®af
»Liam
TZD' WK \
h'rJEO ÄHl
M
Zwei Welten.
Roman von Emma Merk«
(Nachdruck verboten.)
(Fortsetzung.)
11.
In dem angrenzenden Atelier war Grönberg seit dem frühen Morgen in unruhiger Erwartung.
Marianne von Flassan sollte zur ersten Porträtsitzung kommen .
Er Hatte Blumen geholt, um ihren Besuch zu feiern, Hatte immer wieder aufs neue kleinere Verschönerungen angebracht, die Decken malerischer drapiert, seine Studien umgehängt, die Base mit den Chrysanthemen bald auf freu Tisch, bald auf das Fenster gestellt, Er hatte selber Staub abgewischt, damit die Frauenaugen mir überall Hübsches, Wohlgeordnetes erblickten.
Die Stunden gingen ihm viel zu langsam vorüber, und zur Arbeit fehlte ihm alle Sammlung.
Als er einen Schritt auf der Treppe hörte, sprang er freudig auf.
Aber das harte, laute Klopfen enttäuschte ihn.
So geräuschvoll bat keine Dame, bat die Baronin gewiß nicht um Einlaß.
Es wurde ihm eiskalt auf der Stirn vor Enttäuschung, als er einen Dienstmann mit einem Billet eintreten sah.
Also eine Absage.
Er biß die Zähne aufeinander, uin nicht aufzuschreien vor Schmerz«, vor Zorn, vor Ungeduld.
Als er allein ivar, stöhnte er laut vor sich hin.'
Dann erhellte sich sein Gesicht wieder.
Diese Schrift sah ihr doch gar nicht ähnlich. Sv altmodische, plumpe Buchstaben. -
Run hatte er auch den Mut, den Umschlag gU öffnen. Mit freudigem Aufleven sah er die Unterschrift: Wolf Bernhobler.
Aber er wurde doch sehr verblüfft, als er die Zeilen las: >
„Sie brauchen das Porträt von meiner Adoptivtochter Hildegard nicht fertig zu Malen. Selbige hat mein Haus verlassen und ist A-n ihrem rechten Bater, den sie in Ihrem Atelier wiedergesehen Hat, weil er neben Ihnen wohstt, gegangen. Unter diesen Umständen verzichte ich blegreff- licherweis-e tauf ein Bild von ihr. Natürlich werde ich Ihnen Ohre bisherige Arbeit bezahlen, damit Sie nicht dadurch M Schaden kommen!"
„Donnerwetter! Nein, so Was!" rief er unwillkürlich. »Holst!"
Wo deshalb Hat er sie so angdslarrt!
• yitf nächsten Moment klopfte! er schon bei seinem W liernachbar Und trat Mit stastnendeul, fragendem Gesicht ent.
Hildegard sah noch blaß und verstört aus.
Sie lächelte wohl, aber mit großen, heißen Augen- unter denen Schatten lagen, Spuren der durchwachten: Nacht, der heftigen Gemütsbewegungen.
Ihr Bater hatte Mappen mit Zeichnungen vor ihr ausgebreitet und suchte sie Kl beruhigen und zu zerstreuen, ime ein krankes Kind, dem man Bilderbücher aufschlägt.
Holst ivar ganz verwandelt.
Mit freudiger Lebhaftigkeit sprang er auf, schüttelte Grönberg die Hand und stieß in seiner raschen Sprechweise, mit glückseliger Stimme hervor: »
„Meine Tochter, Grönberg! Fetzt darf ich's sagest! Sie ist meine Tochter! Sie fassen es nicht, daß der dlt*. finstere Graubart solch ein junges, holdes Ding Hat, nicht wahr? Bei Ihnen hab' ich sie neulich wiedergefundest. Das Herz stand mir ja still vor Schrecken! Sie habest mich Wohl für verrückt gehalten? Ich war's ja auch, verrückt vor Sehnsucht. Aber nun ist alles gut. Nun bleibt sie bei mir! Nun hab' ich mein Kind wieder!"
Roch immer ganz starr vor Verblüffung, blickte Grönberg auf die feine, junge Gestalt, die in ihrer tadeltosest Sauberkeit und Eleganz so merkwürdig von der verstaubten, kunterbunten Einrichtung abstach.
^,Jch War wie aus den Wolken gefallen, als ich eben einen Brief von Herrn Bernhobler bekam. Das ist ja wirtttch eine überraschende Wendung, gnädiges Fräulein! Ich hoffe, daß ich ihr Porträt fertig malen darf, obwohl Ihr Adoptivvater es nicht mehr wünscht," bemerkte er ziemlich verlegen. .
Und dann, von Schrecken durchzuckt, fragte er rasch:
i„Jch erwarte Frau von Flassan. Sie glauben doch nicht, daß — daß die Ereignisse sie äbhalten werden, mein Atelier zu betreten?"
Hildegard schüttelte verneinend den Kopf.
-,O nein, ich glaube nicht. Marianne tut, was sie sich vorgenommen hat, besonders, wenn sie dabei ihren Paul int Köpfe hat, wie bei ihrem Bild. Sie ist die eiitzige der Familie, die sich nicht ganz feindselig und verächtlich von mir abwenden wirb."
Holst strich ihr über die Wangen.
p,Jch will dich lieb haben für alle, die du verloren hast," sagte er mit seiner warmen Begeisterung.
h,Ja, hören Sie einmal, lieber Holst," fragte nun Grönberg, der sich allmählich etwas in der neuen Situation zurechtfand, „haben Sie sich denn auch überlegt, wo Sie Ihre Tochter unterbringen? Das gnädige Fräulein muß doch ein Zimmer haben. Sie toohnen ja doch nebenan in der häßlichen Kammer."
Holst schlug sich vor den Kopf.
^Allerdings, daran habe ich noch gar nicht gedacht. Es ist gut, daß. Sie mich erinnern. Die Kammer ist «nicht hübsch. Mer Hildegard faitn vielleicht hier im Melier auf dem Divan schlafen, tneinst du nicht, Kind? Ich gebe dir ja gerne Kissen und Decken. Mein Gott,


