Ausgabe 
3.7.1913
 
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dhne denStallhasen zu schmecken", denn er hatte renoinnliert, daß, er Stallhasenfleisch selbst in der klernsten Portton schnwckm würde.

Damit war für den nächsten Mend wieder einStamm- tisch-Hekto" gesichert.

Gesundheit gegen Liebe.

Ans New Bork wird berichtet: Durch ganz Amerika geht eine neue Bewegung, die die Pflege der Gesundheit auf ihre Fahnen geschrieben hat. Das Problem dereugenics" scheint gegenwärtig die Amerikaner am meisten zu interessieren. Ihren praktischen Ausdruck findet die Idee in den Gesetzen, die in verschiedenen Staaten eingeführt werden sollen, um die Eheschließung unge­eigneter Personen zu verhindern. Es vergeht kaum ein Tag, an dem nicht die Sozialreformer loder auch ein Geistlicher feier­lich Protest dagegen erhebt, daß Personen mit anstöckxnden Krank­heiten oder geistig Minderwertige heiraten dürfen. Nun hat sogar der 'Senat des großen Staates Penusylvanien soeben ein Gtsetz angenommen, und zwar mit erdrückender Mehrheit, das dieses Prinzip dereugenischen Ehe" wirklich durchführt.

Tas Gesetz, dessen Einführung alle medizinischen Gesellschaften des Staates befürworteten, verbietet die Erteilung einer Hei­ratserlaubnis allen Personen, die mit ansteckenden Krankheiten be­haftet sind; die Erlaubniis soll auch nicht erteilt werden, Wenns eine der beiden eheschließenden Personen nicht völlig zurechnungs­fähig ist oder unter Bormundschaft steht. Kein Mann darf heiraten, der innerhalb der letzten 5 Jahre in einem staatlichen Heim für 'Fürsorgebedürftige ausgenommen _ war, wenn es nicht hin­reichend bewiesen werden kann, daß die Ursache dieser Aufnahme beseitigt ist und er physisch imstande ist, eine Familie zu er­halten. Diesem Borbild beabsichtigen andere Staaten mit ähn­lichen Gesetzen zu folgen. Um die Oeffentlichkeit hierfür geneigt zu machen, werden in den verschiedenen Teilen des Landes Versamm­lungen abgehalten, undeugenische" Broschüren massenhaft ver­breitet. Nicht nur in den Hochschulen, sondern auch in vielen Elementarschulen sind neuerdings Kurse fürSozialhygiene" eingerichtet, in denen diese Anschauungen gelehrt werden. Einen besonders drastischen Ausdruck sanden sie aber bei einer Tagung der Irrenärzte und Neurologen, die gegenwärtig in, Chicago abgehalten wird. Die Gesetzgeber aller Staaten wurden hier aufgefordert, strengere Ehegesetze zu erlassen, um degenerierte Elemente von der Gründung einer Familie au^uschließen, und die Gouverneure von 15 Staaten ersuchten die Versammlung, Mittel und Wege zu finden wlie dieses Ziel am besten erreicht werden könnte. Den Höhepunkt oder wenigstens den stärksten Wiederhall fand die Auseinandersetzung jedoch, als einer der Redner den Feldzug gegen die Liebe eröffnete als den Feind, von dem alles Böse kommt. Dr. Morris war es, der frank und frei erklärte, daß alle Liebenden verrückt wären.Irr­sinn ist ein delikates Thema," so erklärte er, und seine Ausfüh­rungen fanden allgemeine Zustimmung;es klingt geschmacklos, ein gesundes junges Weib als wahnsinnig zu bezeichnen, wenn sie im Mondschein neben einem Mann von mittelmäßiger Geistes­verfassung sitzt, in dem sie einen wahren Gott erblickt, lind doch ist es eine Art von Geistesstörung, die das Herz dieses jungen! Meibes schneller schlagen läßt und ihre Augen aufleuchten macht, ebenso wie der junge Mann ein Opfer derselben Halluzination ist." Auf die Frage, welche Art Leute denn heiraten sollten, wenn nicht die Liebenden, erwiderte Dr. Morris:Liebe ist bei der Heiratsfvage nur von untergeordneter Bedeutung. Zwei gesunde und gleichgeartete Personen mit ähnlichen Neigungen sollten ein­ander heiraten, ob sie sich lieben oder nicht, aber vor allen Dingen müßten sie zunächst ein Gesundheitszeugnis beibringen."

Tie Versammlung erklärte sich einstimmig für die Einführung von Gesetzen, die alle gesundheitlich nicht geeigneten Personen von der Ehe ansschließen.

VermZschtss.

' ' Der Netteste der deutschen Architekten. Am 2. Juli beging Geh. Oberregierungs- und Baurat 'Professor Dr.- Jng. Julius Raschdorff zu Berlin seinen neunzigsten Geburtstag. Der Senior der deutschen Architekten ist geboren 1823 zu Pleß in Schlesien, besuchte von 18141847 die Berliner Bauakademie, legte 1851 sein Baumeisterexamen ab und wurde zwei Jahre später Stadtbaumeister in Köln a. Rh., wo er in der Folgezeit sehr erheblich zur Verschönerung des Städtebildes und zur Förderung des Kunstlebens beigetrageu hat. Er erweiterte nach eigenen Plänen den spätgotischen Gürzenich, leitete den Bau des von Josef Felten im Tudor-Stil entworfenen Wallraf-Richartz-Mu- seums, baute die Provinzialgewerbeschule und verschiedene andere «chulgebäude und restaurierte in glücklichster Weise das gotische! Rathaus mit dem berühmten Hansasaal und den zugehörigen ^stottghen Turm sowie die köstliche Neiiaissancevvrhalle des Wilhelm Vermuken. Unvergessen bleibt, daß er nach Kräften be- strebt, gewesen ist, das ehemals so blühende Kunsthandwerk der rheinischen Metropole zur Mitarbeit heranzuziehen und in seiner Leistungssährgkeit zu steigern. Außerhalb Kölns schuf er das

Gymnasial- Md Realschulgebäude Bielefel und im Charaktep italienischer Renaissance das rheinische Provinzialständehaus zu Düsseldorf. Im Jahre 1879 als Baurat und Professor an di« Technische Hochschule nach Berlin berufen, befaßte er sich hinfort neben seinem lehramtlichen Berufe vornehmlich mit Plänen zum Berliner Dombau. Sein Entwurf fand beim Kronprinzen, nach­maligem Kaiser !Friedrich, Billigung, gelangte aber erst nach dessen Tode in den Jahren 18931905 zur Ausführung. Dem toten Kaiser baute er das Mausoleum bei der -Friedenskirche zu! Potsdam, und zwar auf höheren Wunsch in Anlehnung an die heilige Grabesttrche zu Juiucheu in Tirol. Auch vollendete er nach Lueäs und Hitzigs Tode den gewaltigen Neubau der Tech­nischen Hochschule zu Eharlottenburg. Nicht vergessen sei sein Entwurf zum 94 Meter hohen Turm der Gertrud-Kirche zu Stock­holm, deren alter Turm 1878 einem Brande zum Opfer gefallen war. Harmonisch fügt sich die neue Turmsilhouette dem zwischen 1638 und 1642 vom Nürnberger Meister Jakob Kristler errich­teten Kirchenbau an. Als Dozent hat Raschdorff über Städte­anlagen und die wichtigsten Borwürfe des Hochbaues gelesen. Hinzu traten Hebungen im Entwerfen von Hochbauten unter Be­rücksichtigung der Renaissance und im Stegreifentwerfen. Bor Be­ginn des Wintersemesters 1911 legte der Ächtnndachtzigjährige sein Lehramt nieder, um sich zur wohlverdienten Ruhe zu setzen. Er ist Mitglied der Akademien der Künste zu Berlin, Wien und Brüssel und führt auch den Titel eines Dombaumeisters.

G emü sep ul v er als u g li n g s n ahr u n g. In­folge ihres hohen Kvhlehydratgehaltes sind die Gemüse außer­ordentlich zweckmäßige Nahrungsmittel, oder vielmehr sie wären es, wenn die Kohlehydrate nicht von einem unverdaulichen Man­tel von Zellulose cingeWllt wären. Hm diese reiche Kraftquelle aufzuschließeu, bedarf es also der Entfernung des Holzstoffes. Ties hat der Berliner Physiologe Prof. Friedenthal dadurch erreicht, daß er die Gemüse wie Spinat, Bohnen und Erbsen! fein zermahlen läßt. Die gewonnenen Pulver sind außerordentlich bekömmlich. Sogar zur Ernährung von Säuglingen können sie unter Umständen verwandt werden, wie Untersuchungen aus der Klinik des Wiener Kinderarztes Prof. Kassowitz zeigen. Man gab dort das Gemüsep-ulver mit derselben Menge Mehl und der halben Menge Zucker in Milch oder Haferschleim. Ter süßs Brei wurde von den Kindern gern genommen und, wie Stoffwechsel- Versuche bewiesen, auch gut ausgenutzt.

Sprachecke de; Allgemeinen Deutschen Sprachverein;.

* Promenadenkonzert. Wer spricht woyl noch von Prome­nade im Sinne von Spaziergang und von promenieren? Aber Promenaden-Anlagen und dazu Promenadenkonzerte gibt es ivohl trotzdem noch in sehr vielen deutschen Städten. Was könnte nun statt dessen gesagt werden? Selbstverständlich ist an dem Konzert selbst nicht zu rütteln, weil dieses Fremdwort nun einmal zu den unentbehrlichen gehört. 91 her statt Promenade könnte füglich etwas anderes gesagt ivcrden. Eine einsache Fran aus dem Volke sagte einmal in der Pause eines solchen Konzertes:Warum nennt mau das eigentlich Promenadenkonzert'? Man könnte doch Wandelkonzert sagen." Mancher ivird das lächerlich linden; mit Unrecht: wenn das gesunde Sprachgesühl des Volkes das unbefangen ausspricht, so darf solcher Ausdruck auch öffentlich ruhig geivählt ivcrden, ohne daß man zu besiirchten braucht, der Lächerlichkeit geziehen zu werden. Man weiß ja auch gar nicht, ob es heißen sollKonzert in den Promenaden" - findet eS doch hier itnd da auch aul Marktplätzen statt oderKonzert, bei dem man eilte Promenade machen, promenieren, nmherwandeln kann". Im ersten Falle uu'irdeAnlagen­konzert" die ttebersehung sein, im zweiten jene erwähnte - Wandelkonzert". Aber am einfachsten käme man wohl um die Schwierigkeit herum, wenn man nur sagte:" Konzert in den und den Anlagen" oder etwa auch:Freikonzert in den und den Anlagen". Der ZusatzPromenade" erscheint wirklich ganz und gar überflüssig; denn niemand wird annehmen, daß in den Anlagen einige Dutzend Bänke oder einige Hundert Stühle ausgestellt seien; vielmehr weiß jedermann, daß er bei einem ,/Frei) konzert in Anlagen" daraufangewiesen'ist, umherwandeln, ausaltsränkisch:z>t promenieren.

Arithmogr'rph.

13 113 6 Name mehrerer fränkischer Lerrjcher.

2 7 3 6 7 lyrischer Dichter.

3 4 4 7 Fluß in Frankreich.

4 3 6 3 7 geometrisches Gebilde.

3 6 6 Nebenfluß der Donau.

5 2 3 4 3 5 5 männlicher Vorname-

5 3 4 4 7 6 Arzneimittel.

3 4 3 Land in Jnnerasien.

6 3 4 Strom in Afrika.

7 4 4 7 früheres Maß.

6 3 7 4 französischer Feldherr.

Die Anfangsbuchstaben der gesundenen Wörter sollen den Namen einer Inselgruppe ergeben.

Auflösung in nächster Nummer.

Auslösung des Logogriphs in voriger Nummer:

Bild, Wild.

Reaktion: K. Neurath. Rotationsdruck und Verlag der Vrühl'schen lluiversttäts-Buch- und Steindruckerei. N. Lanae, Gießen.