Ausgabe 
5.4.1913
 
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samstag, den 5. April

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ffrsuenliebe.

Roman von Horst Bodemev« (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)

Das gab' ein schönes Hallo, als sich Hans-Wilhelm von Moreth zum ersten Male wieder im Kasino einfand.

Junge, bist du stark geworden!"

Hat mich auch ein schönes Stück Geld gekostet. Hab' Mich fast vollständig neu equipieren müssen."

Pvmmersche Kartoffeln schlagen an!"

Gott sei Dank, Herrschaften, und nun seid auf meinen Leibesumfang nicht eifersüchtig!"

Man lachte und trank ihm tüchtig zu.

Beerenburg und seine Schwadr onsvffiziere hatten ihn eingeladen, es war eine fidele Kneiperei. Beim Dienst am nächsten Morgen würde der Brummschädel schon rasch ver­gehen.

Hans-Wilhelm war es, als hätte er nur einen längeren Urlaub hinter sich; er ritt vor seinem Zuge öder stand in der Reitbahn mit demselben Pflichteifer, "den er ehemals gehabt.

Der jtene Kommandeur galt als scharf; so schlimm war es aber nicht; dem lief oft maleine Laus über die Leb!er", war die 'runter, war die Sache auch' erledigt. Für solche Menschen hatte Hans-Wilhelm immer etwas üb rig gehabt.

Bei Beeveüburgs war er sehr oft, täglich schrieb er an Goa, die Nachrichten, die er erhielt, lauteten fortgesetzt gut.

Eines Tages, gegen Mittag, bummelte er über dia Hauptgeschäftsstraße der Garnison, den Breitenweg. Auf einmal hörte er eine Stimme hinter sich.

Tag auch, Haus-Wilhelm!"

Er traute feinen Ohren nicht. Wahrhaftig der dicke Rotenbuchen!

Menschenkind,n Tag auch! Hast du dich wieder 'mal verirrt in das Nest unserer Jugendstreiche?"

Wie bn siehst, Laneelot."

So nannte er Hans-Wilhelm, nach dem Buben im fran­zösischen Kartenspiel.

Was machst du denn in deinem lothringischen Nest? Schiebst bn fleißig Starren?"1

Hat sich ausgeschvben."

,Jawoll, Hans-Wilhelm! Unb deshalb bin ich hier. Ich will nämlich rehabilitiert toerben"

Also ben Abschied nehmen und unsere Uniform wieder haben?"

Sehr richtig! Rittmeister z. D. mit dem' Koller sieht doch besser aus, als in der Fuhrjacke."

Wohl scheinst blt dich nicht gefühlt zu haben die letz­ten Jahre."

Man muh eben tragen, was mau nicht ändern kann. Uebrigens gratuliere ich dir zu deiner Verheiratung und zu dem Mädel."

Bißchen spät. Aber ich danke dir."

Du weißt, die Schreiberei war nie meine sharür Seite."-

Hans-Wilhelm lacht.Höchstens auf Wechsel."

Du das habe ich schon längst aufgesteckt!"

Sehr vernünftig. Ich auch. Aber nun sage bloßj warum willst du denn den Mschied nehmen?"

Gehen wir da in die alte räucherige Bude frühstücken, tote ehemals! Das Herumstehen fällt mir nach gerade schwer."

War nie deine Passion weiß ich."

Nee, auf meine alten Tage hat sich diese Abneigung auch nicht geändert."

Bei einer Flasche Mosel saßen sie bald in ihrer alten Ecke, mit Freuden begrüßt von dem Wirte. Er wüßte, Herr von Rotenbuchen und Herr von Moreth hatten immer eine gute Zeche gemacht.

Hat man mal Pech gehabt, kommt auch der Dusel wieder, wenn man hübsch aWarten kann", meinte Rotew buchen.

Das freut mich. Hast du dich etwa verlobt?"

Gott soll mich behüten nee! Stirbt da vor zwei Monaten urplötzlichn Vetter von mit in Ostpreußen, ganz jung noch, dreiundzwanzig Jahre alt, und ich werde über Nacht Majoratsherr!"

Sieh mal an!" ' .

Wert ist die Klitsche nicht allzu viel, aber sie lmrds mich dicken Kerl bequem tragen. Natürlich stecke ich schleu- uigst ben königlichen Dienst auf, denn langweiliger kann's in ber Pillkaller Ecke auch nicht sein, als an her französischen Grenze bei ben Knoblanchfressern. Die Bande, ich meine die Großgrundbesitzer an der russischen Grenze, ist aber ver­wünscht hochnäsig na, da möchte ich eben bei festlichen Anlässen gerne ben Koller tragen. Kannst du mir das ver­denken ?"

Hans-Wilhelm berührte diese Rederei nicht gerade auge- uehmJ aber er schwieg, weil er den dicken Rotenbuchen kannte; ber war in seinen Ausdrücken immer etwas drastisch gewesen. Er lenkte deshalb das Gespräch ab.

Was macht eigentlich der lange Kleiseubach?"

O je, dem gehts höllisch dreckig! Denke Dir, vor längerer Zeit schrieb ernen Brandbrief an mich aus Chi­cago ; dort war er entweder Kellner oder Hausknecht : ganz klug bin ich aus dem Herzensergüsse nicht geworden. Ich hab' ihm zweihundert Mark geschickt, mehr hatte ich beim besten Willen nicht übrig."

Der arme Start!"

Ach was, bedauern! Laneelot,ne Pflaume die vom Baume fällt, hängt kein Mensch wieder auf." Hans-Wilhelm schwieg und dachte sich feinen Teil. Sie beide waren auch beinahe vom Baume gefallen, nur ein gütiges Geschick hatte