Ausgabe 
5.3.1913
 
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H

jfrsuenliebe.

Roman von Horst Bodemer«

(Nachdruck verboten.)

(Fortsetzung.)

Und imGardeklub", wie die Vereinigung sich zn kennen pflegte, gab es ein Paar, denen die Moneten locker in der Tasche saßen. Es dauerte nicht lange, so ging das Spiel los. Erft so ein bißchen zum Zeitvertreib, natürlich Mit bescheidenen Sätzen. Weiß der Himmel, ivte's tarn', Kus einmal lag der erste Goldfuchs auf dem Tische. Einer, der ein ausgesprochenes Pech 'hatte, fing an, nervös zu werden, ein »Schein knisterte verstohlen in seiner Hand.

.Nehmen die Herren auch höhere Einsätze an?"

Einige warnten.

Da trumpfte Hans-Wilhelm auf.

Kinder, seid doch keine Laubfrösche, ihr solltet mal den dicken Notenbuchen und den langen Klotsenbach von meinem Regiment sehen! Bei denen fliegen die braunen Lappen nur so 'rüber und 'nüber!"

Und die jungen, noch 'unreifen Leutchen fingen an, einander allerlei Mordsgeschichten aufzubinden. Der dazu getrunkene Sekt tat das übrige, die Leichtsinnigsten glaubten schließlich selbst an ihre Prahlereien. Bald war der erste ausgemistet". Zahlen wurden auf Visitenkarten geschrie­ben, die einen ganzen Mvnatswechsel ausmachten, und als .man heimgehen mußte, da hatte der Tag keine Er­holung, sondern kapute Nerven gebracht und einen elen­den Jammer, denn nun hieß es Telegramme oder Eilbriefe nach Hanse loslassen, bei denen, die verloren hatten.

Der Ehrenkodex sagt: Spielschulden sind Ehrenschulden, die bezahlt man binnen kürzester, vorher festgelegter Frist, öder man schießt sich eine Kugel durch den Kopf.

Die aber gewonnen hatten, mußten Revanche geben selbstverständlich! So kam es, daß die Spielerei die neun Monate so lange dauert der Kriegsschulkursus über­haupt nicht aufhörte,. Unter den Hauptleidtragenden aber befand sich Hans-Wilhelm von Moreth:

Nachdem er Offizier geworden, bändelte er schnell mit denHauptjeuratten" im Regiment an, und die Tempelei S munter weiter. Manchmal kam wohl der moralische . mjammer, wenn ihm die Mutter schrieb, welche Sum­men er das Jahr über von ihr gefordert, wie sic sich um ihn bange und ein schlimmes Ende kommen sehe.

Ja," sagte sich dann Hans-Wilhelm,einmal muß ich doch mit dem Gewinnen an die Reihe kommen. Immer bleibt doch das Glück nicht bei denselben Menschen. Hab' ich erst meine Verlnste wieder 'rein, dann höre ich auf ganz gewiß!"

Er bedachte in seinem jugendlichen Leichtsinn nicht, daß er auch sonst weit über seine Verhältnisse lebte, daß .er jeden Maßstab verloren hatte über Geld und Geldeswert. Wer hoch spielt, raucht gut und trinkt teuer. Hat man

gewonnen, sitzen die Moneten locker in der Tasche, hat man verloren nun, die paar lumpigen Mark mehr machten das Kraut nicht fett.

Noch eines vergaß Moreth dabei. Der dicke Rotem buchen war ein Phlegmatikns, der spieltekalt wie eine Hundeschnauze", während er selbst beim Spielen immer Nerven bekam, das schlimmste Uebel für einen Spieler.

Da erhielt Geinsheim die Kürassiere. Er nahm sich Hans-Wilhelm unter vier Augen vor.

Ich werde den Herren die Jeuerei gründlich ver­salzen!" war das Ende seiner geharnischten Rede.

Geknickt ging Moreth heim. Seine Mutter hatte dem Freunde des Vaters offenbar klaren Wem über die Ver­hältnisse eingeschenkt.

Aber die Katze läßt das Mausen nicht. Man spielte weiter, nur vorsichtiger.

Eines schönen Tages gabis' einen bösen Krach. Der lange Kleisenbach mußte mit einem ganzen Hut von Schulden den Dienst quittieren. Rücksichtslos stach der neue Kommandeur in das Wespennest. Wer dicke Rotenbuchen wurde zum Train an die Westgrenze in ein gottverlassenes! Nest versetzt, einige andere Uebeltäter hatten Gelegenheit, bei einem längeren Stubenarrest über ihren Leichtsinn nachzudenken. Zu diesen gehörte Hans-Wilhelm von Mo­reth. Dem heldenmütig gefallenen Vater hatte er es zu bauten, daß es ihm nicht ähnlich ging wie Rotenbuchen, dem Phlegmatikns, der sich in seiner neuen Uniform im Spiegel besah und seufzte:Kinder, sehr schön sieht der Rock gerade nicht aus, aber verheiratet bin ich ja nicht mit ihm. Sehen wir uns also erst einmal das Grenzdorf an!"

Dort führte er in aller Ruhe seinen Karren spazieren und war bald noch dicker geworden bei dem Skat um die halben Pfennige.

Seitdem hörte das Hasardspielen int Offizierkorps auf. Man"kloppte" seinen Skat, freilich dem Papier sah maus nicht an, ob um die Pfennige, die Groschen oder um die Markstücke der Point gespielt wurde. Das macht man vorher hübsch leise unter sich ab. Aber der blinde Zufall waltete doch nicht mehr so uneingeschränkt wie beim Hasard.

Zeiten kamen allerdings, in denen die leichte Adev Oberhand gewann. Die Garnison lag in einer sehr frucht­baren Gegend. Auf den Gütern herrschte großer Wohlstand, der Ertrag der Felder wurde zum größten Teile als Saat­getreide und Saatkartoffeln zu hohen Preisen verkauft. Wie. Besitzer oder bereit Söhne gehörten fast alle deut Regimente als Reserveoffiziere an. Der Verkehr mit diesen Familien war äußerst lebhaft, nach den Jagden wurde ge­wöhnlich ein kleines Jeu arrangiert, das ist weit und breit in deutschen Landen so üblich. Und Wenn die richtigen Brüder unter sich waren, dann blieb es in der Regel nicht bei derlustigen Sieben" in bescheidenen Grenzen, son­dern mau fing an,eine Strähne abzuziehen", das heißt^ man 'ging zu dem gefährlichen Bakkarat über.