Ausgabe 
4.8.1913
 
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Mücke, die kaum die Grütze eines Flohes hak ünd doch Rinder und andere große Tiere töten kann, weil sie in gewaltigen Scharen gleichzeitig vorkommt. Bei Tieren wie bei Menschen suchen sich diese Glichen am liebsten Schleimhäute und Mrgenwinkel als An­griffspunkte. Bienen, Wespen und verwandte Tiere sind weniger zu fürchten, weil sie meistens nur dann stechen, wenn sie gereizt werden, während die Mücken das Stechen berufsmäßig treiben; dennoch aber ist es schon vorgekommen, daß Menschen von Bienen- vder Wespenschwärmen überfallen und beinahe totgestochen worden sürd, denn die Stiche dieser Tiere können bedenkliche Erscheinungen, Ohnmächten, Schwindel, «Fieber ufw., selbst Delirien Hervorrufen.

Der Mitteleuropäer ist eigentlich mit seinen Mücken verhältnis­mäßig gut daran, denn es gibt Länder, deren stechende Insekten unangenehmer und zugleich gefährlicher sind, als die mittel­europäischen Arten. Die wegen der Jnsektenschwärme berüchtigsten Gegenden in Europa sind wahrscheinlich Norwegen und Lapp­land. Aus dem.norwegischen Reisewerke von ,Pöttinger kann man sich darüber unterrichten, wie furchtbar die Mückenplage dort ist.Unsere Handschuhe waren leider," heißt es da,keine Stulpen­handschuhe, und wenn man das Gewehr benutzte, war ein zenti­meterbreiter Streifen Fleisch frei, und hier wurde man ent­setzlich gestochen. Ich zählte über 60 deutlich unterscheidbare Stiche, und wahrscheinlich waren es noch viel mehr. Das Handgelenk war bis zur Dicke des Unterarmes angefchwollen." Aehnlich furchtbare Insekten gibt es in Labrador und im tropischen Amerika, ja lam Orinoko begrüßen sich nach Brehm die Reisenden am Morgen mit der Frage, wie sich die Moskitos in der Nacht aufgeführt hätten. Aber auch in Europa erreicht die Insekten­plage zuweilen die höchsten Grade. Schon Pausanias berichtet, wie die Einwohner der Stadt Myus in Karien ihre Wohnsitze ver­lassen mußten, Weik die Mückcnschwärme unerträglich wurden!

Was man in einer Stunde leisten iann.

C. K. Tie großartigen Leistungen, die durch ben moderne" Sport erreicht worden sind, lassen sich nicht besser illustrieren am durch die Zusammenstellung von S t u n d e n r e k o r d s, durch die eine französische Wochenschrift zeigt, was inenschliche Kraft und Uebung in 60 Minuten vollbringen können.

Den Rekord im Stundenlauf hält gegenwärtig Jean Boni», der bei einem Wettbewerb in Stockholm innerhalb der angegebenen Zeit die erstaunliche Zahl von 19,21 Kilometer zurücklegte. Der Läuter, dessen Tempo beim Start verhältnismäßig langsam war, erreichte dies außerordentliche Ergebnis ohne das geringste An- zeichen von Schwäche. Zum Schluß steigerte er seine Schnelligkeit derart, daß er die letzten 400 Dieter in einer Zeit von 1,7 Minuten zurücklegte. Bevor der rasche Franzose diese Leistung vollbrachte, hatte der Engländer Watkins den Rekord gehalten. Er legte nm 16. September 1899 in einer Stunde 18,878 Kilometer zurück, und viele Jahre waren alle Anstrengungen vergeblich gewesen, ihn zu übertreffen. Ter Rekordläufer ist dem Rekordgängcr nur um 6 Km. voraus. Im Marschtempo legte die größte Strecke in einer Stunde Larner zurück 13,375 Kilometer. Dem Rekordmann am nächsten kam einer, der 1 Km. weniger vollbrachte. Wenn man bedenkt, daß ein norinaler Spaziergänger nicht mehr als 5 Km. die Stunde macht, so wird man die Taten dieser Fußgänger richtig einschätzen. Unter den Schivimmern gebührt dem Engländer Jarvis die Krone, der in 60 Minuten eine Strecke von 4,500 Kilometer schivamm. Die Schnelligkeiten, die beim Schwimmen mit dem Strome erreicht wurden, sind itatürlich viel größer; Percy Cavill z. B. legte, von den Wogen getrieben, 8 Km. zurück. Aber das sind keine einwand­freien Sportleistungen. Auf dem Eise hat der Schlitlschtthläuser de Kooning im Laute von 60 Minuten die erstaunliche Entfernung von 32,270 Km. durcheilt; der Rollschtthläuier Swandon blieb in seiner Rekordleistung fast 1000 Dieter dahinter zurück. Mit dem Automobil hat man 120 Km. die Stunde, die eine Zeitlang als das ztt erreichende Ideal erschienen, mehrfach zurückgelegt. Der französische Atttomobilist (Sour, der kürzlich den großen Preis von Amerika für Automobil-Schnellfahrten zu Indianapolis erhielt, brachte in 6V8 Stunden 800 Km. hinter sich. Der Rekord mit dem Motorrad beträgt etwa 105 Km. Diese Entfernung ivurde auf Siner Rennbahn mit einer Maschine zurückgelegt, die nur 52 Kg. wog. Diese Fortbewegungsmittel haben die Eisenbahn au Schnellig­keit bereits überholt. 100 Kilometer die Stunde sind für einen Schnellzug schon sehr viel uitd werden selten übertroffen. Wnnder- bar ist es, daß diese höchsten Fahrtgeschwindigkeiten der Eisenbahn der Radfahrer übertrumpft hat, allerdings von einem kräftigen Motorrad als Schrittmacher geleitet.

Vor 10 Jahren würde man einen Propheten, der gesagt hätte, ein Radfahrer werde eines Tages in einer Stunde mehr als 100 Kilometer machen, für einen Narren erklärt haben. DerFlieger" Paul Gttignard hat das aber fertig gebracht. Seit einiger Zeit hält er den Rekord von ntehr als 101 Kilometer in einer Stunde aus dem Zweirad, den er auf der Münchener Rennbahtt vollbracht hat. ©inb, die Schrittmacher der Radfahrer selbst Radler, so ist natürlich eine so erstaunliche Leistung, wie sie mit einem vorzüglich konstruierten Motor als Schrittmacher erreicht mürbe, unmöglich. Aber auch hier finb bie 50 Kilometer die Stunde, die ntan lange

für ein unerreichbares Ziel hielt, bereits überschritten. Selbst di« 40 Kilometer, die der Amerikaner Hamilton ohne Schrittmacher in einer Stunde mit dem Rad zurücklegte, können nicht mehr als Rekordleistung gelten. Nach langen Mühen und Anstrengungen hat der Schweizer Radfahrer Egg mit dem Rade 42 Kilometer in der Stunde zurückgelegt, und dieser Rekord darf zu den be- wundernswertesten gerechnet werden, beim es ist gewiß keine Kleinigkeit, ganz allein, ohne einen zur höchsten Krastentfaltung ausstachelnden Gegner, auf einer einsamen Rennbahn sein Bestes an Krästeu einzusetzen und alle Rekorde zu schlagen.

Was die Schnelligkeit der Lenkballons in einer Stunde anbe» trifft, so hängt alles von der günstigen Windrichtung ab; man hat bisher Eisenbahngeschwindigkeit erreicht. Und zulegt die Flugmaschine. Hier hält Brindejouc des Äoulinais den Rekord, denn bei seinem großartigen Rundflng durch Europa hat er aut der zweiten Etappe seiner Reise von Wanne bis Berlin 450 Kilometer in 2 Stunden 5 Minuten zurückgelegt, sodaß eine Durchschnittsleistung von 215 Kilometer in der Stunde herauskommt. Das ist die größte Schnellig­keit, die in 60 Minuten geleistet wurde.

vermisster.

* Am erikan is ch e G e l t er. Ein glücklicher Sterblicher ist Herr Howard Elliott; als er als junger Mensch als schlichter Kommis seine Eisenbahnerkarriere begmutj hätte er gewiß lächelnd den Kops geschüttelt, wenn man ihm erzählt hättet daß dereinst Hunderttausende von Angestellten ihn beneiden würden. Am Sonn­abend erhielt er die Nachricht, daß der Aufsichtsrat der New Pork- New Havcn- und Hartford-Eisenbahn beschlossen hat, ihm das'Amt der Leitung dieser Bahn anzubieten, die eines der Lieblingsunter­nehmen Diorgans war. Herr Howard Elliott ist damit freilich nur Angestellter", aber bei den Gehältern, die die amerikanische In­dustrie und amerikanische Eisenbahnen ihren hohen Beamten ans- setzen, wird er fein Los mit Würde tragen, denn das Gehalt, das er beziehen wird, beträgt nicht weniger als 600 000 M Fixum im Jahre. Als Präsident der Northern Pacific-Eisenbahn mußte er sich bisher mit einem Jahresgehalt von 300 000 M begnügen; seine Konkurrenzlinie bot ihm zwar 400 000, aber auf den Rat Pierpout Morgans lehnte Elliott diesen Antrag ab, denn er wußte, daß Morgan für sein weiteresFortkommen" sorgen würde. Bis jetzt ist das auch geschehen, aber einen Rekord kann Howard Elliott trotzdem nicht für sich beanspruchen. Im Gegenteil, er ist noch weit von den höchsten Gehallssinsen amerilamscher Jndustrieseld- herrcn entfernt. Als Direktor des Carnegieschen Stahltrustes hat es Charles M. Schwab zu dem hübschen festen Jahresgehalt von 3 200 000 M gebracht, wobei man freilich nicht versäumte, durch Tantiemen das Einkommen des Direktors aufzubessern.

kf. Feste Kohlensäure in der Heilkunde. Für die feste Kohlensäure, den eiskaltenKohlensäureschnee", der seit einiger Zeit in die Heilkunde eingeführt worden ist, find neuer­dings, wie dieNaturwissenschaften" nach einem Fachblatte be­richten, ein paar neue Anwendungsgebiete ausgeprobt worden, die eine Zukunft zu haben scheinen. Wenn man flüssige Kohlen­säure schnell aus einer Stahlbombe ausströmen läßt, so tritt infolge der Verdunstung eine starke Abkühlung ein und die Kohlen­säure wird fest. In dieser Form wird die Kohlensäure zu Stäb­chen gepreßt und dann zum Aetzen verwendet. So hat F. Rößler bei einigen Fällen van Trachom anstelle der üblichen Behandlung mit Höllenstein eine Actzung der Augen mit Kohlensäure vor­genommen, und bei einer anderen Augenerkrankung, bei Lid- kavemomen, hat Capauncr die gleiche Methode angewendet und je nach der Dauer der Einwirkung eine mehr oder weniger starke Reaktion beobachtet. Eine weitere neue, jedoch noch nicht zur Ge­nüge ausprobierte Auwendnugsform der festen Kohlensäure ist die Behandlung von Hämorrhoiden. Anderson, der hierüber Ver­suche angestellt hat, ließ unter Aethernarkose etwa 20 Sekunden lang feste Kohlensäure auf die Knoten einwirkeu und behandelte einige Patienten nach dieser Methode erfolgreich. Bei einer Reihe von Hautkrankheiten hat sich die Kohlensäurebehandlung ebenfalls bewährt, und einer ihrer Hauptvorzüge ist, daß sie Schnellig­keit der Wirkung mit Gefahrlosigkeit der Behandlung verbindet Bei der Behandlung der Hautkrebse ist beobachtet worden, daß mit der Größe der mit Kohlensäurcschnee behandelten Fläche die Tiefen­wirkung zunimmt. Man kann auf Grund dieser Ergebnisse er­warten, daß der Kohlensäureschnee in der Dermatologie bald weitere Bedeutung gewinnen wird.

Charade.

Die ersten beiden sind ein hoher Herr, Ein Staatsbeamter in dem Türkenlande; Tie andern beiden steh'n von altersher Als Riesenbildwerk fern am Nilesstrande; Und hast die Namen du geschickt vereint, Ein Held dir vom trojanschen Krieg erscheint.

Auflösung in nächster Nummer.

.Auflösung des Logogriphs in voriger Numm'tt: S a g a n , Satan.

Redaktion : I. V.: E. Heß. Rotationsdruck und Verlag der Briihl'fchen Universitäts-Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Gießen.