Ausgabe 
2.8.1913
 
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Mo nicht ihm danke ich alles/' sagte er schließlich mühsam, -sondern dir?" ...

Ach nein," wehrte sie liebenswürdig, aber mit emer Ironie im Don, die er nicht zn deuten ivufj.teDas war doch gar nichts Ich kaprizierte mich nun einmal darauf, dies Bild zu besitzen. Ich glaube, es war eins deiner besten."

Das hast du gefühlt?" fragte er erstaunt.

War das nicht natürlich?" murmelte sie, ihn fest an-

Er war verwirrt.Ja ich weist nicht. Kurz, ich hätte Nicht gedacht, daß du mich fo gut kenntest."

O, wirklich?"

Ja, wie hätte ich das ahnen sollen?

Das Lächeln um ihre Lippen erlosch. .

Morgen bei Licht führst du mich zu meinem Bilde? fragte er, als man sich trennte.

Ja, morgen." Er achtete nicht auf den seltsam starren Aus­druck, mit dem sie dies sagte.

Dev< andere Morgen war ein Herbstmorgen ohnegleichen. Die klare Lust war wie mit Heiterkeit getränkt. Auf dem Na,en glitzerte der Altweibersommer in der Sonne.

Mer der Maler, der auf der Parkterrasse stand, sah unge­duldig über alles hin. Er wartete nur auf ihren Schritt, «te hatte' ihm versprochen, ihn in wenigen Minuten zu holen, um ihm das Bild zu zeigen. Er haßte sie gar nicht mehw Fruher ja, als er sich geschämt hatte, weil er ihr untreu geworden tvar, da hatte der Hast'in ihm Wurzel gefaßt; aber nun hatte er wir keinen Sinn mehr. Sie war so gut. Sie hatte wohl aUij ötv-- 8'e6Unb wie sie ihn geliebt haben mußte, vielleicht noch liebte! Welcher anderen Frau würde das eingefallen fein, unter fremdem Namen fein Erstlingswerk zu kaufen, aus Liebe zu lernet Kunst und auch gewiß, um ihn tont Künstlerelend zu retten. Und diese stille, edle Zurückhaltung all die ^ahre!

Da war sie.

Gehen wir?" fragte er ungeduldig.

Sie setzte sich in den Korbsessel, der an der Brustnng stand. Erst muß ich noch etwas sagen." Ihr Gesicht war blas; vor zügelte seine Ungeduld:Ich höre."

Was denkst du von mir?" fragte sie unvermittelt.

.Daß daß du sehr edel gehandelt und mich unverdient "Geliebt hast," ergänzte sie.

Ich wagte das nicht zu sagen/ .

''Und du meinst, daß ich deshalb dein Bild kaufen hey? Ja, warum sonst?" fragte er naiv.

Du vergißt Maria Spengler," entgegnete sie schroff.

Nein, aber ich offengestanden, ich sehe nicht den Zu­sammenhang mit meinem Bilde," sagte er kühler.

Er ist demroch sehr nah. Bist du glücklich Mit Maria? Sage mir nur das eine!" .

Aber," seine Stimme verschleierte sich.Maria ist ia ge­storben." , , ., ,, ~ ,

Die Frau ihm gegenüber saß wie gelahmt m ihrem Sessel.

Wußtest du das nicht?" fragte er.Sie starb am Typhus, als wirkurze Zeit verheiratet waren " . .

Ein Zittern flog über ihre Gestalt, und schluchzend sank sie in sich zusammen.

Er stand auf und trat neben sie.

Aber so beruhige dich doch," bat er.

Sie schüttelte nur den Kopf und brach aufs neue in Tranen aus. Ihr Körper bebte.

Er war ganz hilflos.

Soll ich deine Schwester rufen?" fragte er endlich.

Nein, nein," wehrte sie, sich ausrichtend. Sie war plötz­lich ruhig.Ach, was habe ich getan? Das Bild"

Es war so schön ton dir, daß du es erwarbst," sagte er leise.

-Schön? Schön?" stöhnte sie auf.Weißt du denn, was ich getan habe? Du wirst das Bild hier vergebens suchen."

Du hast es am Ende verkauft oder verscheukt?" riet er.

Nein, nein, wenn es nur das wäre! Ach Gott! Aber denke doch, wie ich gelitten habe, als du mit Maria verlobt warst." Sie sah fast furchtsam zu ihm auf.

Eine böse Ahnung beschlich ihn. Die Rührung, die ihn eben noch bei dem unerklärlichen Wandel ihrer Stimmung er­griffen hatte, war schon wieder verflogen.

Das Bild?" fragte er hart.

Ich habe es verbrannt."

So leise sie es gesagt hatte, er hatte es doch gehört. Aber er hatte es noch nicht verstanden.Verbrannt? Verbrannt?" wiederholte er.

Sie nickte.

Da war es ihm, als ginge ihm ein Messer dukchs Gehirn, so furchtbar traf es ihn. Sein Herz tat einen heftigen Schlag, dann setzte es aus und ging ganz langsam, ganz langsam nur noch weiter.

Die Frau, die Terrasse, die Wiese, alles sah er nur noch wie durch Schleier.

Rach einer Weile stand die Frau mühsam auf, und mit namen­los müden Schritten ging sie. Dann verschwand sie in der Tür, die zum Zimmer führte.

Er aber bemerkte es nicht einmal.

Mit keinem Gedanken dachte er an das Schicksal, das sich ihm eben enthüllt hatte: Liebe, Haß, Schuld und Reue.

Er konnte nur das eilte denken: Verbrannt. Das Bild, Intteti all seinen Bildern das geliebteste, verbrannt.

Verbrannt!" Die Räder fangen es ihm noch, als er längst wieder im Zuge saß und Ostheim weit hinter sich gelassen hatte.

Bücherüjch.

Neuerscheinungen der Universal-Biblio- thek. Nr. 5571/72. Bücher der Naturwissenschaft^ heransgegeben von Prof. Dr. Siegmund Günther, 17. Band: Die chemische Verwandtschaft und ihre Beziehungen zu den übrigen Energieformen. Von Dr. Max Speter. Mit 4 Porträttafeln und 6 Wbildungen int Text. Geb. 80. Pfg., zusammen mit Speter, Chemische Grundstoffe" unter dem TitelStoff und Energie im Lichte der Chemie" in 1 Leder- ober Halbpergamentbaub 2 Mk. Nr. 5573. Gespräche mit Graf Leo Tolstoi in ben letzten Jahren seines Lebens u itb Erinnerung e n an ihn. Von N. Gussew unb L. Spiro. Aus gewählt unb in deutscher Uebertragung herausgegeben von Heinrich Siümcke. Mit einem Bildnis Tolstois. Gebunden 60 Pfg. Nr. 5574. A u t o- m ob i l g e s chi ch t e u. Von Michel Corday. Autorisierte Ueber­tragung aus dem Französischen von Clara Hertz. Inhalt,: Um Haaresbreite. Die Milliardäre. Das kleine Heft. Der Bräutigani- Chaüfseur. Der Geschwindigkeitsmesser. Die Karte. , Der Hut. Die Strafe. -Fron-Fron. Ein Konflikt. Eine nächtliche Fahrt. Ein glücklicher 'Automobilunfall. Unversichert. Noctnrno. Der böse Weg. Der kleine Fox. Nr. 5575. Der kalte Schlag und andere Humoresken. Von Teo von Tvrn. Inhalt: Der kalte Schlag. Um einen Schmarrn. Familienzauber. /Der Trostpreis. Der Kometenwein. Altweibersammer. Die einsame Kanone. Luk Staberows Werbung. Das gewisse Etwas. Mr. Brown aus Cincinnati. Peter Klimorek. Frau Tonis Erlebnis. Der letzte Gruß. Der Brummer. Nr. 5576. Pol t e r ab end Scherz lind Ernst. Znm Vortrag und zur Aufführung in Familienkreisen. Fünftes Bändchen. Herausgegeben von Georg Richard Kruse. Inhalt: 6 Vorträge für Kinder. 13 Vorträge für Damen. 8 Vorträge für Herren. 4 Vorträge für zwei Personen. 5 Vorträge für drei Personen und mehr. Das rote Taschentuch. Versspiel in einem Aufzug. Nr. 5577. Erzählungen aus d e in r u s s i s che n B o l ksl eb e n. Von S. Gussiw-Orenburgsky. Uebertragen und eingeleitet von Dr. Balerian Dornins. Inhalt: Vorwort. Ahasver. Mischa. Die letzte Stunde. 'Der blinde Passa­gier. Der Pferdedieb. Nr. 55785580. Für st Bülows Reden. In Auswahl heransgegeben und mit.Einleitungen und verbindender geschichtlicher Darstellung versehen von Wilhelm von Massow. Autorisierte Ausgabe. 3. Band: 19031905. Mit Fürst Bülows Bildnis. Geb. 1 Mk., in Leder mit Goldschnitt ober Halbpergament 1,75 Mk.

humoristisches.

* D e r Enttäuschte. Er:Ach, sprechen Sie mir nicht von Frauen; auch ich habe einst eine Frau angebetet, vergöttert na, unb nun ist sie verheiratet . . ." Sie, teilnehmenb:Armer Freund . . . Mit wem?"Mit mir."

* Resignation. Ein Herr, ber's eilig hat, zu einem andern Herrn, ber bie Telephonzelle besetzt hält:Sie bleiben nun schon eine halbe Stunbe am Fernsprecher, und dabei reden; Sie Tein einziges Wort!" Der Herr am Telephon, gebrochen.^ ,Jich spreche mit meiner Frau."

Logognph.

Ich war eine kleine schlesische Stadt, Dieg" tut innersten Herzen getragen;

Doch als es int" verwandelt sieh hat, Da könnt sieb kein Frommer mehr mit mir vertragen.

Auslösung in nächster Nummer.

Auflösung der Skat-Aufgabe in voriger Nummer: Abkürzunaen: tr Treff, p '1 ique, c = Coeur, cur- dämmt trR Treff-Bube, pA == Pigue-Ast, cD = Coeur-Dame usw. Tas Spiel geht verloren. Vorhand erhielt: trB. carB, trK, cA, carZ, carD, cai-9, carS, car7, tut Skat liegen trD und tr7; Rest für Mittelhand. Gang des Spieles:

1. V. cA M. cK H. eZ 25.

2. V. carZ Al. pD

3. M. IrA H. pA

4. H. pB L. trB

£\ carA 24.

V. trK (+26).

M. trZ - 14.

Sa. 63 Augen

Redaktion: K. Neurath. Rotationsdruck und Verlaa der Brvhl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange. Gießen.