Ausgabe 
5.3.1913
 
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Einer der eifrigsten Jäger und tollsten Spieler war Hans-Wilhelm. Man rechnete sicher aus ihn, wenn nach der Jagdhoch, bar und, hitzig" gespielt werden sollte. DaN war sein großer Fehler, er spielte hitzig, und meistens war er der Hauptleidtragende.

Im letzte): Manöver hatte er freilich einentollen Dusel" entwickelt, die verwegensten Schläge gelangen fast immer; da wähnte er, jetzt sei seine Zeit gekommen.

Und wo war die Gelegenheit günstiger, als tut offt- ziellen Spielsaal, wo einem kein Kommandeur aufs Fell knien konnte! Wer erfuhr davon, wenn er eilt Paar Tage seines Urlaubs nicht in'Moreth, verbrachte! Sein ganzer Leichtsinn war erwacht. Spielen wollte er, bis er feilte Verluste herein, seiner Mutter und dein Grafen Relen- dorfs das Geld wiedergegeben und die aufgenommenen Hy­potheken gekündigt hatte. Aber seine überreizten Nerven zauberten ihm noch andere Bilder vor. Ging alles gut und er zweifelte nicht, so würde er seinen Aufenthalt in Spa verlängern und soviel zusammeugewinnen, daß er sich eilt Gestüt zulegen konnte, denn das war schon immer sein heimlicher Wunsch gewesen. Hatte er nicht gehört, .daß in Monte-Carlo mancher sich int Handumdrehen Mil­lionen vom Spieltische geholt hatte? Freilich zur rechten Zeit, wenn die Sache anfing, schief zu gehen, mußte man aufhören können. O, er hatte Nase! Sobald er das merkte, würde er sich auf die Bahn setzen und schnurstracks nach Moreth fahren.

Er schrieb also ian die Direktion des Eercle des Ertrau- gers in Spa und bat um seine Aufnahme in den Klub. Der lange Kleisenbach hatte früher einmal dort gespielt und behauptet, das Nest zehntausend Franken ärmer ver­lassen zu haben. Bon ihm wußte Hans-Wilhelm, daß man so und so viele Tage erst aushängen müsse, ehe man Mit­glied werden konnte. Widerspruch Ivar fast niemals er­hoben, gegen ihn sicherlich nicht.

Als er eine Stunde nachdem ihm sein Kommandeur ernstliche Vorhaltungen über seinen Leichtsinn auf dem Marsch nach der Garnison gemacht hatte seinen Brief­kasten entleerte, fand er die Mitteilung aus Spa vor, daß er im Klub ausgenommen würden sei. Sofort stand sein Ent­schluß fest. Die Mitgliedskarte steckte er in die Tasche, den Umschlag warf er achtlos in den Papierkorb.

Als er das Telegramm an seine Mutter absandte, schlug ihm wohl einen'Moment das Gewissen. Ein ganzes Jahr hatte sie den Sohn nicht gesehen, sehr enttäuscht würde sie über die Nachricht seines längeren Fernbleibens sein. Mer sein Optimismus beruhigt ihn rasch. Wenn er ihr erst aus der dick angeschwollenen Brieftasche die Tausend­franknoten eine nach der andern hübsch langsam auf den Tisch legte und ihr sagte:So, Mama, da hast du. dein Geld wieder, und nun will ich gleich zu Onkel Relendorff rüber, den habe ich auch um zwanzigtausend Mark ange­pumpt!" Das würde eitel Freude und Wonne sein. Viel­leicht würde sie anfangs die Nase rümpfen, wenn sie die Herkunft des Geldes erfuhr, denn eine alte Frau hat nun einmal sensible Ehrbegriffe, vor allem die Mütter, diu die Welt so gar nicht kannte; aber er würde sie schon be­ruhigen; o, darüber machte er sich keine Sorge! Das Fein­gefühl war Hans-Wilhelm »gewaltig abhanden gekommen.

Er fuhr über Köln und Berviers nach Spa.

Gegen Mittag traf er dort ein. Die Wadesaison war bereits vorüber, aber er kam ja hierher, um zu spielen, nicht zur Kur. Die Klubsäle blieben immer geöffnet.

Direkt neben dem Klub, int Hotel d'Orange stieg er ab. Kaum nahm er sich Zeit, den äußeren Menschen aufzu­frischen, jede Minute erschien ihm kostbar. Im Bureau! zeigte er seine Mitgliedskarte vor, bezahlte dann die Auf­nahmegebühren und würde dann in das erste Stockwerk gewiesen, wo sich die Spielsäle befanden.

Bei seinem Eintritt hörte er ein leises Summen, ein­zelne Stimmen drangen lauter an sein Ohr:Faites votre jeu! !i Rienne va plus! Bonge pair et Passe!" Und dazu klapperten die kleinen Kugeln in den. Rouletten.

Die Luft War verbraucht wie die vielen Menschen in diesem großen Saale.

Keine eleganten Toiletten waren zu sehen, jeder spielte im Straßenkostüm.

Einen Moment fühlte sich Haus-Wilhelm angewidert. Eine klapperdürre alte Frauensperson mit spinnigen Fingern hob! ungeniert den Rock hoch und! nahm ans! dem zer- rifjenen Unterrock, in dem sich eine Tasche befand, ein

paar Geldstücke. Der Ausbewah-rungsört sollte Glück briü- gen, Und Spieler sind nun einmal abergläubisch. Ein! Mann mit einem Stiernacken, .großen Diamanten an den fetten Fingern, hatte vor sich einen Stoß Taufendfranken-i noteit liegen und daneben .i ein Fünfe ent imesstü ck in Kupfer. Ohne diese kleine Münze, gerade diese, wär an Gewinnen seiner Ansicht nach garnicht zu denken.

Der junge Offizier schüttelte den Kopf. Ihm War ja bekannt, daß sich die elegante Welt schon längst nicht mehr hier befand, aber als solche Räuberhöhle hatte er sich! den Klub! denn doch nicht vorgestellt,. dessen illnftrenj Mitgliedern er nun gehörte.

Ein Ekel stieg ihm in der Kehle hoch, aber schliMW nahm er ja nicht diesen Leuten das! Geld ab, sondern der Bank, und was für Ehrenmänner hinter der standen, wußte er ja nicht. Die gute Gesellschaft spielte doch auch hier während der Saison.

Mit schnellen Schritten, als wolle er seinen letztens Bedenken aus dem Wege gehen, schritt er zur Kasse, um sein deutsches Geld vorläufig zehntausend Mark in frait- zösisches umzuwechseln.

(Fortsetzung folgt.)

Der Himmel im März.

Von Otto F r ö h l i H.

Die Tage werden bereits merklich länger. Geht doch z'n Anfang des Monats für den 50. Breitenkreis und den Meridian von Berlin die Sonne um! 6,47 Uhr ans und 5,39 Uhr unter, am 31. 5,42 Uhr auf und 6,28 Uhr unter. Die Tageslänge nimmt also von 10 Stunden 52 Minuten zu Anfang des Moitats uni fast zwei Stunden M, da sie gegen Monatsende bereits 12 Stunden 46 Minuten beträgt. Die Länge der Dämmerung beträgt etwa 38 Minuten, wodurch die Tageshelligkeit uni weitere 76 Minuten verlängert wird. Die Zeitgleichung beträgt zu Anfang des Monats 12 Minuten 34 Sekunden, und sinkt bis auf 4 Minuten 20 e>cT.:

Unter den Gestirnen bewegt sich die Sonne gegen Ende des Monats aus dem Sternbilde des Wassermannes in das der Fische,' oder sie tritt (nach alter Kaleuderbezeichnnng) aus dem Zeichen der Fische am 21. morgens 6,18 Uhr in das des Widders. Damit! hat nach astronomischer Zählung der Winter sein Ende erreicht, während nach meteorologischer Zählung, die ncfji. möglichst dem Erwachen der Natur anzupassen bemüht, bereits in den Anfang März der Beginn des Frühlings zu legen ist.

Mit der Sonne in Zusammenhang gebracht wird uaa> den neuesten Unter'nchungen das Zodiaiästicht, das einer *iid tpvramide, deren Achse in der Ekliptik liegt, gleicht. Während es in stidttchen Gegenden kürz nach Sonnenuntergang oder auch früh vor Svnnen- aufgang als schwacher Lichtschimmer am Wend-, bezw. Morgen- Himmel sichtbar ist, wird es' für unsere Breiten sichtbar, weint die Ekliptik steiler zum' Horizonte verläuft. Dies ist bei. uns zu^An­fang des Jahres und im Herbst der Fall, so daß es tm Marz bei dunstsreieM Horizont am Abendhimmel sichtbar wird. Her­rühren soll es von äußerst fein verteilter Materie, die die öomtle umgibt und nicht viel über die Erdbahn hinausreicht.

Von dem sülleir Begleiter der Erde, dem Monde, ist zu er- wühneit: Am 8. um 1,23 Uhr nachts Neumond, am 15. abends 9,58 Uhr erstes Viertel, mW 22. 12,56 Uhr Vollmond. Gleiche- zeitig damit verbunden ist eine totale Mondfinsternis, die über für unsere Gegenden unsichtbar bleibt. Zn beobachten ist sie in Nordamerika, in der westlichen Hälfte Südamerikas, im Stillen Ozean, in Australien, in der östlichen Hälfte des Indischen Ozeans und in Asien mit Ausnahme von Persien, Arabien und Klein­asien. Am 29. um 1,58 Uhr nachmittags ist dann letztes Mond­viertel. In Erdferne ist der Mond am 6., in Erdnähe am 21.; sein scheinbarer Durchmesser erscheint alsdann, int Winkelmaße ausgedrückt, 29 24, bezw. 33 19 groß. In seiner Nähe, d. h. es befinden sich mit ihm in Konjunktur, angeführt werden! nur die, die zu beobachten sind, a'M 11. gegen 9 Uhr abends Venus! und am 14. gegen 1 Uhr vormittags Saturn. Seinen höchsten Stand über dem Horizont erreicht der Mond am 16., seinen tiefsten Stand aut 28.

Tie Mondforschung Hat im Februar erneut einen schweren Verlust erlitten, als der weit über die Grenzen seines engeren Vaterlandes bekannte Astronom Julius- Franz, Direktor der Stern­warte in Breslau, starb. Es ist, als ob überhaupt über die Mond- forschung in den letzten Jahren ein böses Geschick waltet. Vor genau sechs Jahren, int Jahre 1907, würde von der iiiter- nationalen Vereinigung der Akademien eine internationale Kom­mission zur Mondforschung eingesetzt, um nach einheitlichen Ge­sichtspunkten die Ergebnisse der Mondsorschung zu sichten und nunmehr eine neue, auf Grund neuester photographischer Beobäch- tungen und genauester Ausmessungen der Negative möglichst große Mondkarte in allen ihren Einzelheiten herzustellen. In diese Kommission wurden gewählt die Franzosen Locwy, der Direktor der Pariser Sternwarte, und Puiseux, aus Deutschland eben Franz,