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dem Ballplatz einen dicken Faszikel, der alles Wissenswerte über den Fall Jelinek enthält. Sonst ist "in Oesterreich Ignaz Jelineks Name so gut wie vergessen. In England aber gilt er noch heute für einen Pionier des britischen Handels, für einen tapferen Soldaten des Friedens, der ans dem Felde der Ehre gefallen ist.
Lin Bänkellied von Wilhelm Busch.
Im Juliheft von Velhagen & Klafings Monatsheften zeichnet Willy Rath, der einstige Willibald Rost her Münchener Scharfrichter, in knappen Umrissen eine Geschichte des Bänkelliedes, dessen Bedeutung längst nicht mit der M-oritat der Jahrmärkte von ehedem erschöpft ist. Im Gegenteil hat die Gattung nach und nach eine bemerkenswerte Verfeinerung erfahren. Bänkellied ist uns schließlich alles Volkstümlich-Sangbare weltlicher Art, sofern es irgendeinen Einschlag humoristischen oder satirischen, epischen oder dramatischen Wesens hat. Es umfaßt also ungefähr, das ganze Reich des eigentlichen Liedes mit Ausnahme des geistlichen und des int engeren Sinne lyrischen Gedichts tioit ungemischt inniger, nichtgeselliger Stimmung. Es ist und bleibt Gemeinschaftssache; was sich der Einsamkeit (oder auch der naiven Zweisamkeit), der himmlischen oder irdischen Andacht ergibt, gehört nicht dazu; ebensowenig Kinder-, Lob- und Bernfslieder, wenn sie nicht irgendwie über ihre nächste Bestimmung hinaus — erheiternd, anklagend oder einfach unterhaltend — sich an die Allgemeinheit wenden. Bänkellieder in unferm weitern Sinn sang man auch inmitten fröhlicher Kneiprunde oder Hochzeitsgesellschaft, in der Spinnstube oder zum Tanz —• bei manchen verrät das sogleich der betonte Rhythmus — gelegentlich wohl gar vor dem „©entert" einer Meistersingerzunft oder vom Gerüst einer Mysterienbühne herab; Bänkellieder sang man sich aber vom erhöhten Tritt der Musikanten und der Gaukler, von jenem bescheidenen Ansatz zur Schaubühne, der in Süddeutschland schon lange vor Erfindung des „Tingeltangels" das Brettl hieß.
Nach diesen Gesichtspunkten streift Rath durch unsre Literatur von Erzpoeteit bis Eichendorff und näher an die Gegenwart heran und teilt schließlich ein in weiteren Kreisen noch unbe- kamttes Gedicht von Wilhelm Busch mit, das ganz in den Ton der alten Moritat paßt. Es ist betitelt „Fürs Militär".
Rieke näht auf die Maschine, Nischke war beis Militär;
Dennoch aber ließ sie ihne Niemals nahe bei sich her.
„Wozu" — fragt sie oft verächtlich — „Wozu nützt mich der Soldat, Wenn man bloß durch ihn hauptsächlich Soviel hohe Steuern hat??" —
Einstmals ging sie nach dem Holze;
Nischke wollte gerne mit;
Aber nein, partu nicht wollt' se. Daß er ihr dahin beglitt.
Plötzlich springt aus dem Gebüsche
Auf ihr zu ein alter Strolch: Stiere Augen, wie die Fische, Kalte Hände, wie der Molch.
„Runter" — schreit er — „mit die Kleider;
Denn sie lebt in Ueberfluß;
Da ich ein Fabrikarbeiter, Der sich was verdienen muß!"'
Weinend fallen Jäck- und Röckchen«
. Zitternt löst sich der Turnür; Nur ein kurzes Unterglöckchen Schützt vor Scham und Kälte ihr, Aber jetzt da tönt es: „Halte!"• Und ein scharfer Säbel blunk. Anfgeschlitzt mit einer Spalte Floh sich brüllend der Halunk.
Dies "tat Nischke, der trotz allen Rieken heimlich nachgeschleicht, Die sich unter Dankesiallen Jetzt um seinen Hals verzweigt.
O, ihr Mädchens, laßt euch raten. Ehrt und liebet den Soldat, Weil er sonst vor seine Taten Nicht viel zu verzehren hat . . ;
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bk. Der Hofen streik der Mönche. Ein sonderbarer Streik ist soeben in dem Kloster Sankt Michael in Maikop im Kaukasus ausgebrochen. In dieses Kloster ist vor titrier Zeit ein neuer Abt eingezogen, der sich in der peinlich genauen Erfüllung der Klosterregeln und der Ordensvorschristen nicht genug tun konnte
Redaktion: K. Neurat h.
und der seinen Mönchen nicht nur die unschuldigsten Zerstreuungen und Bequemlichkeiten untersagte, sondern ihnen sogar die unbedingten Lebensbedürfnisse einschränken wollte. Neulich hat er dem versammelteil Konvent mitgeteiU, daß die Hosen, die die Mönche unter ihren Kutten trügen, nur die Fleischeslust und die menschlichen Schwächen anregten und daß er deshalb nur eine rauhe Unterkleidung von Sackleinwand geftatten werde. Die Mönche protestierten eilergisch gegen diese Vorschrift. Sie machten namentlich darauf aufmerksam/ daß das Kloster auf einem hohen Berg gelegen und allen Unbilden der Witterung und den Launen des kalten Windes ausgesetzt sei, weshalb sie die Hosen unbedingt zum Schutze ihrer Gesundheit branchteil. Aber der Abt blieb unerbittlich. Jetzt haben die Mönche beschlossen, in einen Streik zu treten. Sie verweigern bis auf weiteres die Morgen- und Abendmesse zu fingen, bis ihnen ihre geliebten Hosen ivieder zugestanden würben.
* Vom lustigen Onkel Sam. Zarter Wink Dichter: „Glauben Sie nicht, weit» ich eine meiner vier Balladen streichen würbe, daß ich damit den Akt verbessern könnte 1" Theaterdirektor: „Gewiß, uni fünfundzwanzig Prozent." — Verdienter Loh n. „Da leie ich in der Zeitung von einem alten Junggesellen in Ohio, der gestorben ist und sein ganzes Vermögen der Frau hinterlassen hat, die ihm einst einen Korb gegeben " „Und da sagt man noch, daß es keine Dankbarkeit in der Welt gäbe.” — Der w afjte Sherlock Holmes. Sherlock Holmes trat in das Zimmer und sah sich überall um. Die Bilder waren in Stücke geschnitten, die Stühle waren zerbrochen, der Tisch lag oben auf dem Flügel. Der Teppich schwamm in Blut. „Hier ist jemand gewesen,” folgerte er mit wundervollem Scharfsinn ans diesen Feststellungen. — Der Professor. „John," sagte die Gattin des Professors, „du wirft aber sehr vergeßlich. Weißt du, daß du mir die ganze Woche über noch keinen Kuß gegeben hast?" „Um Goites- ivillen!" erwiderte der Professor, ans tiefem Sinnen über ein schwieriges Problem auffahrend, „ich habe doch die ganze Woche über jemand geküßt Hast du eine Ahnung, wer das gewesen sein könnte ?"
Sprachecke des Allgemeinen Deutschen Sprachverein;.
* Lob der heißen Herzen. Da schelten sie uns Chauvi- nifteit, wenn wir an ihrer AusländereiAnstoß nehmen, da spotten sie über Deutschtümelei, wenn irgend ein kräftiges Wörtlein zum Lobe deutscher Art ihre empsindlichen Ohren trifft, da bezeichnen fie imä als Kleinigkeitskrämer, wemt wir unsere Sprache von dem Wüst vergangener Zeiten reinigen wollen. Laßt ench's nicht an- fechten! Ich lobe mir die heißen Herzen, die, wenn andere die Vorzüge fremder Völker rühmen, sichereisern für alles, was deutsch heißt: für deutschen Landes Schönheit, deutschen Volkes Herrlichkeit, deutscher Sitte Hoheit, deutscher Sprache Pracht und Sibel, Kraft und Fülle; ich grüße die wackeren Männer und Frauen, die, ihrer deutschen Art bewußt, sich's nicht aniechten lassen, wenn die Gegner sie schmähen, die Lauen und Gleichgültigen höhnen ober die Achsel zucken; die, ob auch ihr Herz blutet ob erfahrener Verkennung, doch ungebrochenen Sinnes, die Seele voller Hochgedanken, weiterjchreiten, weil sie wissen, daß noch immer der Sieg den heißen Herzen gehört hat. Denn nicht der rohe Stoff, sondern nur der Geist vermag das Antlitz der Welt umzugestalten. O, nehmt eS zu Herzen, ihr deutschen Volksgenossen, was der alte Sänger der „Offenbarung" in seltsam-fremdartigen und doch so eindringlichen Worten seinem Volke zugerufen hat: „Ich weiß deine Werke, baß du weder kalt noch warm bist. Ach, daß du falt ober warm wärest l Weil du aber lau bist und weder kalt noch warm, werbe ich dich ausspeien aus meinem Munde.”
R. Palleske (Landeshut i. Schl.).
ditatenrätfd.
Aus jedem der solgenden Zitate ist ein Wort zu nehmen, so daß sich ein neues Zitat ergibt:
1. Nichts Besseres weiß ich mir an Sonn- und Feiertagen
Als ein Gespräch von Krieg und Kriegsgeschrei.
2. Jeder freut sich seiner Stelle,
Bietet dem Verächter Trutz.
3. In großes Unglück lernt ein edles Herz
Sich endlich finden,.....
4. Was ist die Mehrheit? Mehrheit ist Unsinn;
Verstand ist stets bei wen’gen nur gewesen.
5. Du hast Diamanten und Perlen,
Hast alles, was Menschenbegehr!
6. Dachtet ihr, der Löwe schliefe, weil er nicht brüllte?
7. Nicht für die Schule, sondern für das Leben lernen wir.
8. War es immer wie jetzt? Ich kann das Geschlecht nicht begreifen.
Nur das Alter ist jung, ach! und die Jugend ist alt.
Auflösung in nächster Nummer.
Auslösung des Arithmogriphs in voriger Nummer: I'ippin — Heine - 31!e — Einte — Inn — Philipp — Pillen — Ili — Nil - Efie - Niel;
Philivpine n.
- Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießen,


