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Ueb erwacht, mit blassen: Gesicht trat sie an: Morgen in das- Wohng-immer.
Mit hem Tageslicht war eine leise Hoffnung in ihr er« wacht, haß ihr Papa dsteses furchtbare „entweder, oder" gilt? bÜcknehMeu, daß sie setzt, ohne ote Gegenwart der feindseligen, alten Frau Verstäuldüts finden könnte Mr den unlösbaren Zwiespalt in ihrer Seels. -
Papa dsteses furchtbgre „entweder, oder" gilt? aß sie setzt, ohne die Gegenwart der feind- F'rau Verstäuldüts finden könnte Mr den viespalt in ihrer Seels. -
Adolf und Mali sahen schon beim Frühstück.
Mali war nipch in ibrem Morgenrock und! sah alt und 'großmütterlich aus mit dem aufgedrehten Haar unter dem weißen Kairo nenhänbcheit.
tet, als tvollte sie ihn aufstcicheln aus seinem Phlegma, ihn zu eittem energischen Dazwischen fahren anregen.
Zustimmend, antreibend nickte sie ihm gut, als er dann schweratmend mit finsterem Gesicht das junge Mädchen an« schrie: ,,, . ,,
: .Ich will dir was sagen: da braucht s gar nicht viele Wort'. Entweder Äst sdn hei uns daheim' oder bei ihM! Entweder bin ich dein Pater oder er! Wenn dich den« Herz zu dem Menschen hinzieyt, den du kaum kennst, der dich einfach z'rücklafsen hat, wie ein armes, heimatloses tzundel — ja, nachher geh nur, nachher lauf nur hin Kl ihm! Aber dann sind wir auch geschiedene Lent'. Das gibt's uet, daß ich mich von die Lent' auslachen lass', lind wenn du dem notigen Maler seine Tochter sein willst, statt die nieinige, dann tu dir nur keinen Zivang an. In 'mein Haus kommst mir aber nachher uet mehr herein, da heißt's einfach: entweder, oder! Ich meine, die Wahl wirst du dir überlegen, wenn deinen Verstand nicht ganz verloren hast!"
Mali schaute mit ihren nassen, rotgeränderten Augen angstvoll bald auf ihren Mann, bald auf das junge Mädchen,
7,Ja, gelt, Hildegard," suchte sie gilt begütigen und streichelte sauft das braune Haar der Tochter. „Du überlegst dir heut' Nacht, was der Papa g'sagt hat und morgen bist wieder g'scheit und siehst ein, daß er recht hat und daß es am besten ist, wenn du deinen Vater gar uet mehr siehst. Es geht ja uet anders. Du mußt dich, schon zu uns halten, wir drei, wir g'hvren ja doch z'sammen'!"
Hildegard konnte die Tränen nicht Mehr gurückhälten.
Diese sanfte, gute Stimme rauhte ihr den Rest von Fassung.
Es war zuviel, was auf ihr junges Herz einstürmte.
Meinend, keines klaren Gedankens mehr fähig!, küßte sie Mali mit einem leisen „Gute Nacht" und wollte gehen.
Mer als die Großmutter ihr mit schrillem Ton nachrief: ■ !
„Ich mein' halt auch, du wirft dich riet lang' b'sinnen Müssen," dä hob' sie mit einer trotzigen Bewegung das Haupt. .
„G'sund wär dir's, meine Liebe, wenn du's einmal eilt paar Tag' lang verschmecken müßt, wie's anderswo gugeht. Kein'Geld hint' und vorn, so eine notige Maler- Wirtschaft! Da tätst aber bald mürb!' werden und gute Seiten aufziehn bei uns!"
Diese letzten Worte hörte sie noch.
Dann floh sie in ihr Zimmer und einen Moment lang spar es ihr, als müsse sie fort, gleich jetzt, ohne weiteres Besinnen, nur, um der alten hämischen Frau zu zeigen, daß sie sich nicht halten ließ von dem Bernhoblerschen Reichtum, daß sie sich nicht fürchtete, mit ihrem Vater die Armut gut teilen.
Aber ein Blick auf den NachthimMel, auf die einsame Straße, Machte sie doch wieder wankend in diesem letden- fchaftlichen Entschluß.
Ihr schauderte namenlos vor diesem ersten Schritt hinaus in das Dunkel, in die unbekannte Zukunft.
Kit einem Male fühlte sie doch, wie schwer es ihr wurde, sich von diesem Heim loszulösen, in dem sie geborgen gewesen seit ihren Kindertagen, wie unmöglich, wie unfaßlich es ihr doch war, daß sie fort sollte von ihrer MaMa . Wie ein Sprung ins Leere, ins Uferlose, schien es ihr.
Und dann dachte sie wieder an . den einsamen Mann Mit den warmen traurigen Augen und sah ihn verlassen, krank, hilflos, und es war ihr, als strecke er voll Sehn- K'bie Arme nach ihr ans, und sie nannte sich feig, erstich feig!, weil sie noch überlegen und' zweifeln konnte, weil ihr solche .Ängstschauer über den Rücken rieselten.
Wer Papa Bernhobler war sichtlich schon zum Ausgehen augeziogen und machte eine finstere Miene.
„Mo, bist heut Nacht gin einem' vernünftigen Entschluß kommen?" fragte er barsch.
Seine Mutter hatte ihm noch aus's wärmste befohlen« nicht weich zu werden, um keinen Preis nachgugeben. .
Da Hildegard schwieg, fuhr er fort:
„Weißt, ich red jetzt vor allem mit dem Herrn Holst, Ich werde ihm' auf gut Bayrisch meine Meinung sagen. — Da, da ist die Schrift, unter der sein Namen steht, die werd ich ihm unter die Nasen reiben. Und wenn er ein bißl Ehr im Sei& hat, und' wenn er es ein bisst gut meint mit seinem eigenen Kind, nachher muß er ja einsehen, _ daß er dir dein Leben nicht verpatzen darf, daß er ni.t Gescheiteres tun kann, als sich sobald wie möglich aus' dem Staub' z' Machen. Er tat mir leid, wenn ich grob Werden müßt. Aber er hält sich's nur selber zuz'schreiben, wenn er nicht gutwillig nachgibt. — No also, ich geh! Wo ist das Atelier? In der Neureutherstraß'! Ist schon recht!"
Er nahm den Hut, stülpte ihn auf den Kopf, nickte seiner Frau zu, die mit wehmütigem Gesicht dafaßi, und wollte fort.
Hildegard hatte geschwiegen in einem letzten schweren Kampf, i
Nun sprang sie auf, legte ihre Hand auf den Arm des Vaters und rief in heftiger Erregung:
„Nein, nein! Du sollst ihm nicht weh tun! Du sollst ihn nicht fortschicken in die Fremde! Ich muß zu ihm! Ich fühle, daß es Meine Pflicht ist! Davon löst mich keine Unterschrift, kein Versprechen! Da drinnen fühle ich's in meinem Herzen. Ich weiß ja, daß ich undankbar bin gegen Euch. Aber Ihr zwingt mich! ja zu der furchtbaren, Wahl! Vielleicht vergebt ihr mir, wenn ich fort bin! Vielleicht denkt ihr milder in einiger Zeit!"
„So mach, sdäß du fortkommst, du undankbares Geschöpf!" unterbrach Adolf sie mit wutentstellter Stimme. „Aber das sag ich dir, wenn du mich uet mit aufg'hobne Händ' um Verzeihung bitt'st, wenn ich dich', net auf die Knie seh vor deiner guten Mutter, die dir so viel Gut's 'tau hat, nachher kommst mir net mehr in mein Haus! Wir zwei sind fertig miteinander! Und dich wird's noch reiten, blutig wird's dich reiten. Aber du hast dir dein Unglück selber zuzuschreiben!"
Auch Mali wendete sich ab, als Hildegaro sich noch einmal nähern wollte.
Wie in einem dumpfen Traum packte sie das Aller- nötigste in ei» Köfferchen zusammen, bat schüchtern, daß man ihr einen Wagen hole, und fuhr dann fort, in jenem gewissen Stumpfsinn, der sich zuweilen in den entschei? dendsten Stunden des Lebens über die Seele breitet, als sollte eilt barmherziger Schleier sie umhüllen, während das Schicksal den Menschen sorireiM aus neue, dunkle Wege.
Dann klopfte sie an der Ateliertür, stammelte mit blassen Lippen:
„Vater! Ich komme zu dir! Für immer! Sie haben mir die Wahl gelassen zwischen dir und ihnen. Ich konnte nicht anders!"
Sie hörte 'einen Jubelschrei, fühlte sich nntsch'lungen von starken Armen, zärtliche Worte klangen an ihr Ohr.
Run wüßte sie, dgß sie das Rechte getan hätte, trotz allem. 1
(Fortsetzung folgt )!
Marga betätigt sich sozial.
Skizze von M. Lüning (Hannover).
-„Na, und was macht Marga?"
„Die betätigt sich sozial," entgegnete die stolze Mutter, nickte mit dem Riesenhut und sah mit überlegenem Lächeln auf ihre beiden Neffen herab.
„Famoses Mädchen!" sagte der kleine Kadett keck, indem er feilte zu großen weißen Handschuhe recht fest anzustreifen versuchte.
Der Unterprimaner aber bewährte wieder, wie leider so oft schon, seine erschreckende Unfähigkeit, sich durch Tante Leonie imponieren zu lassen, und fragte ganz impertinent sachlich: „Was verstehst du unter, betätigt sich sozial".?"
„£), das saun ich dir sticht so int einzelnen sagen, mein Junge, Es ist so vielerlei. Erft hatte sie einen Kursus in Kinderpflege^ und ttun hört sie Vorträge über Arbeiterversichernng und must auch Aufsätze darüber machen. Und dann ist sie Schriftführerin


