Ausgabe 
6.1.1913
 
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Meta selbst blieb nur eines in deutlicher Erinnerung von diesem ersten Besnch bei den Eltern.

Frau Martha hatte zu ihrem Gatten, während sich Meta wieder zum Fortgehen rüstete, gesagt:

Geh mit ihr, Theo Du bist heute um Deinen Spaziergang. gekommen durch mein dummes Unwohlsein, bitte, bitte, gehe ein wenig an die Luft, ich brauche ja wirklich gar nichts . . . auch sind die Kinder hier!"

Mer der Professor wehrte fast entrüstet ab.

Willst Du mich schon wieder fortschicken? Glaubst Du, wenn ich mal krank wäre, ich ließe Dich fort? Keine Spur! Das wäre noch schöner, wenn wir einander nur Gesellschaft leisteten! Nein, meine Liebe, wir gehören zusammen, und wenn eins krank ist, daun erst recht! So wenigstens denke ich es mir und darum i vir ft Du mich nicht los."

Darauf antwortete Frau Martha nichts mehr. Mer ein stilles Lächeln blieb auf ihrem Gesicht und ein geheimes Leuchten stand ihr im Auge.

Meta mußte immer' daran denken. Und sie wollte eigentlich nicht. Sie wollte es vergessen. Denn sie kam sich seitdem sehr arm vor im Vergleich zur Mutter. . ,

Unten fuhr ein Wagen vor. Liebe, bekannte Stimmen erklangen im Flur. Meta eilte hinaus'.

Herta Isa! Endlich haben wir uns wieder!" Ganz aufgeregt, war die junge Frau ihren Freundinnen behilflich, sich auszuschälen.

Hilf, Himmel!" lachte sie dann, als sie beide in ihren lichten Seidenblusen vor ihr standen.Was seid Ihr schön geworden, Mädels! Ihr guckt ja ganz verklärt drein!"

Ach, Meta Du weißt ja auch noch nicht wir haben Dir so viel zu erzählen!"

Alles weiß ich!" Meta schloß Isa in die Arme und zog sie in das Boudoir hinein.Daß Du Braut bist, daß er Ingenieur ist beim Stadtbauamt und daß Du nächstens heiraten willst! Meinen innigsten Glückwunsch, Herz"

Ei, noch lange nicht alles weißt Du! Denke nur, auch bei Herta wird's jetzt Ernst! Ihr Adolf hat eine Stelle am Werderschen Sanatorium bekommen und heiratet sie schon in vier Wochen. Und ich und Rudolf haben be­schlossen, am gleichen Tage Hochzeit zu machen . . ."

Nun, das wird ja köstlich sein! Eine Doppelhoch­zeit! Ganz G. wird auf den Beinen sein, um die Renner­mädchen im Brautkleid zu sehen!"

Ihr kommt doch auch dazu, Du und Dein Mann?" fragte Herta.Wir rechnen bestimmt darauf!"

Wenn Ihr uns haben wollt mit tausend Freuden. Kranzeljungfer kann ich leider nicht mehr sein ivem wird denn dieses Ehrenamt übertragen?"

Bei mir werden meine zukünstigu Schwägerinnen Elsa und Berta Malchow Kranz elf uu-gwrn sein und bei Isa eine junge Amerikanerin Mabel Watson eine zweite sucht sie noch. Du übrigens Berta Malchow ist auch Braut"

Wie die kleine Berta?"

Von Frühling ;u Frühling.

Montag, den 6. Ianua^

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Roman von Erich Eben st ein.

(Nachdruck verboten.)

(Fortsetzung.)

Am anderen Tag, Punkt 12 Uhr, fand die Trauung in der Hof- und Domkirche statt. Abends reiste das junge Paar nach Nizza ab.

Meta Petermanu erwartete ihre Freundinnen Herta und Isa szum Tee. Es war das erste Wiedersehen nach ihrer Rückkehr von der Hochzeitsreise.

Sie war dort gewesen, als sie die Eltern besuchten, aber die Rennermädchen waren nicht zu Hause. Meta er­fuhr als neueste Nachricht von der langjährigen Wirtschaf­terin bei Renners, daß sich am Abend zuvor nun auch Isa verlobt hatte.Er" war ein junger Bauingenieur, vom Stadtrat angestellt, mit etwas eigenem Vermögen, und wollte so rasch als möglich heiraten.

Meta hinterließ die Botschaft, daß sie die beiden Schwestern am folgenden Nachmittag zum Tee erwarte. Man wolle lieber gar nicht mit kürzen Etikettbesuchen be­ginnen, sondern gemütlich, wie einst, zu längerem Plausch Mfammenkommen.

Nun saß sie in einem hocheleganten Teagown in ihrem Boudoir neben dem gedeckten Teetisch und wartete.

Draußen rieselte ein kälter Oktoberregen eintönig nieder. Die Fensterscheiben waren angelaufen nnb in dem weißen Marmorkamin glimmten bloß der Gemütlichkeit halber == denn eigentlich war ja im ganzen Haus Luft­heizung ein paar Buchenscheite.

Es sah wirklich gemütlich aus trotz aller Vornehm­heit. Die vielen Blumen überall, die behaglichen niedrigen Polstermöbel, das Plaudereckchen am Kamin mit dem weißen Fell und die mattrosa Azaleen, in denen das Licht glühte ja, gemütlich. . . und- doch . . .

Meta stand auf und ging unruhig im Zimmer auf und ab. Sie dachte an daheim. Sie hatte Mama bei ihrem gestrigen Besuch im Bett gefunden. Nur eine leichte Er­kältung mit Kopfschmerz.

Der Professor, Elfriede und Otto saßen im Zimmer. Dort gab es weder Kamin noch elektrisches Licht und die Möbel waren schon recht abgenutzt. Aber es war Meta beim Eintritt gewesen, als müsse sie jedes Stück mit Entzücken umarmen.

Je länger sie dann dort saß, desto deutlicher hatte sie das Gefühl eines Menschen, der lange im Schnee gestanden hat und nun langsam am warmen Ofen auftaut.

Vielleicht zum allerersten Male im Leben wurde sie sich bewußt, was das Wortdaheim" bedeutete.

Sie freuten sich so herzlich über ihr Kommen! Jedes Wort von ihr hatte dort Bedeutung, jede Kleinigkeit, welche sie betraf, erregte bei den Ihren Interesse.