Ausgabe 
5.11.1913
 
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Vermischte».

fc. Der verprügelte Minister. In den ersten No- veni^crtngcn bcd Jahres lbe>3, gerade vor 60 Zähren, machte bnui) die TagesVlätter eine Nachricht die Runde, in der zu leien war, daß der gefürchtete Kurhessische Premicrmimster Hassenpflug am Wend des 4. November auf dem Friedruusplatz in Kauet von dem Schwiegersohn des Kurfürsten, dem Grafen Ferdinand Maxi­milian zu Yseuburg und Büdingen in Wächtersbach, Chef der Wächtersbacher Linie und damals Standesherr in Kurheuen und dem Großherzogtum Hessen, durchgeprügelt worden sei.

Die Veranlassung dazu war folgende: g,:e Gemahlin des Grafen war die älteste Tochter des Kurfürsten Friedrich Wilhelm 1. von Hessen, die mit ihren Geschwistern den Rainen einer Gräfin von Schaumberg führte. Sie war mit ihren übrigen Geschwistern am 2. Juni 1853 zu einer Prinzessin von Hanan erhoben worden. Der Graf Ysenburg strebte nun danach, auch gefürstet zu werden, zumal die Birsteiner und die Büdinger Linie des Hauses Yttu- burg von dem Gros-Herzog Ludwig II. von Hessen ebenfalls in den Fürstenstand erhoben worden waren. Dieser Rangerhöhung des Grafen Ysenburg hatte Hassenpflug Widerstand entgegcuge- feht und er hatte auch den Ankauf des Mainschloftes nt Frank­furt a M von den Erben des verstorbeneil Llurfürsten Wil­helm II. hintertrieben. Gelegentlich einer Hofjagd am st. No­vember 1853 wurde dem Grafen Ysenburg das Treiben Hauen­pflugs hinterbracht. Er nahm während des Jagdfrühstucks Ge­legenheit, nicht allein gegen dieses Gebühren des Premierministers, sondern auch gegen seine ganze Regierungsmethode, die Gesetz und Recht verachte, gewaltig vom Leder zu ziehen. An dem am feibeit Tage stattfindenden Abendessen setzte der Graf ferne An­griffe gegen Hassenpflug fort, sodaß Oberjägermeister Ferdinand v Baumbach es für geraten hielt, den Preniierminrster vor dem Grafeii zn warnen. Hassenpflug war aber bereits in das Hof­theater gegangen.Der Liebesbrief" vonBenedix rindDie Kunst, geliebt zu werden" von Gumbert tvurden gegeben. Nachdem das Stricr bereits begonnen, begab sich auch Gras Isenburg in das Hoftheater, nicht um der Vorstellung auzuwohnen, sondernder ließ durch einen Logenschließer Exzellenz Hassenpflug herausrufen und bat ihn, mit auf den Friedrichsplatz zu gehen. Der Minister folgte Als beide das Theater verlassen und die Königstraße über­schritten, schlug der Graf heftig auf Hassenpflug ein, indem, er zu ihm sagte:Sie haben mich gröblich beleidigt." Ter Premier­minister schrie aus Leibeskräften um Hilfe. Passanten kamen her­beigeeilt, doch als Graf Ysenburg den zu Hilfe Kommenden zu- ries:Ich bin der Graf Ysenburg und verhaue den Hassenpflug , machte sich das Publikum aus dem Staube. Ter Graf ließ erst von seinem Opfer ab, als sein Stock zerbrach, und der Minister wurde blutend nach Hause getragen. . r

Der Gemahlin des Grafen, die sich auf Schloß Wächtersbach aushielt, rind der gleichzeitig mit der Kunde von dem Vorfall auch unterbreitet wurde, daß der Kurfürst eine Untersuchung vor­dem Oberappellationsgericht eingeleitet habe, war es vor allem nur darum zu tun, ihren Gemahl, dieser Untersuchung zu entziehen. Sie beauftragte deshalb den K«mmerdirektor Wilkens,, den Forst­meister Kayser und den Medizinalrat Bonhard, den Grafen, der von Kassel aus die Reise nach Wächtersbach mit der Main-Weser Bahn angetreten hatte, in Langgöns, der damaligen Endstation der Main-Weser Bahn von Frankfurt a. M. aiis, zu ermatten und ihn schleunigst über Franksiirt a. M. nach Jllenau m Baden in die Heilanstalt zu überführen. Die Beauftragten entledigten sich im Gasthaus zur Plast in Langgöns ihres Auftrages und wußten den Grafen zu bereden, dem Plan der Gräfin zu folgen.

Als der Zug eben den Main-Weser Bahnhof in Frankfurt Verlassen hatte, erschien der preußische Gesandte am Bundestag, v. Bismarck, am Bahnsteig und erkundigte sich nach dem Unfall. Er bekam durch die beiden zurückgebliebenen Begleiter des Grafen Aufschluß uujd ließ bei seinen Reden initeinfließen, daß er es nicht billige, diese Prügelszene durch Geistesgestörtheit zu bemänteln. Ueberhaupt war aus seinen Aeußerungen ein Einverständnis mit der Tat des Grafen,Ysenburg zu entnehmen. Die Untersuchung wurde kiirz darauf eliigestellt.

Am 18. Oktober 1855 erhielt Hassenpflug seine Entlassung. Graf Ysenburg wurde 1865 gefürstet. Das Mainschloß aber gelangte in andere Hände und sein schöner Park wurde aufgeteilt.

kf. In Deutschland zurNachahin ung empföhlen. In London hat, wie von dort berichtet wird, verstossenen Donners­tag eine Versammlung derUniversal Cookery and Food Asso- ciatim stattgesunden hat, an der die hervorragendsten Kochkünstler der englischen Hauptstadt teilnahinen. In einem Vortragenden dieser sachkundigen Versammlung der Direktor Hermann Sonn über das moderne Tiner gehalten hat, kanr er auch aus die noch heute in England, ivie auch sonst in der ganzen Welt verbreitete Un­fi fte der französischen Fremdwörterei zu sprechen. Er machte hier­über einige einsichtige und besonnene Bemerkungen, die allen deutschen GasthofZleitern und Speisekartenschreibern nur dringend empfohlen werden können. Hochklingende und pompöse Speise- bezeichmmgen, wie sie die französische Küchensprache liebt, sagt er, sollten von den Speisekarten verbannt werden, um so mehr, da es beinahe für jedes Gericht einen einfacheren, ausdrucksvolleren

Namen in der betreffenden Landessprache gebe. Nur wenige Speise­namen, die aus einer Zeit stammen, als französische Sprache und Küche noch allgemein als alleinseligmachendes Evangelium gegolten habe, seien, da sie sich völlig eingebürgert hätten, schwerlich zu be­seitigen. Sonn führt den großen Anklang, den französische Speise- namen gefunden haben, im wesentlichen auch auf die schmeichlerische Unsitte der französischen Küche zurück, den belanglosesten, einfachsten Speisen hochtönende und vollkluigende Namen von Fürsten, Prinzen, Staatsmännern und Gelehrten zu geben. Diese Bezeichnungen seien aber durchweg abzulehnen, da sie. die Sache nie richtig bezeichneten oder auch nur andeuteten. Alan stehe einem solchen Namen wie einem Rätsel gegenüber. Es ist bemerkenswert, daß diese Erkennt­nis in England, das sonst in dieser Hinsicht nicht so empfindlich ist, ausgesprochen worden ist.

BiichertW.

Der Greis", die neue Cottasche Monatsschrift, der e3 so rasch gelang, sich eine hervorragende Stellung in der Reihe unserer deutschen Revuen zu schaffen, hat soeben ihr Novemberheft erscheinen lallen, das wiederum eine Fiille bedeutungsvoller Bei­träge umfaßt. War in dem Oktoberhesie ein Kapitel aus den Lebenserinuerungen des Grafen Zeppelin der Glanzpunkt des Dar- gebotenen, fo tritt in diesem neuen Hefte ein Briefwechsel von einzigartiger Bedeutung besonders hervor:Der Greii" veröffent­licht zum ersten Male die Iugendbrieie Kaiser Wilhelms I. aus den Jahren der Freiheitskriege! Sechzehn Jahre zählte Prinz Wilhelm, als er im Jahre 1813 mit ins Feld genommen wurden und was in den kommenden Jahren an Leid und Freud, an Zorn über das fremde Volk im Lande, an Jubel über den endlich er­rungenen Sieg das Jünglingsherz erzittern machte, das findet seinen ursprünglichen Niederschlag in diesen Briefen, die an den wenig älteren Freund und Vetter, den Prinzen von Oranien ge­richtet sind. Wunderbare Reinheit, tiefe Religiosität und glühende Vaterlandsliebe fprechen ans diesen Dokumenten eines Werdenden, der bestimmt war, als erster wieder die deutsche Kaiserkrone zu tragen. Neben diesen Briefen bringt derGreii" einen sehr fesseln­den Artikel Th. v. SosnoSkys, der zu der Frage:Wer ist Franz Ferdinand?" mancherlei ganz neue Aufschlüsse über diepolitisch« Sphinx" unserer Tage, den österreichischen Thronfolger gibt. Zur finanziellen und wirtfchafllicheu Kriegsvorsorge bringt General F. von Bernhard! eine Fülle neuer und wertvoller Anregungen, und Hans Rosenhagen wendet sich tapfer und streitbar gegen den Kunstfnobismus" unserer Zeit, der in Fremdtümelei schwelgt und der schlimmste Feind aller ehrlich schaffenden Künstler ist. Von den lyrischen Beiträgen möchten ivir Bruno Franks kraft­volle BalladeHerr Campbell" erwähnen und wer eine Probe echten, feinen Humors genießen will, dem fei Cito Stoesfls Er­zählungJohannes Freudensprung und der Pleister" empfohlen. Neben all dielen Beiträgen enthält das Novemberhest desGreif', das auch einzeln für eine Mark überall erhältlich ist, noch ein viel­seitigesTagebuch", Buchkritiken und manchen anderen wertvollen Artikel. -----------

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Schach-Ausgabe.

Schwarz.

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Weiß.

Weiß fetzt mit dem dritten Zuge Matt. Auflösung in nächster Nummer.

Auslösung des Diamant-Rätsels in voriger Nummert

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Wilna Wilhelm

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Redaktion: K. Neurath. - Rotationsdruck und Verlag der Brühl'fchen Universitätr-Buch- und Steindruckerei, R. Lang«, Gietzew»

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