Ausgabe 
3.9.1913
 
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hier schimmert wohl noch der Rest einer altgermanischen Ocher­seier für Wodan hindurch.

Der gleiche sinnbildliche Klaube knüpft sich überall an die le tzte Karb e. Sie iuirb schön geschmückt aus dem Felde stehen- gelassen und führt im Volksmunde mancherlei Namen, heißt nach dem Dämon, der darin znrückgelasscn wird, die Alte oder der Wolf, das Wichtelmännchen, Bärimandl, Erdmännel oder in Nord­deutschlandBergodendeelsstruß", um den die Bormäher mit den Schnitterinnen tanzen und der, je nach christlicher oder alt­germanischer Ausdeutung, alseilt Teil für Fvoz Kodes = Herr Wodan" oderfür Kott ein Teil" erklärt wird. Wie lange die heidnischen Elemente in diesem alten Opferbranch deutlich hervortraten, geht aus der Erzählung des Nicolaus Grhse im 16. Jahrhunderts hervor, nach der das Landvolk in Niederdeutsch­land dies Getreidebund demAbgott Waden" darbrachte, dazu tanzte und sang: >,Wode, hale (hole) dynem Rosse tut Voder Mutter), Nu Distel un de Dorn, Thom (Zum) andren Jahr beter Korn". Diese mit Goldslittern gezierte, reich ansgeputzteGlücks­garbe", die wohl auch in manchen Gegendendie Braut" heißt, steht in vielen Gegenden Deutschlands noch heute als tiefsinniges Zeichen auf dem kahlen Feld, eine Dankesgabe, den ewigen Mächten der Flur dargebracht. Auch wo man keinen Tanz mehr kennt, betet man wenigstens noch ein Vaterunser und deutet die Garbe.sinnig und schön als Spende für die Vögel.

In andern Gegenden Deutschlands wird die letzte Garbe im feierlichen Aufzug nach dem Gehöft gebracht. Auch sie führt mancherlei Namen, heißt Bock, Roggenhund, Habergeist und ähn­lich und gilt als die letzte Zuflucht .jenes phantastischen Korn­dämons, den man im Wogen des Getreidefeldes dahinjagen sah. Beginnt der Schnitt, so flüchtet dieser Unhold, ein altes Weib mit feurigen Fingern, die Roggenmuhme, oder auch eine Tieres­gestalt, aus einer Garbe in die andere, bis er in der letzten ge­fangen ist. Im Triumph wird nun der unschädlich gemachte Dämon hinweggeführt; die Garbe wird dann feierlichst deru Guts- Herrn überreicht, der dafür das Erntebier geben must, oder dreimal Um die Scheune gefahren und dann in dieser an besonderem Matze aufgestellt.

Die Bräuche und Feste der letzten Garbe und des Ernte­kranzes haben sich auch noch in unfern Tagen vielerorts erhalten, wenn sie auch nicht mehr auf den Tag des Ernteheiligen Bar­tholomäus, den 24. August, festgelegt sind. Der letzte Tag der Ernte ist und bleibt ein Freudentag. Das eigentliche Erntefest ist fetzt freilich vielfach auf einen Sonntag gelegt, und das kirch­liche Erntedankfest, das um Michaeli gefeiert wird, tritt mehr und mehr in den Vordergrund. Der schönste und poesievollste Brauch aber bleibt die Feier um die letzte Garbe mit ihren alten Tänzen und den derben gemütlichen Erntesprüchen. Eine tiefe Symbolik lag auch in dem bis vor kurzem noch in Mecklen­burg üblichen Brauch, in Verbindung mit diesem Erntefest eine oder mehrere Hochzeiten zu feiern. Auch noch einige Nachklänge von Uralten Erntefestspielen haben sich erhalten, so das.Hafer- fahn" beim Einbringen des' letzten Haferfuders, von dem aus dem Neister Kreise berichtet wird. Ein komisches Brautpaar fährt hier. Gaben einfordernd, auf einem grotesken Wägelchen von Hof zu Hof, und schließlich zu Trunk und Tanz ins Wirtshaus.

Vermachtes.

* Die moderne Herrenhose. Der Männerwelt von Europa steht eine gvoste Ueberraschung bevor. Die männliche Hose soll von Grund auf verändert werden: Diese Erkenntnis und dieses Bestreben geht von England ans, wo sich die neue Hose Bereits eingebürgert hat. Sie Hat Aehnlichkeit mit einer Reithose oder mit den Beinkleidern der Tirekdoiremode. Nur wird sie lang und ohne Stiesel oder Gamaschen getragen. Sie fchliestt sich ziemlich eng an und hat nur am Knie und an den Waden eine Erweiterung. Sie must aus einem dehnbaren Stoff, der eigens für sie verfertigt worden ist, hergestellt werden. Die neue Mode hat in England großen Anklang gefunden; aber sie verlangt schöne Beine und schließlich ist auch unter den Eng­ländern nicht jedermann wie der Apoll Von Belvedere gebaut.

* Speisen, die durch Klavsterspielen gekocht werden. Ein Mitarbeiter Edisons ist auf die glänzende Idee gekommen, die überschüssige Kraft, die beim Klavierspielen er­zeugt wird, auszunützen und praktisch zu verwerten. Er Hat mit den Tasten des Klaviers einen Transformator Verbunden, der die überschüssige Energie des Klavierspielers in Elektrizität ver­wandelt und diese in einen Akkumulator leitet. Sie wird Hier auf- gespeichert und kann leicht verwertet werden. Die Kombination, die der amerikanische Erfinder getroffen hat, ist besonders amüsant. Er verband den Akkumulator mit einem elektrischen Kochapparat, der jede Art von Speisen leicht zubereitet. Natürlich ist die Energieerzeugnng nicht bei allen Klavierstücken die gleiche. Der Erfinder hat deshalb in einer besonderen Tabelle einige Muster­beispiele zusammengestellt. DieTräumerei" von Schumann reicht Höchstens für ein weich gesottenes' Ei, die bekannteBerceuse" für eine Creme, währenddem die Tänze von Chopin bereits ein Rumsteak liefern. Der Zwischenakt SerCavalleria" kocht einen

ausgezeichneten Rinderbraten, die .sentimentalen Melodien von Gounot grüne Erbsen und Rüben, währenddem die Kraftstücke von Wagner ein Hochzeitsessen von M bis Z kochen können. Dies« Anwendung seiner Musik hat Wagner entschieden nicht geahnt. Es kann also in nächster Zeit Vorkommen, daß eine Mutter ihrer Klavier spielenden Tochter zuruft:Schneller, schneller Klara, der Rinderbraten wird sonst nicht gar."

* Aus der MünchenerJugend". Weg damit! Gnädigste lassen sich schon wieder scheiden!?"Für die Wintersaison paßt der Mann nicht!" Zeichen de« Zeit. Auf ein M a st. s ch w e t n wird eine II. Hypothek aufzw nehmen gesucht. ;--Alpine Fragen.Wie viel beträgt

der Führerlohn aufs Wilde £>orn?,r100 Kronen."Da ist wohl gleich die S a r g l i e s e r u u g einbegriffen?"--5) e i-

lige Güter.Kinder müssen religiös aufzog'n werden, net daß s' unterin Hausgang 's Bier für 'n Vatern aus 'm Maßkrug weg- saufa." Di e Assessorsgattin.Ich hätte so gern ein Kind, aber mein Mann sagt, es passe sich nicht. Erst müsse die 'Frau R e g i e r u n g s r a t eins haben!"--Doppelte

Mora l.Und dös kannst schwören, Franzl?"Dös glaubst 's war j a neamd dabei!" Reise-Anden- k e n.Da schau her, lieber Max, wie interessant: am oNrdkap wird derselbe Federhalter als Reise-Andenken hergestellt, wie unter den Pyramiden!" ------------

Büchertisch.

W ernt die Gletscher flammen" ist der Titel des neueiten Romans von Robert Heymann, der in Kürschners. Bücherschatz Nr. 908 bei Hermann Hillger Verlag, Berlin W. 9, erschienen ist.

Das h o h e Ziel. Roman von Wilhelm Rubin er. Deutsches Berlagshaus Bong u. Co., Berlin. Der spannende Roman ist ein lebensfrohes Bild unserer Zeit, ein Stück Ge­schichte, das von der heißen Sehnsucht und dem kühnen Ringen der Menschen unserer Tage erzählt. Wilhelm Rubiner führt uns mitten hinein in die Kreise der Flieger und Flugzeugkonstrukteure, mitten hinein in die Vielgestaltigkeit einer jungen ansstrebenden Fabrik, in der die Apparate erfunden und erbaut werden, die den Menschen durch die Lüste tragen. Mit großer Gestaltungskraft entrollt er das Schicksal zweier Fabrikanten, die umgeben von wirtschaftlichen Krisen ihr Unternehmen mit ungeheuren Schwie- rigkeiten zu halten suchen, bis sie schließlich doch der Macht des Großkapitals weichen müssen. Der eine von ihnen, Erhard Höfer, wird zum Helden des Romans. Da es ihm nicht ver­gönnt ist, die eigene Fabrik zu halten, stellt er seine ganze Kraft in fremde Dienste und sucht durch nette geniale Konstruktionen feiner Firma zu nützen. Aber wie im Leben gerade die Besten häufig vom Mißgeschick verfolgt werden, so ist Höser in seinen Projekten nicht immer glücklich, Enttäuschung folgt auf Ent­täuschung, Fehlschlag auf Fehlschlag. Aber einmal noch wagt er ben Höhenflug, und dieser Flug bringt ihm den Sieg int Kampfe mit der Welt und im Kampfe init Seit Elementen.

Was ist Mode? Auf diese Frage gibt das soeben für Herbst und Winter erschieneneFavorit-Moden-Album" der Inter­nationalen Schnittmamtfaktur, Dresden, erschöpfenden Bescheid. Es muß ettte Freude für Frauen sein, ihre Staatsangelegen­heiten in so reicher, übersichtlicher und ansprechender Weise wie in diesem beliebten Modenbuch behandelt zu sehen. Es bietet sorgfältig gewählte Modelle für jeden Bedarf und auch die wirt­schaftliche Seite, die Toiletten-Aufwendungen in angemessenen Grenzen zu halten, ist dabei berücksichtigt. Zn beziehen ist das Favorit-Moden-Album" von den überall befindlichen, durch Plakate kenntlichen Verkaufsstellen, die Buchhandlungen oder direkt gegen 10 Psg. Porto-Zuschlag vom Verlag, Internationale Schnitt- manufaktur tn Dresden-N. 8, Nordstr. 29/31.

Arithmsgriph.

14 3 1 berauschendes Getränk.

2 12 4 Stadt in Böhmen.

3 5 2 4 Figur aus dem Kartenspiel.

4 2 5 2 eine Kulturpflanze.

1 2 3 4 1 männlicher Vorname.

2 5 2 4 ein Tier.

5 2 2 5 2 eine Frucht.

2 4 3 6 griechische Gottheit.

43621124 österreichischer Dichter.

6 2 13 See in Rußland.

Die Ansangsbttchstaben der geiundenen Wörter sollen bett Namen eines Gelehrten und Romaiischriitstellers ergeben.

Auflösung in nächster Nummer.

Auflösung des Geographischen Verschiebrätsels in voriger Nuimne.r! Meibelberg

Elsȧ

Aaiiens

Weißenburg

Jriedrichsruh

Versailles

Lothringen.

Redaktion: I. V.: August Goetz. Rotationsdruck und Verlag der Brühl'scheu Universttäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießen.