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er für beschränkt gehalten werben. Weniger harmlos tft bte | Sitte des Eltern- und Kind esmordes; aber es fehlt den Indianern auch hier das Bewußtsein, daß sie damit etwas Unrechtes oder gar ein Verbrechen begehen. Die Indianerin hält sich für berechtigt, ihr neugeborenes Kind zu töten; sie habe ihiu das Leben gegeben, könne es ihm also auch wieder nehmen. Indessen beschränkt sich der Kindesmörd auf den Fall, daß der Vater die Mutter verlasseii hat, oder daß das Kmd Mißgestaltet lst. Man erzieht die Kinder mit größter Liebe und Nachsicht, Und die Kinder hängen ebenso sehr an den Stern. Tötet der Indianer seinen alten Vater oder seine alte Mutter, so glaubt er, nicht nur sich, sondern auch sie von einer unerträglichen Last zu befreien; denn der Kampf ums Leben ist für Gebrechliche oder Hilflose dort aussichtslos. Die Regel ist aber doch, daß die Alten, selbst wenn sie blind oder verkrüppelt sind, von dm Kindern unterhalten werden.
Wir pflegen zu feigen, daß neben dem Umfange des Seifen- I Verbrauches auch die Stellung der Frau em Maßstab. für die I Kulturhöhe eines Volkes sei. Das trifft im gewissen Sinne auf I die Indianer des Chaco zu. Die Aschluslay und Choroti. sind grenzenlos unsauber und in der Tat primitive Stämme;^ dagegen sind die Chiriguano-Jndianer, Nachbarn der Choroti, sehr reinliche Leute, und sie stehen auf weit höherer Stufe. Bel den Chiriguano werden die Mädchen streng gehütet; bei den Aschluslay und Choroti haben sie bis zur Verheiratung völlige Freiheit. Jede Nacht wird im Freien flott getanzt. Dazu machen die jungen Herren stundenlang sorgfältigst Toilette und legen auf möglichst originelle Bemalung und Ausschmückung innerhalb der Grenzen der gerade herrschenden Mode großen Wert. Weit weniger Gewicht legen die Mädchen auf ihr Aeußeres, und das kommt daher, daß sie bei jenen Bällen die Wählerinnen sind, nicht die Gewähltm. Zu Liebesabenteuern ergreift immer das Mädchm die Initiative, und zwar tatkräftig und ungeniert. Die jungen Burschen kümmern sich um das Aeußere der Mädchen wenig, während für diese bei der Wahl vornehmlich die Schönheit des Gesichts, nicht die des Körpers entscheidend ist. Unter solchen Umständen ist es nicht wunderbar, wenn Eifersuchtsszenen und Raufereien wegen einer Schönen bei den Burschen nicht vor- I kommen, daß "vielmehr die jungen D a m e n eines begehrten j Herrn wegen mit Box er Handschuhen aus Tapir haut oder gar knöchernen Pfriemen aufeinander losgehen. Norden- skiöld sah zwei Chorotimänner, die ihm als große Lieblinge der Frauen bezeichnet wurden, und die hatten an Gesicht und Händen stets Kratzwunden. Und warum? Weil dort das Mädchen seinen Liebsten nicht küßt, sondern ans Zärtlichkeit kratzt, ihm auch 'ms Gesicht speit! Wer auch den endgültigen Gefährten fürs Leben wählt sich bei den Choroti das Mädchen selbst, und es ist ihm dann auch eine treue und fleißige Hausfrau. Begreif-« licherweise ist indessen die Chorotischöue, wenn sie endlich ans Heiraten denkt, schon etwas verblüht, und so kommt cs, daß sie selten durch äußere Vorzüge die Herrschaft über den Ehemann zu erringen vermag. Immerhin ist sie keine Sklavin, sondern eine freiwillige Arbeiterin; sie hat sich eben den Manu genommen, um für ihn zu arbeiten. Anders bei den Chiriguano, wo der Mann tvirbt und der. Mann ein Mädchen zur Frau wählt, das ihm auf J)ie Dauer noch gefallen kann. Dort hat die Frau eine höhere Stellung, und sie schafft mit dem Mann gemeinsam fürS Haus. Aus der Arbeitsverteilmig unter die Geschlechter ist übrigens zu ersehen, daß auf beide etiva gleich viel fällt; indessen ist die Töpferei und bei den Aschluslay sogar der Hausbau ausschließlich Sache der Frau.
Alte Jungfern gibt es bei den Stämmen des Chaco nicht, und Junggesellen sind spärlich. Als große Merkwürdigkeit wurde Rordcnskiöld ein Choroti gezeigt, d,er niemals eine Fran gehabt hatte. Leider hat die Moral dieser Wildstämme unter der Berührung mit den Weißen schon sehr gelitten. Bon der argentinischen Seite findet viel „Feuerwasser" Eingang, mit dem sich die ziemlich harmlosen. eigenen berauschenden Getränke der Indianer nicht messen können.
’ Eine Berliner Schloßsage wird durch den zivei- hundertjährigen Gedenktag des Todes Friedrichs I., des erneu Königs von Preußen, tu Erinnerung gebracht. Gräbst berichtet diese Sage nach den „Monatlichen Unterredungen aus beut Reiche der Geister, Band III", in der folgende» Weise: Als der König im Sterben lag, hat sich nm 24. Februar 1713, dem Tage vor feinem Ableben, zwischen 8—9 Uhr abends, in dem fogenaunten Jnwelenkabiuett, dem Sterbezimmer gegenüber, welches versiegelt lunr, durch das in die Galerie gebrochene Fenster sowohl dem I letztuerstorbenen König und damaligen Kronprinzen, als dem Ober- I honnarschall des Prinzen, Grafen von Jiiikenstein, und dem Leib- I mebteus GundelSheim ein herumwandelndes Licht gezeigt, als wenn j etiimS verloren worden sei und gesucht werde. Nach Entsiegelung I be3 Zimmers aber und Beleuchtung desselben mit anderen Lichtern I ist auch nicht die geringste Spur gefunden worden. Und da das I Kabinett wieder versiegelt worden ist, hat man abermals dieselbe
Beobachtung gemacht und das Licht hat sich wiederum wie zuvor aezeigt, welches einen ungemeinen Schrecken unter allen Anwesenden bervorgebracht, es sind auch auf Anraten des Leibmedieus alle iveggegangen, und dieser als ein guter .Kabbalist hat zum Voraus ans diesem Phänomen prophezeit, daß die Stunden, welche der König noch zu leben habe, gezählt seien. Dieses ist auch am au bereu Tage Mittags geschehen, unb hat ber König Friedrich Wilhelm l. später Liters hiervon Erwähnung getan. Es wird jedoch auch erzählt, daß, als der Kronprinz zu seinem fterbenben Vater berufen worden sei, um den letzten Segen zu empfangen, habe derselbe sich des kürzesten Weges bedienen wollen, sei deshalb über . den kleinen Schlotzplatz quer hmubergegangen. Es solateu aber sr. König!. Hoheit unterschiedliche Offiziere unb Cavaliere nach, da fiel ihnen ein sonst verschlossener Saal ganz hell in die Augen, so daß es ihnen dünkte, als ob er mit vielen hundert brennenden Lichtern erleuchtet ivar. Hierüber siruste ber Kronprinz, unb fragte die, so bei ihm waien, was solches bedeute und warum so viele Lichter anqesteckt wären. Tie Begleiter des Prinzen sahen allerdings den erleuchteten Saal ebenfalls ganz ivohl, wußten aber nichts mif die an sie getane Frage zu antworten. Ais mm der Kronprinz die Treppe hinaufkam, traf er den Kastellan des Schlosses an imd fragte denselben ebenfalls um die Ursache, warum ber eaol mit so vielen Lichtern erleuchtet sei, allein er bekam zur Antwort. ber Saal sei lest verschlossen unb seit langer Zeit sei fern Licht in denselben gekommen."
* Begreiflich. „Ihr neues Dienstmädchen stottert ja, ist Ihnen das nicht störend?" — „O nein; nur nach doppeltkohlensaurem Natron dürfen wir es nicht schicken, da bleibt es zu lange aus!",
* Unsichere Hand. Student (erstaunt): „Warum stehüß denn heute drei Kerzen auf meinem Nachttisch?" — Wirtin: „Ja, Herr Spund, gestern haben Sie wieder eine ganze Schachtel Streichhölzer verbraucht, ehe Sie die eine Kerze angezündet hatten... da hab'^ich gedacht, wenn drei auf dem Nachttisch stehen, dst werden Sie schon eher eine treffen!"
* Vorsichtig. Er: „So schmolle doch nicht, ich kaufe dir auch einen neuen Hut!" — Sie: „Für wieviel?"
* Abneigung. Kaufmanns gattin: „Was geniert es dich denn, daß llnser Kassierer in seinen Mußestunden ein bißchen! komponiert?" — „Geh' mir ab mit Komponisten! Die wissen niemals eigene Noten und fremde zu unterfcheiden!"
* Ueberras chu n g. Herr Klubbe spielt ein Los in einer! Lotterie. Während der Ziehung erhält er eine Depesche von seinem Kollekteur: „Hurra! Raus mit 20 000!" — Nach einer Stunde entdeckt letzterer, daß, et sich geirrt hat und telegraphiert nochmals: „Aber nicht Sie!"
* Di e Politik des Abgeordneten. „Und was wird Ihr Hauptziel sein, wenn Sie erst im Parlament sitzen?" fragt der Neugierige. — „Dort zu bleiben", erwidert freimütig der Kandidat.
* Lakonisch. „Hat ber Lehmann jetzt wieder eine, '^tcl«. lung?" — „Nee, im Gegenteil, er sitzt!"
Rösselsprung.
Auslösung in nächster Nummer.
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sogst
Auslösung des Silbenrätsels in voriger Nummer;
Tahiti — Kifeufpat — Mabeira — Parabies — Illis — Paranagua;
Tempi passati!
Redaktion: K. Neurath. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'scheu UniversitätS-Vuch- und Steiudruckerei, R. Lange, Gießen,


