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vorbei und grüßt Madame Zippel, die auf der Türschwelle steht.

Sie schaut ihm verwundert nach und ruft ihrer Tochter lachend zu:

Lite e mol, Lina, do geht wider e Prussien mit dem Ruck- sückle."

Der Tourist hat es nicht gehört. Er wandert still aus dem engen Städtle hinaus auf die freien Höhen.

Vermochte».

kf. Der A st r o n o in und die ewige Wiederkunft. Der englische Astronom Sir Robert Ball, deffen Tod soeben aus London gemeldet ivird, >var ein sehr angenehmer Gesellschafter, der wegen seiner Scherze überall gern gesehen, aber wegen seiner scharfen Zunge auch etivas gefürchtet ivar. In England ist nun eine Anekdote über ihn im Schwange, die erzählt, wie er einmal seinen Meister gefunden bat. Er war in ter Shakesoearestadt Stratwrd mit ein paar Gefährten eingekehrt, ließ die Wirtin ruien und wollte sie nun zur Freude seiner Genossen ausziehen. .Sie wissen wohl," so begann er Seinen Scherz,daß sich alle Ereignisse nach je tausend Jahren immer wiederholen. Stach tausend Iahten sind wir also ivieder bei ihnen- und essen und trinken genau, rote wir es jetzt eben getan haben. Wollen Sie uiis mm für liniere heutige Zeche bis dahin Kredit geben?" Die wackere Wirtin aber ließ sich durchaus nicht ans der Fassung bringen und erwiderte: »Das weiß ich sehr wohl, daß sich alles nach je tausend Jahren wiederholt. Sie sind auch vor tausend Jahren schon bei mir ge­wesen, und damals sind Sie mir Ihre Rechnung schuldig geblieben. Wenn Sie mir nun heute die Rechnung von vorigem Mule be­zahlen wollen, hat es mit der heutigen bis nach tausend Jahren Zeit." Tie Chronik lügt nicht hinzu, ob Sir Robert Ball nun die ältere oder die neue Rechmmg bezahlt habe; bezahlt aber hat er gewiß auf diese tressliche Abfertigung hin.

* Das Beschwichtigungs'mi ttel. Das iteuengagietie Kindermädchen kommt zu Airs. Rah und klagt, daß daS Baby immerfort weine. Die Mutter denkt nach, dann kommt ihr die Erleuchtung und sie sagt:Jetzt hab' ich's, Minnie, Babys letztes Kindermädchen war farbig. Die Stiefelwichse steht gleich hinter der Küchentür."

*Der Stolz des Straßenkehrers. Zwei Straßen­kehrer sitzen nach getaner Arbeit auf der Bordschwelle und sprachen von einem Kollegen, der tags vorher gestorben ist.Bill Ivar doch wirklich ein guter Straßenkehrer," sagte der eine.O ja," stimmt der andere nachdenklich zu.Aber weißt Du, so um die Laternenpfähle herum war er ein bißchen schwach."

Lprachecke des Allgemeinen Deutschen Sprachverein;.

* Die Verschwommenheit des Fremdworts. Zu welchen Unklarheiten oder unbeabsichtigt unrichtigen Darstellungen die Benutzung selbst solcher Fremdwörter führen kann, die ver­meintlich ganz allgemein bekannt und in ihrem Brgr ffe verständ­lich sind, das zeigt recht deutlich folgender Satz:Tie bisherigen Brutapparate beruhten auf einer ständig kontrollierten Wärme- zunchr. Tie Kontrollvorrichtmig zum Konstanthalten der Wärme, die selbst bet Benutzung von Termophormasse nötig ist, ist kompli­ziert und teuer." Man schlug dem Schreiber dieses Satzes vor, stattkontrolliert" dem besseren Sprachgebrauche gemäßüber­wacht" zu sagen; der aber bekämpste das mit den Worten, die beiden Wörter deckten sich durchaus nicht, denn das Wortkon­trolliert" sehe eineselbsttätige" Regelung vor, während baSHeber- wachen" eine solche ausschließe; gemeint sei aber in diesem Falle die erste Art der Siegelung. Nun bedeutet aber das Wortkon­trollieren" nach dem herrschenden Sprachgebrauche und nach dem allgemein bekannten Inbegriffe nurüberwachen" oder eine der verschiedenen Abschattungen dieses Begriffes, wie beaussichtigen, nachsehen, prüfen, feslstellen u. dgl. Kein Sprachwörterbuch aber enthält eine Verdeutschung ober Begriffserklärung, die dem vom Verfasser mit dem Worte verbundenen und beabsichtigten Begriffe mechanisch ober selbsttätig regeln" entspricht. ..Tas, was er meinte, ist also durch das benutzte Fremdwort sachlich ganz unrichtig wiedergegeben worden. Er hätte eben statt des bloßenkontrolliert" sagen müssen:selbsttätig kontrolliert" oder besserselbsttätig ge­regelt" ober and;selbsttätig zu regelnd". Es ist die alte Ge­schichte: das Fremdwort ist ein geheimnisvoll alles und jedes um­fassendes Gesäß, aber unsere deutschen Wörter lassen sich diese Ge- heimniskrämerei nicht gefallen und sagen klipp und klar, was sie sagen wollen und sollen.

griffen war, bringt der Verlag F. A. Brockhaus die deutsche Aus­gabe des vielgenannten Tagebuchs, das der unglückliche Polar­forscher Scott bis zu seinem Tode geführt und das man vor jetzt einem Jahr bei seiner und seiner Geführten Leichen gefunden hat. Dieses Tagebuch füllt den ersten Band des neuen Reisewerkes. Der zweite enthält die abwechslungsvollen Erzählungen zahlreicher Geführten, die sich auf mannigfachen wissenschaftlichen Neben- expeditionen bewährten, Scott auf seinem Weg zum Südpol eine Strecke weit begleiteten und schließlich zur Auffindung der ver­schollenen Polabteilung auszogen. So gewinnen wir ein über­sichtliches und anschauliches Gesamtbild dieser unseligen, vom Unglück erbarmungslos verfolgten Expedition, die die Erreichung ihres Zieles und hervorragende toissenschaftliche Resultate auf allen möglichen Gebieten der Polarforschung mit dem Tode ihrer besten Männer bezahlen mußte. Natürlich konzentriert sich das Interesse des Lesers zunächst auf den ersten Baud, auf das Tage­buch, worin Scott über seine ganze Reise, über seine Vorberei­tungen zum Marsch nach dem Südpol, über die Ausführung und das schreckliche Ende dieses Unternehmens Rechenschaft gibt, soweit überhaupt ein Mensch von sich erzählen kann, nämlich unmittelbar bis zu der Stunde, wo der Dod ihm die Feder aus der Hand nimmt. .Schickt dieses Tagebuch meiner Frau", so lautet seine letzte Bitte das Wort Frau ist ausgestrichen undWitwe" darüber geschrieben. Welch eine Vorgeschichte von himmelstürmeu- deil Plänen und siegesgewissen Anfängen, von vielversprechenden Erfolgen und um so herberen Enttäuschungen, von heldenmütigen Kämpfen und übermenschlicher Ausdauer haben diese letzten Worte! Und welch eine Reihe ergreifender Bilder eines modernen Helden­epos zieht mit den einzelnen Etappen dieses furchtbaren Todes- marsches über Schnee und EiS, durch unaufhörliche Orkane und unerträgliche Kälte, an uns, die wir behaglich am Lesepult die Blätter des nyt .dem Herzblut tapferer Männer geschriebenen Briches umwenden, vorüber! Die Helden des Altertums und des Mittelalters versinken und aus unserer eigenen modernen Welt steigen als neue Symbole Persönlichkeiten herauf, die noch gestern unter uns weilten und an unserm wissenschaftlich-kulturellen Lo­ben rührigen Anteil nahmen. Plötzlich sind sie in die objektive Ferne der Geschichte versetzt und predigen noch ihrem eigenen Zeitalter das Evangelium der Kraft und des Mutes, des hin­gebenden Idealismus utrd der wortkargen Seelengröße. Denn hier ist keine nachdichtende Erzählerkunst, keine nachträgliche Aus­schmückung und lkebertreibung glücklich überstandener Abenteuer, sondern das eindringlichste aller Abenteuer selbst in seiner ur­sprünglichen . Gestalt, Leben und Tod in den andeutenden Um­rissen, wie sie eben nur ein Tagebuch vermittelt, das zur eigenen Erinnerung für späte fröhliche Tage niedergeschrieben ist. Scott hat sich und seinen tapferen Kameraden, die auf dem Rückweg vom Südpol einer nach dem andern zusammenbrachen und aus der weiten Eisfläche des Südens ihr einsames Grab gefimben haben, ein Denkmal gesetzt, vor dem Mit- und Nachwelt mit Ehrfurcht stehen und dessen Inschrift dieses Tagebuch selbst sie mit staunender Ergriffenheit lesen wird. Um die Haupthelden ,des ersten Bandes, Scott, Dr. Wilson, Rittmeister Oatcs, Leutnant Bowers und Deckoffizier Evans, die aus den intimen Blättern des' Tagebuches zu greifbaren Charakteren herauswuchsen, grup­piert sich dann eine ganze Schar junger tüchtiger Männer, von denen ein Teil int zweiten Bande mit den Berichten ihrer Aben­teuer uns angenehm' und vielseitig beschäftigen. Mit den ernsten Momenten auch dieses Bandes, mit der Schilderung der Entsatz- expeditivn, der Ausfindung der Verunglückten usw. kontrastiert wohltuend manche humoristische Szene aus dem eigenartigen Leben in der Antarktis, aus der Heimat der schwerfälligen Robben und zu­traulichen Pinguine, und das Nomadenleben im Zelt, die Schlitten­reisen durch Nacht und Eis, das Ueberwintern in Höhlen, too kaum ein Tier sein Leben fristen Tarnt, das alles vermittelt uns eine unabsehbare Fülle neuartiger und unvergeßlicher Eindrücke, die nachhaltiger sind als ein Dutzend Abenteurerromane, weil es wirkliches Leben ist, das sie wiederspiegeln. Obendrein ist dieses neue Reisewerk des Brockhausschen Verlags mit einer verschwen­derischen Fülle ein- und mehrsaMger Illustrationen ausgestattet, die künstlerisch auf einer Höhe stehen, die auf solchen Expeditionen bisher nie erreicht werden konnte. So klingen Inhalt und Aus­stattung ungemein harmonisch zusammen und geben dem Buche einen geradezu persönlichen Reiz, der allein schon genügt ihm eine große Lesergemeiude zu sichern.

ErgärMngsMsel.

E. n.. A.. e. n P. i. e. p.. n.. n, H.. ß .. n. ch. b.. m .. r. i. . e. n;

R..(). b..in..r. t. .e.n w.. l .e.ß.n: W..d.n . i. e. 21. .e.n 23. .n!

Auslösung tu nächster Plummer.

Auflösung der Königspromenade in voriger Nummer r Trag ein Herz, den Freuden offen, Doch zum Leidenskamps bereit;

Lern' im Mißgeschicke hoffen, Denk des Sturms bei heitrer Zeit. SaliS.

Viichertisch.

Kapitän Scott, Letzte Fahrt. Zwei Bände mit 750 Seiten Text, über 200 ein- und m e h r s a r b i g e n Abbil­dungen, einem Faksimile und 5 Karten. Leipzig, F. A. Brock­haus. Geb. 20 Mk. Die Tragödie, die sich zu Anfang des Jahres 1912 am Südpol abspielte und von der schon int Februar ds. Js. die ersten erschütternden Nachrichten die Welt erfiillten, liegt nun in ihren literarischen Dokumenten vor uns. Zugleich mit der englischen Originalausgabe, die am Tag ihres Erscheinens ver­

8?<bafti.Mt; K. 91e u r n t I). Rotationsdruck und Verlag der Brühl'ichei'. Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießen.