Ausgabe 
5.3.1913
 
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ferner die Engländer Saunder intb Turner, letzterer Direktor der Sternwarte in Oxford, die Amerikaner Newcomb in Washington Nnd SB. Pichering in Cambridge, und endlich der Oesterreicher Weis, in Wien. Besonders sahen ihre Lebensaufgabe in dem i9n(etnftubiuin1 des Mondes Loewy, der auch Präsident der Kont- Nltssion wurde, Puiseux, Franz und Saunder, während die anderen nur zeitweise diesem Studium oblagen. Doch bald nach der Bildung dieser Kommission starb Moritz Loewy am 15. Oktober 1907, dann Newcomb am 11. Juli 1909, im Januar dieses Jahres Saunder, und im Februar Franz. Durch diese Todesfälle hat die Mondforschung ohne Zweifel einen schweren Schlag erlitten, Um so mehr noch, als bisher wegen der Vorarbeiten die Kommission noch nie hat zusamMentreten und etwaige Beschlüsse fassen können.

Bon den größeren Planeten zieht Merkur int Sternbilde der Fische, er erreicht am 11. die größte Elongation (18° 19), und ist dann einige Tage kurz nach Sonncnuntergaiig sichtbar, tritt am.1,28. in untere Konjunktion mit der Sonne, und ist wieder Unsichtbar. Venus irrt Sternbilde des Widders ist noch Abeitd- stern und strahlt Mitte des Monats im größten Glanze, der am 19. sein MaximUm erreicht. Am 4. ist sie in Sonnennähe, am 26. in größter nördlicher heliozentrischer Breite. Sie geht erst gegen 10 Uhr abends unter. Mars wandert ans dem Stern­bild des Steinbocks in das des Wassermannes, geht etwa eine Stunde vor der Sonne auf und bleibt in der Morgendämmerung verborgen. Jupiter steht iml Schützen, geht anfangs gegen 4 Uhr, am Ende kurz nach 2 Uhr morgens auf, und ist am Ost- hiMmel vor Sonnenaufgang zu beobachten. Saturn, der nur langsam rm Stier seinen Ort verändert, kann fast den ganzen Monat hindurch noch bis gegen Mitternacht beobachtet werden.

Der Sternhimmel zeigt uns am 1. März um 10 Uhr abends, tort Monatsnntte um 9 und gegen Ende nm 8 Uhr abends, int Meridian über dem südlichen Horizont das durch wenig Helle Sterne ausgezeichnete Sternbild der Wasserschlangc; bent Zenit erscheinen die westlichen Sterne des großen Löwen dicht am Meridian, dann die Sterne des großen Bären, und nach dem nördlichen Horizont ^zu der Polarstern, znM Sternbilde des kleinen Baren gehörend. Nur wenig über dem nördlichen Horizont schneidet deii Meridian die Milchstraße, die in einem nach Osteil geöffneten Bogen sich über die Westhälftc des Sternhimmels hiiizieht. Zwischen ihr und dem Meridian, von Süden aiifangeitd, besindet sich das Sternbild des kleinen Hundes mit Prokyon als hellstem Stern, ^ordlich davon, dort, wo in der Milchstraße eine große dunkle Stelle sich befindet, liegt das durch seine beiden fast gleich Hellen Sterne, Castor und Pollux, leicht erkenntliche Sternbild der Zwillinge. Ueberschreiten wir die Milchstraße, so sehen >vir den Stier mit dem rötlich glänzenden Aldebaran, den Sternhaufen der Plejaden, die sich bereits zum Untergänge rüsten. Sie und die nicht weit Von ihnen auch noch zum Sternoilde des Stieres gehörenden Hyaden zeigen selbst in den kleinsten Fernrohren ein reizendes Bild von der großen Menge kleiner und kleinster Sternchen, die hier auf einem kleinen Raum zufammengedrängt erscheinen. Nach Sudwesten zn sehen wir Orion, hier sind int nördlichen Teile dieses Sternbildes Beteigeuze und Bellatrix die beiden hellsten Sterne, iM südlichen Rigel; zwischen beiden befinden sich die drei Hellen Gürtelsteruc, voll denen aus einige schwächere fast gradlinig nach Unten verlaufen. In dieser Gegend befindet sich auch der nach dem Sternbilde benannte Nebel. Unterhalb des Orion glänzt der hellste Fixstern der bei uns sichtbaren Sterne: Sirius int großen Hunde. Jin Südostquadranten trifft man auf keine be­sonders Markanten Sternbilder: am Horizont die schwachen Sterne des Raben. IM Südosten erhebt sich allmählich die Jungfrau mit der lehr hellen Spica, von der aus die Sterne des großen Löwen die Fortsetzung in der Ekliptik zu den Zwillingen vermitteln. rM Nordostquadranten trifft man über dem Horizont, immer hoher und höher heraufkommend, zunächst den Pootes mit Ark- turus, ihm folgt das Sternbild der Krone, einen Halbkreis bildend; uackr dem Scheitelpunkt zu führen dann die Sterne des Bären, wahrend unweit der, Nvrdsüdlinie, aber östlich von ihr, der kleine Bar und das langhinziehende Sternbild des Drachen uns wieder

,Dr5?lt führen, wo gerade Wega ausgeht und am ,/Endc" der Milchstraße das der Gestalt eines Kreuzes ähnelnde Stern­bild des Schwanes aufzugehvn int Begriff ist. Am Rordwest- qiiadranten, in der Milchstraße, trifft man endlich die Cassiapeja, unverfehlbar wegen ihrer M-Gestalt, und auf einige Sterne int großen und ganzen meist wenig bekannter Sternbilder.

Abenteuer der Brigadier Gerard.

Bon C. D o y l e. MiesichdcrBrigadicrbeiWaterlooauszcichnete. > (Fortsetzung.)

Ich ritt nach der Art Napoleons mit eingezogenem Kopfe, und ich wagte nicht, mich nmzudrehen, weil ich fürchtete, sie könnten meinen Schnurrbart sehen. Ich hatte den Kragen des grauen Mantels in die Höhe geschlagen, um ihn lvenigstcns teil­weise zu verbergen. Demr auch jetzt konnten sic, wenn sic ihren Irrtum entdeckten, noch n in kehr en und den Wagen einholen. Mer als wir erst wieder auf der Straße waren, konnte ich an dem Dröhnen des Hufschlags hören, wie ineit sic von mir ab waren, und es kam mir vor, als. oh er merklich hauttr würde, und sic

mir langsam Näher rückten.- Wir ritten den steinigen, ausge-- fahrenen Weg hinan, bet von der Furt ausgiirg. Ich guckte ganz vorsichtig unter meinem Arm durch und merkte, daß mir haupt- sachlrch von einem einzelnen Reiter Gefahr drohte, der seinen mltnV')'v>cn weit voraus war. Es war ein Husar, ein sehr zierliches Burlchchen, auf einem großen, starken Rappen, und sein geringes Gewicht hatte ihn an die vorderste Stelle gebracht. Es ist dies etn Ehrenplatz, aber auch ein gefährlicher Platz, wie er bald er­fahren sollte. Ich befühlte die Halfter, aber zu meinem Schrecken waren kerne Pistolen drin. In der einen steckte ein Feldstecher, und dre andere war mit Papieren vollgestopft. Mein Säbel war bei Violette zurückgeblieben. Hätte ich nur meine Waffen und meine kleine Stute gehabt, dann hätte ich mit den Kerlen schon fertig werden wollen. Doch war ich nicht gänzlich unbewaffnet. Der säbel des Kaisers hing am Sattel. Er war 'gekrümmt und ziemlich kurz, der Knaus mit Gold ausgelegt ein lJnstrument, das besser als Zierat bei einer Parade als zur Berteidigung für einen Doldaten paßte, der sich in Todesgefahr befand. Ich zog ihn, wie er eben war, und wartete, wie's geheii würde. Der Husschlag kam mit jedem Augenblick näher. Schon hörte ich das Schnaufen des Pferdes Und die Drohrufe des Reiters. Der Weg machte eine Biegung. _ Als ich jenseits war, riß ich meinen weißen 'rum und befand mich dem preußischen Husaren von An­gesicht zn Angesicht gegenüber. Er ritt zu rasch, um halten zn können, und seine einzige Aussicht bestand darin, mich nieder­zureiten. Wenn er das getan hätte, würde er zwar selbst den Tod gefuiiden, aber gleichzeitig auch mich und mein Roß derartig verletzt haben, daß mir alle Hoffnung auf weitere Flucht ver­gangen wäre. Aber der dumme Kerl tvich aus, als er mich warten sah und flog rechts an mir vorbei. Ich beugte mich über den Hals meines Arabers und stieß ihm mein Paradeschwert in die Seite. Es muß eine ausgezeichnete Klinge gehabt habeii und so scharf wie ein Rasiermesser gewesen fein, denn ich fühlte kaum, wie 's eindrang, und doch war's bis drei Zoll (Vom Knauf rot von feinem Herzblut. Sein Pferd galoppierte weiter, und er hielt sich noch ungefähr hundert Meter weit int Sattel, bis er vorn­über sank undrunter stürzte. Ich war seinem Pferd gleich auf den Fersen gefolgt; der ganze Zwischenfall, den ich eben erzählt habe, hatte nur ein paar Sekunden in Anspruch ge- nommeu.

Ich hörte das Wut- und Rachegeheul feiner Kameraden, als sie an ihm vorüberkameu, und idji mußte wirklich lächeln, wenn ich dran dachte, für was für einen guten Reiter und Fechter sie beit Kaiser halten mußten. Ich blickte mich wieder um, so vor­sichtig wie vorher, und sah, daß keiner von den sieben anhielt. Tos Schicksal, ihres Kameraden wollte nichts bedeuten gegen die Erfüllung ihrer Mission. Sie waren so unermüdlich und un­barmherzig wie Schweißhunde. Aber ich hatte einen guten Vor­sprung, und mein guter Araber lief immer noch vorzüglich. Ich wähnte mich schon sicher. Und doch kam in biefem selben Augen­blick gerade meine größte Gefahr. Der Weg teilte sich, und ich wählte den schmäleren, weil er mehr Rasen hatte und da­durch den Hufen einen weicheren und bequemeren Untergrund bot. Nun stellen 'Sie sich meinen Schrecken vor, Messieurs, als ich durch ein Tor geritten war, und mich in einem großen Bauern­hof befand, der ringsum' durch Stallungen und Häuser geschlossen war, und aus deut es feinen Ausweg gab, als den, auf dem ich ebenreingekomMeil war! Ja, meine Freunde, wenn mein Haar jetzt schneeweiß ist, so ists wahrlich kein Wunder nach dem', tvas ich'durchgemacht habe!

Zurückreiten war ausgeschlossen. Ich hörte die Preußen den Weg hcrsprengen. Ich sah mich um, und die Natur hat mich mit jenem schnellen Blick ausgestattet, der das erste Erfordernis jedes Soldaten, gbcr ganz besonders eines Kavallericführers ist. Zwi­schen einer langen Reihe Ställe und dem Wohnhaus befand sich eine Einfriedigung für Schweine. Dieser Watz war vorne vier Fuß hoch mit Brettern vierschlagen und die Rückwand bildete eine Mauer, die etwas höher war. Was dahinter lag, konnte ich nicht sehen. Der Raum war nur wenige Meter breit. Es war ein Verzweifeltes Wagnis, aber ich mußte es drauf ankommen lassen. Der Husschlag wurde mit jedem Augenblick stärker, die Feinde stürmten heran. Ich drehte meinen Araber nach dem Schwcine- stall, er nahm auch den Verschlag sehr schön, kam aber mit den Vorderbeinen auf ein schlafendes Schwein und glitt vornüber auf die Knie. Ich flog über die Hintere Maner irnd fiel mit beit Händen gind dem' Gesicht auf ein weiches Blumenbeet. Mein Pferd befand 'sich nun auf der einen Seite der Mauer, und ich auf der anderen, und die Preußen int Hof. Doch ich war sofort wieder auf den ®einen und erfaßte über die Mauer weg den Zügel Meines Pferdes. Sic war aus losen Steinen errichtet, so daß ich leicht einigerausuchMeil und eine Oeffnung machen konnte. Als ich ihM 'zurief und mit dem Zügel einen Ruck gab, setzte daS brave Tier über die Bresche, und iml nächsten Moment stand es neben Mir, und ich im Steigbügel.

Als ich wieder int Sattel saß, kant mir eine heroische Idee. Die Preußen konnten, falls sie auch beit Weg über bcn Schweine­stall wählten, nur einzeln ko Minen, uub ihr Angriff konnte nicht allzu heftig werden, weil sic sich nach dem Sprung nicht erst erholen könnten. Warum sollte ich sic nicht ruhig erwarten und sie, einen nach deut andern, niedermachen, wenn sic über die Mauer kamen? Es war ein großartiger Gedanke. Sie sollten