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Sie wird von Vögeln gern gegessen. Allmählich trocknet sie ein und fällt ab. Der Efeu ist aber auch in anderer Hinsicht -interessant Der Bolksmund bezeichnet ihn häufig als Mörder; er soll schon oft junge Bäume, an denen er sich emporgereckt hat, erwürgt haben. Ferner soll er gelegentlich alten Mauern gefährlich iverden, indem er sich in die Ritzen einpresse 'und allmählich die Mauer auseinandersprenge. Dies sind wohl Fabeln.
Der Efeu ist für Mauerwerk ein ganz ausgezeichneter Schutz, indem er Regen und Feuchtigkeit von der Mauer fernhält. Auch sür die Wildwirtschaft ist er in vielen Fällen bedeutungsvoll, da er in strengen, schnecreicheir Wintern gelegentlich die Hauptnahrung deS Wildes ist. Der Volksglauben schreibt ihm zn, dass der Schnee nicht auf ihm haften bleibe; er habe eine geheime Wärme in sich, die den Schnee schmelze. Es kommt tatsächlich sehr häufig vor, dass Efcnbüsche sich grün aus einer dichten Schneefläche emporrecken. Aber in vielen Fällen kommt das davon her, das; der Schnee auf den glatten Flächen der Blätter nicht haften kann. In der Volksmedizin und im Volksaberglauben spielt er eine bedeutende Rolle. Wer mit Löffeln, die aus Esenholz geschnitzt sind, ißt, soll von Halskrankheiten verschont bleiben. Efen- beeren und ein Absud von Efeulaub sollen den Menschen innerlich säubern. Wildschweine sollen sich, tvenn sie verwundet sind, durch Efeu heilen und die Bache soll, wenn sie ihre Jungen zur Welt bringt, die Schmerzen durch das Fressen von Efeublätiern zu lindern suchen. Das Gummiharz, das in gelblichen wohlriechenden. Klümpchen gelegentlich aus den Stämmen sickect, ist als Heilmittel gegen innere Krankheiten weit verbreitet. Finnigen Hausschweinen wurde früher eilt Efeukranz um den Hals' gebunden. Er sollte die Krankheit heilen und die Tiere vor Verzauberung schützen. Die alten Griechen haben sich dagegen Eseuzweige zu entern ganz anderen Zweck um den Kops gebunden. Die Pflanze war dem Bacchus geweiht und .wurde bei allen Bacchusfesten ausgiebig Verwendet, weil sie angeblich den Kater vertreiben sollte. Goethe hat dem Efeu den kleinen Vierzeiler gewidmet:
„Efeu und ein zärtlich Gemüt, tieftet sich an und grünt und blüht. Kann es weder Stamm noch Mauer finden. Cs muß verdorren, es muß verschwinden."
Vermischtes.
• Der Rückgang der englischen Gebnrts- ziffern» Aus London wirb berichtet: Die von dem englischen statistischen Amte soeben herausgegebenen UebersichtStafeln über den Bevölkernngsstand des vereinigten Königreiches gipfeln in der melancholischen Feststellung, daß die Geburtenziffern im Jahre 1911 einen vordem noch nie erreichten Tiefstand ausweisen und daß die bisher bearbeiteten Ziffern aus den ersten Monaten des Jahres 1912 die scheinbar unaufhaltsame Tendenz zu einem weiteren Absteigen sehr deutlich erkennen lassen. 1*176 betrug die Geburtenziffer 36,3 von 1000, 1911, dem letzten Jahre, aus dem genaue amtliche Ermittlungen vorliegen, betrug sie 24,4 und die provisorischen Zahlen für 1912 „deuten auf ein weiteres Fallen um 0,6 von 1000 hin." Im engen Zusammenhang damit sicht die immer schärfer hervortretende Verschiebung des Heiratsalters: sowohl die Männer wie auch die Fraueu treten immer spater in den Stand der Ehe, was nach dem amtlichen Berichte das Sinken der Geburtenziffer zur Folge hat. Das Hciratsalter der Frauen ist so sehr gestiegen, daß die Anzahl der Ehefrauen zwischen 20 und 25 Jahren von 13,9 aus 9,4 von 1000 sank, während die Zahl der Ehefrauen zwischen 25 und 35 Jahren von 45,5 auf 46 und die der Ehefrauen zwischen 36 und 45 Jahren sogar von 39,3 aus 44,1 von 1000 emporging. Diese Verschiebung der Eheschließung in ein reiferes Alter wirkt nicht nur unmittelbar auf die Geburtenziffer ein, sondern steigert bei den Eheschließenden auch die Abneigung, elterliche Verantwortung auf sich zu nehmen. Es zeigt sich, daß von 1881—1911 das Verhältnis der Geburtszisfern zu der der ge- burtSsähigen Frauen sich um nicht weniger als 34 Proz. verschlechtert hat. Mit anderen Worten: tvenn die allgemeinen soziologischen Verhältniffe sich in den letzten 13 Jahren nicht in ungünstigem Sinne verändert hätten, hätte sich die Geburtszisser für 1911 auf 1273 698 belaufen müssen; sie. betrug aber nur 843 505.
* Ein neuer Weg zur Identifizierung P o n Verbrech e n. Dttrch die Einführtmg des sogen, daktyloskopischen Verfahrens, der Erforschung der Fingerabdrücke, in die kriminalistische Praxis ist sowohl die Aufdeckung von Verbrechen, als auch die Identifizierung von Personen sehr erleichtert worden, so daß diese Entdeckung einen nicht geringen Fortschritt gegenüber den bisherigen Mitteln bedeutet. Da aber das Bessere stets der Feind des Guten ist, dürste an Stelle der Dactylsokopie, die sich mit den Abdrücken der wellensörmigcn Linien der Fingerbeere begnügt, bald die Poroskopie treten, über die Dr. Locarn in den „Archives d'Anthropologie critn." aussehenerregende Mitteilungen macht. Mit Poroskopie bezeichnet man die Untersuchung der Poren der Schweißdrüsen der Fingerbeere. Attf den Abdrücken finden sich oft mehrere hundert, aber schon ein Dutzend genügt, tun eine sichere Diagnose zu stellen. Die Poren ändern sich im Lause der Jahre nicht an Zahl, ebenso wenig iverden sie durch Veränderungen der Haut
beeinflußt. Dabei sind sie, ivas die Uebersicht und Unterscheidung erleichtert, von verschiedeiter Größe. Um ein klares Bild zu ge- winneit, muß matt die Fingerabdrücke behufs poroskopischer Registrierimg stark, nm das 16- bis 45fache, vergrößern. Dann aber übertreffen sie die dactyloskopischen Ausnahmen beträchtlich, da diese nur dann eimvandssrei sind, wenn ein großer Teil der Fingerkuppe zum Abdruck gelaugt, was bei der Poroskopie nicht nötig ist.
* D i c Liebeserklärung des Trinkers. „Meine angebetete Juliette, mein Leben war eine Wüste, bevor ich Sie kennen lernte. . ." „Ah, so, also darum hatten sie immer jo viel Durst."
Büchertisch.
-1- „Der Greif", die neue Cotta'sche Monatsschrift, hat mit dem 1. Oktober zu erscheinen begonnen, und das vorliegende erste Heft erfüllt in vollem Maße die hohen Erwartungen, die man an ein neues Zeitschriftcn-Unternehmen dieses Verlages zu stellen berechtigt ist. Eine reiche Fülle erlesener Beiträge ist hier vereint. Rach einem kurzen Geleitwort der Herausgeber und des Verlages, das von den Wegen und den Zielen des „Greif" spricht, eröffnen Jugenderinnerungen des Grasen Ferdinand Zeppelin beit Jtetgen. Warmherzig und liebenswert sind diese Ausführungen, m denen der gefeierte und vielleicht volkstümlichste Deutsche unserer Tage von den Jahren feiner Kindheit erzählt, und als eilt Zeugnis schönsten Familienglückes muß der Brief seiner Mutter bezeichnet werden, in dem diese feinsinnige und edle Frau den Kreis der Ihrigen schildert. Es folgt ein Artikel Heinrich Friedjungs, der über den Inhalt des Dreibundes neue wichtige Ausschlüsse gibt. Dieser Beitrag zur politischen Geschichte der neueren Zeit findet ein wertvolles Gegenstück in Reinhold Kosers Ausführungen zur Politik des großen Kurfürsten. Sehr fesselnd und inhaltsreich tst auch der von Professor Ermatinger mitgeteilte Briefwechsel Mischen Gottfried Keller und Georg von Cotta, der interessantes Material zur Kenntnis dieser beiden starken Persönlichkeiten bietet. Joachim zu Putlitz', des Stuttgarter Generalintendanten, gehaltvolle Ausführungen über die Stellung des dramatischen Schriftstellers zum Kinodrama bilden neben Hermann Sudermanns farbenreichen Tagebnchblüttern aus Ceylon den llebergang zu den dichterischen Beiträgen, aus bereit Reihe wir „Balladen" von Borries Freiherrn von Münchhausen, ein Gedicht „Meerfahrt" von Rudolf Herzog und Paul Enderlings knappe und wuchtige Novelle „Die Hunde des Pandolsaccio" nennen. Daneben sind ein reichhaltiges Tagebuch, das zu aktitellen Fragen Stellung nimmt, und ein vielseitiger kritischer Teil zu verzeichnen. — So findet hier jeder Gebildete zu billigem Preise liebes Heft kostet 1 Mk.) wahrhaft gute und dauernd wertvolle Lektüre. Wer geben dem netten „Greis" unsere besten Wünsche mit aus den Weg!
— Das literarische Echo. Halbmonatsschrift für Li- teraturfreuttde (Begründet von Dr. Josef Ettlinger. Herausge- geben von Dr. Ernst Heilborn. Verlag: Egon Fleischet tt. Co., Berlin W. 9). Das 1. Oktoberheft ist soeben mit folgendem Inhalt erschienen: Lon Andreas-Salome: Aus dem Briefwechsel Leo Tolstois. Engelbert Pcrnerstvrser: Bernhard Kellcrinann. Carl MüllerMastatt: Ein Hamburger Roman. Helene Raff: Willielin Hertz. Oskar F. Walzel: Zur Kenntnis W. v. Humboldts. Fedor V. Zobeltitz: Bibliophile Chronik. Echo der Bühnen. Echo der Zeitungen und Zeitschriften. Echo des Auslands. Kurze Anzeigen.- Notizen. Nachrichten. Büchermarkt.
Uönigspromenade.
Man darf die einzelnen Wörter und Silben nur in bet Weise miteinander verbinden, daß man — wie der König auf dem Schachbrett — stets von einem Feld aus auf ein benachbartes übergeht.
Auflösung in nächster Nnmmer.
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Auflösung des RätietS in voriger Nummer: Imttich, Orleans, Hannu, Erfurt, lVaumburg, «l^rai.denz, Hatibor lngolüadt, Neutmeb.
Lohengri n.
Redaktion: K. Neurath. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'fchen Universitäts-Buch- und Steiudruckerei, R, Lange, Gießen,


