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her daß die alten Gerntanen blonde .Haare und blaue Augen batten und doch stellt m!an beispielsweise d-n Hunding in düN Walküren als schwarzen Gesellen dar! Warum!? Werl daher folgende Logik int Spiele ist: er singt her und ist bös, folglrch muß er schwarze Haare haben und tiefsingen, oder gar: er singt tief, folglich ist er bös, folglich m!uß er schwarze Haare haben und tief fingen. Erstens ist es ein Unding, daß Hunding als Germane mit schwarzen Haaren hernmlanst. Und zweitens: ist Hunding demr wirklich solch eilt Bösewicht, daß ihm! -eo ipso die modernen Attribute des Uebeltäters gegeöätt! werden müssen? Hunding ist innerlich roh, brutal, gewöhnlich, er ist konventionell. Protzig; seine Ehre geht, fowert dre allgemeinen Begriffe von «Ehre gehen, der gemäß handelt er. Uber er ist andererseits auch ritterlich, er ift offen und nicht feig. Und er ist anständig und vor ah ent konseguent. Und zum Teufel auch! Ist er nicht in gewissem Sinne .auch in fernem guten Rechte? Geht nicht sein kühner Gast, den er trotz der Todfeindschaft für die Nacht beherbergt, trotz aller Äastfreundschast mit seinem Eheweibe auf und davon! Und doch, trotz alledem: Hunding ist nach allgemeiner Ueberzeugung ein Bösewicht und wrrd deshalb mit schwarzem Haare dargestellt. !Trst am 24. Januar 1911 hat der erste blonde Hunding dre Bühne betreten, wie Kfitzner konstatiert. „Aehnlich ist ie§ Mit Fasolt und Fafner Fasolt ist „selbstverständlich" Hell, Fafner dunkles, getreu ihrer Charaktereigenschaften. Tas Gute und Böse soll hier mäl ganz ans dem Spiele bleiben. Aber ist nicht Fafner aus eben dem! gleichen Riesenstamme wie Fasolt? Ist er nicht auch! ein großer, blonder, dummer Riese? . . ~ ,
Bei Alberich, Mime, Hagen rsts eine ganz andere Sache; das sind keine Menschen, das sind Nachtalben, ausdrücklich Srchvarzalben. Deren Erscheinung kann auch dann nur die richtige Wirkung machen,' wenn sie die einzigen sind, die in dmer blonden, germanischen Welt schwarz aussehen. In Weichen, die schon mehr lauf historischer Boden stehen, ist es natürlich schwerer, den Maßstab von „Falsch" und „Richtig" anzulegen, als in der Urwelt der „Nibelungen". Denn hier könnte man schon Rassenmischungen amtebmen. Aber auch hier sollte man nicht sÜavifch sich an die althergekoiNmene Scheidung anklammern, sonderil iMmer nach dem inneren Grunde uud nach der Realität entscheiden, denn man kann schließlich „blondes Haar und blaue Äugen haben rind doch so falsch feilt, wie ein Punrer!' '
Vermischte».
K.-K. Wohin atmen ioir bie att§ geatmete Lu f t ? Selbstverständlich, so meint man, zurück in Die freie Luft, in die Atmosphäre. . . . Nun, so ganz selbstverständlich ist das nicht, obendrein ist es teilweise falsch. Wir ziehen bei jeder Einatmung Luft in die Lungen, bei ruhiger Atmung bei jedem Atemholen etwa 7, Liter. Sie muß dabei den Weg durch die Winkel und Ecken der Nase, des Rachens und der Luftröhre zurücklege». Beim Ausatmen ivird die verbrauchte Lust au? den Lungen gedrückt, aber natürlich nicht sofort in die Nußenlust, sondern zuerst in diese hohlen Luftwege. Sogar nach der tiefsten Ausalmung bleibt noch Luft, sehr viel Luft, etwa ein Liter, in der Lunge, weil eben, die Lunge nicht. völlig aiisgepreßt werden kann. Bei der gewöhn- lichen normalen Atmung bleiben sogar noch mehr al? l‘/2 Liter in den Lungen zurück! Diese zurückbleibende Luft ist natürlich schlecht und'für das Atmen ziemlich unbrauchbar. Der nächste Ätemzug bringt ein Liter frischer Luft, die sich mit dem schlechten Rest mischen mi>ß. Die Lungen sind also nie mit reiner Luft gefüllt! Reine Luft enthalten nur die obersten Luftwege, Nase und Mund. Am Ende der Ausatmung sind sie mit der Luftröhre voll schlechter, verbrauchter Luft. Beim Einatmen wird diese schlechte Luft zuerst wieder eingesogen und nur ein Teil der reinen Lust erreicht die Lunge. Die Lungen erhalten schlechtere Lust als Nase und Luftröhre. Weder Tier noch Mensch atmen also in Wirklichkeit ganz reine Luft. Ja, wenn die oberen Luftwege nicht da wären! Wenn die Außenlnft direkt in die Lunge strömen könnte! Aber das ist nicht angängig, weil die Lungen zu zarte Organe sind. Die Luft bedarf der Vorwärmung und der reinigenden Wirkung der Schleimhäute von Nase und Rachen, auf denen Staub und Bakterien abgetongen werden. Diese Aufgabe muß gelöst werden, aber gleichzeitig die andere: die Zufuhrwege möglichst kurz anzulegen, je kürzer, desto besser für die Versorgung der Lunge mit reiner Lust. Wäre die Luftröhre länger, so würden wir in die Luftröhre ausatmen, die ausgeatmete Luft würde gar nicht das Freie erreichen, beim Einatmen würden wir dieselbe verdorbene Luft wieder einatmen und müßten , ersticken. Prozessor Charles Richet bat Hunden ein weites Kummirohr von 2 m Länge luftdicht auf die Schnauze gefügt. Sehr ba.lb schon trat Erstickungsgefahr auf. Tas kann uns natürlich nicht überraschen, bie ausgeatmete Luft erreichte bas Freie nicht, bei der Einatmung hätte also nicht nur der ganze Inhalt des Schlauches, sondern obendrein noch genügend reine Lust eingezogen werben müssen, was eben nicht möglich war. Woraus folgt, daß die Menge der beim Atemholen bewegten Lust größer sein muß, als bas Fassungsvermögen der zusührenben Wege- lind weiter, ba bie Lunge sich in ihrer Größe nach dem Sauerstoffbedars des Körpers richtet, so
muß die Luftröhre sich wieder in ihren Ausmessungen yqch beiß Lungeninhalt richten. Weiter folgt daraus, daß, wenn plötzlich da» Bedürfnis des Körpers nach Sauerstoff vermehrt wird (z. B. nach raschem Laufen), daß bann, um das Bedürfnis zu befriedigen, alle anderen Rücksichten außer acht gelassen werden und bie Atmung durch Oeffnuug des Mundes verkürzt wird (Hunde l). Man versteht auch, warum die Idee, die schon öfters aufgetaucht ist, durch einen nach außen geleiteten Schlauch im Zimmer frische Luft atmen zu wollen, unsinnig ist. Man kann überhaupt nicht durch irgend einen Ansatz längere Zeit einatmen, es sei beim reiner Sauerstoff, der eben „konzentrierte" Luft darstellt. Nur manche Vögel können sich den Luxus einer sehr langen, ja in Schlingen gelegten Luftröhre erlauben, weil sie nicht nur die Lungen zur Atmung benützen, sondern große Vorräte von Luft in Luftfäcken auf- gespeichert haben.
* Neugeborene Hunde unb Katzen, wenn sie überzählig oder häßlich sind, soll man nicht leben lassen. Der Tod ist für solche Wesen immer das beste, aber es muß ein leichter Tod sein, keine Quälerei. Dann sind sie allem aus dem Wege. Sie werden nicht herumgestoßen, nicht geschlagen; sie brauchen nicht zu hungern und kömieii auch keinem grausamen Menschen in die Hände fallen, der sie zu Tode martert. Gebet diesen jungen Tieren, die ihr aus Mitleid töten sollt, einige wuchtige Schläge mit einem dicken Stück Holz auf das Köpfchen; davon sterben sie schmerzlos sofort. Werden sie ins Wasser geworfen, so müssen sie lange Zeit kämpfen, weil die kleinen Lungen vor der Geburt ohne Luftzufuhr auskamen und auch nachher ihrer nicht gleich so sehr bedürfen. Lasset jedoch diese Tötungen nie durch Kinder oder unzuverlässige, womöglich rohe Menschen ausführen.
ff. Ein gepökelte Babys. Die merkwürdige Sitte, die neugeborenen Kinder einzusalzen, soll sich noch heute bei einzelnen Völkern finden. Der seltsame Bruach scheint recht alt zu sein; schon die Bibel zeugt dafür, denn bet Hesekiel XVI, 4 heißt^es: „ . . . noch wurdest du mit Wasser abgewaschen, noch, mit Salz iabgerieben unb in Windeln gewickelt. . .", und dieses „Mitsalzabreiben" wird ausdrücklich als eine Wohltat dem Kinde gegenüber bezeichnet. Es handelt sich bei dem Einsalzen der Kinder um einen Glauben der Volksheilkuude, jedoch nicht, — was bei den bekannten konservierenden Eigenschaften des Salzes zu vermuten wäre — in wirklich medizinischem Sinne, sondern die magischen Kräfte des Salzes, die gegen Unglück und Zauberei schützen, wie der Glaube vieler Völker behauptet, soll habet in Wirksamkeit treten. Nach einer Arbeit über die „Bedeutung des Salzes in Sitte und Brauch der Völker", die der fanadifche Psychoanalytiker Dr. Ernest Jones (Toronto) jüngst in der „Imago" veröffentlicht hat, verwendete mau Salz zum Schutze der 9teugeborcnen gegen böse Dämonen und Einflüsse, inbent ntait ihnen entweder ein wenig auf die Zunge streute oder sic in Salz und Wasser tauchte; der Brauch war in ganz Europa feit frühester Zeit verbreitet und ging sicher der christlichen ^laufe voran; in Frankreich dauerte die Sitte, die Kinder bis zur trause, wo es nicht mehr nötig war, mit Salz zu bestreuen, bis 1408. Noch heutigen Tages (Jones führt dabei einen Bericht aus dem Jahre 1889 an) wird es in Holland in die Wiege des neugeborenen Kindes gelegt. Nach- mehreren Quellen findet sich die Sitte des Einpsökelns der Kinder heute noch bei den Armeniern Rußlands und bet einigen kleinasiatischen Berg stammen; bet diesen sollen die eingesalzenen Neugeborenen sogar 24 Stunden ober länger eingefallen liegen bleiben! Bei beit Armeniern ist das Einsalzen der Neugeborenen nach einer englischen Wochenschrift die Gelegenheit zu einem großen. Feste. Das neugeborene Kind wird gut mit feinem Salz eingerieben; so bleibt es etwa 5 Stunden lang liegen, und während dieser Zeit wird gesungen, geschmaust und getruitken. Die ganze Verwandtschaft der Eltern nimmt an dem Feste teil. Wer sein Kind lischt einsalzt, muß nach armenischem Glauben damit rechnen, daß das nicht Ein- gesalzte zeitlebens vom Unglück verfolgt wird.
Lharade.
Gar häufig wird jetzt das Erste genannt, Doch ist eS noch wenig dem Menschen bekannt. Das Zweite nennt dir einen Flächeitraum, Der Dritten Schar ist zu zählen kaum.
Nur Einen inmitten beS Reigentanzes Erkennst btt als unbewegliches Ganzes.
Und hast du hieraus einen Adler entfernt, So bleibt, was bet Tapezierer gelernt.
Auslösung in nächster Nummer.
Auslösung
des Diamant-Rätsels in voriger Nummer:
Bey D a l i n Celsius Seide S n r s
Redaktion: K. Neurath. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Sterndruckerei, R. Langem WießM»


