jie davor Vewdhrt. Ob der dicke Rotenbuchen wirklich so fliichlich und herzlos ivür?
"Der riß ihn aus' seinem Brüten auf.
„Mo ivohnst du denn Hans-Wilhelm?"'
„In der Spiegelstraße — neben Beerenburg. — Und!
Du?" " , .
„gut Prinzen Eugen. — Heute mittag will ich ms Kasino kommen.""
„So sei mein Gast."
„Allerschönsten Dank, Lancelot."
Der Licke Rotenbucheri, den die meisten lange nicht mehr gesehen hatten, wurde ordentlich gefeiert. Morgen Wollte er dem Kommandeur persönlich seinen Wunsch vortragen,' das Offizierskorps mußte natürlich einstimmig einverstanden sein, sonst durfte sein Gesuch, die Uniform der Kürassiere nach der Verabschiedung zu tragen, nicht weiter-! gegeben werden.
„Herrschaften, wie stehts denn jetzt mit der J'eueref hier fragte Rotenbuchen nach der Tafel.
„Alle geworden", wurde ihm zur Antwort.
„Aber 'nen anständigen Skat wird- nran sich doch leisten können?"
„Daß du auch immer gleich die Karten zur Hand nehmen müßt; direkt krankhaft ist's von dir," meinte Hans-Wil- Helnr.
Rotenbu.cheu schüttelte sich vor Lachen.
„Menschenskind, wo hast denn du das Moralprcdigen gelernt?"
Solche Neckereien fielen Hans-Wilhelm immer auf die Nerven.
„Na ja, ’nen Skat spiele ich ja mit!"
Natürlich verlor Moreth. Je größer fein Pech wurde, um so mehr trank er, und als der Abend hereinbrach, schlug Rotenbuchen vor, bei ihm im Hotel ein kleines! Jeu zu entrieren.
Hans-Wilhelm wollte nicht mithalten, aber ein paar junge Leutnants waren bereit, mit dem' Rittmeister „eine Strähne abzuziehen".
„So komm doch wenigstens mit, Hans-Wilhelm, und sei kein Frosch!"
Und er ging mit, versicherte aber immer wieder", setzen würde er nicht. ■
Rotenbuchen sagte: „Na, so läßt du's bleiben! Interessant ist doch's Zusehen auch und 'nen Schluck wirst du doch wohl noch vertragen können!"
Er kannte den Freund besser. Hatte er ihn einmal in seiner Bude, dann setzte er schon.
Rotenbuchen hatte sich nicht verrechnet, als der Morgen tagte, war Hans-Wilhelm blank, rind viertausend Mark tu Ehrenscheinen schleppten seine Kameraden mit heim.
Was nützte ihm jetzt sein Zorn. Im stillen hatte er sich damals, als Eva krank geworden, Vorwürfe gemacht, daß er die Karten wieder zur Hand genommen, denn er war in erster Li'nie Schuld daran gewesen, daß die Nervenfieber bekommen. Und nun hatte er wieder einmal in einer Nacht mehr verspielt, als Moreth in einem ganzen Jahre nach Arbeit vom grauen Morgen bis zur sinkenden Nacht einbrachte.
Da verlor er den Halt. Auf keinen Fall durste sein Weib erfahren, was geschehen. Wie aber sollte er den Schaden heilen? Ein einziger Weg blieb ihm: solange weiterspielen, bis er seinen Verlust wieder herein hatte. Im Manöver: bot sich ja Gelegenheit dazu.
Ein Wucherer, der ihm schon früher oft geborgt, zeigte sich bereit, achttausend Mark gegen Wechsel, anständige Zinsen und Provision, so daß aus den acht- fast neuntausend wurden, zur Verfügung zu stellen.
„Kenn' ich doch den Herrn Baron. Er wird mich nicht int Stich lassen."
Der Mann hatte keine Angst, denn immer war das Geliehene zurückgezahlt worden, manchmal hatte er allerdings warten müssen, aber jebt hatte der Baron ja eine schwer reiche Frau.
Als Haus-Wilhelm heimfuhr nach seiner Hebung, befand ei' sich in ähnlicher Stimmung wie damals, als ihn Beerenburg auf die Bahn gesetzt hatte. Die Zeit hatte ein Heidengeld verschlungen, zwanzigtansend Mark waren flöten gegangen, aber nur auf ein Vierteljahr, länger auf keinen Fall.
Im Januar mußte er also das Geld zusammen haben. Wie das geschehen sollte, war ihm vorläufig noch schleier
haft. Keine Freude verspürte er, Weib' Und! Kind' wiederzufi sehen, sondern ein heimliches Bangen. Er fluchte vor sich hin, dachte nach und kam zu keinem Entschluß. Er, der vor dem Bilde seines Vaters gelobt, endlich ein Mann zu werden- war ein Jammerlappen geblieben, so stark nnd groß! und alt er war.
Da haderte er wieder einmal mit Gott und der Welt. -
*
Eva, die ungeduldig ihres Mannes Briefe erwartete- merkte sehr bald, daß ihn irgend etwas bedrückte. Metz herzliche Ton gelang ihm nicht mehr so gut, der Stil hatte oft was Gequältes. Und als das Manöver begann- kamen ans den verschiedenen Quartieren meist nur kurze Postkarten.
Seine Mutter schüttelte den Kops.
'„Er könnte mehr schreiben. Freilich, verwöhnt hak er mich ja in dieser Beziehung auch nie." 1
Eva versuchte ihren Mann herauszuredeu.
„Mm, Mama, er erlebt doch nichts, was mich interessiert, und die Uebungeu sind anstrengend; er wird oft todmüde sein."
Die alte Frau sah dann stumm vor sich hin und dachte sich ihr Teil. Ihren starken Jungen strengte der Dienst gewiß nicht übermäßig an.
Und Eva würde, es gewahr; ihre Sorge um .Hans- Wilhelm nahm von Tag' zu Tag zu. —
Auf dem Bahnhof erwartete sie ihn und wußte sofort alles. Sein Blick war scheu, in nervöser Haft erkundigte! er sich nach seiner Mittler und dem Kinde. Ruhig gab! ihm Eva Bescheid; er sollte erst wieder zu seinem Weibe Vertrauen fassen; das Weitere würde sich dann schon finden.
Der prüfende Blick seiner Mutter tat ihm weh. Ed ließ Drewel kommen, um mit ihm zu arbeiten.
Kaum hatte sich die Tür hinter ihm geschlossen, sagte die Mütter:
„Er hat wieder gespielt und verloren, Eva."
>A'ber Mama!"
„Ja, ja, ich kenne doch meinen Jungen!"
Eva tat ganz gleichgültig.
„Mm, so wird es eben bezahlt."
„Diesmal ist's viel!"
„Du siehst zu schwarz. Kann er nicht auch anderen' Aerger gehabt haben?""'
„Nein! Aber ich möchte dich bitten, Eva, quäle ihn nicht zu einem Geständnis'; er ist dann gleich so heftig."" So schwer es ihr fiel, Eva lachte.
„Die Mütter ist besorgter um ihren Sohn als ich um' meinen Mann!"
Ruhig entgenete Frau von Moreth:
„Gebe Gott, mein Kind, du lernst nie diese Angst der Mütter kennen.""
Da stand Eva auf und ging hinaus'. Die Mütter sollte nicht sehen, wie ihr die Tränen hochstiegen.
(Fortsetzung folgt.)
Fraktur oder Antiqua.
Auf dein- 9. Berbandstag der Hilfsschulen Deutschlands, der in Bonn abgehalien wurde, sprach der Kommerzienrat Friedrich So en necken über das Thema: „Ist für Schulneulinge im allgemeinen und Hilfsschüler im besonderen Fraktur oder Antigua zunächst geeignet?"" Dir geben den Vortrag im Auszug wieder:
Zur Beantwortung, der int Thema gestellten Frage ist die genaue Kenntnis der Schriftentwicklung nötig. Antiqua und Fraktur stammen ab von den Großbuchstaben des Volksstammes der Latiner. Im Laufe der Jahrhunderte erlitten diese Buchstaben verschiedene Veränderungen. Zuerst verwandte man die Großbuchstaben in verkürzter und schreibgeläufiger Form als Kleinbuchstaben, dann bildeten sich die romanischen Schristformen, die bereits durch ihre Undeutlichkeit der Schrift schadeten. Die unheilvollste Veränderung erhielt die Schrift durch den Einfluß des gotischen Baustils: Tic Großbuchstaben gestalteten sich unter seiner Macht allmählich zu komplizierten Bildern, deren' Bedeutung oft nur erraten werden konnte. Die Buchstaben sollten mehr sein als Schrift, sie sollten Ornamente sein. Die Deutlichkeit der Schrift wurde also dem ornamentalen Bedürfnis der Architektur nuter- georduet. Zufolge schnelleren Schreibens wichen die gotischen Buchstaben immer mehr von ihrer ersten Form ab. Diese sehr willkürliche Schrift wurde landesüblich und von der Mitte des 15. Jahrhunderts ab in den verschiedensten Spielarten bei uns allgemein jur den Buchdruck verwandt. Dir kennen sie unter dem Namen „Fraktur". Nebeu der Fraktur benutzte man anfangs


