Duell ohne Sie nich-t- stattfindm kann, intb ich mache Sie persönlich für alle Even­tualitäten verantwortlich."

Oberst Berkeley schien eine Autorität aus diesem Gebiet zu fein. Er nahm die Zigarre aus dem Mund und legte in seiner eigenen, langsamen, phlegmatischen Weise die gesetzlichen Bedenken klar.

Die Umstände sind ja ungewöhnlich, Lord Ruston," sagte er,aber doch nicht gesetzwidrig. Dieser Herr ist tätlich ge­worden, und dieser Herr hat einen Schlag ins Gesicht chekommm. Das ist eine Tatsache. Die Zeit und die Bedingungen hat der Beleidigte zu bestimmen, der Satisfaktion fordert. Also gut. Er verlangt, daß die Sache sofort hier im Zimmer und über den Tisch ausgetragen wird. Er handelt vollkommen korrekt. Ich hin bereit, die Verantwortung auf mich, zu nehmen."

Diese Erklärung erübrigte jedes weitere Wort. Lord Ruston saß traurig in seiner Ecke, er hatte die Stirn in tiefe Falten gelegt und die Hände in den Taschen seiner Reithosen vergraben. Oberst Berkeley untersuchte die Pistolen und legte beide in die Witte des Tisches. Lord Dacre stand an einem Ende und ich am anderen, zwischen uns war ein Llbstand von acht Fuß fein polierten Mahagoniholzes. Auf dem Teppich, mit dem Rücken nach dem Kanim, stand der lange Oberst, in der linken Hand das Taschentuch und in der rechten seine Zigarre.

Wenn ich das Taschentuch fallen lasse," sagte er,er­greifen Sie Ihre Pistolen und schießen nach Belieben los. Sind Sie fertig?"

Ja," riefen wir beide.

Er machte die Hand auf, und das Taschentuch! fiel zu Boden. Ich beugte mich rasch vor und faßte nach einer Pistole, aber die Tischplatte war, wie ich erwähnt habe, acht Fuß lang, und so konnte der Milord mit seinen langen Armen Die Pistolen leichter erreichen als ich. Ich hatte mich noch nicht in die Höhe jgerichtet, so knallte er schon los, und diesem Umstand verdanke ßch mein Leben. Seine Kugel würde mir mitten durchs Hirn

gegangen sein, wenn ich aufrecht gestanden hätte. Wer so pfiff fte durch meine Locken. Im Moment, als ich nun auf ihn an­legte, flog die Tür auf, und ich wurde von zwei Armen um­schlungen.

Sie sollen nicht schießen! Oberst Gerard, um meinetwillen chieym Sie nicht!" rief sie.Es ist ein Mißverständnis, ich fag Ihnen ein Mißverständnis! Er äst her beste und liebste Gatte von der Welt. Niemals werde ich ihn verlassen." Sie zog meinen Arm herunter und hielt meine Pistole fest.

Jane, Jane!" xies 'Lord Ruston;komm' mit mir. Du sollst nicht hier bleiben. Komm' mit."

Das ist ja alles verdammt komisch," sagte Oberst Berkeley.

,Herr Oberst Gerard, Sie schießen doch nicht, nicht wahr,' nein? Sie würden mir das Herz brechen wenn Sie ihn ver­letzten."

Zum Teufel, Jinny, laß' dem Kerl freies Spiel," schrie Lord Dacre.Er hat sich wie ein Mann betragen und ich will nicht, daß er unterbrochen wird. Wie's auch kommen mag, ich kann höchstens meinen verdienten Lohn kriegen."

Aber schon hatte ich der Gräfin durch einen flüchtigen Blick das Nötige zu verstehen gegeben. Sie ließ meinen Arm los. Ich lege das Leben meines Gatten und mein eigenes Glück in die Hände des Herrn Oberst Gerard," sagte sie.

Wie richtig sie niich beurteilte, dieses wunderbare Weib! Einen Moment stand ich unschlüssig da mit dem Finger am Drücker der Pistole. Mein Gegner blickte mir mittig1 ins Gesicht, er zückte mit keiner Wimper, und seine trotzigen blauen Augen zeigten keinerlei Furcht.

Machen Sie, machen Sie, Sie haben noch Ihren Schuß!" rief der Oberst auf seinem Teppich-.

Schießen Sie also los!" sagte Lord Dacre.

Ich wollte ihnen wenigstens betveisen, daß sein Leben ganz in meiner Hand, und ihnen eine kleine Probe von meiner Ge­schicklichkeit geben. Das war ich mir schließlich selbst schuldig. Ich sah mich nach -einem passenden Ziel um. Der Oberst hatte den Blick auf meinen Gegner gerichtet und war darauf gefaßt, ihn im nächsten Moment niedersinken zu sehen. Er stand seitwärts von mir, seine lange Zigarre ragte aus feinem Mund hervor,- und an der Spitze war ein etwa zollanges Stück Asche. Rasch wie der Blitz nahm ich- die Pistole hoch und gab treuer.

Gestatten Sie, daß ich Ihnen die Asche von Ihrer Zigarre abstreiche," sagte ich und machte eine so elegante Verbeugung,- wie sie diese Insulaner gar nicht kennen.

Ich bin fest überzeugt, Messieurs, daß es an der Pistole und nicht an mir lag. Ich vermochte es kaum zu glauben, als ich sah, daß ich ihm die Zigarre kaum einen halben Zoll weit von seinen Lippen abgeschossen hatte. Er stand ganz starr da -mit dem Rest der Zigarre, der unter seinem versengten Schnurrbart her­vorragte. Ich sehe ihn jetzt noch vor mir mit seinen erstaunten, wütenden Augen und dem langen, schmalen, bestürzten Gesicht- Endlich fand er Worte. Ich habe stets gesagt, daß die Engländer in Wirklichkeit gar nicht so phlegmatisch und wortkarg sind, wenn man sie erst aufgerüttelt hat. Kein Mensch hätte lebhafter reden können ass dieser Oberst. Lady Jane hielt sich die Ohren zu.

Hören Sie auf, hören Sie auf, Oberst Berkeley!" sagte Lord Dacre, Sie vergessen sich. Es istne Dame im 3immer."

Der Oberst machte eine steife Verbeugung.

Würden gnädige Frau so ftenudlich sein, einen Augenblick hinauszugehen," fuhr er fort,ich möchte diesem verfluchten kleinen Franzosen sagen, was ich von ihm und seinen elenden Scherzen halte."

Ich fühlte mich erhaben in jenem Moment, ich ignorierte feine Worte und achtete nur auf seine grenzenlose Wut.

Sir," sagte ich bann,ich bitte Sie freimütig um Ent­schuldigung wegen dieses unglücklichen Zufalls. Ich hatte das Gefühl, daß ich, wenn ich meinen Schuß nicht abgäbe, der Ehre des Lord Dacre zu nahe treten würde, und ich konnte doch un­möglich nach den Bitten dieser Dame auf ihren Gemahl zielen. Ich sah mich also nach einem anderen Ziel um und hatte das furchtbare Mißgeschick, Ihre Zigarre abzuschießen, während ich die Absicht hatte, nur die Asche abzustreichen. Die Schuld liegt an der Pistole. Das ist der Sachverhalt. Sollten Sie aber trotzdem noch weitere Genugtuung von mir wünschen, so werde ich Ihre Forderung selbstverständlich nicht abschlagen."

Ich hatte entschieden eine großartige Haltung angenommen und gewann aller Herzen. Lord Dacre kam auf mich zu und schüttelte mir die Hand.Bei Gott," sagte er,ich hätte nie geglaubt, einen Franzosen so schätzen zu können, wie ich Sie 'chätze. Sie sind ein Mann und ein Ehrenmann, das muß ich agen." Lord Rufton sprach kein Wort, aber sein Händedruck ägte mir, was er dachte. Selbst Oberst Berkeley machte mir ein Kompliment und erklärte, nicht weiter an die unglückliche Zigarre denken zu wollen. Und sie ach, wenn Sie diesen Blick gesehen hätten, mes amis, welchen sie mir zuwarf, die er­röteten Wangen, die feuchten .Angen, die zitternden Lippen! So oft 'ich an meine Lady Jane denke, stelle ich sie mir in diesem Moment vor. Sie hatten mich- gerne zum Essen dabehalten, aber Sie werden einsehen, Messieurs, daß es nicht die geeignete Zeit war für Lord Ruston und mich!, in Gravel Hanger länger zu verweilen. Wir ließen das wiederversöhntc Paar allein. Zm