Ausgabe 
3.5.1913
 
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Samstag, den 3. Mai

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Zwei Welten.

Roman von Emma Mer?.

(Nachdruck verboten.)

(Fortsetzung.)

Was, der Mensch ist da? In München! Wer pflanzt srch dir in den Weg? Der untersteht sich?" rief Bernhobler, blaurot im Gesicht in zorniger Bestürzung. 1

Mali hatte zu tveinen angefangen.

Das dumme Porträt ist an allem schuld," jammerte sie.Ich hab' dich überraschen wollen, Alter, und hab' die Hildegard Malen lassen. Wie wir das erste Mal in das Atelier znM Maler Grönberg hinlominen, -geht sda na,ch einer Weil' sein Zimmernachbar bei der Tür herein ich hab' g'meint, mich trifft der Schlag. So alt und grau er worden ist, ich hab' ihn gleich ivieder kennt. Ang'schant hab' ich ihn wie ein Gespenst. Mir ist's seitdem wie ein Stein auf dem Herzen g'legen. Und jetzt hat er sie wirklich ang'redt uhd jetzt haben wir die Sorg' auch noch auf dem! Hals. O, wenn nur ich das Bild nicht" hält' malen lassen!"

-Warum hast denn das nicht früher erzählt?" zankte Bernhpbler, halb ärgerlich!, halb weichgesttmmt von den Tränen Malis.Nachher hätt's jetzt die ganze "Wirtschaft nicht geben. Dein Herrn werd ich den Standpunkt schon klar Machen. Der hat überhaupt mit der Hildegard nix z'schaffen und soll nur iMacheu, daß er aus dem Weg kommt! Siebzehn Jahr hat er sich um seine Tochter nicht kümmert, der herzlose Mensch! Das wäre eine saubere Manier, wenn er jetzt auf einmal daher kam und den Vater spielen möcht'. Na, mein' Liebe, da brauchst net weinen. Mit so einem Kerl werd ich bald fertig, dem druck' ich ein paar Hundertmarkscheine in die Hand und dann soll er hingehen, wo er mag nach Amerika nüber mciii't- wegen!"

!-,Jch Weitz »et, ob du den so schnell anbringst," meinte die alte Frau mit einem pfiffigen Blinzeln.Der möcht' sich halt jetzt auf seine alteir Tag' iit die Familie reinsetzen und sich aushalten lassen. Wenn's der Tochter so gut geht, meint er, daun wird für ihn auch noch ein Bröckel abfallen. Ja, da habt ihr euch eine schöne Last auftan. Ich hin damals nicht g'fragt worden, ich hätt' euch das glerch sagen können, daß noch sowas daherkommt, wenn man sich mit solche Leut' einlatzt.

>,,Das wollen wir nachher schon sehen!" schrie Bern- Hobler.Der soll mich kennen lernen, der Lump, der wort­brüchige !"

Ihr sollt nicht so über meinen Bater sprechen!"

Wie ein leidenschaftliches Schluchzen kaM's über die jungen Lippen, syis ein Heiserer, qualvoller Schrei.

So, dir willst uns vielleicht das' Reden verbieten? Da schau her,."

Ich will es jedenfalls nicht mit anhören!" stietz Hilde­gard bebend hervor.'Ich kann es nicht ertragen. Mein Vater ist arm gewesen und unglücklich. Das Schicksal hatte ihn ganz zermürbt. Aber weil er sich damals in seiner per- zweifelten Stimmung von dem kleinen Kind trennte, das er ja doch nicht mitnehmen konnte auf die weite Reise, dar­um ist er doch kein herzloser Mensch, kein Lump! Und es ist ja natürlich, -bja'tz es ihn HÜnzieht zu der erwachsenen Tochter, daß er sich nicht ganz stunrm beiseite drücken kann. Er hat mich trotz allem so tim Er war so unbeschreiblich glücklich, datz ich mich nicht von ihm ab-gewendet h!abe."

-So, 11 nd du meinst vielleicht, datz wir das zugehen, datz du jetzt mit dem Maler herumziehst, wo dich die Leut' d-och -alle für unser Kind halten, datz wir am End' den Vater auch noch mit in's Haus nehmen.sollten?" warf Adolf hin mit z-ornheiserer -Stimme.

Ganz recht hast," hetzte [bie Großmutter.Das mutzt ihr gleich von Anfang an ausblasen. Was da die Leut' sagen täten! Keinen Schritt darf sie mehr mit dem Menschen gehen und überhaupt verbiet'st i^r, Satz sie noch einmal mit ihm redt. So einen Anhang können wir »et brauchen i"

Ja, das bist uns schuldig," mischte sich Malt ein, sanfter, aber doch auch sehr bestimmt.Das haben wir Wohl an dir verdient, Hildegard. Du heißt Bernhobler, Und der Herr Holst geht dich gar nichts an!"

Aber Mama! "flehte Hildegard in heißer Herzens­angst.Ich bin doch trotz allem sein Kind!" '

Der warme zärtliche Ton der Worte reizte Adolf nur zu stärkerer Empörung: i

-Was! Wir haben dich an Kindesstatt ang'nommen, wir haben dich grotzg'zogen, zu uns g'hörst!" brauste er auf.Vor einer W-och' hast von deinem Vater noch nix g'wutzt. Also wirst dir ihn wohl ivieder aus dem Kopf schlagen können! Der Mensch darf einfach net für dich da sein! Du hast dich nix UM ihn zu kümmern, so wenig er sich um dich' Mmmert hat. Versprich mir's, datz es' heut' das letzte Mal g'wesen ist, ivo du mit ihm g'redt hust und dann sind wir ivieder gut miteinander und es bleibt beim alten."

Er streckte Hildegard seine breite Hand entgegen und wartete mit drohender Ungeduld auf ihre Antwort.

Aber vor dem jungen Mädchen stand das liebevolle, herzensivarme, von Leid durchfurchte Gesicht, das Heute bei ihrem Anblick wie verklärt ausgeleuchtet hatte, sie hörte die flehenden Abschiedsworte:Verlaß mich nicht ganz, 'mein Kind!" und sie schüttelte mit den Tränen kämp­fend, die ihr nach den heftigen Gemütsbewegungen der letz­ten Stunden in die Augen traten, verneinend das Haupt.

sZch kann das nicht versprechen! Es tut mir ja so lerh! Bei aller Dankbarkeit für euch mein Herz zieht mich aber auch zu ihm. Er ist doch mein Vater! Seid doch- nicht grausam!" -

Die Großmutter stieß ein kurzes, höhnisches Lachen aus.

Ihre kleinen scharfen Augxn in dem von tausend Fält­chen gezeichnete» HefM ivaxen fest auf den .Sohn seri.ch-