Ausgabe 
3.4.1913
 
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Donnerstag, den S. April

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frautnütbt.

Roman von Horst Bodemer, (Nachdruck verboten.)

(Fortsetzung.)

v., Und als der Hochsommer kant mit seinen heißen Tagen, blickten Frau von Mvreth und Haus-Wilhelm oft besorgt vuf Eva. Sie war wieder blasser geworden, die Unruhe trieb sie durchs Haus.

Was hast du, Eva?"'

Was soll ich haben nichts!"

Ach du siehst nicht mehr gut aus!"

,>£), das geht vorüber." 1

' iÄch habe solche Angst- Liebling!"

Da lachte sie ihm ins Gesicht.

In der darauffolgenden Nacht wälzte sich Hans-Wilhelm schlaflos im Bett. Eva wurde es gewahr. Hatte er Sorgen.

ihretwegen? Es machte sie glücklich das gu denken.

Der nächste Tag war ein Sonntag.

Nach dem Essen fragte sie:

Hans-Wilhelm, bars ich dich ein wenig spazieren fahren Vhne Kutscher?"

Von Herzen gern, Eva. Ich wollte so wie so hinaus; vin herrlicher Anblick, oas wogende Aehrenmeer!"

Der Preis der Arbeit. Das macht froh, nicht wahr?"

Da herzt und küßt er sein treues Weib.

Und draußen in den einzelnen Schlägen halten sie an. Hans-Wilhelm erzählt, was hier, was dort im vorigen Fahre gestanden, wieviel geerntet worden ist. Eva hört glücklich lächelnd zu.

Run legt sie ihre Hand in die seine.

.Hans-Wilhelm, ich häh' dir auch etwas Kn sagen!"

So schieß los!"

Eva!"

Seit diesem Tage geht .Hans-Wilhelm mit noch festeren Schritten, über seiner Väter Land.

Großer Gott, wir danken dir!"

Er schreit es hinaus vor Glück in den schönen SomMertag.

Mit der Hand faßt er die Zügel des unruhig gewordenen Arabers, mit der freien umschlingt er sein Weib.

Also deshalb die letzten bösen Tage?"

Sie nickt.

Da zieht er den Hut vom Kopfe. ,

Run besserte sich auch das Verhältnis mit dem Grasen Relendorff. Hans-Wilhelm in seinem Glücke war bereit, Geschehenes zu vergessen. Er hatte doch seinem Schwieger­vater so viel schwere Stunden bereitet, er war und würde immer in seiner Schuld bleiben, sagte er sich. Also, warum hen Frieden nickt auch innerlich herstellen?

Eva war's von .Herzen froh, aber die alte Frau von Mvreth blieb kühl itno zurückhaltend.

Mama, nun sei doch bloß nicht so!"

, >Jch bin immer meinen Weg für mich gegangen; auJ meine alten Tage ivird es dir nicht gelingen, mich auf einen anderen zu bringen."

Unser Glück würde noch größer sein, wenn es zwischen Euch beiden würde wie ehemals."

Da hatte sie ihrem Sohne erwidert:

'Ich wache über Euer Glück; kenne ich doch deine« Schwiegervater seit mehr als dreißig Jahren."

Einen Moment wurde Hans-Wilhelm stutzig, aber sein Optimismus siegte. Die Mutter sah sicherlich am hellen Morgen Gespenster.

Aber Frau von Mvreth durchschaute den Grafen gan« und gar. Er hatte eingelenkt, um Eva, die eben erst dio schwere Krankheit überwunden, nicht Aufregungen auszu­setzen, die ihr schädlich sein mußten. Als er die Nachricht erhalten, war er durchaus nicht erfreut gewesen im Gegenteil. Nun wurde eine Trennung von Haus-Wilhelm sehr erschwert; geschah nicht etwas Unerwartetes, würbe siv unmöglich sein. Das Kind würde jeden Riß von neuem! zusammenkitten, bis Mvreth niedergebrochen war für ein ferneres Leben. Ob er selbst dann, wenn er es erlebte,. Eva von ihm freimachen konnte, erschien ihm zweifelhaft. Und an Hans-Wilhelms Besserung auf die Dauer, glaubte er nicht,. das mußte heraus, und er war fein Schwieger- sohn nicht, das mußte jeder zugeben, der ihn einigermaßen kannte. Jetzt galt es aber, Eva alle unnötigen Erregungen fernzuhalten, deshalb hatte er mit Widerstreben Hans-Wil­helm die Hand zur Versöhnung gereicht.

Ganz richtig hatte ihn Frau von Mvreth beurteilt.

Die Ernte war schön hereingekommen. Manches liH zwar zu wünschen übrig, aber das ist bei der Landwirtschaft nicht anders alles klappt nie. Hans-Wilhelm hatte die berechtigte Hoffnung, ein Plus in die Bücher eintragen zu können. Der Umschwung war da, das spornte seine Berufs­freudigkeit an.

Und dann kamen die langen Winterabende, an denen er mit Eva Hand in Hand am lodernden Kamine saß.

Sie lachte.Wenn es aber ein Mädel wird?"

Ach was, erstnen Jungen! Und der soll wie fein Großvater heißen und Kürassier in unserem glorreichen Re­giment werden, wenn ich mir auch den Zuschuß aus dem Daumen lutschen müßte!"

Ganz übermütig war er geworden und häuslich. Die Jagden sagte er ab.

Im November gab Graf Relendorff eine große Jagd; seine Reviere waren lange geschont worden, sie versprachen also ein gutes Resultat.

Au der Seite des Gastgebers machte Hans-Wilhelm von Mvreth als Schwiegersohn di? Honneurs.

Düsedau gab ihm bei der ersten besten Gelegenheit einen sanften Rippenstoß.

Na, alter Schwede holder Friede, süße Ein­tracht?"