Ausgabe 
4.8.1913
 
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der neben Rucksack und Seil der Ausrüstung eines eveu- falls hier zu unfreiwilliger Rast verurteilten fremden Berg­führers an der Wand lehnte. Wie zu einem Vernunft begabten Wesen, wie zu einem verständnisvollen Kameraden sprach da ihr Blick zu dem blanken Stahl:Ja., ja! Auchs aus dir leuchtet der Unmut! Rasten heißt rosten. War uns beiden Wohler zumut, könnten wir uns droben in den Firn

haün!" , , .

Die Touristin Log dann langsam nach rechts ein, ul den Korridor, an dem die Führerstube lag. Mußte es denn schon einmal fein, daß fie hier in dem Kasten hockte, danns wenigstens doch noch unter ernsthaften Leuten, gleich ihr zu Hause droben in den Bergen um Gottes willen aber nur nicht unter dem Volk der Talschleicher, das schwatzend und flirtend da drinnen im Speisesaal beieinander saß, sich

und flirtend da drinnen im St , , ,

'gemeinschaftlich! über die fatale Regenzeit zu trösten.

Bei ihrem Eintritt in die tabaksdunstige Leutestube lüfteten die meisten der Insassen, aufschauend, den Hut Gottliebe Rhyngaert war ihnen allen ja wohlbelannü Seit einer langen Reihe von Jahren, seit jenem ersten Besuch damals, wo der Spängler-Toni Gott hab ihn selig das Malheur hatte, war das Fräulein dem Ort treu ge­blieben. Fast in jeder Saison hatte sie sich in Trasvi sehen lassen, wenigstens auf der Durchreise; fte schien gewiß infolge der ernsten Umstände dazumal em besonderem Interesse an dem Ort gewonnen zu haben. .

Sie war inzwischen eine firme Bergsteigerin geworden, so zu Haus droben in Fels niid Eis, daß sie seit den letzten Jahren fast stets führerlos ging. Nur bei einigen wenigen, besonders schwierigen Partien ging sie in Begleitung; dann nahm sie stets aus alter Anhänglichkeit den Stadler, trotz seiner 63 Jähre noch heute ein unverwüstlicher, sehnenstarker

Zweiter Teil.

Immer noch das alte Bild!

Die Berge qran verhängt, man konnte kaum den Walo- hang drüben, jenseits des Trafoier Bachs, erkennen, und der Regen rieselte unaufhörlich hernieder; kmm dem Auge bemerkbar, aber mit jenen allerfeinsten Tröpfchen, die durch jede Pore des Tuchs dringen und auch die beste Imprägnie­rung auf die Dauer illusorisch machen.. ,

Also Resultat: Weiter zur Haft hier unten mt Hotel verurteilt wer weiß, wie lange noch!

Mit leicht gerunzelter Stirn wandte sich die Dame im schlichten Touristenkostüm um, die da eben von den Eingangsstufen derNeuen Post" in Trafoi her Ausschau gehalten hatte und langsam, unschlüssig ging sie m den Mur zurück, daß der Hall ihrer Tritte in den schwer be­nagelten Bergschuhen laut von den Steinfliesen wieder-

H^Jm Vorübergehen fiel ihr Auge auf einen Eispickel, der neben Rucksack und Seil der Ausrüstung eines eben-

^Stcicicr.

Zu ihm wandte sich denn jetzt auch Gottliebe. Ohne Umstände ließ sie sich neben ihm bei den Männern nieder, die zusammenrückend Platz auf der Bank gemacht hatten.

Was halten Sie vorn Wetter, Stadler. Will's noch immer nicht werden?" v , .

Der Alte wiegte bedächtig den Kopf und warf emeit Blick zum Fenster hinaus, aufs Grau der Bergwaiid drüben.

Es ist ja leicht möglich, das Wetter schlagt bald um aber i glaub halt nit recht dran."

Ich auch nicht, Stadler!" Mit einem Anflug von Galgenhumor sagte es Gottliebe und« folgte hoffnungslos mit den Augen seinem Blicke, die Arme über der Brust verschränkend.Eine schöne Aussicht, hier noch, wer weiß wie lange, so zu sitzen! Ihr Mäunsleut habt's gut. Ihr habt eure Pfeife die vertreibt euch die Langeiveile. Aber was soll so ein armes Frauenzimmer wie ich anfäugen?"

Tie Männer lachten treuherzig zu ihrem Scherz; einer der jüngeren Leute machte dabei eine halblaute Bemer­kung zu seinem Nachbar.

glücklichen, der sie in diese Welt zum erstenmal geführt, fie in ihre Wunder hatte schauen lassen. r

Was kündete doch das verlorene Klingen drunten vom Kirchlein? Lauschend hielt sie den Schritt an, sie verstano die mildtröstliche Glockenstimme wohl: Frieden einer armen

Ihr Hanvt neigte sich leise, und die Hande falteten sicy ineinander. So ging Gottliebe Rhyngaert langsam oav nacht­dunkle Tal hinan.

Die Aüche im August.

Von Ä. Burg.

Der Monat Juli und besonders der Monat Anglist sind auch für die Wirtschaft Erntemonate, die noch vielfach da zum EiN- machen für die Winterzeit genützt werden, wo die/Fruchte aus eigenen Gärten genommen werden, oder wo sie MM zu teuer sind ferner da, wo geeignete Räumlichkeiten zum zweckmäßigen Mnfbcwcchren der Konserven vorhanden sind. Diese Raume sollen käbl trocken, luftig sein. Da man in Großstädten das Ovft on sehr'teuer bezahlen muß und bei den, hohen Mieten eine be­sondere Kammer (besonders für einfach-burgeckche HausMtnngm) nicht vorgesehen ist, so werden die großstädtischen HansiiauerS meist schweren Herzens auf das Selbsteiuwcheu ve^ichten. Si können das freute leichter als früher, weil sehr gute leistu>msl« deutsche Konservenfabriken uns mit allen erdenklichen.Fruchten, Gemüsen, Marmeladen usw. versorgen, so .daß rnaii beim oe brauch sich die gewünschten Gläser oder Blechdosen awcfraffen kann. Diejenigen Hausstauen, die selbst emmachen, tim gut, sich an die altbewährten Regeln der Emmachetunst zu Mm, nach denen das Hauserfordernis für Wohlgelingen inid Scm barkeit die tadellose Beschaffenheit der Zutaten ist. Die FiiNyie

Was meint Ihr, Almbächer?" horchte sie auf.Ich sollt's doch auch einmal damit versuchen?"

Gutgelaunt lächelte sie zu dem jungen Menschen ym- über. Der nickte nun vergnügt ein Ja.

Meint wohl, ich wär so schon ein halbev Mannsbild? Sie faßte ihn scherzend, aber doch mit festem Blick ins Auge, daß der junge Mensch etwas verlegen wurde.Na, nur heraus mit der Sprache! Geniert Euch nicht! Weil Ihr mich gestern nachmittag auf meinem Balkon mit der Zigarette gesehen habt? Gelt?" , .

Sie weidete sich mit überlegener Sicherheit an seiner offenbaren Verlegenheit. . ..

Nun, die Zigarette zum Nachmittagskaffee ist freilich meine kleine Schwäche will's nicht leugnen, Almbacher. Aber zur Pfeife kann ich mich darum doch noch nicht ent-t schließen. Da müßt Ihr schon noch ein Weilchen warten, bis ich vielleicht auch auf den Geschmack komme.

Die Männer lachten wieder in harmloser Frvhlichkeitz Gottliebe aber setzte die Hände, ineinandergefaltet, vor sich auf den Tisch, sich bequem an die braungetafelte Zirbel?, Holzwand zurücklehneud. , t -

,,3'a, aber im Erlist was soll werden, wenn j so fortgießt?" ivandte sie sich wieder an Stadler.

Der Alte kraute sich ratlos am Kopf.

Jo, dös wär scho schlecht," gab er zu.

Eine Pause trat ein, während der die Manner nach-, denklich vor sich hinrauchten. . < .

Wenn man wüßte, daß es anderswo besser wäre. kani es schließlich von Gottliebes Lippen,

In Landeck und drunten m Bornno regnet s halt auch," meldete Stadler wenig tröstlich, was er von bett Kutschern der Post und Mail coaches heute vernommen

i hatte,'s scheint halt an rechter Landregen zu sein.

I Das ist ja aber trostlos!" nun wirklich mißmutig, sagte es Gottliebe.Dann tät man ja faktisch am besten, man reiste ganz ab aus den Bergen." ,

Stadler zuckte die Achseln, aber da warf der Mm, Lacher em.ät h^ch nit not, Fräula. Der Pingazza "

er meinte den fremden schweizer Führer, der gestern abcnd mit seinem Herrn ans dem Münstertal heraufgetonunen war,sagt, drüben, im Bündnerland, sei schönster Sonnen-, schein gewes t all die Zeit, wo's hier schon regnen tat.

Wirklich?" Gottliebe horchte interessiert auf.Tas wär'ja ein Gedanke! Nach Graubünden zieht's mich so wie I so schon lange."

Sie wurde nachdenklich.

Wie kommt man denn am ehesten da hinüber, Stad-, I fPr ?» fragte sie nun den Alten.

Uebers Stilfser Joch, die Umbrailstraße und dann durchs Münstertal wär's doch wohl am besten, wenn s nach dem Engadin zu wollten," gab er Auskunft. . ,

I Golt liebe erhob sich, der Plan beschäftigte sie bereits

Sache will ich mir doch jedenfalls mal überlegen, 9timeiee verabschiedete sich kopfnickend von de,i Männern! und ging hinauf auf ihr Zimmer, ihre Karten einzusehech (Fortsetzung folgt.)