Samstag, den Januar
pW
I
M
»
3d
>on Frühling ;u Frühling.
Roman von Erich Eben st ein.
(Nachdruck verboten.)
(Fortsetzung.)
Die Schwiegereltern draußen in „Herminenruhe", dem staatlichen Herrenhaus, in dem jeder Zoll von Reichtum und Geschmack zeugte, waren kühle gemessene Leute.
Papa Petcrmann, ganz Fabrikant, der sich immer nr7t neuen Entwürfen trug, immer alles voin Eeldstandpunkt aus beurteilte und selbst bei der ersten Begegnung mit der Schwiegertochter für diese nur ein zerstreutes Lächeln und ei,t paar nichtssagende Worte hatte.
„Also du bist Meta Lenzendorf! Schön — freut mich sehr... ich hoffe, du wirst dich wohl fühlen bei uns und deinen künftigen Haushalt nach Ni.is Wünschen cinrich- ten. Er legt ein großes Gewicht auf — Eleganz..." Dabei glitt ein flüchtiger Blick an Metas einfacher Toilette nieder.
Frau Bettina Petermann wurde womöglich noch deutlicher.
„Du big seine Auserwählte!" sagte sie, nachdem sie Meta förmlich umarmt und zwei leichte Küsse auf die frischen Wangen gedrückt hatte. „Mache glücklich und wir werden das nnsrige tun, um deiue Position glänzend zu gestalten. Er ist etwas verwöhnt und wird sich vielleicht schwer an den Zwang der Ehe gewöhnen... nun, ich bin überzeugt,, daß du klug genug sein wirst, die Zügel nicht allzu straff zu halten... jedenfalls muß ich dir sagen, daß er sehr nervös ist und keinerlei Widerspruch verträgt."
Niki, der einen peinlichen Ausdruck auf Metas Gesicht sah, schloß sie lachend in die Arme und Wßte sie vor den beiden Elternpaaren.
„Ach was — macht ihr doch nicht bange, wir haben uns lieb und werden schon miteinander auskommen! Gelt, Kleine?"
Meta machte sich verlegen aus seinen Armen los. Seine leichte, tändelnde Art in diesem Augenblick verletzte sie.
Auch sah er heute besonders schlecht aus. Das Gesicht so blaß und die schmalen Lippen fast bläulich. Auch feilte immer feuchten, kalten Hände machten sie frösteln.
Dann schalt sie sich selbst im stillen eine Törin. Nein, um Kleinigkeiten wollte sie nicht rechten. Er betete sie ja an und sie liebte ihn. Sie wollte alles tun, um ihn glücklich zu machen. Gut und zärtlich und nachgiebig wollte sie sein gegen alle — alle.
Das war der erste Besuch im künftigen Heim. Niki führte sie dann noch überall herum und zeigte ihr das Haris.
Den Haupttrakt bewohnten die Eltern. Im linken Flügel lagen die Gesellschaftsräume und im rechten seine
völlig getrennte Junggesellenwohnung, zu welcher an der Seitenfront eine eigene Auffahrt war.
„Die Wohnung im Parterre behalte ich bei," erklärte er, „und über derselben im ersten Stockwerk, wo jetzt Fremdenzimmer sind, wird unser Nest eingerichtet. Bier Zimmer, die Gesellschaftsräume drüben benützen wir mit den Eltern gemeinsam.
Du siehst, es führt durch das ganze erste Stockwerk ein schnurgerader Korridor — da wir Luftheizung haben, denke ich, wird dir der kleine Weg in die Salons hinüber nicht allzu beschwerlich sein. Intime Besuche, kleine Soupers oder Tees können wir ja leicht bei uns arrangieren."
Meta, die an die bescheidenen Dimensionen einer kleinen Mietvilla gewöhnt war, fand alles entzückend. Im Geiste sah sie sich schon in großer Toilette über den warmen, teppichbelegten, mit Palmen geschmückten Korridor ranschen nach den 'großen Salons, in welchen eine illustre Gesellschaft ihrer harrte...
Am 3. Mai sollte die .Hochzeit sein. Am 2. Mar großes Polteräbendfest mit Feuerwerk, Parkbeleuchtung und vielen Gästen in Herminenruhe. Dann die Hochzeitsreise an die Riviera.
„Märchenhaft!" sagte Herta Renner, welche selbst seit zwei Jahren mit einem jungen Arzt verlobt war, aber noch warten mußte, bis er genügend Praxis bekam.
Ja, es war märchenhaft. Manchmal schwindelte Meta vor all dem Glück, und dann erfaßte sie mitten drin wieder eine rätselhafte Unruhe.
II.
So kam der Polterabend heran. Petermanns hatten das Fest großartig inszeniert. Wie betäubt starrte Meta, die in ihrem weißen, spitzenüberrieselten Kleid aus Libertyseide entzückend frisch aussah, aus die juwelenfunkelnden Damen und ordengeschmückten Herren, die bei Petermanns wie zu Hause schienen.
Da war wirklich die ganze Elite von G. Man nannte Meta „liebes Kind" und schmeichelte ihr in übertriebenen Worten.
Unwillkürlich glitt ihr Blick zu Niki herüber, der gelangweilt in einer Fensternische stand und in den Park hinabsah.
Dort war es beinahe taghell von all den vielen Lichtern, welche zwischen den Bäumen funkelten.
Und dahinter in der Ferne erhoben sich wie zwei schwarze Riesenfinger die ungeheuren Schlote der Fabrik, welche all diesen funkelnden Luxus ermöglichte.
Meta erinnerte sich plötzlich, daß sie noch etwas zu erledigen hatte. Niki hatte ihr ein so kostbares Hochzeitsgeschenk — ein echtes Perlenlollier mit Diamantschließe — gegeben, daß es lächerlich gewesen wäre, damit konkurrieren zu wollen.
Aber eine kleine Ueberraschung hatte sie sich doch ausgedacht. Er besaß bisher kein gutes Bild von ihr. Sie


