Ausgabe 
3.2.1913
 
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Se, dann sollst du deinen Willen haben! Es gibt noch er« Leute als Remsperg."

Wer diese anderen Leute waren und welche Hoffnungen er auf sie setzte, darüber schwieg er und Meta fragte nicht.

Montelli hatte ihr ein Armband mitgebracht und für Monradchen eine Flöte. Das Kind war der einzig. Glück­liche. Aus Wien hatte es eine Geige bekomnien und nun noch die Flöte. f

Den ganzen Tag saß es int Park oder 'draußen auf der blühenden Steppe mitten int Sonnenschein und machte sich mit den. Instrumenten vertraut.

Meta staunte oft 'heimlich, wie gut es ihm gelang, die Töne zu Melodien zu formen. Anfangs waren es bekannte Weisen, später selbst erfundene von seltsamer Art.

So unempfänglich sich Konradchen bei jedem Versuch zeigte, Buchstaben oder Zahlen zu lernen, so sonderbar klar wurde sein Verstand, sobald es sich um Musik handelte. Das Gefühl dafür war ihm tief eingeboren.

Einige Tage itach seiner Rückkehr aus Pest trat Montelli gegen Abend in Metas Zimmer. Es dämmerte schon Und sie saß allein am Fenster.

Er schob sich einen Stuhl neben sie und legte den Artn um ihre Taille.

Meta", begann er und es fiel ihr gleich auf, daß seine Stimme unsicher klang.Ich hätte eine große Bitte an Dich . . . aber nimm ste mir um Gotteswillen nur nicht gleich ivieder übel . . ."

Was ist es denn, Viktor? Wenn ich. sie erfüllen kann, will ich es gerne hin."

Ich brauche Geld. Eine größere Summe sagen wir zehntausend Fl. . . ."

Sie prallte erschrocken zurück.

Viktor! Wie ist das möglich? Wozu brauchst du so viel Geld?"

Mußt du das wirklich wissen? Ich habe eben nicht allzu ängstlich gerechnet . . . nun bin ich! in Schwierigkeiten. Ich brauche das Geld dringend."

O Schulden, hast du gemacht! Schulden!"

Es lag ein solches Entsetzen in ihren Worten, daß er spöttisch auslachte.

Mein Gott, du tust ja gerade so, als wb ich. Dir gesagt hätte: ich habe einen Mord begangen!"

Schulden sind etwas Schreckliches! Ich würde eher hungern, als einen Kreuzer schuldig bleiben! Und was sollen wir nun tun? Du weißt doch, daß ich persönlich über nichts verfüge . . ." i

Wenn du deine Schwiegermutter bitten würdest . . ."

Mama Petermann? Aber, Viktor, du weißt doch, tote ich zu ihr stehe! Sie hat mir meine Vermählung, mit Dir Ute verziehen und seitdem keine Zeile mehr auf meine Briefe erwidert. Außerdem ist sie, tote ich durch Burger weiß, immer krank. Wie könnte ich ihr mit solch einer Bitte kommen !"

Und Konrads Vormund? Könntet du nicht unter irgend einem Vorwand etwas verlangen? Sagen wir, das Kind wäre krank . . . oder er könnte wenigstens einen Teil Deiner Rente im voraus zahlen."

Meta rückte unwillkürlich von ihm weg.

Ich verstehe dich wirklich nicht . . . Das wäre ja Lüge Md Betrug!"

Ach, mit deiner ewigen Kleinlichkeit in solchen Dingen! Mn den Prinzen kann ich mich doch nicht wenden"

Nein, das kannst du unter keiner Bedingung!"

«Und das Geld brauche ich um jeden Preis!"

Er stand auf Md ging einige Mal hin uni> Jjer, sich wiederholt mit der Hand über die feuchte Stirn streichend. Meta zermarterte ihr Hirn nach einem Ausweg.

Da blieb er vor ihr. stehen.

Meta wenn du . . . Du hast so kostbare Diamanten . . . und es wäre nur für kurze Zeit . . ."

Sie erbebte. Soweit war es also schon gekommen. Mas verlangte er von ihr!

Schweigend stand sie auf und öffnete ihren Silber- schrank, in dem sich auch der Schmuck befand.

Sie reichte ihm ihre Kassette.

Da nimm, 'was du brauchst."

Mit zitternden Fingern kramte er darin herum.

Hier, die Perlen, die niemals trägst. . .?"

Nimm sie.' Aber Viktor . . . nicht wahr, es wird.das letzte Mal sein? Du wirst in Zukunft sparen und rechnen? Versprich es mir!"

Seine Unruhe war plötzlich wie weggeblasen. Lachend schloß er sie in die Arme.

Natürlich, mein gestrenger Mentor! Und in längstens vierzehn Tagen lege ich dir deine Perlen wieder zu Füßen!"

Am nächsten Tage fuhr er abermals nach Pest. Ver­stimmt kam er Zurück.

Knapp fünftausend Fl. habe ich darauf bekommen," sagte er zu Meta,ich hielt sie für kostbarer. Könntest du nicht doch an Konrads Vormund schreiben wegen eines Vorschusses?"

Nein, das ist ganz unmöglich."

Er sagte nichts mehr, war aber sehr gereizt gegen Meta an diesem Tage.

Sie war froh, als er endlich zum Derby wieder fort­fuhr.

Am zweiten Tage nach Montellis Abreise erhielt Meta einen ausführlichen Brief Professor Burgers, der sie in nicht geringe Aufregung versetzte.

Mit der alten Fran Petermann schien es langsam zu Ende zu gehen. Sie litt seit vielen Jahren an einem Herzleiden, welches plötzlich rapide Fortschritte machte. Ihre harte, menschenfeindliche Stimmung war in das Gegenteil umgeschlagen. Sie sehnte fidj- nach Menschen und litt unter der selbstgeschaffenen Einsamkeit.

Burger besuchte sie täglich, aber er war auch der ein­zige aus dem Kreise, der noch den Weg zu ihr fand.

Ihm hatte sie auch ihren sehnsüchtigen Wunsch an- vertraut, Meta und das Kind ihres Sohnes noch einmal "zu sehen. Allein natürlich, ohne Montelli. . .

Burger deutete letzteres nur an, aber Meta verstand es ganz gut. Er bat sie zuletzt, ihr Kommen zu beschleu­nigen. Es könnte ja auch noch Monate dauern mit der alten Frau möglicherweise sogar ein Fahr aber das Ende konnte auch ganz plötzlich eintreten.

Meta überlegte.

Was sollte sie tun? Gleich reisen oder warten, bis Montelli vom Derby zurück käme?

(Fortsetzung folgt.)

Abenteuer des Brigadier Gerard.

Von C. Doyle.

Wie der Brigadier in England Triumphe feierfe.;

(Fortsetzung.)

Er ist der Lord George Darre. Wir sind zwei Jah-re verheiratet. Ich brauche Ihnen wohl kaum zu sagen, daß er mich schlecht behandelt hat. Kurz und gut, ich verließ ihn und suchte Zuflucht im Hanse meines Bruders. Bis zum heutigen Tag hat er mich hier in Ruhe gelassen. Ich muß nun unter allen Umständen ein Duell zwischen meinem Mann und meinem Bruder vermeiden. Es ist mir schrecklich, wenn ich daran denke. Deshalb darf Lord Rufton anch von dem heutigen Vorfall nichts erfahren!"

Wenn Sie meine Pistole von seinen Unbilden befreien könnte

Nein, nein, daran ist nicht zu denken. Erinnern Sie sich au Ihr Versprechen, Herr Oberst Gerard, llnd kein Wort in High Combo von dem, dessen Zeuge Sie eben gewesen sind!"

Ihr Gatte! Ich hatte mir eingebildet, sie sei eine junge Witwe. Dieser brutale Kerl mit dem braunen Gesicht und seinem^ Scheren Sie sich zum .Teufel" war der Gatte dieses zarten, sanften Weibchens. Oh, wenn sie mir nur erlauben wollte, sie von dieser häßlichen Last zu befreien! Es gibt keine so rasche und sichere Ehescheidung als die, welche ich ihr hätte arrangieren können. Aber ein Versprechen ist ein Versprechen, und ich hielt es voll Und ganz. Es kam kein Wort über meine Lippen. In einer Woche sollte ich von Plymouth nach St. Malo zurückgeschickt werden, und sch glaubte, den weiteren Verlauf dieser Geschichte nie zu hören. Und doch sollte ich die Fortsetzung erfahren und sogar eine sehr dankbare und ehrenvolle Rolle dabei spielen.-

Drei Tage nach dem Vorfall, den ich eben geschildert habe,' kam Lord Rufton plötzlich in mein Zimmer.gestürzt. Er,sah ganz bleich aus und befand sich offenbar in größter Anfregnng.

Gerard," rief er,haben Sie Frau Daere gesehen?"

Ich hatte sie nach dem Frühstück gesehen, und nun lvar's Mittag.

Um Gottes willen, da ist ein Unglück passiert!" schrie mein mein armer Freund und lief wie wahnsinnig int Zimmer umher. Der Amtsvorsteher war eben hier und hat erzählt, daß er eine Chaise mit einem Paar die Straße nach Tavistock hat hinunter­fahren sehen. Der Schmied hat eine Frau jammern hören, als sie an seiner Werkstatt vorbeigekommen sind. Jane ist ver­schwunden. Bei Gott, ich glaube, dieser elende Daere hat sie ent­führt." Er klingelte !vie toILAuf der Stelle zwei Pferde!" schrie er,.Oberst Gerard, Ihre Pistolen! Jane kehrt heute